°descriptio°:
Es erscheint jedesmal erstaunlich, was für Tierarten nicht nur das WWW – also die Wälder, Weiden und Wiesen – bevölkern, sondern zudem auch noch die menschlichen Behausungen beanspruchen. Wobei ein Balkon ja keine menschliche Behausung darstellt, sondern einen öffentlichen Raum, den sich der Mensch mit den Tieren zu teilen hat.
Falter wissen das auch und nutzen den witterungsgeschützten Bereich unseres überdachten und mit Kübelpfanzen dekorierten Freisitzes zur Eiablage. Die Eier könnten durchaus woanders abgelegt werden. Am nahe gelegenen Canale Grande oder an der Emscherböschung zum Beispiel. Aber auch Falter scheinen wählerisch zu sein und mögen sich touristischer Unruhe und dem Gestank von menschlichen Fäkalien wohl nur bedingt freiwillig aussetzen.
Aus dem Ei schlüpft dann eine Raupe. Die lebt lange. Länger als ein Falter meist. Und Hunger hat die auch. Ständig. Und damit sie groß und stark und schließlich zu einem schönen Falter wird, bedient sie sich aus offensichtlicher purer Bequemlichkeit am vom Menschen kultivierten Grünzeugs. Zu dessen Ärgernis. Weil die Pflanzen dann nicht nur an- sondern zumeist hoffnungslos aufgefressen werden. Vor allem die, die nicht weglaufen und ohnehin mangels ausreichendem Platzangebots nicht allzu üppig auf dem Balkon drappiert werden können, um das geschundene Auge etwas von der schäbigen Umgebung und von denkwürdig erscheinenden Nachbarn abzulenken.
Die meisten Menschen gehen zum Gegenangriff über und vertreiben oder schlimmstenfalls vernichten dann solche eindringenden Aufdringlinge.
Wohingegen wir die Erscheinung der Raupe noch vor der von ihr angestrebten Pflanzenvernichtung als interessante Beobachtung gewertet haben und sie aufgrund ihrer ziemlich beeindruckenden Größe als willkommenes Motiv zu unserer Trophäensammlunng hinzufügen konnten.
Für so einen Fund hätten wir mit unserem Equickmänt einen beschwerlichen Weg auf uns nehmen müssen. So bekamen wir das Motiv „frei Haus“ geliefert. Bequemer geht’s nicht.
°movere imaginibus°
°ego sententiam°
Die Raupe habe ich nach erfolgreichem Studium dann zugunsten der zarten Balkonpflänzchen an mich genommen und sie in ein passendes Gebüsch am EmscherValleyWay ausgesetzt. Dort findet sie bis zu ihrer Verpuppung noch viel mehr abwechslungsreiche Kost als bei uns. Und so braucht sie auch nicht in die Gefahr laufen, nach der Vernichtung der spärlich gesäten Balkonpflanzen schlußendlich zu verhungern.
Allerdings wurde sie durch die Umsiedelung unmittelbar der natürlichen Gefahr ausgesetzt, von einem hungrigen Vogel entdeckt zu werden.
Man kann es irgendwie auch keinem rechtmachen …
°illustrationen°:













°navigation auxilium°
… man könnte auch Navigationshilfe drauf sagen. Ab hier geht’s irgendwie weiter …





