°descriptio°:
Wir sind heute etwas sehr unvorbereitet und vielleicht auch etwas zu spät losgeeiert, weil das Schatzi gegen 13 Uhr auf die erforschte Idee kam, ein verlassenes Gestüt in GE-Heßler zu besuchen.
Mit „wir“ ist wohl hinlänglich klar, wer gemeint ist, denn das Schatzi ist eigentlich immer vorbereitet, auch wenn’s mal unvorbereitet zur Sache gehen soll.
Das Schatzi hatte bereits über die Sauerbraten-Ställe herausgefunden, dass die Stadt Gelsenkirchen da von Amts wegen den Deckel draufgemacht hat. Wegen Baufälligkeit und so. Und ich dachte immer, mit galoppierenden Klopsen und gestriegelten Bratenstückchen zu hantieren würde ziemlich lukrativ sein. Zumindest müssen die Besitzer der Fleischberge erstmal genügend Knatter mitbringen, um eine Garage für den vierbeinigen Einsitzer zu mieten und den auch bis zur Dosenreife mit Futter aus glücklich freilaufenden Heuballen bei kochbiologisch einwandfreier Laune zu halten. Der Betreiber des Garagenhofs hatte es wohl aus Kostengründen etwas versäumt, die notwendige Instandhaltung vorzunehmen. Aber dieses Schicksal teilen sich mittlerweile genügend alte Kabachel, von denen die offensichtlich durch Erbe verstrahlten Eigentümer der Meinung sind, dass sowas auch ohne weiteres Zutun ewig halten wird und allein die Vermietung ein Selbstläufer beim Gelddrucken ist.
Viel lieber erstmal viel Geld einnehmen und bloss ja nicht niemals kein Geld nicht ausgeben. Das funktioniert auch nur so lange, bis die Bude durch wachsende Unzufriedenheit der zahlenden Gäste dann leersteht. Und wenn die nicht mehr geheizt wird, ist es nicht mehr weit bis zum Verfall. Danach kommt nur noch der Abriss.
Bevor aber das Gestüt dem Erdboden angeglichen wird, wollten wir nochmal Auge machen.
Wir hatten die Rechnung nur nicht mit dem Aufpasser gemacht. Der hatte kurz vorher seinen über die von ihm sorgsam mit kindlicher Handschrift bekritzelten Warnschilder bereits angekündigten blutrünstigen Hauswolf – der sah allerdings aus wie’ne spitzgedackelte Rauhhaarmopsrüdin – auf das Gelände entlassen, damit Fiffi da mal ’n bisschen spielen kann. Aber nicht mit uns.
Wir fühlten uns beim Beobachten beobachtet. Und das ist kein schönes Gefühl. Da wird einem Angst und Bange bei dem Gedanken, dass einem einer bei irgendwas zuguckt.
Ich kann nämlich nicht, wenn einer guckt.
Somit hatte sich die Angelegenheit mit der Pferdestallruine erledigt.
Der Tag war noch jung und was soll man machen, wenn die Sonne noch nicht untergangen ist. Man guckt woanders.
Aber da mussten wir erst mal hin.
Auf dem Hinweg nach woanders durchkreuzten wir erst das Hafengebiet, fanden dort nichts Interessantes (bis auf ein Hinweisschild, dass mit klarer Ansage beschriftet wurde) bis wir am „alten Schlachthof“ den nächsten Boxenstop machten. Die Bude wurde irgendwann mal wieder aufgehübscht und vermietet. Leider haben hier einige gewerbliche Mieter nicht viel Sitzfleisch mitgebracht.
Im Hafengebiet und auf der Industriefläche an der „Berliner Brücke“, die von Gelsenkirchen-Mitte nach Schalke führt (oder umgekehrt …), und in der Umgebung dieser durchquerten Gebiete konnten wir auch zwischendurch Blicke in die Hinterhöfe und Freiflächen erhaschen. Mit dem einzigen Resultat, dass hier der entscheidende Bevölkerungsanteil ausschließlich von Akalazen und anderen teppichfliegenden Talibanbartträgern verdichtet wird. In Schalke möchte ICH nicht tot über’m Zaun hängen. In diesem Stadtviertel hätte ich Schiß, meinen Panzer zu verlassen um mir Tabak an einer vom Kopftuchgeschwader belagerten Bude kaufen zu wollen.
Die Einfahrt zur Industriefläche haben wir auch kurzerhand und mangels Pförtner unbehelligt passiert und befanden uns tatsächlich auf dem Gelände der ehemaligen ruhmreichen „Gutehoffnungshütte“. Ob dort noch Seile und Drähte hergestellt werden ist uns bislang unbekannt. Dass dort aber durchaus noch irgendwas getüddelt wird, ist deutlich erkennbar. Und es ist anzunehmen, dass immer noch Seile dort gezogen werden. Die alte „Feierabendbude“ von 1936 wurde aber mangels Klientel schon lange nicht mehr als solche benutzt. Zuletzt war ein Holzhändler da drin. Der ist aber auch schon lange raus…
°loco°
°ego sententiam°
Ich weiss nicht, wie ich diese Tour einordnen soll. Ich finde partout keine Kategorie-Auszeichnungen für das heutige Rumgehampel auf geschredderten plattgewalzten Industriebrachen und an ehemaligen Sehenswürdigkeiten architektonischer Platzverschwendungskunst. Was diese Rundreise mit „verlassenen Orten“ zu tun haben könnte, kann ich mir nicht noch nicht mal ansatzweise schön- und einreden. Als Anregung für einen späteren gezielten Besuch mag sie ja vielleicht hifreich sein. Da gibt’s aber sicher irgendwo anders interessantere Fleckchen als das heruntergekommene Gelsenkirchen.
Ich freu‘ ich mich gerade irgendwie auf die bald beginnende Käfer- und Wanzensaison …
°illustrationen°:
°navigation auxilium°
… man könnte auch Navigationshilfe drauf sagen. Ab hier geht’s irgendwie weiter …

































