°descriptio°:
Zeche Zollern ist seinerzeit bei ihrer Errichtung schon eine „Vorzeigezeche“ gewesen.
Bei ihren Recherchen nach Trophäen, die wir unseren Sammlungen hinzufügen möchten, fiel des Schatzi’s Blick auf die mehr oder weniger aussagekräftigen Internetzschnipsel der abgebildeten Gebäude. Und weil’s insgesamt so schön aussah, sind wir dann mal dahin. Is‘ ja quasi gleich umme Ecke, nech …
Die – wie damals allseits übliche – menschenunwürdige Förderung der unterirdisch verborgenen Steinkohle war dort von Anbeginn schon am Rande der Rentabilität. Unser geistig ausserordentlich tüchtiger Adolf, der wohlwissend nicht nur Lebensraum sondern vor allem die Rohstoffe im Osten angestrebt hat, ließ nichts aus, um die dafür nötigen Vorbereitungen voranzutreiben. Und das hat Zeche Zollern mit einem sogen. „4-Jahres-Plan“ den Kopf gerettet. Weil damals jeder Kilo einheimischer Kohle dringend gebraucht wurde. Egal wie teuer das letztendlich geworden wäre. Ausserdem gab’s ja dann auch irgendwann kostenlose Zwangsarbeiter. Die haben auch tüchtig reingehauen. Es hätte sich dann irgendwann bezahlt gemacht, wenn alles nach Addis Plan gelaufen wäre. Ja, wenn … *doppelseufz*.
Und weil die Gebäude der Zechenanlage zu Leb- und Regierungszeiten unseres hochverehrten Kaiser Willi hochgezogen wurden, haben sie auch den damals entsprechend repräsentativen Stil erhalten. Zu Recht, weil ja damals noch mit Stolz repräsentiert werden konnte.
Heute guckt man sich das alles ehrfurchtsvoll und auch etwas wehmütig an. Der Baustil erzeugt in einem fast schon Wohlempfinden. Das Auge wandert über die ästhetische aber nicht pompöse Erscheinung und entdeckt überall etwas, das im weitesten Sinne als „schön“ empfunden wird. Und städtische Gebäudefassaden wurden vor mehr als hundert Jahren ja dann auch tatsächlich durchweg mit Rahmen und Türmchen verziert, um dem Gebäude sein ganz persönliches Gesicht zu geben. Sowas ist heute schlicht zu teuer. Deshalb wird neuzeitlich in klaren geraden Linien oder auch schon mal gewagt gekrümmt und ausschließlich mit Glas, Stahl und Beton gebaut. Backstein und Holz sind leider unmodern geworden. Manchmal glaube ich, dass die Architekten der Neuzeit einfach nicht mehr in der Lage sind, gefällig erscheinende Gebäude zu planen. Die Dinger müssen wohl vornehmlich von innen zweckmäßig und außen wind- und wasserdicht sein. Ästhetisches Empfinden ändert sich zudem wohl zwangsläufig mit dem Baumaterial. Das gilt auch für Möbel.
Auf dem Zechengelände sind auf einer großen Freifläche ziemlich lieblos haufenweise Geräte, die Untertage zum Einsatz kamen, ausgestellt. Derjenige, der veranlasst hat, die Dinger da so zu platzieren, sollte solche Aufgaben dann doch besser demjenigen übertragen, der sich damit auskennt und es deshalb einfach besser kann.
’n Kind oder ’n Landschaftsgärtner z. B. hätten es bestimmt auch und noch besser hinbekommen.
An dieser Stelle fing ich an, über die Herkunft der Geräte und Maschinen zu sinnieren: die wurden keinesfalls von den Püttrologen selbst gebaut. Wie auch. In den Schlossereien wurden höchstens mal Wandhaken oder Kettenglieder geklöppelt oder Löcher in Eisenwinkel gebohrt. Die Arbeitsgeräte der Bergleute sind durchweg reine Auftragsarbeiten von hochqualifizierten Unternehmen. Wie alles, was man da so auf’m Pütt findet. Die Kumpels konnten ohnehin nur tief stechen und weit werfen. Mussten das dann aber tatsächlich irgendwann mal auf der Bergberufsschule erlernen. Das nannte sich dann auch Berufsausbildung. Die Anforderungen des zwangsläufig neu entworfenen „Berufs“ sind auch tatsächlich in der Dauerausstellung in der Schwarzkaue neben der Lohnhalle veröffentlicht worden und erzeugen aufgrund der fachlichen Unerheblichkeit bei dem geneigten Betrachter nur ein bedauerndes Kopfschütteln.
Und ich sinnierte dann auch gleich nochmal darüber, was wohl der Antrieb derer war, ins dunkle Loch zu fahren. Entweder waren die mutig oder einfach nur zu doof, was anderes zu machen. Ich war damals nicht mutig und hab deshalb lieber das Tischlerhandwerk erlernt.
Auf dem betriebseigenen Bahngelände sind u. a. auch ausrangierte Loks und Wagons abgestellt worden. Und auch die stehen zusammen in keinerlei Kontext zueinander. Die Verantwortlichen hätten sich auch hier mal vertrauensvoll an Modelleisenbahner wenden sollen. Das sind die, die wirklich um jedes realistische Detail bemüht sind.
Als ich dann die opulente Maschinenhalle betrat, war ich im ersten Moment dann doch ziemlich beeindruckt. Das innere des riesigen Gebäudes wurde sichtlich sehr aufwändig restauriert. Hier wollte man wohl der benachbarten Kokerei-Hansa-Konkurrenz nacheifern. Was aber nicht gelingen konnte, weil die Halle von Zeche Zollern nur noch zum Teil mit Maschinen bestückt und somit gar nicht mehr vollständig war. Allerdings erschloß sich mir hier auch der Grund: die Bude soll für Hochzeiten und so’n Unsinn vermietet werden. Als schicke Location für gut bezahlte Feierlichkeiten. Wer was auf sich hält und das nötige Kleingeld von der Spasskasse bekommt, hochzeitet und walzert und schlemmert also auf kontaminiertem aber dafür festem Boden zwischen ehemaligen Stromgeneratoren und nicht mehr auf so’nem ollen schaukeligen Butterdampfer. Das werden wohl auch die Leute sein, die sich eine der vielen für den Eigenheimbau neu erschlossenen und mit einer 2 Meter dünnen Bauschuttschicht abgedeckten Industriegiftbrachen aussuchen und ihr zwangsläufig nicht zu unterkellerndes Wohnklo drauf stellen lassen, weil das Wohnen im Grünen mit Keller ja nun mittlerweile auch ziemlich weit vom Schuß und nur noch für bestens Betuchte erschwinglich ist.
Zum Schluß dann noch einen Blick in die opulente Lohnhalle und die angrenzenden Räumlichkeiten. Heute würde man dezent „Sozialräume“ drauf sagen. Ich wusste schon sehr wohl, warum ich zu meiner Zeit nicht auf den Pütt wollte. Da konnte mich auch die schon Anfangs hohe Ausbildungsvergütung nicht locken. Für Geld mach‘ ich noch lange nicht alles.
Interessant war in diesem Zusammenhang zu erfahren, dass man als Bergmann um die Jahrhundertwende bis Anfang der 1930er Jahre nur angelernt wurde. Steine kloppen kann also jeder. Und wenn der dabei draufgeht, steht der nächste vor’m Schacht.
Erst mit der Machtübernahme der NSDAP und deren Bestrebungen zur umfänglichen Kontrolle des Volkes ist aus dem sogen. Bergmann auch ein sogen. Beruf geworden. Als ich aber dort in den Archivschaukästen gelesen habe, was der Lehrling lernen musste, um seine Berufsausbildung erfolgreich zu absolvieren, musste ich dann doch bitter lächeln. Die haben hirnlose Hilfsschaffende tatsächlich auch nur deshalb zu einem anerkannten Ausbildungsberuf verholfen, weil es im Zuge der gesellschafltichen Entwicklung nicht mehr angemessen erschien, die Spatenpaulis als Hiwis laufen zu lassen und die dann statt dessen wohlmeinend unter den Schutz der „Knappschaft“ zu stellen. Was ja auch vernünftig ist, weil die in der Vergangenheit unter unfassbaren Bedingungen malocht hatten und dabei vom System fürchterlich ausgebeutet wurden und eben genau DAS geändert werden musste. Aber eine qualifizierte und umfangreiche Berufsausbildung sah schon zu meiner Zeit ganz anders aus. Zumindest bei uns im Handwerk. Als die Zechenbuden dann irgendwann mangels Kohle wieder dicht gemacht worden sind, standen die meisten Püttrologen vor dem Nichts, weil die keiner nehmen wollte. Der Umstand deren Nichtwissens war durchweg in Industrie und Handwerk bekannt und die meisten Jungs konnte und wollte deshalb auch keiner gebrauchen. Da nützen auch dicke Arme und ’n breits Kreuz nix …
°loco°
°ego sententiam°
Es war wirklich interessant für mich, mal einen Blick hinter die stolzen Kulissen des Bergraubbaus zu werfen. Mein bis dahin angehäuftes Halbwissen, dass ich sicherheitshalber auch nur vom Hörensagen hatte, konnte ich damit schon mal ein Stück weit damit auffrischen.
Allerdings bin ich persönlich jetzt aber auch nicht mehr so erpicht darauf, mir noch mehr von dem ollen Zechenscheiß anzutun. Ich verbinde mit dem hier mehr oder weniger achtlos zurückgelassenen und darüberhinaus nuzlosem Gelumpe eigentlich nur befremdlich auf mich wirkende Umstände und Tatsachen. Und ich bin mir immer noch nicht im Klaren darüber, warum hier mittlerweile so’n Hype draus gemacht wird. Das wär ja quasi so, wie als wenn man die Kriegsschauplätze des 2. WK wieder herrichten und nachfolgenden Generationen als Tanzfläche vermieten würde…
Die heimischen Bergraubbauwerke sind mittlerweile mangels Material alle aufgegeben worden. Die in unseren Kraftwerken verbrannte Kohle kommt entweder aus Garzweiler oder der Lausitz oder aus Australien. Die australische Steinkohle kostet anscheinend nichts. Was mir auch lotti ist. Bis auf die Tatsache, dass die kohleverstromenden Brennöfen keine grüne Plakette brauchen, obwohl die die zusammen mit Großraumflugzeugen den meisten Dreck in die Atmosphäre entlassen.
Der Braunkohletagebergbau ist deutlich kostengünstiger: ein kleiner Mann und ein größer Bagger reichen aus, um durchweg ein ganzes Kraftwerk mit braunem Brennstoff zu füttern. Da stimmt die Kosten-Nutzen-Relation. Der Brennwert von Braunkohle ist aber bei weitem nicht so hoch wie der von Steinkohle.
Und wenn dann mal eine alte Stadt, die im Grünen liegt, für den Abbau weichen muss, dann ist es zum Wohl der Allgemeinheit, also namentlich Vattenfall, EON, RWE und andere Stromerzeuger. Die von der Räumung Betroffenen können dann ja auf die alten Industrieflächen ziehen.
So schließt sich hier der – gedankliche – Kreis …
°illustrationen°:
°donatio°
Hier erfährst Du mehr über meine Passion, die ich mit Deiner Hilfe noch besser machen kann.
°navigation auxilium°
… man könnte auch Navigationshilfe drauf sagen. Ab hier geht’s irgendwie weiter …














































































