2018-05-25 – NSG Wollkippe (Deponie Becker) HER GE BO

2018-05-25 – NSG Wollkippe (Deponie Becker) HER GE BO

°descriptio°:

Ich habe die ominöse Thyssen-Halde, die unserem ehrenamtlichen Aufsichtsbereich zugedacht war, auch erstmal übersprungen. Bin also – langsam – dran vorbei gefahren und hatte mich dabei nach genommenem Augenmaß entschlossen, vorab noch ein weiteres Ziel zu erkunden, das ich ebenfalls schon länger in Augenschein nehmen wollte. Und heute schien eine gute Gelegenheit dafür zu sein. Die Thyssen-Halde läuft mir ja schließlich nicht weg.

Ich steuerte beherzt auf eine ehemalige Deponie zu, von der ich nicht wusste, aus wlechem „Material“ die sich wohl zusammensetzt. Die 106 Meter hohe haldenähnliche Aufschüttung war schon länger nicht mehr in ihrem zugedachten Betrieb. Ich hatte seinerzeit, als das Ding noch „bewirtschaftet“ wurde, erst noch den Verdacht gehabt, dass die „Deponie“ entweder zur Endlagerung von Hausmüll angelegt wurde oder ein Relikt aus ehem. Bergbraubbauzeiten sein könnte, wobei – aufgrund der nunmehr ausgeschlossenen Vermutung, dass hier banaler Müll abgelagert wurde – der verursachende Zechenbetrieb von mir nicht zu erforschen war. Das Schatzi hatte dann aber – aufgrund meiner fehlgeschlagenen Recherchen – wie immer mal eben schnell herausgefunden, dass es sich um eine „Schutthalde“ der Firma Heinrich Becker GmbH aus Bottrop handeln würde. Was genau die da abgelagert haben bleibt (noch) ungewiss. Die Vermutung liegt allerdings nahe, dass das, was da abgekipt wurde, nicht alles nur unbednklich zu seiin scheint. Auf jeden Fall ist die schon lange stillgelegte und nicht mehr für ihren eigentlichen Zweck genutzte Halde offiziell nicht zugänglich. Und das wohl auch nicht ohne Grund. Selbstverständich ist der Schutz des Eigentums zu wahren. Auch so ein künstlicher Berg gehört irgendjemandem. In diesem Fall dem ollen Becker aus Bottrop.

Was den Geländeradfahrern und Motocrossbikern offenbar herzlich egal ist: die nutzen (natürlich unerlaubt) die zerfurchte Brachlandschaft auf dem Haldengipfel für ihren persönlichen Spaß. Was mit dem Berg zukünftig noch geschehen wird, bleibt ungewiss. Zumal in der Vergangenheit Überlegungen angestrengt wurden, die die Anwälte des ollen Beckers bedenkenlos zerstreut haben.

Also ist das Betreten des Privtatgrundstücks verständlicherweise verboten.

Aber weil da kein menschliches Wesen wohnt, kann man auch ein solches nicht stören.

Von Bruch des Landfriedens kann auf diesem Berg somit keine Rede sein. Hier geht’s nur um die schöne Aussicht, die einem nicht gewährt wird. Also muss man da für sich dann mal zwei Augen zudrücken und sich möglichst nicht erwischen lassen. Wie immer.

Kaputt machen kann man bei seinem Besuch da auch nichts (mehr).

Also dann mal den Aufstieg wagen…

Nach kurzer Inaugenscheinnahme des mir dort Gebotenen entschloss ich mich, direkt wieder abzusteigen und zur Thyssen-Halde zu eiern. Die lag nur knapp 5 Minuten nördlich.

Ich wollte mich ja ursprünglich dort ausgiebig von der Würdigkeit der uns zugedachten Aufgabe überzeugen. Und hatte das dann auch getan:

  • Japanischer Staudenknöterich soweit das Auge reicht.
  • Ein Berg, dessen Gipfel (in dieser Jahreszeit) unter keinen Umständen zu erreichen ist.
  • Ein Weg, der offiziell in zwei Sackgassen führt.
  • Eine Gasrevisions-Untertageanlage, die irgendwelchen Pennern als Glascontainer dient.
  • Und irgendwo quakende Frösche.

Ich kann nicht behaupten, dass es zu meinen tiefinnersten Wünschen zählt, hier regelmäßig aufzulaufen um dem Knöterich bei seiner ungebremsten Invasion zuzugucken…

Nachtrag

zu Erkenntnissen über die Fima Becker, die unsere Recherchen hervorbrachten:

  • Die SozialeListe im Rat der Stadt Bochum veröffentlichte am 17.03.2006 eine Pressinformation zum Inhalt einer Sitzung der Bezirkvertretung Wattenscheid anlässßlich der Bürgerbedenken zur Fortführung und geplanten Erweiterung der Deponie Becker:

Weiter offene Fragen zur Deponie Becker

In der gestrigen Sitzung der Bezirksvertretung Wattenscheid wurde auch über den Betrieb der Deponie Becker in Wattenscheid-Günnigfeld informiert und diskutiert. Günter Gleising (Soziale Liste) wandte sich in der Debatte dagegen, die Probleme und Belastungen als „subjektives Empfinden der dortigen Anwohner“ darzustellen, vielmehr müssten die Sorgen und Ängste der Bevölkerung Ernst genommen werden, auch wenn die Zuständigkeit, wie mitgeteilt wurde, bei der Bezirksregierung Arnsberg liegt. Vor allem müsse die für 2009 geplante Erweiterung der Deponie verhindert werden. Die Bezirksvertretung beschloss, Vertreter der Bezirksregierung Arnsberg zu einer der nächsten Sitzung einzuladen und zu dem geplanten Genehmigungsverfahren zu befragen.

Quelle: http://www.bo-alternativ.net/soli-17-03-06.htm

 

  • Die WAZ veröffentlichte am 09.03.2010 einen Artikel über die vom Unternehmen Becker betriebene Deponie:

Wattenscheid. „Die Planungen zur weiteren Nutzung der genehmigten Deponie sind hausintern noch nicht abgeschlossen”, erklärt die Gelsenkirchener Rechtsanwaltskanzlei Fiestelmann/Grall im Auftrag der Heinrich Becker GmbH.

Die WAZ hatte kürzlich über die geplante Erweiterung der von Becker betriebenen Deponie in Günnigfeld (Bereich Osterfeld-/Friedhofstraße) berichtet.

Die Anwälte teilen nun mit, dass „nach Eingang aller gutachterlichen Stellungnahmen die Becker GmbH eine Entscheidung zum Inhalt und Umfang der dem Regierungspräsidenten vorzulegenden Anträge treffen wird. Darüber wird dann zu entscheiden sein”.

„Noch vor Abschluss der internen Entscheidungsprozesse öffentlich über fiktive Antragsinhalte zu diskutieren, ist nicht zielführend”, meint Rechtsanwalt Fred Fiestelmann. Von der Bezirksregierung Arnsberg, zuständige Aufsichtsbehörde, sei die Firma Becker noch nicht zum Informationsgespräch eingeladen worden. „Becker wird allerdings von sich aus das Gespräch mit dem Regierungspräsidenten suchen, sobald sich die internen Entscheidungsprozesse hinreichend konkretisiert haben.”

Derzeit sei mit einer endgültigen Planungsentscheidung Beckers nicht zu rechnen, so der Rechtsanwalt, „da zunächst Klarheit über den Erwerb der für die Ortsumgehung erforderlichen Flächen durch die Stadt Bochum zu schaffen sein wird”.

Besorgte Politiker und Anwohner hatten die Befürchtung geäußert, dass im geplanten Deponie-Erweiterungsbereich III Abfall mit höherem Schadstoffpotenzial bis hin zur Deponieklasse III gelagert werden könnte.

Das Thema „Schüttbereich III” war auch Thema in der Bezirksvertretung. Dabei ging es u.a. um die Frage, inwieweit die BV und die Öffentlichkeit an einem eventuellen weiteren Verfahren beteiligt würden. Je nach Ausmaß des Vorhabens auf umweltrelevante Aspekte würde die zuständige Behörde entweder ein Plangenehmigungsverfahren oder im Fall von zu erwartenden nicht geringfügigen Umweltbeeinträchtigungen ein Planfeststellungsverfahren mit Umweltverträglichkeitsprüfung und Öffentlichkeitsbeteiligung einleiten.

Ob das Verfahren zur Inbetriebnahme des Schüttbereichs III in kommunaler Zuständigkeit durchgeführt wird oder in den Zuständigkeitsbereich der Bezirksregierung fällt, kann nach Angaben der Stadtverwaltung erst festgestellt werden, wenn Becker konkrete Angaben zu Art und Umfang der abzulagernden Abfälle macht und daraufhin die Zuordnung zu einer Deponieklasse möglich ist.

Quelle:https://www.waz.de/staedte/wattenscheid/becker-deponie-im-blickpunkt-id3440885.html

 

  • Spiegel Online nennt am 28.11.2011 den Namen des Bottroper „Entsorgungs“-Unternehmens in kriminellen Zusammenhängen auf dem damals noch in Planung befindlichen Landschaftspark Pluto. Damit wird auch das heutige NSG Halde Pluto gemeint sein:

ENTSORGUNG

Bei Nacht zum Schacht

Auf einer Deponie in Herne fanden Ermittler gefährliche Abfälle. Es könnte die erste Spur eines großen Müllskandals sein. Auch die RAG ist betroffen.
Sie sollte ein Symbol werden für das schöne neue Ruhrgebietsversprechen: blühende Landschaften auf altem Industriemüll. Die ehemalige Deponie für Hochofengas-Schlämme des Konzerns ThyssenKrupp in Herne gilt als eines der ehrgeizigsten Projekte im Revier. Das „Landschaftsbauwerk Pluto“ soll hier entstehen, ein 14 Hektar großes Gebiet mit Wegen, Feuchtgebieten und Wäldern.
Doch seit vergangener Woche steht die Halde in Herne wieder für das, was viele seit Jahrzehnten mit dem Revier verbinden: Dreck – und schmutzige Geschäfte.
Die Staatsanwaltschaft Bochum ermittelt gegen Verantwortliche des Bottroper Entsorgungsunternehmens Heinrich Becker wegen des Verdachts auf Betrug und des unerlaubten Umgangs mit gefährlichen Abfällen.
Bald dürften die Ermittlungen noch ausgeweitet werden, denn die Firma war nicht nur in Herne im Einsatz: Auch der Ruhrkonzern RAG ist betroffen, er hat Strafanzeige gestellt. Die Befürchtung der RAG: In stillgelegte Schachtanlagen könnten falsch deklarierte Abfälle gefüllt worden sein. Dem Ruhrgebiet droht ein neuer Müllskandal.
Auslöser für die Ermittlungen waren anonyme Hinweise, die im September 2010 beim Herner Oberbürgermeister Horst Schiereck (SPD) eingingen sowie schon im Juni bei einer Whistleblowing-Hotline. Den Telefondienst hatte ThyssenKrupp für öffentlichkeitsscheue Tippgeber eingerichtet.
Der Konzern hatte Nutzung und Umbau seiner Herner Deponie dem Entsorger Becker übertragen. Tausende Tonnen illegalen Mülls, so der unbekannte Informant, sollen unter Beckers Regie dort verbuddelt worden sein. ThyssenKrupp reagierte aufgeschreckt und veranlasste im August 2010 Probeentnahmen an 27 Stellen.
Gefunden wurde zunächst nichts. Doch die Hinweise fielen immer konkreter aus. Schließlich stießen die Staatsanwälte auf nicht genehmigte Abfälle: Gießerei-Altsande mit möglicherweise problematischen Rückständen und Schrott wie Reifen oder Gartenmöbel.
Die Aufsichtsbehörden rechnen mit Schlimmem. Gutachten sollen nun klären, ob beim unterirdischen Zusammensacken von Abfällen womöglich sogar die angrenzende Autobahn A 42 ins Rutschen geraten könnte, eine der meistbefahrenen Autobahnen der Region.
Anwälte der Firma Becker erklärten, die Standsicherheit sei gewährleistet, es sei nur ungefährlicher und auf keinen Fall giftiger Müll abgeladen worden.
Schon jetzt ist indes klar: Wieder einmal wurde im Müllgeschäft zumindest schlampig gearbeitet. Und die Affäre weitet sich aus. Denn Becker ist ein Großer im Abfallbusiness des Potts.
Regelmäßig wird die Firma für Industrie-Rückbauprojekte eingesetzt. Mancher Klient dürfte die Arbeit der Entsorger nun erneut prüfen. Auch der Bergbaukonzern RAG.
Die Revision des Unternehmens entdeckte kürzlich Unregelmäßigkeiten. So sollen vorgeschriebene Proben bei der Verfüllung von Schächten mit Müll falsch oder unvollständig durchgeführt worden sein – möglicherweise in Absprache zwischen Prüfern und Entsorger. Die RAG stellte Strafanzeige gegen Mitarbeiter der Firma Becker und des Prüfinstituts.
Zwar ist die Dimension des Falls noch unklar, aber beim Konzern „schrillten Alarmglocken“, so ein Sprecher. Prüfer stellten Grenzwert-Überschreitungen bei mindestens einer Chemikalie fest, den polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK), die etwa in Hochöfen anfallen und teilweise als krebserregend gelten.
Die RAG reagierte verstört. ThyssenKrupp zog sogar schon erste Konsequenzen: Der Stahlkocher stoppte vorläufig alle Aufträge an Becker, es geht um jährlich acht bis neun Millionen Euro.
Das Motiv für die komplexen Müllschiebereien könnte ganz simpel gewesen sein, vermuten Fahnder: Problemabfälle sollten billig entsorgt werden. Bei Becker gibt es davon jede Menge. In Sichtweite der Deponie Herne betreibt die Firma die Aufbereitungsanlage Hafen Grimberg. Hier werden Reste aus Müllverbrennungsanlagen und Industrieabfälle verarbeitet. Teuer zu entsorgende Rückstände, so der Verdacht, könnten mit harmloserem Müll vermischt worden sein.
Entsprechende Zeugenaussagen von Mitarbeitern liegen den Ermittlern vor. So gab ein Baggerführer an, in Grimberg seien „falsche Stoffe“ wie Gießerei-Altsande in Lieferungen für die benachbarte Deponie gekippt worden, „getarnt“ durch eine „Deckschicht Rostasche“. Ein Vorarbeiter aus Grimberg sagte, auch beim Befüllen von Schachtanlagen sei getrickst worden. Einmal hätten sogar noch „nachts“ Materialien „ausgetauscht“ werden müssen: Die verbotene Mixtur habe zu stark gestunken. Beckers Anwälte weisen sämtliche Vorwürfe zurück.
Inzwischen hat die Affäre NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) erreicht. Die fürs Bergrecht zuständige Bezirksregierung Arnsberg meldete dem Ministerium, sie fürchte, dass 2009 verdächtige Stoffe in zwei Schächte des stillgelegten Steinkohlebergwerks Lippe gekippt wurden. Die Aufklärung dürfte schwierig werden – der Müllmix ist fest einbetoniert.
Von Andrea Brandt, Frank Dohmen und Barbara Schmid

 

Weil seitdem bis auf die Verwahrlosung der Deponie durch unkontrolliertem Wildwuchs und dem letzmaligen Abkippen von – ? Sand ?  😯 – auf dem Haldengipfel offensichtlich nichts weiter passiert ist und der Becker – anscheinend wohlweislich, um keine schlafenden Hunde zu wecken – immer noch keine Entscheidung zur weiteren Verwendung seines Giftmüllhaufens angekündigt hat, bleibt der Berg sich selbst überlassen. Und es wird wohl im wahrsten Sinne des Wortes damit gerechnet, dass schnell Gras (oder wie in diesem Fall: Japanischer Staudenknöterich) über den Haufen wächst. Denn da, wo’s sichtlich so schön grün wächst, kann’s ja offenkundig gar nicht giftig sein.

Die „Betriebsunterbrechung“ auf der Deponie wird dem Becker mit Sicherheit nicht so viel kosten, wie das in der WAZ angesprochene Genehmigungsverfahren, welches ganz sicher mit für den ollen Becker unangenehmen Untersuchungen einhergeht, die dann den Ist-Bestand des Berginhalts zutage fördern könnten. So wie es seinerzeit auf Pluto auch schon geschehen ist.


°loco°


°ego sententiam°

Natürlich soll Privateigentum vor dem Zugriff anderer geschützt sein. Denn wenn jeder auf diesen einzigartigen Berg klettern würde, wäre der für mich nur noch halb soviel wert.

Bis auf Japanischen Knöterich gibt es hier insoweit nichts Anschauliches zu entdecken. Die Halde ist im unteren Bereich bereits von diesem Drexszeuchs zugewuchert. Wenn der Eigentümer da mal an seine Eigentümerverpflichtung erinnert worden wäre um der Wucherung wirksam Einhalt zu gebieten, wäre der Umgebung sicher auch geholfen. Den Landschaftsbehörden der umliegenden Gemeinden scheinen da wohl die Hände gebunden worden zu sein. Was augenscheinlich mit dem Inhalt des Berges zu tun haben könnte. Denn wenn da was entdeckt werden würde, das da nicht hingehört, dann hätte der Becker und andere maßgeblich Beteiligte (allen voran die korrupten Baubehörden) ’n echtes Thema. Und deshalb wird der Berg wohl auch nicht als Naherholungsgebiet frei gegeben.


°illustrationen°:


°navigation auxilium°

… man könnte auch Navigationshilfe drauf sagen. Ab hier geht’s irgendwie weiter …


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