2018-08-12 – Residenzia – Balkon – Marienkäferlarve

2018-08-12 – Residenzia – Balkon – Marienkäferlarve

°descriptio°:

In den vergangenen Tagen geriet der Aufenthalt hier nicht nur zur Mutprobe, sondern galt definitiv als Zerreißprobe für die Nerven und Nasennebenhöhlen. Der Kloakengestank der vor unserem Haus verlaufenden Emscher wurde durch die Temperaturen „angeheizt“. Die mit den Scheißhausdämpfen geschwängerte Luft waberte wie ein Nebel des Grauens unaufhaltsam knapp über dem Erdboden und drang dabei durch jede noch so kleine Ritze. Fenster offen lassen zum Entlüften der tropischen Innenraumtemperaturen war so zum kläglichen Scheitern verurteilt, weil man sich zusäzlich zur Tropenluft dann auch noch den Gestank von anderen in die Bude holte.

Mit Beruhigung der Wetterlage und deutlich gesunkenen Aussentemperaturen nahmen wir an, dass wir nachts nunmehr wieder ohne Gasmaske schlafen könnten. Und das Schatzi hatte ob dieser frohen Hoffnung die Betten neu bezogen, um die abendliche „frische“ Luft mit dem Duft von frisch gewaschener Bettwäsche zu paaren. Sie mag es, wenn es schön duftet. Ich allerdings auch. In dieser Hoffnung hatte sie gestern Abend das Schlafzimmer geöffnet und die Schlafzimmertür ebenfalls offen gelassen. Gegen 21 Uhr guckten wir uns nur gegenseitig vorwurfsvoll an, weil wir jeweils vom anderen glaubten, dass der ’ne Omma unter’m Arm hat …

Ne. Das war wieder die Emscher, die das Schlafzimmer mit dem Gestank von Scheiße aromatisiert hat. Das Schatzi ist fast durchgedreht.

Und heute Morgen, als der Spuk dann wieder vorbei war, freuten wir uns auf die kühle, wohlriechende Morgenluft auf dem BallKong. Wir hatten aber nicht mit den Nachbarn gerechnet, die gestern vormittag schon das Essen für heute bereitet hatten. Und weil das so’n Spaß macht, wenn’s lecker riecht, können ruhig alle im Haus und auch drüberhinaus dran teilhaben. Die Idioten hatten wahrscheinlich in weiser und mitfühlender Voraussicht ihre Wohnungstür beim Kochen offen gelassen, damit der Gestank durch die Wohnung und dann nach draußen ziehen kann. Allerdings hat sich die üble Wolke, die brechreizerzeugend einfach nur nach saurem Körperschweiss gestunken hat (und deshalb auch kein Mensch weiss, WAS GENAU die da auf’m Herd gekocht haben mögen …), trotz aller verfügbarer geöffneten Flurfenster durch das ganze Haus verteilt. Ich bin durch den Gestank nach draußen zum Abfallsammler gewankt und der faulige Mief der Mülltonne war schon fast wieder ’ne Wohltat in der Nase.

Und heute morgen haben die Arschgeigen ihre Scheiße dann hemmungslos aufgewärmt.

Ich muss wech hier.


°loco°

Wie üblich hier auf’m BallKong. Wer weiss, wie lange noch…


°ego sententiam°

Ich weiss ja nicht, ob Marienkäferlarven riechen können. Wenn sie’s können, erklärt das auch, warum die hier nicht mehr so üppig vorhanden sind. Und denen, die es hier noch zu entdecken gibt, scheint unter diesen vorhandenen Lebensbedingungen genauso unsäglich kodderich zu sein wie uns.

Auch die Erdbeere schafft ihren zweiten Anlauf nicht so wirklich, weil die keine Luft bekommt. Und sie macht den Eindruck, dass sie durch die toxischen Dämpfe, die durch die am Haus vorbeiführende Straße, die Hoppenbruch-Hausmülldeponie, die Emscher-Kloke und den anderen unmenschlicen Gerüchen der Nachbarschaft irgendwie mutiert ist.

Ich trau mich gar nicht, die dann irgendwann mal essen zu wollen. Entweder schmeckt die nach Sprit, Müll, Scheiße oder nach aufgewärmten Schweiss…


°illustrationen°:


°navigation auxilium°

… man könnte auch Navigationshilfe drauf sagen. Ab hier geht’s irgendwie weiter …


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