°descriptio°:
Wenn der Berg nicht zum Propheten kommt, dann muss sich der Prophet mal eben höchstselbst bemühen …
Gesagt, getan.
Hinsichtlich des katastrophalen Instektensterbens, dass wir SO nicht erwartet haben, und der Tatsache, dass wir in diesem Sommer kaum Expeditionen ausserhalb unseres BallKongs stattfinden ließen, haben wir kurz entschlossen die Möglichkeit wahrgenommen, lebende Flattermänner zumindest mal in einem künstlich angelegten „Reservat“ näher zu kommen. Die Beschreibung des Ortes klang sehr vielversprechend, zumal es sich um tropische bzw. subtropische Arten handeln soll, die man sonst und schon gar nicht hier vor der eigenen Haustür zu Gesicht bekommen kann.
Die Wettervorhersage kündigte für diesen Tag noch erträgliche Temperaturen an und so machten wir uns zeitig auf den Weg, um direkt zur Öffnungszeit dort einzufliegen. Wir wussten nicht, was uns erwartet. Uns war aber schon klar, dass wir – aufgrund der Reiseentfernung von 168 km und der Fahrtzeit von 2 Stunden – gerne die gesamte Öffnungszeit von 09:00 Uhr bis 18:00 Uhr vollständig nutzen wollten, wenn es sich denn lohnen würde.
Und auch wenn es sich nicht gelohnt hätte, wären durchaus noch andere interessant wirkende Expeditonsziele in erreichbarer Nähe gewesen, um den Tag an diesem für uns weit entfernten Ort entprechend angenehm und aufschlußreich zu gestalten.
Nach unserer Ankunft war erste Orientierung angesagt. Vom Parkplatz aus nahmen wir Kurs auf das Schloß. Weil sich ja dort der Garten befinden soll. Eine Info-Tafel, die von lauten 2-Klässlern belagert wurde, zeigte uns den tatsächlich nur kurzen Weg zu den im Schloßpark „versteckten“ Gebäuden. Die Schulklasse folgte uns und ich ahnte nichts Gutes …
Durch eine Schleuse erreichten wir den Innenraum der Anlage und mir blieb die Luft weg. Nicht wegen der dort vorherrschenden tropishen Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Sondern wegen der Menge, Größe und Vielfalt der dort rumflatternden Falter.
Sowas habe ich noch nie gesehen: Schmetterlinge, die so groß wie Vögel sind! Und mit einer Farbenpracht gesegnet, die mir das Herz höher schlagen ließ. Meine anfängliche Aufregung über den ersten Eindruck wich aber schnell dem Ärgernis über die Schulklasse, die – nur von einer Begleitperson geführt – sich lärmend und unkontrolliert durch die Anlage wühlte. Mein Genuß wurde dadurch etwas getrübt und ich war froh, dass die Aufsichtsperson selbst gemerkt hat, dass es wohl kaum einen tieferen Sinn macht, die Blagen zu einer aufmerksamen Betrachtung der Exponate zu bewegen. Anstatt sich dem Zauber der großen Falter hinzugeben, knieten die Kröten auf dem staubigen Weg um eine Schildkröte zu streicheln… Ganz großes Kino.
Nachdem die Schulklasse das Haus verlassen hat, um auf dem gegenüberliegenden Spielplatz einer kindgerechten Bewegungstherapie nachzugehen, hatte ich Kontakt mit Gärtner Jürgen aufgenommen. „Bitte kein Blitzlicht verwenden …“ so sorgte er sich um seine Schützlinge, die ihn offenbar gut kannten und sich auf ihm niederließen. Was ich zum Anlass nehmen konnte, für mich mal die Größenverhältnisse deutlich zu machen …
Auch ich habe dann – wie ein 2-Klässler – auf dem staubigen Weg gekniet, um den einen und anderen Falter mal aus der Nähe zu bekommen. Was allerdings nicht der artgerechten Aufenthaltsposition entsprach und es sich dabei vornehmlich um ziemlich „abgeflogene“ Exemplare handelte, die kurz vor Ende ihres kurzen Lebenszyklus standen.
Dafür haben die unter diesen hier geschaffenen Bedingungen durchgehend die Möglichkeit, sich ständig deutlich auffallend vermehren zu können.
Mein Hauptaugenmerk habe ich leider nur auf die flatternden Exemplare aber nicht auf deren Nachwuchs gelegt. Eier und Raupen habe ich nicht gesucht. Wie ich erst später erfahren habe, wäre die spektakuläre Möglichkeit in greifbare Nähe gerückt, den Schlupf der Falter zu beobachten. Die meisten werden in den Vormittagsstunden „geboren“, und das Schauspiel wird in einem speziell dafür hergerichteten Aufzuchtkasten dem interessiert staunenden Besucher präsentiert.
Ich hätte mich – wie immer – vorher doch etwas besser vorbereiten sollen. Man fährt ja nicht jeden Tag da hin …
Über den Besucherweg, vorbei an bunt blühenden tropischen Gewächsen und einem Gewässer mit Kois und Schildkröten und Futterstellen für die „Bananenfalter“, erreichte ich eine Bogenbrücke mit etwas erhöhter Plattform. Wärme steigt nach oben. Und mir zu Kopfe. In Bruchteilen von Minuten ist mir das Wasser aus allen Poren geschossen und ich war komplett durchnässt. Ein Tropenurlaub fällt also schon mal aus der Wertung …
Zwischendurch sind wir dann auch mal raus, um wieder etwas abzukühlen. Mit der Tageskarte kann man so oft wie man will die Anlage verlassen und wieder betreten. Das ist sehr hiflreich für die, die sich interessiert die Zeit zur Erkundung nehmen wollen und dabei auch mal ’ne Atempause brauchen.
Atmen ist übrigens insgesamt wichtig. Bedauerlicherweise gerät das mittlerweile oftmals in Vergessenheit. Vor allem, wenn man sich selbst von hausgemachten trügerischen Rückschlüssen blenden lässt und sich unkontrolliert über ebendiese mit spitzen und situationsbedingt unpassenden persönlichen Bemerkungen äussert, anstatt diese vorher – nach dreimal Durchatmen – einfach mal nur kurz überdenkt um sie dann aufgrund der dann selbst erkannten Absurdität einfach ins geistige Nirvana zu schicken.
Wortlos aber nicht ganz sprachlos habe ich dann gegen 17 Uhr beschlossen, den aufgrund der sinnfrei verursachten Zwistigkeit gestörten Aufenthalt im Garten der Schmetterlinge abzubrechen um das nächste für mich interessant erscheinende Ziel anzusteuern: die Festung Ehrenbreitstein in Koblenz am Deutschen Eck (dort, wo der Main in den Rhein mündet …).
°loco°
°ego sententiam°
Eigentlich wäre dieser Expeditionsausflug von durchweg positiven Erlebnissen und Eindrücken geprägt gewesen. Dass ein zwischendurch und auch nur in aller Kürze geführtes Telefonat, dessen Gegenstand der geplante Umbau einer mehr als 20 Jahre alten Küche dann zu einem – dauerhaft anhaltenden – stimmungsvernichtenden Eklat führen würde, bleibt mir schleierhaft.
Die nachfolgenden Abbildungen der hier gesehenen Schmetterlinge ersetzen keinesfalls die Live-Show, die uns hier geboten wurde. Zumal ich aufgrund der Größe der Falter und der nicht ganz einfachen Lichtbedingungen mit annähernd Offenblende und mindestens ISO 800 zu belichten versuchte. Hässliche Tiefenunschärfen in entscheidenden Bildbereichen und starkes Bildrauschen trüben aber nicht den Genuss des tatsächlich Gesehenen und Erlebten.
Also mal wieder wie gehabt: besser ein verrauschtes Bild als gar kein Bild …
°illustrationen°:
°navigation auxilium°
… man könnte auch Navigationshilfe drauf sagen. Ab hier geht’s irgendwie weiter …
























































































































































