°descriptio°:
Montag ist Schontag.
So sollte es eigentlich sein. Aber bevor man sich schonend schont, müssen erst noch Gedanken sortiert werden. Die sich aus den Vormittagsterminen ergeben haben.
Spochtliche Ertüchtigung fiel erstmal aus. Die Ernüchterung kommt schon von allein.
Um 11:00 Uhr war ich beim Venenklempner. Im EVK auf der Wischerstraße in Herne. Dort, wo ich vor 3 Monaten die erste Untersuchung meiner Haxen hab stattfinden lassen mit dem Ergebnis, dass die Krampfadern an den Unterschenkeln rausgerupft werden müssen. Ansonsten ich demnächst wohl 24/7-Stützstrümpfe tragen müsste.
Damit ich auch für die geplante OP gut aufgestellt bin und den anschließenden Heilungsprozess beschleunigen könnte, hab ich mit der Ertüchtigung meiner desolaten Verfassung begonnen.
Der Erfolg kam gut beim Hilfsdoc an. Der sich aber mehr in seiner Landessprache artikulierte und sich für mich weitgehend unverständlich zu erklären wusste.
So auch heute. Die anberaumte Nachuntersuchung war eine Farce: der Hiwi bemerkte zwar bei äusserlicher Inaugenscheinnahme meiner Unterhaxen zutreffend eine deutliche Reduktion der seinerzeit erheblichen Wassereinschlüsse im ansonsten schwachen Gewebe. Aber die anschließende Ferkelei mit dem Ultraschallknöpel in nur meiner linken Lende zwecks Festsellung des Zustandes der Hauptrückschlagventile ließ ihn zu keiner weiteren Äusserung bewegen. Statt dessen kam nur die im chinesisch-polnisch-türkischen Kauderwelsch vorgetragene Frage: wann operieren?
Ich ließ mir erstmal nochmal erklären, was die wie auf der Schlachtbank überhaupt rausrupfen wollen. Und beim Thema Venenklappen, musste wahrhaftig die Krankeschwester dolmetschen, weil der Pimmel das nicht auf die Kette bekommen hat, in einem deutschen Krankenhaus einem deutschen (Privat)Patienten die Lage und Funktion der Venenklappen zu erklären. Verstanden hab ich nur, dass die die Krampfadern rausreißen. Komplett. Ersatzlos. Und nach der OP eine Woche lang am Bein keine Körperpflege stattfinden darf. Und ab der 4. Woche das rechte Bein dann auf gleiche Weise fällig wäre. In der Zwischenzeit wäre ich „invalide“. Also unfähig, mich großartig tummeln zu können. Im Winter ist das ja eigentlich auch wurscht. Da ist man froh, den Arsch im warmen Zimmer halten zu können. Auf meine Frage, ob man denn nicht gleich beide Haxen schnibbeln köne, kam der Einwand, dass das nicht gemacht werden würde, weil der Patient schon mit einem kaputtigen Bein schlecht zurecht wäre. Und das Fahrgestell komplett lahm zu legen dürfe nicht das Ziel sein. Na gut. Aber vielleicht mehr als 8 Wochen die Scheiße ertragen zu müssen gab mir doch zu denken.
Beiläufig wurde mir auch erklärt, dass es zwar alternative Eingriffsmethoden geben würde (die Krampfadern MÜSSEN behandelt werden), die fachärztliche Fraktion aber hier nur den Abriss beherrscht und damit auch die besten Erfahrungen gemacht habe. Hab ich bereits auf dem Warteflur erleben dürfen: da saßen einige, die nun zum mindestens 6. Mal zur Schlachtbank geführt werden sollen. Die guten Erfahrungen des Schäffquacksalbers beziehen sich also – wie im Mittelalter – auf die Generierung von Umsatz und Gewinn.
Ich hatte trotzdem – also immer noch unwissend, was tatsächlich mit mir passieren wird – pauschal den OP-Termin für den 03.12. (OP-Vorbesprechung) und den 06.12. (1. Gang zur Schlachtbank) vereinbart.
Danach dann zur AXA, um mir die 4 Vertragsangebote zur „Anpassung“ meiner Krankenversicherung erklären zu lassen. Mit dem Ergebnis, dass der Peters sich den Plunder aus Köln zur Brust nimmt und das für mich mal anschaulich zur Entscheidungsfindung überarbeitet.
Hinsichtlich des bevorstehenden OP-Termins wurde mir vom Venenklempner auferlegt, ein aktuelles Blutbild und EKG-Befund vom Hausarzt erstellen zu lassen. Also lag es nahe, dass ich heute auch noch eben ach RE gurken würde. Allerdings wird ja Blut nur morgens bei „nüchternen“ Patienten gezapft.
Also dann nicht. Sondern direkt morgen früh, so war der Gedanke. Und ich holte Brot vom LIDL.
Zuhause das Brot und meinen Tages- und Ereignisbericht abgeliefert. Uns war beiden nicht ganz wohl bei der Sache. Obwohl ich ja gernstens die Sache schnellstmöglich vom Tisch gehabt hätte. Schon allein wegen des jährichen Selbstbehalts von 600 Talern, die bei Verzug im nächsten Jahr entstehen würden. Bei derzeit und auch zukünftig klammer Kasse keine ganz so ideale Aussicht.
Gebuttert haben wir dann tüchtig. Heute mehr wie sonst. Keine Ahnung, warum ich so einen Kohldampf hatte. Nach dem Picken war mir nach einem kurzen Ruhepäuschen auf der Kautsch. Nach 2 Stunden Kurzurlaub nahm sich das Schatzi dann das Mikroskop und ich mir das 55-300 vor. Auf die lange Linse wollte ich unbedingt mal den SIGMA-Ringblitz testen. Und ob das neue Gespann aufgund des tragischen Tods des 300er TAMRON sich mindestens genauso super schlagen würde und mir Bilder zu meiner Freude liefern kann.
Das Esszimmer sieht gerade aus, als hätte ’ne Bombe eingeschlagen. Ich muss da erstmal wieder Klarschiff machen. Sonst gibt’s Ärger.
Als Test-Motiv für meine Trockenübungen dienten mir zwei Tropenfalter, die uns im Garten der Schmetterlinge quasi „zugeflogen“ sind. Natürlich war ihr Lebenszyklus zum Zeitpunkt ihres Auffindens durch uns bereits beendet. Aber wir konnten die doch da nicht einfach so liegen lassen. Also hatte ich die irgenwie aus dem Gebäude geschleust und im Panzer zur vorletzten Ruhe gebettet. Die letzte Ruhestätte fanden die beiden dann hier im Esszimmer. je nach dem, für welchen Einsatz. Zumeist aber als Deko dann auch an verschiedenen Kunstblumen oder anderen passenden Einrichtungsgegenständen.
Andere machen sich die Flattermänner ins üppig gewellte Haupthaar. Hab‘ ich schon mal gesehen …
°loco°
ReSidenzia, zumeist im Esszimer. Aber auch im Wohzimmer spielen sich ähnliche Szenen ab …
°ego sententiam°
Der Tag war geprägt von neuen Erkenntnissen und Entdeckungen. Das Schatzi hatte auf ihrer Mikroskoppirsch das Aquariumwasser wissenschaftlich inspiziert und erstaunliche Entdeckungen machen können. Da kommt noch was auf mich zu, hinsichtlich der Umkonvertierung der unglaublich faszinierenden Bewegtbilder …
Wenn mir jemand gesagt hätte, dass sich sowas im Aquariumwasser zwischen den stoischen Welsen, den Knochenhechtbarberitzen (die nächsten Verwandten dieser unscheinbaren Killer sind die Piranhas) und den Kamikaze-Garnelen tummeln würde, hätte ich den Schwätzer entweder doof angeglotzt oder das Aquarium direkt wieder verschenkt.
°illustrationen°:
°navigation auxilium°
… man könnte auch Navigationshilfe drauf sagen. Ab hier geht’s irgendwie weiter …












