2019-02-16 – NSG Klöppersberg Castrop-Rauxel

2019-02-16 – NSG Klöppersberg Castrop-Rauxel

°descriptio°:

Der EmscherValleyWay gibt’s derzeit nicht so wirklich her. Der ist ja für uns eigentlich auch mehr so’ne Notnagel-Kulturlandschaft und kein ausgesprochenes NaturSuchGebiet. Für den geruchsentspannten Normalbesucher und dem aufdringlich versiert auftretenden  Pedalritter erscheint die deutlich aufgeräumte und akribisch durchgefegte Gegend an der seit mehr als 100 Jahren offen dahin dümpelnden Hauptkloake der Republik in unmittelbarer Nähe zum Rhein-Herne-Kanal, dem ehemals einzig sinnvollen Transportweg von Materialmassen und nun fast nur noch von Freizeitkapitänen und anderen besoffenen Verhaltenskreativen gequälten Wasserstraße, verständlicherweise als angenehm. Hier macht man sich beim entspannten Begaffungsgang nicht schnutzig und der eigene Anblick wird nicht durch irgendwelche Moderhaufen getrübt. Hundekackhaufen genießen aber demnach bei den selbsternannten Zivilisierten offensichtlich doch einen gänzlich höheren Stellenwert beim wohlwollenden Spaziergangsgenuss. Die müssen an sowas Spaß haben. Sonst würden die Scheißhaufen hier nicht liegen gelassen werden.

Unnachgiebiger menschlicher Einfluss, also sinnbefreites blindwütiges Wirken, lassen dem Wildwuchs bewusst und nachhaltig kaum eine reelle Chance. Zumindest für die derzeit angesagten Pilz- und Rindenmotive ist das deshalb ein denkbar unergiebiger Suchort, weil die hier keine nennenswerte Lebensgrundlage vorfinden können. Man könnte den Ist-Zustand hier – wie vielerorts auch – schon fast als lebensfeindlich bezeichnen. Ich glaube auch fast, dass zudem Pilze und Flechten den Gestank der Emscher meiden und sich schon seit mehr als 60 Jahren hier nicht freiwillig ansiedeln wollen.

Wir haben uns deshalb aufgemacht, um heute alternativ dem Klöppersberg etwas in der von uns gewünschten Richtung abzugewinnen. Die Gegend ist zwar weitestgehend auch nur als familienfreundliches Naherholungsgebiet konzipiert und unterliegt nicht überall und unbedingt dem Grundgedanken eines Naturschutzgebietes, aber da wird nicht so vehement umtriebig dem allgegenwärtigen Aufräumwahn nachgegangen. Sonst würden auch hier nicht so viele Hundescheißhaufen den Weg und die Botanik mit ihrem unnachahmlichen Duft nach halbverdautem Frolic verpesten. Von daher sollte man, wenn einen kein triftiger Grund wie z. B. ein vom Scheißgefühl geplagter Hund treibt, den Aufenthalt in der wärmeren Jahreszeit hier besser wohl doch eher meiden.

Ich finde einfach nicht die richtigen Motive. Oder besser: WENN ich denn mal selbst gefindet habe (oder gefindet haben lasse) kann ich die nicht in Szene setzen. Mir fehlt da wohl was in meinen Genen.

Wegen meiner persönlichen Unzulänglichkeit, die ich mit Pilzen und verfaulendem Holz austrage, habe ich mich dann ersatzweise auf Vogelsuche begeben, um nicht im Frust zu ersaufen und meine Knipserlaune nicht anzukratzen. Weil aber auch – bis auf einen Kleiber – die Federfraktion nicht wirklich exhibitionistisch veranlagt ist, hatte ich dann hoffnungsvoll nur so auf doof rumexperimentiert. Experimente erzeugen aber kein finales Ergebnis und bleiben nunmal Experimente.

Und während das Schatzi sich hingebungsvoll mit den äusserst dekorativen  Überraschungen eines Totholzhaufens beschäftigt hatte, hat ein Zitronenfalter ganz in meiner erreichbaren Nähe eine für seine Art äusserst seltene Flugpause eingelegt.


°loco°


°ego sententiam°

Ich stelle mir gerade die aufdringliche Frage, wie lange und wie oft ich noch experimentieren muss, um zu ansehnlichen Ergebnissen zu kommen, deren Essenz dann auch mal einen Einzug in die diesjährige Hall-of-Fame rechtfertigen.

 

°supplementum°

Ne. Ich werde hier mal nix mehr nachträglich hinzufügen. Sondern geduldig abwarten, was mir die kommende Saison bescheren möge …


°illustrationen°:


°navigation auxilium°

… man könnte auch Navigationshilfe drauf sagen. Ab hier geht’s irgendwie weiter …


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