°descriptio°:
Die Blutergüsse in den Beinen machen sich deutlich bemerkbar. Tapfer sein ist die Devise. Das wird schon wieder. Sowas braucht seine Zeit. Wobei ich fast schon wieder bedauere, dass ich die OP habe machen lassen. Der Eingriff selber war ja wohl ein Klacks gegen die Folgen, die der gerade mit sich bringt. Aber was soll’s. Bewegung wurde mir verordnet und ich halte mich tapfer dran. Das Auto bleibt also erstmal stehen und wir machten es zu Fuß. Das spart auch Sprit. Und somit ist es schon wieder vorteilhaft, dass wir in unmittelbar fußläufig erreichbarer Nähe eines designierten Naherholungsgebiets – sofern man die Emscher und ihre angrenzenden Fahrradwege als solches bezeichnen kann – unser Domizil eingerichtet haben. Was ich zwischendurch allerdings auch bedauere.
Vormittags hatte sich das Rotkehlchen sein Frühstück auf dem Balkon abgeholt. Der kleine Ötschel ist scheinbar (noch) solo und muss sich auch erstmal für die kommende Saison eine passende Balzfigur anmampfen. Wir gehen schwer davon aus, dass es genau DAS Rotkehlchen ist, das neulich unter lautem Gepolter mit der Wohnzimmerfensterscheibe kollidiert und bewusstlos mit einer uneleganten Bauchlandung unter den Tisch auf die Balkonfliesen gefallen ist. Das Schatzi hatte sich erschrocken direkt dem kraftlosen Bruchpiloten angenommen und ihm was zur Stärkung der Flugmuskulatur angeboten. Nachdem der kleine und abgemagerte Pimpf dann wieder halbwegs aus seinem Koma erwachte nahm er die Gabe auch direkt an. Und merkte sich die Futterstelle. Die Absturzstelle hat der sich bestimmt auch gemerkt.
Ich geh mal davon aus, dass er bei seiner Navigation die vom ungünstigen Sonnenstand erzeugte Spiegelung der Scheibe unter dem von ihm gewählten Anflugwinkel als unendlich eingeschätzt hatte und deshalb schräg aus einem spitzen Winkel kommend daran aufgeprallt bzw. abgeglitscht ist. Ein Frontalaufprall hätte dem Lütti garantiert das Genick gebrochen.
Und wie heisst es so schön wenn eine Katastrophe gemeldet wird, deren Wirkung zur Beruhigung der Bevölkerung eine abgeschwächte Darstellung erhält: zum Zeitpunkt des Unglücks bestand zu keiner Zeit eine bedrohliche Gefahr für die Beteiligten.
Der erst nach dem Mittag betretene Weg führte uns zur „Kaninchenwiese“ am Friedhof. Hier hatten wir seinerzeit erstmalig Kontakt mit einem brütenden Grünspecht. Vielleicht ließ sich heute dort noch irgendwas finden, was wir in unsere Trophäensammlung aufnehmen konnten. Allerdings waren Trophäen gerade aus. Bis auf die verkohlten Überreste menschlicher Verhaltenskreativität gab es nicht wirklich etwas, was das Sammlerherz höher schlagen ließ.
Weil ich in meiner Handlungsfreiheit deutlich eingeschränkt war aber trotzdem tapfer auf der Suche nach was Brauchbarem mit meinem noch weitgehend ungetrübten Blick die Botanik durchkämmte, entdeckte ich zur allgemeinen Erheiterung Baustoffe für eine bequeme Sitzgelegenheit. Unser Gestühl hatten wir aus Gewichtsgründen heute mal zu hause gelassen. Die von mir mit ein paar rumliegenden Kalksandsteinen und einem Bohlenbrett errichtete Sitzbank hatten wir dann zur zentralen Komfortzone und vor allem für mich und meine geschundenen Beine als wohlgefällig erachtet.
Noch lange vor Sonnenuntergang – der zu dieser Jahreszeit immer noch rechtzeitig kurz nach dem Mittagessen einsetzt – haben wir die Bank wieder abgebaut und im Dickicht vor unbefugtem Zugriff verborgen und den Ort der langen Weile verlassen um uns wieder auf den Heimweg zu begeben.
Trophäen hatten wir nur dürftig einsammeln können.
Dafür hatten wir aber vorher schon gegessen…
°loco°
°ego sententiam°
Der Weg ist das Ziel. In diesem Fall ist es die zur erfolgreichen Genesung erforderliche Bewegung, die mich treibt. Da spielen die Trophäen zunächst nur eine deutlich untergeordnete Rolle. Und aufgrund meiner „Behinderung“ (Bodennahe Aufnahmen sind – wenn überhaupt – nur unter erheblichen Einschränkungen realisierbar) muss ich sowieso erstmal nur im Standgas rumeiern.
°supplementum°
Wollen mal sehen, was wird werden …
°illustrationen°:
°navigation auxilium°
… man könnte auch Navigationshilfe drauf sagen. Ab hier geht’s irgendwie weiter …



































