°descriptio°:
Heute mal stressfrei pünktlich zur Einladung erschienen. Und kam auch direkt dran, ohne diesmal lange warten zu müssen. Das hebt die Stimmung und macht die Gesamtsituation schon wieder etwas erträglicher.
Die Sprechstundenhilfe bat mich um das übliche Prozedre: Schuhe, Strümpfe und Beinkleider ablegen und dann auf den Thron klettern. Dann die Befragung, ob’s denn schon wieder schön sei mit den Stelzen oder ob ich noch was Auffälliges zu berichten hätte, was wichtig sein könnte. Ich verwies auf die Schwellungen am Knöchelgelenk und auf die gelbgrünblaue Färbung, die ich als Laie als nicht sehr vorteilhaft für den Genesungsprozess ansehe. Ob ich die Besenreiser meinen würde, fragte sie, sah dann aber selbst was gemeint war und nahm wieder dieses eklige Flutschi, mit dem ich beim Küchenbauen die Siphonrohre einbalsamiert hatte um die leichter zusammen stecken zu können. Hier wird die Plempe einem als hochwertiges Kosmetikprodukt verkauft und auf die Haut geschmiert, sodass man direkt nach der Untersuchung wieder duschen gehen kann. Mit dem Ultraschalldings für Schwangere machte sie dann erst von oben nach unten am rechten Bein rum und erklärte dabei, dass da alles tutti ist. Nur im Unterschenkel, genau da, wo ich direkt am Tag nach der OP die erste Verödung verpasst bekommen hatte, da kann man noch Reste des Blutergusses erkennen. Und spüren, fügte ich hinzu. Die Aussenseite des Unterschenkels ist allerdings völlig berührungsunempfindlich – die fühlt sich quasi tot an. Tja, meinte sie, entweder geht das irgendwann wech oder das bleibt so.
Ahja. Nur gut, dass das am Bein ist. Da is‘ das ja nich‘ ganz so wichtig und da merkt das keiner. Woanders wäre schon schlimmer. Ich zeigte ihr meine linke Hand und deutete auf den Schnitt unter dem Zeigefinger, der sich nach 40 Jahren immer noch taub anfühlt.
Das linke Bein hatte sie nur am Unterschenkel gemessen. Das sieht ja auch wesentlich besser aus. Ich machte sie drauf aufmerksam und sie meinte darauf, wenn ich das gerne auch untersucht haben wollte solle ich nur einen Ton sagen. Sie würde das dann wohl auch machen. Och, wenn das nicht unbedingt sein muss weil die Stelze unten takko ist, dann lassense das mal (ich hätt’s machen lassen können, aber ich finde dieses Gleitmittel so eklig).
Sie verließ den Saal und ich musste warten. Dann öffnete sich die Tür und mit einem freundlich-schwulen „Guten Tag“ stand ein Arzt vor mir und reichte mir die Hand zur Begrüßung. In mir spielte mein Kopfkino ’ne fürchterliche Wiederholung ab und mein sich daraus entwickelter Schraubzwingen-Händedruck hätte die Schwuchtel fast lahmgelegt, seine Mittelhandknochen haben schon geknackt. Er hat sich aber nichts anmerken lassen. Entweder kennt der das, oder der steht auf sowas. Er nahm am Schreibtisch Platz und stellte ohne hin zu gucken fest, dass ich ein tiefliegendes Blutgerinsel habe und fragte, ob ich denn wohl schon operiert worden sei.
Jasija! Deswegen bin ich ja zur Nachuntersuchung hier. Und erklärte nochmal so ziemlich alles haarklein, damit der das gerade mal nicht mühsam nachlesen braucht. Und das noch sichtbare Blutdings in meinem Bein ist genau an der Stelle, wo mir damals am Tag nach der OP der Bauschaum reingespritzt wurde, um die bei der OP vergessenen Restschläuche auch noch zu terminieren.
Er kam zum Thron und machte mit dem Ultraschalldings den gleichen Quatsch wie die Schwester. Mit dem gleichen Ergebnis. Sehr beruhigend, dass in der Zwischenzeit alles beim Alten geblieben ist. Ich bekam die Aufforderung, mich mal lang zu machen und die Innenseite des rechten Unterschenkels für ihn bearbeitbar hin zu halten. Er fragte mich, ob ich den Namen der Ärztin wüsste, die mir den Schaum gespritzt hat. Ich verneinte. Er beschrieb die dann. Eine mit längeren braunen Haaren? Ne, sach ich. Ich kann mich an die Leute hier gar nicht erinnern. Ich hatte an dem Tag genug mit meinem Darm zu tun. Da hatte ich für das Erfassen von bestimmten Personenmerkmalen gar keine Muße.
Seine mit einem mir nicht verborgen gebliebenen Unterton gestellte Frage zielte also darauf ab, eine Person zu indentifizieren, die anscheinend wohl schon mal aufgefallen ist. So soll er doch in die Akte gucken. Da müsste das doch drin stehen. Das zu sagen ist mir aber in dem Moment gar nicht eingefallen. Ich hab nur gemerkt, dass ich ein Opfer einer Dilettantin geworden bin. Mehr als 3 Wochen hab ich mich richtig gequält. Vielleicht hätte das gar nicht sein müssen, wenn die Trine mir den Schaum richtig verpasst hätte. Der schwule Doc hatte dann wohl auch gemerkt, dass er sich ’n Tacken zu weit aus dem Fenster lehnen und dabei schlafende Hunde wecken würde, wenn er sein Thema mit mir weiter erörtert.
Statt dessen lenkte er geschickt ab und bemerkte beiläufig, dass ich Spritzen ja wohl nich‘ so gut abhaben kann. Er hat’s gelesen, der Wichser. Und rammt mir ’n C-Rohr an sechs Stellen in den Unterschenkel. Ich hab gesehen, wie der gegrinst hat. Das ist die Retourkutsche für meinen Händedruck, dachte ich, als der so lustig auf mich einstach. Doch weit gefehlt. Es kam noch dicker. Jetzt war er nämlich dran mit Drücken. Und er drückte mit seinen beiden Händen an den Einschußlöchern rum, die er mir mit dem Foltergerät verpasst hat. Ich hab gesehen, wie tief der die fette Nadel in mein Bein gesteckt hat. Die Nadel war fett: ich konnte aus eineinhalb Metern Entfernung das Loch in der Nadel und die Nadelspitze ganz deutlich erkennen und seh wohl beurteilen, wei fett die war. Die hat richtige Löcher in mein Bein gemacht. Und er hat immer schön im Wechsel mal hier gedrückt, mal da gedrückt, als wolle der mir mehr als nur dickflüssiges, gammliges und schon fast schwarzes Blut da raus drücken. Der hat das genossen was er da tat, das hab ich gesehen.
Auf die Notwendigkeit seiner Aktion befragt erklärte er, dass die Scheiße angeblich auch drinnen hätte bleiben können. Der Körper baut sowas selbst ab. Dauert nur ’ne ganze Weile. Und belastet ja auch nur unnötig. Ausserdem sei bei mir eine ungewöhnlich hohe Menge angefallen, die er deshalb vorsichtshalber rausgequetscht hat. Ich stellte besser keine Fragen mehr. Die Sache war für mich klar. Da hat irgendwer was verpfuscht. Ich hab von KEINEM gehört, der nach der OP so’ne Scheiße mitmachen musste. Und ich bin NICHT empfindlich oder wehleidig, wenn’s um sowas geht. Bei Schnupfen sieht das anders aus …
Als der fertig war kam die Sprechstundenhilfe und legte mir ’n Verband an. Wäre ja auch zu doof, wenn das schmierige-ölige Zeug durch die riesigen Löcher aus meiner Haut in meine Schuhe läuft.
Ich bekam auch die Verordnung:
- das Blutverdünnungszeugs mit sofortiger Wirkung absetzen
- meine Gummischläuche weiterhin tapfer unter den Beinkleider tragen.
Wir sehen uns wieder am 06.05.
°loco°
°ego sententiam°
Ich fühle mich gerade irgendwie etwas verarscht. Schon klar, dass der Doc sich nicht darüber auskotzt, ob da was bei mir schief gelaufen sein könnte. Das allerdings würde ja dann auf die gesamte Klinik zurückfallen. Die werden die Sache garantiert intern regeln und die Trine, die das zu verantworten hat, erstmal beurlauben oder so. Was weiß ich. In Amiland wäre ich mit Hilfe eines gierigen Anwalts jetzt finanziell schon wieder ein gutes Stück weiter …
Die Scheißschmerzen der vergangenen Wochen sind jetzt auch Historie. Bis auf kleinere Zipperlein, die sich hin und wieder mal bemerkbar machen. Ist aber nix, worüber man sich Gedanken machen müsste.
Hätte aber wahrscheinlich alles nicht sein brauchen. Ich war wohl genau der statistische 7. von dem man sagt, dass er Komplikationen bekommen würde. Worin die Ursachen liegen, wird mir natürlich nicht gesteckt. Die versuchen jetzt nur noch zu retten, was zu retten ist. Vor allem sich selbst.
°supplementum°
Kein Nachtrag erforderlich. Am 06.05. folgt die Fortsetzung Teil 3.
°illustrationen°:
Ich hätte die Folter ja zugerne mit der Händiebimmelknipse heimlich fotografiert. Aber das Händie muss man im Krankenhaus ja aussschalten.
°navigation auxilium°
… man könnte auch Navigationshilfe drauf sagen. Ab hier geht’s irgendwie weiter …





