°descriptio°:
Der frühmorgendliche Blick auf die Wettervorhersage war vielversprechend: kalt, aber kein Regen, im Verlauf des Vormittags sollte es dann auch mit durchwachsener Bewölkung zu einem passenden Expeditionswetter werden.
Die prophezeiten Aussichten stimmten mich wohlgesonnen und mir fiel spontan ein Ziel ein, das ich seinerzeit nicht weiter beachtet hatte, weil ich mich dort eher mit Insekten und so beschäftigen wollte.
Das NSG Dellwiger Bach
liegt in Dortmund in der Nähe der Zeche Zollern. Nette Gegend ist das. Was auch Hundehalter und andere Schwachmaten sehr wohl zu schätzen wissen, úm sich naturnah aufzuhalten, solange die noch da ist, die Natur. Was aber auch nicht mehr lange dauern wird, bis die auch weg ist, weil die Pappnasen nicht schlau werden und ihre Köter trotz aller Warnungen, Hinweise und Verbote frei rumlaufen lassen. Mit der Begründung, dass der Hund ja auch Natur sei, und frei laufen zur artgerechten Haltung zähle, die im Tierschutzgesetz verankert ist.
Der Tierschutz eines im urban hoffnungslos überbesiedelten Gebiets als überflüssig zu wertenden Hausbewohners steht also vor dem Naturschutz, so die Aussage der selbsternannten Rechteinhaber, die ’n Scheiß drum geben, was mit den Tieren ist, die nicht von Hirnamputierten mit Frolic vollgestopft werden, sondern zwangsläufig und naturüblich selbst auf Nahrungssuche gehen müssen …
So ähnlich verhält sich das ja auch mit den Umweltschützern. Weil der Veganer kein Fleisch frisst und deshalb einen verminderten CO2 Ausstoß verursacht, fliegt der nach New York um dort schick zu shoppen und hat deshalb ein gutes Gewissen.
Da wurde neulich in diesem Zusammenhang von irgend so’ner bescheuerten veganen Journalistentussi gefordert, dass die Leute z. B. auf Bahnfahrten und Flugzeugflüge verzichten sollen, um den CO2 Ausstoß zu verringern. Man habe angeblich Berechnungen durchgeführt, die den Spareffekt belegen wollen.
Ist die Olle und sind die Rechenkünstler nur noch bekloppt?
Die Züge fahren und die Flugzeuge fliegen doch trotzdem.
Und wenn ich da nicht einsteige, verballern die trotzdem die gleiche Menge CO2 wie als wenn ich drinsitze. Was für einen hirnverbrannten Quark die Umweltheinis uns erzählen wollen. Unfassbar !!
Vor 400 Jahren hat sich noch keiner Gedanken um so einen Quatsch gemacht. Und vor 100 Jahren hat man fleissig Steinkohle verbrannt, um ’nen warmen Arsch und aus Eisenerz Stahl zu bekommen. Vor 50 Jahren war hier im Ruhrgebiet noch richtig dicke Luft.
Und weil die Schwerindustrie jetzt hier raus ist, weil die verantwortlichen geldgierigen Drahtzieher unsere Mutter Erde und die Menschen hier hoffnungslos ausgebeutet und insgesamt eigentlich nur eine Spur der Vernichtung hinterlassen haben, ist die Region direkt danach auch ausgeblutet. Mit dem Ergebnis, dass wir hier nicht nur fragwürdiges Museum mit irgendwelchem nutzlosen Industrie- und Bergraubbauschrott sondern nunmehr mit die ärmste Region der Republik sind. Da ändert auch die Beobachtung nichts dran, dass es hier durchaus Gegenden gibt, in denen irgendwelche Reichschweine Angst davor haben, dass man ihnen über den Zaun auf den dekadenten englischen Rasen spucken könnte.
Da hat es sich seinerzeit in Wasserschlössern sicher angenehmer leben lassen. Wenn man die nötige Knatter hatte. Oder sich ein Mädel aus der gräflichen Nachbarschaft gegriffen hat, um sich mit einer meist ungewollten Eheschließung den Besitz ihrer Familie auch noch einzuverleiben. Im Mittelalter hat man als Adliger also mit seiner Abstammung und seinem Erbe und dem Eigentum anderer spekuliert. Und vor allem am liebsten andere für sich arbeiten lassen. Im Namen des Herrn womoglich.
Das Haus Dellwig
ist also auch so ein Zeugnis der alten Geschichte und der alten Gebräuche. Weil die Bude als historisch wertvoll gilt (wahrscheinlich wegen der dicken Mauern, die aber für die Abwehr von Fliegerbomben nicht konzipiert wurden), wird sie auch mit öffentlichen Mitteln erhalten und betüddelt. Als Privatheinz kommt man da aber trotzdem nicht rein. Der Bunker ist an einen Bauern verpachtet, der seinen Hof daneben betreibt.
Ein mit öffentlichen Mitteln finanziertes Denkmal wird also von einer Privatperson bewohnt. Wahrscheinlich ist die Pacht dermaßen hoch, dass sich nur ein Bauer sowas leisten kann, Und dann machen auch keine Heerscharen von schlitzäugigen oder mit Badeschlappen anrollenden Touris nicht den Kabachel unicher und zertreten die hübsche Brücke. Hat also alles seinen Sinn ..
Ich hab mir die Bude dann mal im Morgengrau mal näher angesehen. Eigentlich war es nicht nur kalt sondern auch immer noch etwas zu dunkel für meine Empfinden. Für die erte Inaugenschiennahme sollte das aber reichen. Erst inspizierte ich den Innenhof mit den Gebäuden, in denen das Heimatmuseum eingerichtet wurde. Das hat aber nur bis Oktober geöffnet, was mir durchaus Recht war, weil ich den Eindruck hatte, dass die Betreiber vom Dekorieren ihrer Ausstellungsstücke nicht viel Ahnung zu haben scheinen. Und es deshalb wohl auch besser ist, die Zeit nicht in einer Rumpelkammer mit lieblos angehäuftem Schrott und Müll zu verschwenden. Da hiflt es auch nicht, die trostlos wirkende Erscheinung von diversen 100 Jahre alten Ackerbaugeräten mit Rostschutzfarbe aufzuhübschen.
Mein Weg führte mich dann auch schnell wieder aus dem Innehof hinaus auf den Rundweg ums Schloß. Ich hab’s zuerst verflucht, dass ich nicht das große Dreibein mit Getriebeneiger gesattelt hatte. Aber als mir plötzlich wieder das rechte Knie mal so richtig Schmerzen bereitet hat, war ich beim dahinhumpeln schon wieder froh, kein weiteres Gewicht bis auf den bewusst moderat gefüllten Rucksack an den Hacken zu haben …
Und schon während der zweiten Belichtungsreihe, bei der ich den Zaun als Stativ missbraucht hatte (weil das kleine Dreibein eine maximale Auszugshöhe von knapp 80 cm hat und ich mit ’nem kleinen Pimmel nicht über’n Zaun gucken kann), hat der im Juli in meiner Not erworbene Blumax-Akku aufgrund der Kälte seine Spannung vergessen und damit ganz einfach und mal eben schnell die Kamerafunktionen in die Knie und mich in den Wahnsinn getrieben.
Erst nachdem ich den Scheißakku ganz rausgenommen hatte, konnte der Originalakku ungestört das Gerät und mich wieder antreiben.
Obwohl ich nicht abergläubisch bin aber plötzlich auch nicht mehr ganz so sicher wegen des aktuellen Datums war, musste ich doch direkt mal auf den Kalender gucken: ich hatte keinen unbemerkten Zeitsprung gemacht. Es war tatsächlich immer noch Donnerstag, der 12.12.2019 …
°loco°
°ego sententiam°
Das Glück des Vortages ließ sich heute nicht reproduzieren.
Zuhause angekommen unterzog ich die heutige Ausbeute dann auch direkt mal der näheren Betrachtung. Weil ich nur das kleine Stativ eingesetzt habe und einige Belichtungsreihen wie ein Scharfschütze mit angehaltener Atmung und reduziertem Herzschlag abgefeuert hatte, war ich mir nicht ganz sicher, ob die unvermeidbaren Verwacklungen die Bilder wertlos werden ließen.
Und dann geschah das Unfassbare:
Ich hatte eine Belichtungsreihe markiert und wollte die von der Speicherarte löschen, damit ich die Übersicht behalte. Springe nochmal mit der Maus nach PS rein um was zu kontrollieren und markiere in der Bridge den Ordner, wo die bereits ausgewählten Bilder zum Löschen markiert waren. Ich hatte also den gesamten Ordner markiert. Und reflexhaft vollzog ich den Löschvorgang. Ohne zu beachten, dass ich den Ordner lösche, anstatt der einzelnen darin liegenden Dateien. Und schwupp war der plötzlich weg.
Blödmann, so dachte ich bei mir selbst. Aber nicht schlimm, so dachte ich dann weiter. Den Ordner kannste ja aus’m Abfall wiederholen.
Doch da war der nicht. Aus unerfindlichen Gründen war der gelöschte Ordner NICHT im Abfall sondern einfach weg. Verschwunden. Unauffindbar. Nirgendwo anders. Es war unfassbar !!
Tja. Dann muss ich also schweres Gerät auffahren.
O&O Recovery angeschmissen und auf der Speicherkarte suchen lassen. Beim ersten Suchlauf mit der normalen Sucheinstellung wurde der verschwundene Ordner nicht gefunden und ich bekam schon wieder heftigen Puls und Schnappatmung.
Beim zweiten Suchlauf mit maximaler Suchtiefe hat O&O dann den Ordner gefunden. Da war aber nix drin. Statt dessen befanden sich die Dateien des Ordners in einem ganz anderen Ordner. Egal. Die Dateien kann man ja einzeln sichern. Gesagt, getan, gefreut.
Doch bedauerlicherweise wurden nur die ersten Belichtungsreihen des Tages wiederhergestellt. Zwei Drittel der gemachten Aufnahmen waren defekt und nicht lesbar.
Und schon wieder noch ein schwerer Schicksalsschlag für mich…
°supplementum°
Hier wird nochmals fortgesetzt werden müssen, um die anderen Motive erneut auf Digiloid zu bannen.
°illustrationen°:
Leider nur weniger als 20% der ursprünglichen Bilddateien…
°navigation auxilium°
… man könnte auch Navigationshilfe drauf sagen. Ab hier geht’s irgendwie weiter …











