°descriptio°:
Eigentlich müsste die Überschrift „Stadthafen Recklinghausen“ heissen.
Oder besser einfach nur „Bestandsaufnahme“.
Oder noch besser: „Auf der Aussichtsplattform auf dem vom LWL renovierten und für Touris gestylten Faulschlammbehälter des ehemaligen Klärwerks Herne und abschließend im residenzialischen Fahrradkeller“.
Ok. Das ist ja dann schon die Geschichte und wäre entschieden zu lang für die Überschrift. Also nur Stadthafen. Was eigentlich so auch nicht richtig ist. Weil das Klärwerkgelände sich auf Herner Territorium befindet, obwohl es auf der nördlichen Kanalseite an Recklinghäuser Boden grenzt. Irgendwie schon verworren das Ganze. Ich hätte als Herner Stadtvater das Stinkdings aber auch auf die Recklinghäuser Kanalseite gesetzt. Da fällt der Gestank am wenigsten auf.
Apropopo fallen …
Mir fiel zuhause die Decke auf’n Kopf, ich hatte keinen Bock mehr an den Blumenkastengestellen zu schrauben und das Wetter war ohnehin vielversprechend warm. Also scheiß ’n Haufen auf Corona und das Fahrrad geschnappt und erstmal in Richtung EmscherValleyWay geritten.
Der ist aber in Richtung Suderwich voll gesperrt. Keine Ahnung, wie weit die Sperrung ausgedehnt worden ist. Hat mich aber auch nicht weiter interessiert.
Die Sperrung ist im Moment ja auch nicht ganz so verkehrt, weil sich dann so einige kleine und große Bewohner in Ruhe vermehren und entwickeln können, ohne von den Schwachsinnigen vorher über’n Haufen gefahren oder von Hunden zugeschissen zu werden.
Ich fuhr dann an der Stadthafen-BallermannBude vorbei in Richtung Zechenhafen. Am Ballermann tummelte sich das blühende Leben in Massen. Kein Anzeichen, dass hier das Kontaktverbot eingehalten wird. Es sei den Leuten auch gegönnt.
Mich interessierte nur der Faulschlammturm des ehemaligen Klärwerks Herne und ob ich da drauf komme. Ich hatte Glück, weil sich vorher jemand mit ’ner Akkuflex die Tür zur Treppe geöffnet hat.
Von da oben war schicke Rundumsicht. Nur die Stromspaghettis haben den Blick etwas getrübt.
Ich blieb nicht lange alleine da oben. Tobias und Achmed wollten sich auch ’n Stück Sonne schnappen und wir kamen sehr nett ins Gespräch. Achmed hat sich als rechtsradikaler Türke mit deutlicher Affinität zu metallisch glänzenden Handfeuerwaffen geoutet, ist aber ansonsten ausserordentlich nett, freundlich und auch sehr lustig, wenn er nicht grade sein charismatisches Chaos durchlebt. Tobias erscheint mehr zurückhaltend, ruhig und nachdenklich und hat gesteigertes Interesse an Fotografie…
°loco°
Auf dem Faulschlammbunker des ehemaligen Klärwerks
°ego sententiam°
Ich wollte nur Auge machen für ’ne Bestandsaufnahme. Ich war schon länger nicht mehr auf dem EmscherValleyWay zugange und überrascht, wie schnell sich die Dinge ändern können …
°supplementum°
Der Faulschlammturm ist also geöffnet. Dann werde ich da bestimmt nochmal draufklettern …














