2020-05-26 – NSG Resser Wald und Emscherbruch

2020-05-26 – NSG Resser Wald und Emscherbruch

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°descriptio°:

Morgens um 9 Uhr ist die Welt noch in Ordnung. Nicht überall. Aber hier. Stellenweise zumindest. An manchen Stellen waren bereits ausgewachsene Zecken anzutreffen. Vor allem auf der Schwuchtelwiese, die wir zu Beginn unserer Exkursion in Augenschein genommen hatten, um Trophäen zu finden. Dass hier die Zecken kein lausiges Leben führen brauchen, dafür sorgt die engagierte Leinen-los-Fraktion. Für Schwuchteln könnte das vermeintlich tierfreundliche Verhalten der Hundebesitzer zu unliebsamen Überraschungen führen, wenn die sich nackt im Grünen gegenseitig befummeln.

Was nicht mein Problem sein soll.

Mein Problem war nur, dass ich die kleinen Plagegeister naturgemäß nicht sofort sehe. Und weil ich die nicht sofort sehe aber merke, dass dann im Verlauf des ansonsten recht angenehmen Tages die anderen und eigentlich ungefährlichen Bewohner auf mir rumkrabbeln, ich die paranoide Wahnvorstellung bekomme, es wären gemeingefährliche Zecken und keine harmlosen Käfer. Scheisspsychologie, die einem den Streich spielt. So wird ein Aufenthalt in freier Natur zur Mutprobe. Und belastet den ansonsten unbedarften Umgang mit ihr. Die Zecken können ja nichts dafür, dass sie da sind. Aber ihrer Vermehrung wird durch unbedachtes Handeln deutlich Vorschub geleistet, so glaube ich.

Man müsste sich deswegen eigentlich ja den Vorwurf gefallen lassen, warum man sich denn ausgerechnet dort tummelt, wo auch Zecken ihr Unwesen treiben. Man weiss doch, wie Scheisse die sind.

Tja, der Vorwurf wäre dann auch nicht ganz unberechtigt. Ich für meinen Teil hab erstmal mit der Schwuchtelwiese abgeschlossen. Viel gibt es da ohnehin nicht zu finden. Im Moment jedenfalls noch nicht. Das gibt die Vegetation noch nicht her.

Die Sandkiste scheint immer noch die bessere und somit erste Wahl zu sein. Aber auch hier sieht es tagesfomabhängig aus.

Heute war der Tag der Gartenlaubkäfer. Und des Rosenkäfers. Andere waren auch da. Manche hatten nicht ständig das Gefühl, es wäre heute ihr Tag. Die waren aber nicht so viele wie die Gartenlaubkäfer, die hier ganz ungezwungen ’n Rudelpoppen veranstaltet haben. Aber nicht nur die. Und wir waren mittendrin. Die kleinen Kollegen ließen sich sogar auf die Hand nehmen. Was ich für mich zum Anlass nehmen wollte, deren Start vom Finger als Flugbild zu erwischen. Mal so als ganz andere Herausforderung. Libellen und Schwebfliegen und Schmetterlinge kann ich schon. Aber nach einer Stunde Geduldsspielchen hab ich dann entnervt aufgegeben. Die Kerlchen waren unberechenbar. Ich geh mal erfahrungsgemäß davon aus, dass Insekten mehrheitlich gewissen Regeln und Gewohnheiten folgen, die man erkennen und erlernen und sich beim Knipsen zunutze machen kann. Libellen – die Luftakrobaten unter unserer Sonne – kann man auch im Flug erwischen, wenn man sich eine Weile mit denen beschäftigt. Aber wenn Gartenlaubkäfer hormonversaut sind und nur an die Popperei denken, kennen die keine Regeln mehr. Die boxen sich sogar gegenseitig von der Dame ihrer Wahl. Ohne Rücksicht darauf, ob da schon einer angedockt hat. Oder vielleicht auch gerade deswegen, weil gerade übertriebener Männerüberschuß gegenwärtig war.

Die Massenorgie hat nur heute und auch nur für knapp 6 Stunden zur Belustigung des geneigten Naturspanners gedauert. Dann war plötzlich Schluß mit Lustich und keine Käfer mehr zu sehen. Die waren wie vom Erdboden verschluckt. Was keine Vermutung war, sondern sich tatsächlich so zugetragen hat. Ich habe selbst gesehen, wie sich ein Mädchen schon während der Begattung den Weg nach unten gesucht hatte, um sich im Sand einzugraben und die Eier dort abzulegen. Ihr war es völlig lotti, ob da noch einer auf und an ihr rum macht. Den hat die mit ins Grab genommen. Selber Schuld, wenn man rumbummelt.


°loco°

In der Sandkiste mit den Kleinen, die nicht lachen und nicht weinen …


°ego sententiam°

Ich hätte vorher einkaufen gehen sollen. Ich kam mit leeren Händen dorthin. Nicht ganz: ich hatte neulich noch Walnußbutterkuchen aus’m Aldi in ausreichender Menge gebunkert und einen als Frischhaltebox umfunktionierten Walnußeisbecher damit gefüllt.

Wurde dann mit Leberwurstschnittchen und Frikadellen dankend abgefüttert und konnte vor satter Selbstzufriedenheit nicht mehr klarer denken wie sonst auch. Und vergaß den Kuchen im Rucksack.

Ich bin auch nicht anders als ’n Gartenlaubkäfer …

°supplementum°

Weil man hier öfter mal hinreitet erübrigt sich ’n Nachtrag.


°illustrationen°:


°navigation auxilium°

… man könnte auch Navigationshilfe drauf sagen. Ab hier geht’s irgendwie weiter …


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