2025-01-19 – NSG Die Burg

2025-01-19 – NSG Die Burg

°descriptio°

Um 14 Uhr Treffen mit Kalle. So war der Plan. Aber dem Kalle war’s dann doch zu kalt. Verständlich, bei gefühlten -5°C und gemessenen 2°C. Die anhaltende Inversionswetterlage lässt die Feuchtigkeit in winzigen Tropfen schweben und in die Klamotten eindringen. Nicht wirklich winterlich, das Gefühl. Vom Wetter mal ganz abgesehen. Zum Glück hat es aber noch nicht geregnet. Eisregen wäre eh das Letzte, was ich jetzt gut finden würde. Auch wenn ich gerade nicht mit Schneeräumung dran bin.

Kalle ist also vernünftigerweise in seiner Höhle geblieben, während ich den Mut gefasst hatte, dann doch nach Plan zum NSG Die Burg nach Marl zu kacheln.

Als wir – also das Schatzi und ich – noch gemeinsam aktiv waren und zur Braucksenke geflogen sind, sind wir immer an diesem zwar an der Hauptstraße gelegenen aber doch versteckten und nicht direkt identifizierbaren Kleinod vorbeigekommen, ohne dem besondere Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Was wohl daran gelegen haben könnte, dass da ne Menge Grün ist. Und ZUVIEL davon schied bei unserer Trophäenjagd aus, weil wir ja vorzugsweise mehr so offene Landschaftsräume durchsucht haben in dem Wissen, dass die Kleinsten der Kleinen sich an Blümchen finden lassen, die es im dichten Wald ja nun mal nicht gibt. Jedenfalls nicht in der Hülle und Fülle wie auf einer Wiese.

Kalle war schon oft hier und ist schwer begeistert. Und weil er seine Begeisterung mit mir teilen wollte, heute wegen Wetter dann aber doch nicht mitkam, hat er mir eben noch kurz erklärt, wo man am besten da ankert und da rein reinkommt. Ich hab mich nicht direkt an die Empfehlungen gehalten, weil ich den Esel mitgenommen hatte, der mir als Sherpa diente. Ich wusste ja nun auch nicht genau, was mich denn da erwarten würde. Vom Hörensagen kann man sich zwar ’ne Vorstellung machen, aber trotzdem muss man sowas dann wohl doch mit eigenen Augen sehen, um zu wissen, worum es sich geht.

Die Idee mit dem Esel war schlußendlich dann auch gar nicht so verkehrt. Denn auf ’ne beschauliche Entdeckungswanderung hätte ich bei DER Kälte wohl auch keinen Bock gehabt. Mit dem Fahrrad geht das schneller. Und man kann alles an Equickmänt mitnehmen, was wichtig sein könnte.

Und doch stieß ich an meine persönlichen Grenzen. Gekleidet war ich völlig ausreichend. Am Körper konnte ich also nicht frieren (obwohl ich schon Bedenken hatte, weil ich mittlerweile arg verweichlicht bin).

Die Hände waren es mal wieder, die mir den gewohnten Streich spielten. Trotzdem ich Handschuhe anhatte. Sogar welche mit eingebauter Heizung. Genützt haben die Dinger aber nur dann was, wenn ich die Knipskiste nicht in den Händen hatte. Aber ich war ja nicht da, um nur doof so rumzustehen. Ich wollte ja gernstens dem neuen Samyang 10mm mal einen Realersteinsatz gönnen.

Und so kam es dann, dass ich mich wie ein butiger Anfänger angestellt habe, weil ich mit blaugefrorenen Fingern nicht mehr in der Lage war, die Knöppe an der Knipskiste zu ertasten und zu bedienen. Nach knapp ’ner Stunde vor Ort musste ich aufgeben und hab den Rückzug befohlen. Ausserdem musste ich eh kacken. Und das ist NOCH schlimmer als gefrorene Finger.

 


°loco°

Die Erstbesteigung des NSG Die Burg in Marl, allerdings als nur seeehr kurzer Abstecher für einen seeehr kleinen Überblick und einer seeehr kleinen Ausbeute.


°ego sententiam°

Man kann sicher drüber streiten, ob es bei so’nem Wetter ’ne gute Idee ist, sich nach draußen zu begeben. Aber andere machen das auch, sei es, dass die ’n Hund haben oder einfach nur ihrer Gewohnheit folgend Meter machen.

Also warum soll man als Weichei und Warmduscher dann nicht auch mal die Unbequemlichkeit eines ganz normalen kalendarischen Wintertages zum Anlass nehmen, sich warm anzuziehen und draußen das Glück suchen.

Gut, dass ich es gemacht habe. Man fühlt sich danach direkt besser. Vor allem dann zuhause nach’m Kacken.

Die erste Sichtung der Bilder (einige hatte ich mit Belichtungsreihe gemacht um die in Photomatix als HDR zu schrauben) ergab die ernüchternden Bestätigung meines anfänglichen Verdachts: das Samyang bildet bei Blende 2,4 (also maximale Offenblende) in der linken Bildhälfte erheblich unscharf ab, ist also tatsächlich dezentriert. Ein Grund für ’ne Reklamation im Rahmen der Gewährleistung.

Solange man die Bilder im kleinen Format betrachtet, kann man den Bildfehler nicht wirklich wahrnehmen und es würde mich eigentlich auch nicht weiter stören. Es es nur ärgerlich, dass das Samyang nicht seine Top-Abbildungsleistung zu 100% hergibt, weil bei Samyang vermutlich ’ne hohe Serienstreuung akzeptiert wird. Trotzdem sind die Gläser von denen nicht gerade billig und man dürfte dann doch wohl auch eine entsprechend gute Fertigungsqualität erwarten.

Was aber jetzt erstmal egal ist.

Mir kam es ja heute auch nur ortsbedingt naheliegend drauf an, mit der Linse im Feld – genauer: im unbelaubten Wald – rumzuhampeln und dabei mit den Eigenschaften eines Superweitwinkels zu üben.

Und die Ergebnisse dieser ersten Gehversuche mit einer derart komplizierten Optik (nur ’n Fischauge verlangt einem noch mehr ab) sind für den Anfang eigentlich schon mal gar nicht soooo schlecht, wie ich finde.

 

°supplementum°

Hier wird zum Kernthema nix mehr nachgetragen. Und es war heute auch nicht die letzte Expedition in das Gebiet.


°illustrationen°:



°navigation auxilium°

… man könnte auch Navigationshilfe drauf sagen. Ab hier geht’s irgendwie weiter …


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