°descriptio°
Bevor wir hier hingekachelt sind, hatte ich überhaupt keinen Plan, was mich erwarten würde. Ich wusste aus der Erfahrung heraus nur, dass die ARGE ’n Zentralbunker für die Arbeitslosenvergewaltigung unterhält und zwei Systemgastros ihren Dreck an anspruchslose Gutverdiener verticken. Auch ein Baumaschinenverleiher hat sich hier nach den erfolgreichen Verhandlungen mit der Stadt Herne (die notorisch pleite und deshalb für JEDE Gewerbeansiedlung dankbar ist) wie eine Zecke festgebissen. Für den hab ich während seines Firmenumzugs mal ’n vermeintlich lukrativen Auftrag ausgeführt bin damit natürlich AUCH voll auf die Fresse geflogen, weil der dekadente Wichser der festen Meinung war, das er nich‘ zahlen will damit ALLE hier ihren Spaß haben können.
Das ist schon ’n paar Jahre her und Elon Musk hat damals noch keiner gekannt.
Aber wenn man aus Interesse an der Geschichte dieses Geländes mal die alteingessenenen Eingeborenen fragt, so weiss zumindest die Edith – ihreszeichens nur biologisch gealterte und (auch wegen ihrer lustigen Marotten) immer noch äusserst liebenswerte Königinmuttermutter mit enormer und mir deshalb respekteinflößender Gedächtnisleistung – zu berichten, dass sich hier mal ein Unternehmen namens GAVEG befand.
Soweit bekannt, hat die GAVEG (Gasverarbeitungsgesellschaft mbH Herne-Sodingen) seit ihrer Gründung 1925 irgendwas mit Chemie zu tun gehabt. Wer mehr wissen will, kann sich ein Buch aus dem Stadtarchiv Herne leihen.
1938 wurden die Chemischen Werke Hüls gegründet, die sich mit ihrer Filiale II auf dem Gelände der GAVEG niederließ. Unter den Einheimischen war aber immer noch der Name GAVEG geläufig und im allgemeinen Sprachgebrauch verankert.
1935 wurde hier dann die Bergwerksgesellschaft Hibernia Akteinegesellschaft gegründet. Die ist schlussendlich auch der Namensgeber des heutigen Gewerbeparks Hibernia.
1969 gingen die auf diesem Gelände angesiedelten Industriebetriebe (die, wie so viele der damals hiesigen Großindustrien, der umliegenden Bevölkerung deren Existenz – allerdings ohne weitere kritische Nachfragen – sicherten) in die Ruhrkohle AG und in die VEBA auf.
1970 wurde die Bude hier aus dem Handelsregister gelöscht und der Platz dem Erdboden gleichgemacht. Der Name Hibernia blieb. Klingt ja auch besser als VEBA oder CWH oder RAG und erinnert der namentlichen Herkunft wegen dann doch wohlklingender an das schöne Irland als an die Machenschaften der anderen Ausbeuterbuden mit den gewöhnlich nur drei Buchstaben.
Für die Wohnraumbebauung ist das Gelände aufgrund seiner Vergangenheit und der während der industriellen Ausbeutung einhergegangenen enormen Bodenverseuchung tatsächlich wohl weniger geeignet. Aber für gelegentliche Dienstleister wie Baggerverleiher und Freßbuden, deren Fraß ebenso bedenklich ist wie der Boden auf dem die Hütten stehen und es deshalb für den Fressgast keinen Unterschied macht, ob er nun vom Fressen oder vom Aufenthalt auf der Terrasse oder von beidem vergiftet wird, ist die Fläche ein willkommener weil vermutlich auch vergleichsweise sehr billiger Baugrund.
Was sich auch die ARGE – die allgemein und zumeist zu Recht unbeliebte Arbeitslosengeldverwaltung unserer Region, und zudem die mit den meisten Arbeitslosen bundesweit – nach den ebenfalls erfolgreichen Verhandlungen mit der Stadt HER zunutze gemacht hat und sich einen – hinsichtlich der vielen Arbeitslosen aufgrund seiner Größe – zweckmäßigen und weithin sichtbaren Zweckbau da hinstellen ließ.
Neben dem Zweckbau, den anlassbedingt auch komplette Familien aufsuchen müssen, ist in unmittelbarer Nähe bezeichnenderweise ein Spielplatz angegliedert, auf dem man seine Kleinen während der Wartezeit dann zwischendurch mal austoben lassen kann, damitse nich‘ im Wartesaal weinen.
Alles zweckmäßig hier …
Auch die kaputtigen Rohre aus der Geschichte des Areals. Die hat man einfach hier liegen gelassen. Weil ein Abriss mit enormen Kosten verbunden ist, die die Stadt Herne schon mal gar nicht bezahlen kann.
Aber die Bayerntouris freut’s, weil SOWAS kann man bei denen in deren Schutzgebieten nicht sehen. Die haben noch nicht mal Windkraftwerke und Überlandleitungen da im Bayrischen Wald.
Deswegen kann ich schon verstehen, warum die hier aus Sachsen und Bayern einfliegen: weil die ihre Berge nicht mehr sehen können.
Ich hätte auch gern mal so ein Luxusproblem …
°loco°
°ego sententiam°
Ich hätte nicht gedacht, dass die Gegend hier so beschaulich ist. Kann sein, es lag am auffällig frühlingshaften Wetter und mangels Besuchermassen an der überraschend erholsamen weil ungestörten Ruhe.
Und grün isses hier. Was natürlich erstmal an der Jahreszeit liegt.
Ein wirkliches Kleinod, umgeben von -> siehe Karte ↑.
Neulich hörtete ich, dass das allgemein als schädlich bewertete CO2 den Planeten tatsächlich grüner werden lässt. CO2 ist ja die Hauptnahrung für die Pflänzchen.
Die Pflanzen unterliegen wegen unserem dekadenten Verdrängungsverhalten also nicht dem Artensterben.
Noch nicht…
°supplementum°
Kein Nachtrag geplant.
°illustrationen°:
°navigation auxilium°
… man könnte auch Navigationshilfe drauf sagen. Ab hier geht’s irgendwie weiter …








































