°descriptio°
Der Jahreszeit entsprechend ist in der Westruper Heide die Heidekrautblüte zu bewundern, was für mich der ursächliche Anlass zur heutigen Expedition ist. Als ich mit dem Schatzi neulich hier war, hatten wir mehr Glück mit den Wolkenbildern. Heute war nur strahlend blauer Himmel, also für Landschaftsbilder eher weniger dekorativ. Aber zu vorgerückter Stund‘ dann erfreulich hilfreich bei der Nachthimmelfotografie (auf die ich mich so gar nicht vorbereitet hatte und die sich auch nur durch einen sehr netten Zufallstreffer ergeben hat).
Ich hatte vorher den ganzen Tag unentschlossen rumgedödelt, weil ich nicht wirklich wusste, was ich heute am Mann tragen möchte. Ich ließ es dann aber mal drauf ankommen und entschied mich mutig für die Reanimation des 5-Meter-Hochstativ-Selbstbaus. Das Ding hatte ich ja seinerzeit für den Ruudi im Einsatz gehabt und seitdem stand das dann ungenutzt in der Ecke rum. Denn sowas nimmt man nicht mal eben kurz unter’n Arm und macht ’n entspannten Gang durch die Botanik oder anderswo. So’n auffällig sperriges Gerät hinterlässt Eindrücke, nicht nur in Sandböden.
So auch hier. Wobei ich nicht der einzige Auffällige war. Die Gegend ist mir für meinen Geschmack schon wieder zu übervölkert. Wie mittlerweile überall. Hunde zählen in solchen Gegenden sowieso zu den häufigsten Besuchern, gefolgt von ihren Besitzern. Und die meisten Hundehalter haben nicht nur einen Fiffi an der Leine.
Auch Hochzeitspaare finden immer wieder den Weg hierhin. Und während die Hunde angeleint sein MÜSSEN (sonst kommt der Parkwächter und verteilt Knöllchen), geht die Brautkolonne direkt abseits der zugelassenen Wege ins Feld. Wir hatten das damals auch mal versucht und uns danach so richtig scheiße gefühlt, als der Parkwächter uns deswegen anzählen musste. Aber der Hochzeitsgesellschaft ist sowas lotti. Die nehmen absolut keine Rücksicht und zertrampeln die empfindliche Botanik nur für das tollste Hochzeitsfoto. Von dem Unsinn hab ich auch Fotos gemacht, die aber wegen ihrer Traurigkeit nur archiviert.
Es war ohnehin erstaunlich, wieviel Volk hier heute unterwegs war.
Ich hatte irgendwann dann mal meinen Standort an einer heftig frequentierten Wegkreuzung (siehe Karte) gefunden. Es geht sicher noch besser (und vielleicht auch ruhiger), aber das war ja heute mal sowas wie ’ne Premiere mit dem Hochstativ und soll eigentlich wiederholt werden, wenn die Ergebnisse zufriedenstellend erscheinen.
Die Karawane zog an mir vorbei. Die einen teilnahmslos, andere interessiert glotzend, wieder andere irgendwie beschämt (keine Ahnung warum, aber es gibt Leute, die versuchen möglichst unauffällig zu stören), und dann solche, die einen gar nicht bemerken (wollen) und einfach durchs Bild rennen. DARÜBER muss ich mich nicht beschweren, weil ich’s seinerzeit ungehemmt beim Schatzi auch so gemacht habe. Lustig ist das nicht, aber lächerlich wohl schon.
Manche blieben dann auch mal stehen und fragten interessiert, was man denn da so macht, mit dem ganzen Krams. Und wieder andere hatten auch Krams dabei, fühlten sich aber zu Höherem berufen und reckten nicht nur die Nasenspitze nach oben.
Ein Ehepaar mit zwei Wuffs sprachen mich mit Herzlichkeit freundlich an und sofort kamen wir ins Gespräch. Inhaltlich gings dabei um alles mögliche, hauptsächlich aber um auffällig fehlgeleitete Zeitgenossen, die hinsichtlich ihres zeitgenössischen Verhaltens nicht nur zu bedauern sind. Ich machte einen Schwenk zur REh-Stadtvergewaltigung, ich konnte mir meine Bemerkungen zu dem Schwachsinn in REh einfach nicht verkneifen und erhielt erwartungsgemäß bestätigenden Beifall …
Fahrradfahrer standen auch auf der Agenda. Und ER hatte sich als Rennradfahrer geoutet. Ich empfahl direkt ’n Themawechsel, bevor ich mich hätte aufregen müssen …
Die Sonne ging unter, die Menschenmassen verließen auffallend schnell das Areal und plötzlich war man alleine auf weiter Flur.
Fast alleine.
Ein einzelner Mensch erreichte meinen Standort. Die Begnung wirkte auf mich irgendwie magisch. Magnetisch auch, denn er ging nicht mehr weiter sondern wir kamen irgendwie ins Gespräch. Und das völlig unaufdringlich und angenehm locker. Sehr angenehm, wie ich fand. Was wohl auf Gegenseitigkeit beruhte.
Während Kalle in der zunehemenden Dämmerung mit seiner Stabfunzel spielte und sich mit Lightpainting beschäftigt hat, wurden mir auf einer Bimmel Fotos gezeigt, von denen behauptet wurde, dass die mit einer einjährigen Erfahrung gemacht wurden. Entweder lügt der Bursche oder der hat richtiges Talent. Ich denke aber, dass der NICHT gelogen hat. Beeindruckt war ich trotzdem. Weil der genau DIE Ästhetik in seinen Bildern hat, die mein Boiteschema sind.
Er habe die nur auf seiner Fratzebuck-Seite veröffentlicht, eine Internetz-Seite habe er nicht.
Dann wird’s aber mal Zeit, dem Mann zu Ruhm und Ehre zu verhelfen, sagte ich.
Aber erst war er dran und erklärte mir, wie man Milchstraßen-Fotos macht. Was ja grundsätzlich kein besonders schwieriges Thema für mich ist. Aber meine Resultate sind halt wegen der alten Technik hoffnungslos verrauscht. Aber besser eine verrauschte Milchstraße, als gar kein Foto. Was sich von nun an ändern wird, weil ich in die Geheimnisse des Stackings von mehreren Einzelbildern eingeweiht wurde. Die wichtigsten Grundlagen habe ich erstmal nur rudimentär erfahren, alles weitere wollten wir dann später mal fernmündlich abfrühstücken.
Die Begegnung war definitiv nicht nur eine mentale Bereicherung.
Und das Beste kam auch wie üblich zum Schluß, als wir alle wieder auf dem Parkplatz waren: als wie uns gegenseitig verabschiedet hatten, haben wir uns unsere Namen genannt. Interessant, dass man sich vorher auffallend nett unterhalten kann, auch ohne sich näher zu kennen…
°loco°
°ego sententiam°
Seitdem ich in meiner jetzigen Erscheinung und in meinem Alter nix mehr zu verlieren hab als nur Kaufkraft, Gesundheit und Lebenszeit, ist es mir egal, wie ich auf andere Menschen wirke. Was sich zum Glück und nur durch Zufall dann auch bei solchen Begegnungen auf unerwartete Weise dann doch interessant zu entwickeln vermag.
In diesem Fall hoffe ich, dass das kein einmaliges Ereignis bleiben wird. Denn es gibt noch so einiges an Erfahrungen, was die Beteiligten austauschen können und was zur Bereicherung der eigenen Fähigkeiten und der Erweiterung des persönlichen Horizonts führen kann.
°supplementum°
Kein Nachtrag geplant.
°illustrationen°:
°navigation auxilium°
… man könnte auch Navigationshilfe drauf sagen. Ab hier geht’s irgendwie weiter …



















