2025-08-20 – Marl – See am Marler Stern

2025-08-20 – Marl – See am Marler Stern

 

°descriptio°

In einem belebten Stadtzentrum zu fotografieren könnte u. U. Probleme nach sich ziehen, so dachte ich noch, als wir hier eingeflogen sind. Denn nicht jeder findet es prickelnd, wenn sich Knipskistenartisten unters Volk mischen und hemmungslos auf alles draufhalten, was nicht schnell genug um die Ecke läuft.

Nun ist es ja aber auch so, dass in Marl auch nicht auffallend viele ansehnliche Menschen leben. Aber doch mehr, als in REh. Was mich auch nicht dazu treiben würde, hier leben zu wollen, selbst dann nicht, wenn ich’s könnte.

Viel interessanter an groß gewordenen ehemaligen Bergraubbausiedlungen ist aber, dass sich vermeintliche Kunst bei den großkotzigen Stadverwaltungen einer zunehmend starken Beliebtheit erfreut und keine Kosten und Mühen gescheut werden, dem gemeinen Pöbel den noch gemeineren Unsinn auf unerträglich freche Art und Weise näher zu bringen.

Die meisten einfachen Leute, also die mit einem noch gesunden Menschenverstand, können mit derartiger Umweltdeko aber nur herzlich wenig anfangen. Kalle z. B. findet den Plunder nur schick, weiss ansonsten auch nicht was das soll, und fotografiert sowas mit wachsender Begeisterung. Man könnte das ja für Composings verwursten. Kann man, ja, muss ich aber nicht.

Ich wusste also heute auch nicht wirklich, wo ich hingucken soll, um zu finden, was MIR gefallen könnte.

Mit der umgekippten Lok fing mein Elend an. Das Ding liegt in einer Betongrube auf dem Rücken. Von der Straße aus ist der trost- und hoffnungslos vor sich hin rostende Schrotthaufen kaum zu bemerken. Man muss schon dicht dran gehen, um die volle Pracht und Herrlichkeit der erodierenden und korrodierenden Details erfassen zu können.

Auch gut, wie ich fand, weil SOWAS muss man ja auch nicht zwingend prominent irgendwo platzieren, auch wenn’s ’ne tiefere Bedeutung haben sollte.

Ein Info-Schild weist drauf hin, dass die Karre das letzte Taxi für KZ-Häftlinge gewesen sein soll. Traurige Geschichte, die deusche Geschichte, soviel ist sicher und soll sich auch bloß nie wieder wiederholen. Aber Kunst aus den Hinterlassenschaften der Schreckensherrschaft zu machen, nur um dieselbige nicht verbleichen zu lassen, erscheint mir in den allermeisten Fällen dieser auffallend doofen Art von Kunst als belästigend und höchst überflüssig und vor allem zu teuer für die Volksgemeinschaft. Denn DIE müssen derart fehlgeleiteten Schwachsinn schlußendlich mit ihrer Steuerpflicht bezahlen.

Was aber denen egal ist, die sich mit der Einweihung derartiger Mißgeschicke öffentlich im Rampenlicht sonnen können und sich als Helden der Kunst feiern lassen. Und das dann mit den gleichen schwülstigen Worten, wei man sie auf den Tafeln findet, die die Kunst beschreibt, die sich der Künstler bei seiner geistigen Entgleisung angeblich gedacht haben soll. Ich fürchte, so’n Künstler denkt sich erstmal rein ganix dabei, wenn der so rumkünstlert. Erst wenn so’n Ding fertig ist, wird ’n Grund und ’n Name gesucht, um das Baby zu taufen. So macht es zumindest auf MICH den Eindruck, denn ich kann beim besten Willen nicht erkennen, was das Schild zu erklären versucht.

In KEINEM der Fälle.

Nicht hier und auch nicht anderswo.

Leonardo da Vinci war seinerzeit ’ne rühmliche Ausnahme von der heutigen Regel und gilt definitiv als Künstler. Der wusste, wie er den Adam aus seinem Marmorblock zu klöppeln hat. DAS ist Kunst. Aber ganz bestimmt nicht zwei in Orange lackierte Stangen, die irgendwo in die Botanik gesteckt werden.

 


°loco°


°ego sententiam°

Bilder sagen heute mal mehr als Worte.

Und trotzdem folge ich dem Trend, mein Bildaussage zu erklären und hab da mal für Interessierte mit flachem Horizont drunter geschrieben, was die Bedeutung von dem ist …

°supplementum°

Solange man mich nicht mehr mit vermeintlicher Kunst belästigt, werde ich hier an dieser Stelle nicht nachtragend sein.


°illustrationen°:



°navigation auxilium°

… man könnte auch Navigationshilfe drauf sagen. Ab hier geht’s irgendwie weiter …


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