°descriptio°
Das altehrwürdige Freibad Mollbeck ist ein von kommunalen Wirtschaftsbetrieben geführtes und von selbigen verwaltetes Freibad mit der Besonderheit, dass man hier tatsächlich ernsthaft Schwimmen kann. Denn hier existiert – im Gegensatz zu den in anderen umliegenden Städten von privaten Investoren betriebenen Spaßbädern ein 50 Meter Wettkampfbecken mit 9 Bahnen.
Zu meiner Zeit, als ich hier meiner zweiten Leidenschaft folgen konnte, herrschte in diesem Becken absolute Disziplin und man konnte als ernsthafter Schwimmer ungestört seine Bahnen ziehen.
Von Spaßbad war diese Anlage also weit entfernt. Was nicht heißen soll, dass man damals hier keinen Spaß hatte. Den gabs auch. Aber nur dann, wenn der enorm und zu Recht strenge und schon gar nicht bestechliche Bademeister nicht geguckt hat.
Mein finnischer Kumpel Marko hatte hier ein paar Saisönchen lang auch einen Job als Aufseher. Damals war das noch ein zwar schlecht bezahlter aber dafür entspannter Job, für den es sich morgens lohnte, früh aufzustehen. Und in ihrer Uniform sahen die durchtrainierten Jungs auch immer schick aus, und machten auf die kleinen und schon sichtlich geschlechtsreifen Mädchen tüchtig Eindruck. Was dann manchmal auch auf Gegenseitigkeit beruhte, und der Job als Bademeister als äusserst erstrebenswert galt. Es gab sogar mal ‘ne Filmserie über den Beruf. Baywatch, so meine ich, hieß die Serie. Und brachte uns ein ganz neues Verständnis von Körperkult ins heimische Wohn- und Fernsehzimmer.
Es war die Zeit, in der ich merkte, dass “Können” allein nicht ausreicht. Denn ich konnte wohl ausgezeichnet und stilvoll schimmen. Gelernt ist gelernt, interessiert aber keine Sau.
Soziale Kompetenz ist das Zauberwort, das zu Rum und Ansehen verhilft. Man kann das Zauberwort auch mit einem anderen Wort austauschen, was zum gleichen Ergebnis führt, das aber eher weniger gut angesehen ist und deshalb hier keine Erwähnung finden soll, um nicht wieder beleidigend zu wirken. Was man tatsächlich kann, ist also von nur untergeordneter Bedeutung.
Mit der Bevölkerungsentwicklung unserer dankenswerterweise hier eingewanderten Gastarbeiter begann auch eine neue Ära der Sozialkompetenz. Allerdings wurde in unserem Kulturkreis von den anderen Kulturen im Verlauf deren Vermehrung so einiges nicht übernommen, was hier gesellschaftlich als erstrebenswert und höflich und rücksichtsvoll gewertet wurde.
Schade eigentlich, dass man nicht versucht hat, aus den Schönheiten und Nützlichkeiten von ALLEN Welten eine neue Welt – also eine neue soziale Kultur – zu erschaffen, die es ALLEN ermöglicht, vollumfänglich glücklich und zufrieden zu sein. Gandhi wäre stolz auf dieses Konstrukt gewesen …
Schlußendlich hat aber die soziale und gesellschaftliche Entwicklung nur dazu geführt, dass neulich ein Herr Merz die im Sinn etwas eingekürzte Bemerkung machte, dass das (allgemeine) Stadtbild sich als fragwürdig und bedenklich zeigt, und unsere Gesellschaft etwas dagegen unternehmen muss, um Schlimmeres zu verhindern. Wenn man so rausguckt, könnte man meinen, schlimmer geht nimmer.
So auch hier im Freibad, wo neuerdings Zettel am Kassenhäuschen hängen, deren Sinn es sein soll, die in unserem Kulturkreis als unterbelichtete Sozialschmarotzer verschmähte und allein durch ihre blosse Anwesenheit belästigend auftretenden Angehörige aus Fremdkulturen zu Ruhe und Anstand zu zwingen.
Das Ratlosigkeitshaus als verantwortliche Verwaltungsbehörde hat bedauerlicherweise immer noch im augenscheinlich vakuumiserten Schädel, dass es aureicht, den Text nur in Amtssprache zu verfassen, um zielführend wirken zu können. Vermutlich geht man davon aus, dass die anzusprechende Klientel stets ihren persönlichen Dolmetscher mit im Schlepptau hat, und der das dem ausschließlich männlichen Klienten dann entsprechend verständlich nahebringt, um die hierzulande als Fehlverhalten gewerteten und von überschüssigem Testosteron bestimmten Handlungen zu unterbinden, und dadurch schlussendlich einen beschämenden Platzverweis zu vermeiden. Der vermutlich dann die Folge hat, dass der Bademeister immer über seine Schulter hinter sich blicken muss, um einem Hinterhalt zu entgehen.
Wie es scheint, ist also mittlerweile auch HIER an diesem altehrwürdigen Ort meiner frühen Jugend die Zeit nicht stehengeblieben, und es wird gelegentlich wohl auch zu belästigenden Übergriffen durch die zuvor genannten Personen kommen, vor denen mich schon meine Eltern zu warnen wussten. Mein Pa wurde nämlich kurz nach Ende des 2. WK von kriminellen Polen fast bis zur Bewusstlosigkeit verdroschen, weil die damals schon keine Gesetzeshüter mochten. Was nicht heißen soll, dass ALLE Polen klauen und so. Und nicht alle Türken verachten Frauen. Auch einige Nordafrikaner scheinen ein friedliches Wesen zu haben. Und nicht alle Russen wollen Rache für einen Krieg, den jemand anderes angezettelt hat.
Die Erkenntnis hilft aber nicht.
Und ein nur in deutscher Sprache und mit fürchterlichem Sprachgebrauch und auffallend hässlichen Satzzeichenfehlern verfasster Info-Text eines teuer bezahlten Hilfslegasthenikers hilft schon mal gar nicht. Den Verfasser würde ich zusammen mit der o. g. Klientel in einen Deutschkurs schicken. Denn der Zettel wirkt auf ALLE Beteiligten irgendwie befremdlich und gewissermaßen auch etwas belästigend.
Zumindest empfinde ICH das so.
°loco°
°ego sententiam°
Das Mollbeck-Team ist froher Hoffung auf eine neue Saison 2026. So steht’s geschrieben.
Wenn ich mir die Bausubstanz und den erbärmlichen Zustand der Anlage so anschaue, stellt sich mir die aufdringliche Frage, ob die Stadt neben dem guten Willen dann auch das nötige Kleingeld hat, um hier alles wieder unfallfrei in Betrieb nehmen zu können.
Aber vielleicht sehe ich das alles auch wieder nur viel zu dunkel. Obwohl die Gärten der Haus- und Bademeisterbuden da ‘ne deutliche Sprache sprechen. Da muss Stadtgrün mal tüchtig durchharken.
Und die Gebäude und Anlagen machen alle nicht den Eindruck, als dass die in den letzten Jahren eine besondere Fürsorge erfahren haben.
°supplementum°
Ich halte das Areal unter Beobachtung. Mal sehen, wie sich das da entwickelt …
°illustrationen°:
Tipp für die Ansicht in der Galerie:
drücke Taste F11 und blende im Textfeld mit dem Icon “X” das Textfeld aus, dann siehst Du nicht nur winziges Internetzimpressionsgeschnipsel.
°navigation auxilium°
… man könnte auch Navigationshilfe drauf sagen. Ab hier geht’s irgendwie weiter …






































