°descriptio°:
Der Wetterdienst hatte für heute Nachmittag Regen angekündigt. Was mich nicht davon abhielt, doch noch auf die Suche zu gehen. Weit laufen wollte ich nicht. Dazu war es mir zu schwülwarm. Ausserdem muss es ja irgendwo was geben, was NICHT im Aufräumwahn weggesenst wurde.
Ich erinnerte mich daran, dass ich für den Fred öfter mal nach Marl und für den Uwe dann auch schon mal nach Dorsten gefahren bin. Marl ist groß. Dorsten auch. Und die Gegend an der Stadtgrenze zu Dorsten, wo Fred sein Studio betreibt, ist da schon sehr ländlich gelegen. Und dort gab’s in grauer Vorzeit (also bis letztes Jahr, um genau zu sein) natürlich auch Bergraubbau, der seine insgesamt katastrophalen Spuren hinterlassen hat.
An der B225 liegt also eine noch von der RAG in Besitz befindliche aber schon lange nicht mehr ursächlich bewirtschaftete Bergehalde, und wird nur noch benutzt, um irgendwelchen Scheißdreck hier unterzugraben und die Haldenentwässerung im Gange zu halten. Die LKW-Zufahrt zur Halde ist mit Zaun und Tor abgeschlossen. Aber an der B225 kann man die Karre irgendwo passend abstellen ohne zu stören und dann den Hangausläufer der nördlichen Haldenfläche ungehindert erreichen. Weiter braucht man auch gar nicht durchs Gelände krauchen. Ich stand dann nach 50 Metern auf eiiner bunten trockenen Wiese mit seichter Hanglage und reichlich Leben. Ein gefühltes Paradies.
Hier wird nichts aufgeräumt oder plattgewalzt oder sonstwie eingepflegt. Und wenn, dann so, dass es keine nachhaltigen Folgen hat wie z. B. auf Pluto oder anderen Naturschutzgebieten, die weder (kaputt)geschützt werden, noch sonstwie unter negativem menschlichen Einfluss stehen.
Die Halde ist also kein ausgewiesenes ungeschütztes Naturschutzgebiet, sondern ein weitestgehend umfriedetes Privatgelände, auf das die RAG – wahrscheinlich erst mal aus Kostengründen – im Moment keinen Bock mehr hat und es quasi sich selbst überlässt.
Merkt man sofort. Auf kleinstem Raum war ’ne Menge los. So sollte das eigentlich wohl auch sein.
Dann ist die Suche nach den begehrten Trophäen auch nicht so anstrengend …
Das Betreten der Halde ist allerdings für Unbefugte verboten. Is‘ auch richtig so. Genauso wird das auf dem ehemaligen Truppenübungsgelände in Borkenberge gehandhabt. Soll nämlich keiner von den verstrahlten Vollpfosten auf die Idee kommen, mit seiner Brut und und mit Plastikmüll bestens vorbereitet und ausgestattet die Gegend zu versauen. Reicht ja schon, wenn die Asis in Haltern die Gegend um die Silberseen herum zumüllen …
Naturschutzgebiete als Natursuchgebiete fallen also für die Suche zukünftig definitiv aus der Wertung.
Die riesigen stillgelegten Flächen der alten Abraumhalden, die nach dem Ende des Kohleraubbaus als stilles und aufgrund der aufgeschütteten Bergemassen mächtig erhabenes Relikt ubrig geblieben sind, beherbergen auf ihren mittlerweile ganz von selbst begrünten Flächen derzeit ein großes Potential. Allerdings nur solange die nicht für den AllerweltsHansl zum Mountainbiking oder sonstwelchen Freizeitschwachsinn freigegeben werden oder schlimstenfalls irgendwann als Baugebiet oder für sonstige Industrienutzung vertickt werden …
Solange wird das hier laufen. Aber nur, solange sich hier keiner drum kümmert.
°loco°
°ego sententiam°
Leider ist die Gegend da nicht mal eben so schnell um die Ecke zu erreichen wie der EmscherValleyWay. Aber was soll’s, wenn man hier garantiert findet ohne großartig suchen zu müssen.
°supplementum°
Bei meinen Recherchen war ich dann doch etwas überfordert und das Schatzi musste mir mal wieder helfen.
Ich hatte mindestens zwei Sensationsfunde gemacht: u. a. einen Trauer-Rosenkäfer, der eigentlich weit unterhalb des Weisswurstäquators heimisch und in Bayern selbst vom Aussterben bedroht ist. Im restlichen Deutschland ist der sowieso nicht zu finden. Und wenn, dann irgendwo da, wo wir eh nicht hinkommen.
Und jetzt wohnt einer dieser hochseltenen Käfer hier auf einer Abraumhalde in Dorsten.
Wenn das der Nabu wüsste, dann würden die direkt ’n „Jurassic Park“ aus dem Gelände machen …
°illustrationen°:
°navigation auxilium°
… man könnte auch Navigationshilfe drauf sagen. Ab hier geht’s irgendwie weiter …










































































































