°descriptio°:
Das Schärfen von Bildern ist ein in den meisten Fällen erforderlicher Vorgang bei der Nachbearbeitung von digital erzeugten Fotografien.
Zumeist ist das Nachschärfen vorzüglich bei Makro-Fotografien anzuwenden, weil bei der Anfertigung bedingt durch ungünstige Bedingungen (magelndes Licht, Aufnahme ohne Stativ) und dadurch bedingte Kameraeinstellungen (grenzwertige Belichtungszeit, hohe Filmempfindlichkeit bei geringstmöglicher Blende) zwar das Motiv in den Kasten zu bringen ist, aber erst durch die Nachbearbeitung die gewünschte Abbildungsqualität erhält.
Bei meinen Versuchen, meine Bilder mit möglichst wenig Aufwand mit möglichst wertig erscheinenden Ergebnissen nachzubearbeiten, habe ich einerseits PS-interne Filtertechniken angewendet und andererseits auch von Drittherstellern beworbene Applikationen zum Einsatz gebracht.
Ich bewerte für mich die – seit kürzlich bis jetzt – getesteten Schärfefilter wie folgt:
Rang 1 (teilen sich)
NeatImage
Eine Drittanbieterlösung, die ursprünglich das Bildrauschen entfernen kann, aber dazu einen hochwirksamen Schärfealgorithmus in sich hat. Die Einstellungen der einzelnen Filterbestandteile sind ziemlich komplex und die Anwendung insgesamt reichlich kompliziert. Nach relativ kurzer Einarbeitung sind aber die im direkten Vergleich produzierten Ergebnisse hervorragend. Und das bei kaum zögerlicher Verarbeitungsgeschwindigkeit. Mit NeatImage wird das zu bearbeitende Bild entrauscht und moderat „vorgeschärft“, um es dann als Kopie auf einer weiteren Ebene einem weiteren Filter zu übergeben.
Adaptives „SmartSharpening“
ist eine PS-Aktion aus der automatisierten Kombination mehrerer PS-interner Funktionen und Filter (RGB-Farbkanal-Auswahl, Maskenerstellung, Tonwertkorrektur, Gaußscher Weichzeichner, Unscharf Maskieren, Verblassen, Auswahl einstellen). Die vom Entwickler deutlich sinnvoll voreingestellten Parameter zum Abgleich der zuvor abgearbeiteten Funktionen können am Schluß der Aktion nach Erfordernis manipuliert werden. Die Verarbeitungszeit ist auch hier unbedeutend, zumal auch während der Aktion ein Eingriff in die Parametereinstellungen erfolgen kann (aber grundsätzlich gar nicht nötig ist).
In Kombination mit NeatImage ein unschlagbares Gespann.
Rang 2
Piccure+
Beworben wird das Produkt mit seinen ausgeklügelten Algorithmen und wegen seiner tatsächlichen Fähigkeit, auch ohne ein entsprechendes (und wahrscheinlich auch zumeist gar nicht passendes) Linsenprofil eine durch Verwacklung der Kamera erzeugte Bildunschärfe zu korrigieren. Das funktioniert im Programmbereich „Motion“ wirklich gut. Nur die Ergebnisse zum Schärfen des Bildes im Programmbereich „Lens“ sind im direkten Vergleich qualitativ deutlich unterhalb der o. g. Techniken. Die Rauschreduktion ist bei Makroaufnahmen zwingend zu unterlassen.
Die Applikation ist für den gelegentlichen Einsatz zur Rettung eines leicht verwackelten Motivs ganz hervorragend. Dabei muss man aber allerdings auch erhebliche Rechenzeiten hinnehmen (je nach Größe des Bildes, bei meinen „normalen“ RAW-Dateien mit etwa 15 MB-Volumen dauert der Rechengang beim Speichern der Datei mehr als 3 Minuten). Landschaften und andere „Groß“-Motive lassen sich mit Piccure+ perfekt pimpen. Für Makro-Aufnahmen ist Piccure+ aber nur – wenn überhaupt – äußerst bedingt einsetzbar.
Die Applikation wird anscheinend seit 2016 mit dem Tod des Firrmeninhabers und Initiators nicht mehr weiterentwickelt. Zumindest ist die Vollversion des Produkts seit 2016 nicht mehr käuflich zu erwerben und zurzeit auf der Web-Präsenz nur der Download der zeitlich begrenzten Testversion möglich.
Rang 3
Die in PS, CameraRAW und LR eingebauten Schärfemechanismen
Allesamt sind insgesamt auch mit den eingebauten Rauschreduktionstechniken sehr gut. Werden auch immer gerne von mir genommen, wenn’s denn kein ausgesprochenes Makromotiv ist, das mal tüchtig vor die Brust genommen werden muss …
PS-Hochpassfilter
Hintergrundebene 2-mal duplizieren und die obere Ebene ausblenden. Den Filter zuerst nur auf die mittlere Ebene anwenden. Dazu den Filter aus dem Filtermenü „Sonstige Filter/Hochpass“ aufrufen und in dem aufspringenden Menü den Radius auf 10 Pixel stellen und bestätigen. In der entsprechenden Ebene den Mischmodus auf weiches Licht stellen. Jetzt die obere Ebene einschalten, das gleiche Prozedere wie auf der Mittleren, nur jetzt den Radius auf 1Pixel und den Ebenen Mischmodus auf Hartes Licht stellen.
Um ein Vorher/Nachher zu kontrollieren einfach nur die beiden duplizierten Ebenen ausschalten und mit der Hintergrundebene vergleichen. So wird zuerst der gröbere Bereich mit der mittleren Ebene und im zweien Schritt der Feinere mit der Oberen bearbeitet. In den meisten Fällen wird schon dann ein gutes Ergebnis erzielt, ansonsten gibt es ja noch die Möglichkeit mit den Einstellungen der Ebenen. Falls die Schärfe noch nicht reichen sollte, die beiden Ebenen mit Strg und G zu einer Gruppe zusammenfassen und nochmal duplizieren. Wenn es dadurch unnatürlich scharf werden sollte, einfach die Ebenen Deckkraft der neuen Gruppe entsprechend reduzieren.
Der Hochpass Filter hat außerdem noch eine zweite Eigenschaft. Es lässt sich damit das Bild nicht nur Schärfen, sondern auch weicher machen. Dafür braucht man aber nur eine zusätzliche Ebene, stellt den Radius am besten wieder auf 10 Pixel, bestätigt das Ganze und invertiert es mit Strg und der Taste i, dann wieder den Mischmodus der Ebene auf weiches Licht stellen. Wenn die Unschärfe noch nicht reicht, kann man die Ebene duplizieren und eventuell die Deckkraft der duplizierten Ebene einstellen, kommt immer darauf an was man erreichen möchte.
Dieses ist immer dann sinnvoll, wenn man ein Motiv hervorheben möchte. Da der Filter sich auch auf Auswahlen einsetzen lässt, wird entweder das Motiv das Scharf bleiben soll aus ausgewählt, dann die Auswahl invertiert und dieser Bereich wird weicher gemacht, oder eben umgekehrt.
Rang 4
Topaz DeNoise
Eigentlich ohne Wertung bzw. gleichwertig mit Platz 2. Ein Bildentrauscher, der im TopazLabs Produkt-Bundle eingebaut ist. Die Anpassungsmöglichkeiten sin enorm. Die Kontrolle über die Einstellungen sirkungsvoll. Die Verarbeitungsgeschwindigkeit (bei meinen normalen RAW-Bildern) ohne bemerkenswerte Verzögerungen. Für die Nachentrauschung des fertigen Bildes mit entsprechender Ebenenmaske sehr effektiv, um den letzten Schliff herauszuholen oder die während der vorangegangenen Bearbeitung hervorgehobenen Rauschanteile wieder halbwegs auszubügeln.
°ego sententiam°
Entgegen der landläufigen Empfehlung, die insgesamt nach Wunsch „entwickelten“ Bilder erst ganz zum Schluß vor dem Speichern zu schärfen, habe ich persönlich die besten Erfahrungen mit der umgekehrten Reihenfolge gemacht:
Der erste Schritt des nachfolgenden Bearbeitungsverlaufs ist stets das Entrauschen und Schärfen des Bildes mit den entsprechenden Fehlerkorrekturen. Sonst werden im Nachgang diese Bildfehler immer heftiger und schlußendlich nicht mehr korrigierbar.
°illustrationen°:
Exemplarisch das Ergebnis des heutigen Vergleichs
°navigation auxilium°
… man könnte auch Navigationshilfe drauf sagen. Ab hier geht’s irgendwie weiter …




