2018-10-14 – NSG Vossnacken Herne

2018-10-14 – NSG Vossnacken Herne

°descriptio°:

Die Lust auf Pilze trieb uns in den Voßnacken. Obwohl es Sonntag war. Sonntag ist eigentlich nicht unser bevorzugter Ausflugstag. Aber wir hatten dem Wetter folgend zudem noch wohlmeinend angenommen, dass sich der als moderat zu erwartende Besucherandrang hier halbwegs ertragen lassen würde, weil das Fleckchen mit seinen Wegen insgesamt nur von den in der Nähe wohnenden Naherholungssuchenden mit deren vierbeinigen Lieblingen frequentiert wird. Und bis auf einen großen Teich sonst nichts zu bieten hat als nur Wegränder, die Fifi schön zuscheißen kann. Der Teich war allerdings bereits soweit ausgetrocknet, dass die sich auf der Fläche (dem ehemaligen Gewässergrund) angesiedelten Pflanzen eine stattliche Höhe erreicht hatten.

Wir kamen aber gar nicht soweit.

Kurz vor der Wegkreuzung, von der man aus zum Teich gelangt wäre, hatten wir uns wie geplant mit Pilzen und Fallobst beschäftigt. Des Schatzis Begeisterung ging dabei wieder mal so weit, als dass sie dabei weit gegangen ist. Oder besser: gekrochen. Ins Unterholz. Ohne Rucksack. Der hätte dabei ja auch nur belastet. Und blieb am Wegesrand stehen. Ich selbst hatte meinen gar nicht abgeschnallt und ihren vorsichtshalber im Auge gehalten und mich auch nicht allzu weit von dem entfernt.

Des Schatzis Begeisterung folgend kam ich dann doch ihrer Aufforderung nach und kroch ebenfalls ins Dickicht. Allerdings mit eigenem Gepäck bepackt. Und leider diesmal ohne den abgestellten Rucksack an mich und mit mir zu nehmen.

Tja. Und dann meinte sie, den Akku wechseln zu müssen und kroch aus den Büschen zum Weg. Da war aber kein Akku mehr. Da war nichts mehr. Den kompletten Sack hatte einer – aller Wahrscheinlichkeit nach mit einem Fahrrad – mal eben schnell geschultert und ist dann damit unbemerkt und unerkannt abgehau’n.

Als sie sich noch völlig verdattert mit dem Verlust ihres gesamten Hab und Guts beschäftigt hatte war ich schon im Dauerlauf auf dem Weg zum Auto. In dem Sack waren auch alle Wohnungsschlüssel drin. Und ihre Ausweisdokumente. Also alles was man braucht, um sich mal eben schnell unkompliziert Zugang zu einer Wohnung zu verschaffen, so wie als wenn man da selbst wohnen würde.

Ich hatte sie – nach dem Dauerlauf mit Marschgepäck immer noch heftig nach Luft ringend – mit dem Panzer vom Ort des Geschehens abgeholt. Sie wollte hier auf die Polizei warten. So’n Quatsch. Was hätten die hier tun sollen? Die Diebstahlanzeige haben die telefonisch sporadisch aufgenommen und wir direkt mit Kondensstreifen nach Hause geflogen. Wenn die Gurken noch Fragen gehabt hätten, hätten sie die auch da stellen können. Und die Bude muss ab jetzt bewacht werden. Solange, bis die Schlösser ausgewechselt worden sind. Die Aufgabe bestand jetzt darin, ALLES was an Kreditkarten und so’n Zeugs mißbraucht hätte werden können, direkt sperren zu lassen.

In der Zwischenzeit bin ich – aber diesmal mit dem Fahrrad im Auto – zum Voßnacken zurück gedüst, um den Täter oder den vielleicht weggeworfenen Rucksack nebst Inhalt ausfindig zu machen. Manche Idioten greifen ja nicht alles ab. Und wenn man Glück hat, wird nur grobes Zeugs abgegriffen.

Bei meinen ausgiebigen und ausschweifenden Runden konnte ich nichts entdecken. Bis auf den trockenen Teich. Zwischendurch fiel mir ein, dass das Fahrrad des Täters ja Spuren am Tatort hinterlassen haben müsste. Und ich wie ein Pfadfinder auf Spurensuche hätte gehe können, um zumindest die grobe Fluchtrichtung einzugrenzen. Aber am Ort des Geschehens lag einfach zuviel Laub und das ließ keine Reifenspuren zu.

Das grauenhafte Ereignis dieses Tages schien mit seiner nachhaltigen Wirkung somit auch die folgenden in Arsch drinne rein gehen zu lassen …

Zu Hause wieder angekommen erhielt ich Meldung, dass wir zur Polizei RE-Süd müssen. Dort wird die Anzeige aufgenommen. Und die Formalitäten geklärt.

Die im Normalfall kurze Fahrt dahin war dann auch ein Abenteuer: die Bochumer Straße wurde ausgerechnet heute mal kurzerhand für so’n überflüssiges Stadteilfest gesperrt. Und die Umleitungen durch Süd waren geprägt von verstopften 30er Zonen und hoffnungslos überbelegten Parkplätzen.

Nach einer gefühlt endlosen Odyssee durch Süd sind wir bei der Wache angekommen. Ich dachte, die gäb’s gar nicht mehr …

Der Beamte war sehr freundlich und strahlte dem Wetter angepasst ebensolche Wärme und Herzlichkeit aus. Machte die Sache zwar nicht einfacher, aber dafür entspannter.

Wieder zu Hause angekommen, rief die Edith an. Sie sei von den Sherriffs aus Herne-Mitte angefunkt worden, weil der Rucksack des lieben Töchterchens von einem aufmerksamen ehrlichen Finder dort abgegeben wurde.

Also auf nach Herne. Diesmal mit einem Anflug von Glückseligkeit im Mundwinkel, weil der uns mitgeteilte Umfang der Fundsache von uns als fast vollständig bestätigt werden konnte.

Sie erhielt ihren Rucksack mit fast allen Habseligkeiten wieder zurück. Es fehlten aber das Einbeinstativ, die Nikon P610 mit Gurt und 140 € Bargeld. Immer noch fast 600 Taler Verlust. Aber ersetzbar. Wären die ganzen persönlichen Dokumente auch noch weg gekommen und die Schlüssel von 3 Wohnungen, wäre das ganz böse ausgegangen. So muss man sich eben den Spott gefallen lassen, dass Dummheit bestraft wird. In diesem Fall allerdings immer noch ziemlich heftig. Geld kacken kann ja nunmal keiner

Ich hielt es für ausserordentlich wichtig, dass wir uns beim ehrlichen Finder persönlich erkenntlich zeigen müssten und bin dann nochmal rein in die Wache und hab mir die Kontaktdaten geben lassen. Das Schatzi hatte das in ihrer Aufregung einfach ausgeblendet. Kann passieren.

Nach einem kurzen SMS-Austausch erklärte der Finder dann später am Telefon, dass er den Rucksack hinter einer Sitzbank im Mont-Cenis-Park entdeckt hat. Er hat auf einen Finderlohn verzichtet. Was wir erst gar nicht respektieren wollten. Aber in dem länger andauernden Telefonat hatte er seiner Intention dann nochmal Nachdruck verliehen unter dem Hinweis, dass uns ja bereits genug Schaden entstanden sei.

Sowas nenn ich mal „großherzig“. Es scheint sich mit diesem Menschen zu bestätigen, dass es hierzulande heutzutage doch noch Ausnahmen von der Regel gibt …


°loco°


°ego sententiam°

Sie hatte im Oelbachtal bereits diese merkwürdige Anwandlung, ihren Rucksack einfach da stehen zu lassen, wo sie ihn der Bequemlichkeit halber abgeschnallt hatte. Und ich hatte ihr den hinterher getragen. Was mir nichts ausgemacht hat. Aber ich war doch verwundert, dass sie ihren wertvollen Herzensplunder unbeaufsichtigt liegen lässt.

Im LIDL und ALDI klebt ihre Goldbörse förmlich an ihrer Hand, sodaß sie manchmal gar nicht in der Lage ist, unfallfrei Ware in die Einkaufskarre zu legen. Und draußen im Feld, wo man gar nicht mitbekommt, dass sich jemand an ihrem Eigentum vergreifen könnte, lässt sie die ganzen Wertsachen einfach so liegen.

Ja. Dieser Tag wird ihr eine Lehre sein. Wenn nicht, werd‘ ich sie dran erinnern. Und vielleicht sogar wieder ihren Plunder hinterhertragen, damit sie’s etwas bequemer beim Knipsen von Pilzen und Äpfeln und all dem Zeugs hat …


°illustrationen°:


°navigation auxilium°

… man könnte auch Navigationshilfe drauf sagen. Ab hier geht’s irgendwie weiter …