°descriptio°:
2019-02-14 – Alles gut, bis auf …
…später dann erst.
Der Tag fängt gut an
Geschlafen hab ich wie ein Stein. Die Novalgin-Tropfen sind eine tolle Erfindung. Der 25jährige hat die deshalb ständig in Gebrauch, so sagt er. Erst war ich heute morgen auch noch Feuer und Flamme für das Zeug, aber man könnte sich dran gewöhnen. Und dann wäre ja die Wirkung verpufft. Ich hab es deshalb mal besser sein gelassen, meine Bestellung für den Heimgang aufzugeben. Ich hätte nämlich eigentlich gerne so’n sparsames Familienfläschchen-togo bei der Entlassung eingepackt…
Die Stationsschwester stürmte um 6:30 Uhr das Zimmer und mahnte zum Aufstehen. Die beiden Kollegen mussten das wohl mittbekommen haben und standen schon im Strumpf, als ich mich noch wohlig in der Poofe rekelte. Aber weil ich das Frühstück nicht ausfallen lassen wollte, schlüpfte ich dann auch in meine Gummisocken. Das hat prima geklappt. Keine Schmerzen!!
Und laufen konnte ich auch ohne nennenswerte Beeinträchtigungen. Eigenltich genauso, wie gestern abend. Ich war sehr zuversichtlich.
Also alles gut!!
Erstmal ’n Kaffee und so
Weil ich die letzten Tage nicht auf’m Pott war, steuerte ich als erstes den Patientenwarteraum auf der Station an. Da steht ’ne HighTech-Kaffeemaschine mit allem Zipp & Zupp. Ich zog mir einen Milchkaffe, streute 3 Päckchen Kohlenhydrate mit bei und ging erstmal auf Terrasse. Mein Innenleben war schon leicht angenervt, weil sich darmtechnisch noch nichts getan hat. Kippe und Kaffe sollten wohl zum gewünschten Sitzungserfolg führen. Hat ja sonst auch immer geklappt.
Auch der dritte Kaffee und die sechste Kippe machten sich nicht bemerkbar. Aber ich wollte noch vor dem Frühstück den Darm entleert haben. Mit leerem Innenleben lässt es sich entspannter Buttern. Ich musste mich auch beeilen, weil ich um 8:20 Uhr den Termin zum Wechseln der Verbände wahrnehmen und anschließend dann auch noch zur Physiotante wegen Lymphdrainage musste.
Die beiden Mitbewohner waren schon unterwegs und die Bude frei. Also konnte ich in Ruhe auf’n Pott und keiner betritt den Saal nach mir. Was mir Recht war, wenn’s denn passieren sollte. So muss ich mich für meine olfaktorische Hinterlassenschaft nicht schämen. Denn die Gase der vermeintlich zu erwartenden Menge an Darminhalt würden sicher den kleinen Raum gut füllen. Da würde auch das geöffnete Fenster nur wenig nützen.
Geht’s denn?
Ich hockte mich also auf den Kübel und harrte der Dinge die da hoffentlich freiwillig und von selbst kommen mögen.
Und wie immer musste ich warten.
Ich wurde dann etwas unruhig. Auch mit drücken aus dem Bauch heraus tat sich da nix. Und allzu heftig aus’m Bauch rauspumpen traute ich mich nicht, weil sich die Narben in der Leiste dabei spannten. Und ich erinnerte mich an die Worte des Operateurs: keinen Sport, bis die Krusten runter sind.
Wie also bekomme ich die Scheiße ohne weitere Verletzungsgefahr aus dem Darm?
Boah! HIIIILFEEEE!!
Ich wurde noch unruhiger. Weil der Proppen den Schließmuskel erreicht hatte, aber da um’s Verrecken nicht durchwollte. Das Gesäß spannte sich immer mehr. Von oben wurde der überschüssige Darminhalt anscheinend irgendwie nachgeschoben. Kam aber nicht raus. Statt dessen muss sich das derweil ausgetrocknete Zeug wohl innerlich immer stärker komprimiert und dabei wie ausgewrungen entwässert haben. Mir standen bereits die Schweißperlen auf der Stirn und ich dachte an die Erzählung meiner Mama, wie sie dem Papa dabei helfen musste, dass er das Zeug aus dem Darm bekommt: Gummihandschuhe, Creme und dann mit den Fingern rausholen.
Ich hatte keine Gummihandschuhe. Und keine Creme. Aber Mittel- und Zeigefinger. Die gingen rein, kamen aber an dem steinharten Inhalt nicht vorbei. Ich wollte die fühlbaren Brocken abbröckeln und rauspopeln. Das klappte aber nur zweimal. Statt dessen hatte ich die wie Pattex klebende Scheiße unter den Fingernägeln.
Dann fiel mir ein, dass ich mit warmem Wasser nachhelfen könnte. Ich hatte von Einläufen gehört, die sich andere selbst machen, um den Darm frei zu bekommen.
Also rüber zur Duschtasse, den Brausekopf abgeschraubt, Warmwasser eingestellt, den Arsch über’n Tassenrand gehangen und in der Hocke den Schlauch an die Rosette geführt.
Die Situation war an sich schon ziemlich unbequem: der Einstieg über die schmale Schiebetür war nur so groß, als dass man aufrecht gehend nicht allzu dick und breit sein durfte, um da durch zu passen. Und wenn man dann in voller Breite im Druchgang sitzt und beide Arme am Köper vorbei nach hinten legt, um mit der einen Hand den Schlauch zu halten und mit der anderen Hand im Loch zu pulen, wird’s echt eng mit der Bewegungsfreiheit.
So verkeilt hockte ich also über der Dusche und quälte mich selbst. Der Warmwasserzulfauf war auch nicht sehr zuerlässig. Kaum war es mir gelungen, dem Gefühl nach etwas warmes Wasser in den Darm zu spülen um der Sache mit ausreichend Flüssigkeit nachzuhelfen, änderte sich die Temperatur auf HEISS.
Die Tränen schossen mir in die Augen. Immer dann, wenn ichj es gerade geschafft hatte, die Metallschlauchöffnung so fest an die Rosette zu pressen um Wasser einzuspritzen, wurde es heiß am Arsch.
Ich wanderte zurück zum Pott und versuchte in entspannter Sitzhaltung mit Flüssigseife am Finger im Darm rumzupopeln.
Die Duschtasse war braun, der Pott war bis zum Rand verschmiert, aber es kam nichts raus aus’m Schlauch.
Ich gab entnervt auf, reinigte und desinfizierte mich und die Baustelle, zog mich wieder an und, trabte zur Stationstheke, erklärte detalliert meine desolate Siuation und bat die Schwestern um Hilfe. Einen Arzt können die gerade nicht mal nicht beirufen. Die seien alle schwer beschäftigt mit operieren und so.
Auf mein Flehen hin gab man mir eine winzige Tube mit irgend so’nem Zeug, das ich mir einführen sollte.
Abführmittel
Besser als nix, dachte ich mir, und rannte wieder zurück zum Klo.
Die kleine Öffnung der Einführtülle wurde auch direkt durch den wie Lehm klebenden Darminhalt verstopft. Ich bekam den Tubeninhalt erst gar nicht rausgedrückt. Irgendwann hat’s dann doch geplöppt und ich drückte die schleimige Substanz in die Röhre. In der Hoffnung, ich schlämme die Darmwände ein und das Zeug wirkt auch schnell.
Und das Zeug hat auch direkt mal was gemacht: zusammen mit dem Restwasser ist die plödderige Suppe direkt wieder aus dem Darm gedrückt worden. Allerdings ohne den Lehm.
Und wieder das Klo und mich gereingt und desinfiziert. Und wieder angezogen und wieder zur Stationstheke und mein Leid geklagt.
„Sie müssen Geduld haben, das wirkt nicht sofort…“. Doch, das hat gewirkt, aber nur kurz und ist schon wieder draußen und hat nix mitgebracht, jammerte ich. Geben Sie mir bitte noch so’n Ding, das eine ist verpufft. „Nene, wartense noch, da is‘ noch genuch bei Ihnen drin, das wirkt schon, müssense nur Geduld haben …“.
Geduld?!?! 😯
Ich war bereit zu Töten. 😈
Mittlerweil war’s schon kurz vor 9 Uhr. Mit Frühstück war also auch nix mehr. Also erstmal eine Etage tiefer die
Verbände wechseln lassen.
Ich kam natürlich zu spät. Und musste – trotz meiner Erklärungen über die vergangenen 2 Stunden – deshalb zur Strafe erstmal wieder wie immer warten. Eine Schwester nahm mich zwar zur Kenntnis, hatte mich aber nicht weiter beachtet. Ich also nochmal zur Theke: „Hönsema Schwester, ich willl ja nich‘ drängeln oder so – aba könnwa denn nich mal eben die Sache mit den Verbänden und so erledigen ? Weil ich muss nämlich ganz dringend kacken …“.
Dann ging’s auf einmal.
Ich sollte mich auf die Liege legen. Geht ganz schlecht, der Darm ist so voll, der drückt dermaßen auf’s Gesäß, Leute … Die Schwester knibbelte die Pflaster und Verbände ab und klebte neue drauf. Dann kam die Ärztin und machte Auge auf die verbliebenen Reststrippen. „Woll’n wir die heute wechmachen oder sollnwa näxde Woche da dran?“. Wenn das heute machbar wäre, fänd‘ ich das schon ganz schick. Sie spritzte irgendson Bauschaumzeugs in den rechten Unterschenkel, machte Druckverband drüber, ließ mich die Gummisocken anziehen und verabschiedete sich mit den Worten, ich solle getz doch noch ’ne halbe Stunde ’ne Runde um den Pudding machen.
Machich.
Gang durch den Park
Ich nahm den Weg durch die Cafete. Die Trine dort war sehr nett und wollte mir nach meiner kurzen Berichterstattung – diesmal aber besser OHNE Details – erst noch das Frühstück an die Seite parken, meinte dann aber, dass ja eh gleich Mittag angesagt ist und wenn ich erst kurz vorher die Brötchen schaufeln würde, hätte ich keinen Hunger mehr auf was Warmes. Wär‘ doch zu schade, nech? Recht hatse.
Ich kreiselte also mit ’nem Pott Kaffee durch den Park. Laufen ging gut. Also mit den Beinen. Nur der Darm machte den Druck. Vor dem Mittag MUSS die Scheiße da raus sein, dachte ich bei mir. Hoffentlich wirkt bis dahin der Rest vom Gelee.

Zurück auf’s Gemach
Der Druck war unerträglich. Ich bin dann nach der verordneten halben Stunde Gänsegang dann zurück auf’n Pott. Das MUSS doch jetzt gehen.
Und die Prozedur der morgendlichen Katastrophe wiederholte sich.
Bis sich dann irgendwann mit selbst erzeugtem übermenschlichen Innendruck auf die hart gewordenen Weichteile und auf die Gefahr hin, dass die Nähte reißen, der aus Lehm gebrannte Bolzen (der dem Gefühl nach mit Widerhaken an den vorstehenden Scherben ausgeerüstet war, um nur nicht nach draußen zu kommen und wenn, dann nur mit aufgeschlitzter Röhre) dann endlich rausgedrückt werden konnte. Als der Kopf raus war, ging’s dann. Ein Großteil des nachfolgenden Restes kam kurze Zeit später dann auch mit. In Schweiß gebadet und unter Tränen hab ich diese Prozdur endlich hinter mich bringen können. Die Schmerzen dabei waren dermaßen heftig, das ich die OP schon wieder vergessen hatte.
Endlich Mittach
Ich hab’s geschafft und war geschafft und nahm trotzdem, jetzt aber sichtlich entspannt und erfüllt mit appetitlicher Vorfreude die Treppe hinunter zum Trog. Schnitzel mit Pilzsosse und Kroketten sollte es geben. Ich war gespannt.
Die Kroketten waren plödderig weich und gefühlt ungar. Von Geschmack keine Spur. Das Schnitzel verhielt sich ähnlich. Und die Pilzsausse zog in das Ensemble ein und verstärkte den Eindruck, dass man es hier mit unbeaufsichtigtem Großküchenfraß zu tun hatte. Kein Vergleich zur Cura, in der man ein 3-Gänge-Mittachessen mit Getränk für knapp 5 Taler bekommt und danach rundum satt und zufrieden ist.
Ich hätte mir DAS Elend hier und heute dann doch besser ersparen sollen. Aber der Hunger trieb’s rein.
Angepisst brachte ich das Tablett zum Sammelwagen und machte nach zunächst freundlicher Aufforderug artig Meldung über meinen Eindruck. Bekam ich zur Antwort, ich sei hier schließlich nicht im Hotel und Kroketten aus ’ner Großküche werden nu’ma nich‘ so toll wie in ’ner Pommesbude. Dann sollnse auf so’n Scheiß verzichten und vernünftiges Essen machen und nich‘ so’ne Billichscheiße, an der man sich Gaumen und Magen verrenkt, entgegnete ich schroff, weil ich die Einlassung der Ollen für mich als offenen Angriff gewertet hatte und einfach nur zurückballern musste. Frechheit, sowas … Das kommt direkt in die Bewertung.
Physiotherapie
Eigentlich erfreulich, dass man sich hier den Patienten so widmet. Gegen 14:30 Uhr gewährte mir die Physiotante dann auch die angekündigte Audienz. Ich musste wieder raus aus den Socken und sie betüddelte meine Lymphknoten. Sprach davon, dass das den Wundwasserabfluß über die Knoten fördere und den Heilungsprozess beschleunigen könnte. Toll, sagte ich, dann machense ma’… Nene, sie hätte jetzt auch keine Zeit mehr und gab mir ’n Zettel mit ’ner Bedienungsanleitung in die Hand: Verhaltensregeln für gerupfte Gänse. Pferde haben übrigens auch Krampfadern…
Ich also wieder rein in die Socken. Einfach ist das auch nicht, wenn man keine Übung hat. Aber das wird schon, dachte ich so. Für heute hatte ich die Schnauze dermaßen voll und suchte über das Weite das Gemach auf.
Entlassung – für andere
Irgendso’n Doc kreiste durch die Hallen und Flure. Um schon mal diejenigen auszusortieren, die keiner weiteren Aufsicht mehr bedürfen und vorab ihre Bude räumen können. Meine beiden Mitbewohner waren auch Kanditaten für eine vorzeitige Heimkehr. Als letzter wurde dann ich untersucht. Vorher musste ich wie immer warten. War ja klar. Der Doc war sich während der Untersuchung nicht ganz sicher, ob ich auch entlassen werden könnte. Er fragte mich, ob ich denn auch gehen wolle. Ob ich wolle oder könne stehe nicht in meinem Ermessen zu entscheiden. Ausserdem ist das hier ja wohlk auch kein Wunschkonzert. Wenn ER – der Doc – meine vorzeitige Entlassung aus medizinischen Gründen befürworten könne, würde ich dem Folge leisten. Aber nicht deshalb, weil ich unbedingt heute noch meinen eigenen Kühlschrnk leer fressen will. Der hat sich’s dann überlegt und meinte dann, dass es wohl doch besser wäre, wenn ich noch’ne Nacht hierbleiben würde. Sicherheitshalber. Für wen?
Das Rollkommando
Die Bude war nun leer und ich alleine auf’m Zimmer. Auch gut. Ich versuchte nochmal, die verbliebenen Altlasten aus meinen Darm zu pressen, hatte nach einiger Quälerei dann auch einen kleinen Erfolg und versuchte dann, mich auf meiner Pritsche ein wenig auszuruhen. Die Sache mit dem Darm hatte mich eingeholt. Schlafen konnte und wollte ich nicht. Ich machte den Fernseher an. Kurze Zeit später stürmte das Rollkommando die Bude und machte Grundrein. Lasse machen. Mich stört’s nich …
Ich fühlte mich nur knapp 40 Jahre zurückversetzt. Meine Mama hatte Samstags die gleichen Anwandlungen, während ich nach ausschweifender Zechtour mit Stirndrücken noch im Bett lag und mich regenieren musste. Sie musste stattdessen dann tatsächlich morgens um 9:00 Uhr schon mit dem ollen Vorwerk durch mein Gemach rödeln. Und der alte Scheißsauger macht einen Krach, wenn man da nur so liegen möchte. Boah Mama!!
Nach etwa 3 Stunden aufmerksamen Studiums verschiedener unbekannter freier Sender, die zu 99% völligen Bullshit verbreitet haben, bin ich dann runter in die Cafete zum Essenfassen. Abendessen. Das sah gut aus. Frisches Brot, frischer Salat, Frischkäse … Geht doch. Auf jeden Fall um Längen besser als das grausige Mittagessen.
Ich machte mich wieder auf den Weg und bummelte durch den Park, bis die Schotten dicht gemacht worden sind. Dann tummelte ich mich nur noch draußen und bei klarem Sternenhimmel auf der Dachterrasse, die nur zwischendurch und dann auch nur sehr spärlich und kurz von den zu recht Übriggebliebenen besucht wurde.
Als Betthufpferl ließ ich mir vom Nachtpfleger nochmal ein Becherchen mit lecker Tröpfchen und ’ne lustige Gute-Nacht-Pille ausgeben.
°loco°
°ego sententiam°
Und so kam es, dass ich der Meinung war, dass es hätte schlimmer kommen können. Wobei die Sache mit der Kackerei ja nun schon schlimm genug war. Die Operation allerdings war Historie, an die habe ich gar nicht mehr gedacht. Ausserdem ging’s mir, nach dem der Darm wieder auf Normal-Level war, blendend. Ich konnte laufen, ich konnte essen, ich konnte rauchen – was sollte mir noch passieren? Alles war gut. Und morgen geht’s nach hause. Dann wird erstmal ein bischen gelaufen. Das hat mir der Arzt verordnet …
°supplementum°
Kein Nachtrag in Sicht.
°illustrationen°:
Keine Zeit gehabt, Fotos zu machen …
°navigation auxilium°
… man könnte auch Navigationshilfe drauf sagen. Ab hier geht’s irgendwie weiter …