2020-06-01 – NSG Hafen Herten

2020-06-01 – NSG Hafen Herten

°descriptio°:

Ich kam mal wieder spät aus den Socken. Stand dann aber dann doch noch rechtzeitig auf der Ruderalfläche des ehem. Klärwerks, um an dieser Stelle einen bei der derzeit anhaltenden Trockenheit – man kann fast schon Dürre drauf sagen – notwendig gewordenen Einsatz der Feuerwehr (unfreiwillig) zu dokumentieren. Nicht, weil es irgendwo (hinterher hat sich herausgestellt, dass es an einer verbliebenen kleinen und garagenähnlichen Lagerhausruine war) gebrannt hat, WEIL es knochentrocken war und eine Selbstendzündung wie in Australien üblich und erforderlich stattgefunden hat.

Nein. Das war nicht der Grund. Der war viel subtiler. Und hausgemacht natürlich.

Das Versammlungsverbot, dass der ominöse Virus mit sich brachte, hat die Verstrahlten auch zu mehr Freizeit und damit verbundene Langeweile gebracht und das schöne Wetter lädt ja ohnehin zum geselligen Grillen draussen in der unberührten Natur ein. Einweggrills gibt’s für ’n schmalen Taler im Aldidl zu kaufen und das passende und schon tüchtig eklig  vorgewürzte Gammelfleisch wird da gleich mit vertickt. Der Geschmack spielt ohnehin keine Rolle, weil der mit lauwarmem Bier aus der Plastikflasche und billigem Fusel wechgespült wird. Solange, bis man nix mehr merkt. Auch nicht, dass es um einen herum brennt.

Aufmerksame Spaziergänger vom gegenüberliegenden Kanalufer haben die aus dem Baumbestand aufsteigende Rauchsäule gesichtet und geistesgegenwärtig Polizei und Feuerwehr alarmiert.

Leider wurden die Brandstifter nicht mehr angetroffen.

Aber zum Glück kamen die Einsatzkräfte immerhin noch rechtzeitig, um Schlimmeres zu verhüten. Wäre die Fläche abgebrannt – und die wäre KOMPLETT zwischen den angrenzenden Gewässern von Emscher und Kanal bis auf den Beton an der Spundwand abgebrannt – dann hätte ich mir ein neues Nahziel suchen müssen. Was in Anbetracht des hier um sich greifenden Bebauungs- und Aufräumwahnsinns zum Scheitern verurteilt wäre.

Gut, es gibt ja noch Strickzeug. Nicht nur im Winter beruhigen kunstvolle Handarbeiten …


°loco°

Beinahe nicht mehr hier


°ego sententiam°

Der Zwischenfall hat mich nicht sonderlich aus der Ruhe bringen können. Wobei ich natürlich schon befürchtet habe, dass ein Flächenbrand vernichtende Folgen und dann auch noch ein Betretungsverbot des Geländes hätte nach sich ziehen können. Aber wer will das schon durchsetzen? Dazu müsste man das Areal wie Mexico mit ’ner 5 Meter hohen Betonwand einfrieden. Das macht heutzutage natürlich ausser Trumpel keiner. Es wird ja noch nicht mal erreicht, auf der Bochmer Straße dauerhaft (vor allem nachts und an den Wochenenden) dafür zu sorgen, dass die keine Rennstrecke für die vollverstrahlten Profiasis ist.

Interessant dabei ist ja zu erwähnen, dass die Klientel duchaus nicht weltfremd ist. Ganz im Gegenteil. Amerikanische Gepflogenheiten werden ja gerne hier übernommen. Und wenn auf einem riesigen ausgetrockneten Salzsee auf kilometerlangen Strecken mit selbstgeklöppelten Raketenantrieben angetriebene Fahrzeuge bis an die Grenze der Belastbarkeit für Mensch und Material betrieben werden, dann liegt es doch nahe, das Gleiche hier in einem etwas kleineren Maßstab nachahmen zu müssen, um die ungeteilte Aufmerksamkeit der restlichen Welt auf sich ziehen können. Wenn man schon nicht nach Amiland reisen kann, dann holt man sich doch ’n Stück Amiland eben nach hier hin.

Dabei ist es dann auch schon wieder egal, dass die Strecke nicht aus einer festen amerikanischen Salzschicht besteht. Das geht selbstverständlich auch auf notdürftig geflicktem europäischen Asphalt.

Hauptsache ist, unfreiwillige Passanten (und vor allem die Anwohner) werden von dem  Spektakel, den ausgeräumte Abgasanlagen, brüllende Motoren, quietschende Reifen und durch die kranke Elektromukke scheppernden Karosserien der gummibereiften Kasperbuden belästigt.

Wer nicht hinsieht muss eben zuhören.

Die Stadt Recklinghausen wünscht allen eine gute Unterhaltung.


°supplementum°

Kein Nachtrag erforderlich.


°illustrationen°:


°navigation auxilium°

… man könnte auch Navigationshilfe drauf sagen. Ab hier geht’s irgendwie weiter …