°descriptio°:
Wie es dazu kam
Mit Ablauf der Kündigungsfrist im August 2019 hab ich den Nutzungsvertrag mit der SchweissDiele gekündigt. Das zwischenzeitlich sich schon morgens dort tummelnde Publikum hat mir nicht mehr wirklich zugesagt und mir den Spass an der Sache, die eigentlich wichtig für mein weiteres persönliches Wohlbefinden gewesen wäre, verleidet.
Für die allgegenwärtigen Schwachmaten wurde dann auch mittlerweile in merkbarer BILDzeitungsmanier das Schlagwort „Corona“ erfunden. Dieses an sich bedeutungslose Wort hat seit März dieses Jahres zu Veränderungen der Lebensgewohnheiten geführt, die ich mir persönlich nicht mehr hätte träumen lassen:
- Ich kann tatsächlich bei Aldidl den Einkaufswagen ungestört bis zur Kasse schieben ohne damit rechnen zu müssen, dass am Kassenband das nachfolgende rücksichtslose Arschloch mit seinem Händipizzablech mir seinen Wagen in die Hacken rammt.
- Ausgangssperren haben derweil zu einer ungeahnten Stille auf den Straßen geführt, die sich aber nach den Lockerungen der Verhaltensregeln leider wieder auf Normallärmpegel eingepegelt hat.
- Die Menschen halten respektvollen Abstand zueinander und belästigen vor allem MICH nicht mit ihren widerlichen Körperausdünstungen.
- Die Maskenpflicht ist eigentlich ein Segen. Die Bekloppten sind gezwungen, anderen in die Augen zu schauen um zu erfahren, was gerade abgeht. Dass ich gerne deutlich böse gucken kann, wurde mir in der Vergangenheit bereits attestiert und dieser Umstand ist für mich förderlich, um meinem Wunsch nach unbeengtem Tanzbereich ohne Worte Ausdruck zu verleihen.
- Und insgesamt ist das ansonsten völlig hektische und aus den Fugen geratene Leben abrupt entschleunigt worden, weil andere plötzlich Geduld üben müssen. Vor allem wenn es um den Erhalt von zufällig knapp gewordenen Verbrauchsgütern wie Klopapier geht. Mich betrifft das weniger. Ich komme mit drei Rollen mehr als drei Monate hin. Bis dahin gibt’s auch wieder mehr als reichlich Klopapier.
Allerdings hat „Corona“ auch nicht ganz so schöne Begleiterscheinungen. Die allerdings nicht von „Corona“ selbst, sondern allein von hochdotierten Berufsvollpfosten zu verantworten sind.
Der sofortige und hastig übereilte Erlass, Begegnungsstätten wie z. B. Restaurants, Gaststätten, Schulen, Kindergärten, Sportanlagen usw. für den Besucher- und Nutzerverkehr zu schließen, betraf natürlich auch die SchweissDiele meiner Wahl. Und ich war froh, den Vertrag schon letztes Jahr an den Nagel gehängt zu haben. 17 Taler im Monat auf Dauer und unbestimmte Zeit für taube Nüsse zu zahlen wäre mir derzeit dann doch ’n Dorn im Auge. So war ich froh, die Entscheidung zum Ausstieg noch rechtzeitig getroffen zu haben.
Aber es fehlte der Ausgleich für das einmal Begonnene.
Die Ersatzbeschaffung
Die Qualität meiner anfangs allein durch Willenskraft und Selbstmotivation erreichten physischen Verfassung ließ zunehmend nach. Und mit ihr auch die Qualität meiner Psyche. Von der Sehkraft mal ganz zu schweigen …
Meine Gedanken kreisten also seit ein paar Wochen um den Erwerb eines geeigneten Ertüchtigungsgerätes. Mein ursprünglicher Wunsch war ein Rudergerät. Mit dem Ding hatte ich in der SchweissDiele eigentlich den meisten Spass gehabt. Aber nur Rudern ist auf Dauer dann doch nicht das ultimative Ding. Für ein zweites Gerät ist aber definitiv kein Platz in den residenzialischen Gemächern. Es gibt zwar Geräte, die passen in den Schuhschrank. Aber von derlei Spielzeugen wollte ich unbedingt Abstand nehmen, um mir den Frust beim Dauergebrauch zu ersparen.
Bei Amazon wurde ich natürlich direkt fündig nach dem Gerät, was mir als Rudergerät gefallen hat. Den Neupreis zu zahlen war ich natürlich nicht bereit. Ein gebrauchtes Gerät erfüllt den gleichen Zweck zum halben Preis.
Zufällig stieß ich bei meiner Suche auf ein Kombi-Gerät: mit dem man Rudern UND Radfahren kann. TOPP. Das will ich haben. Aber auch nicht für neu. Meine Bestellung für eine preislich attraktive weil für mich gerade noch bezahlbare gebrauchte Maschine ging raus und ich bekam direkt die Rückmeldung, dass der Bestellvorgang storniert worden sei.
Zweimal habe ich bei Amazon gelisteten Verkäufern versucht, mein Wunschgerät zu erhalten. Zweimal wurde meine Bestellung storniert.
Auf Nachfrage erklärte mir ein freundlicher Amazon-Kundendienstmitarbeiter in einem von mir eigens dafür aufgemachten Fasses – äh: Chat heisst das heute … -, dass der Verkäufer aufgrund von Kundenrückmeldungen als „nicht vertrauenswürdig“ eingestuft sei und Bestellungen bei dem direkt von Amazon automatisch gesperrt würden.
Letzter Ausweg: eBay
In den Kleinanzeigen der Bucht sollte ich fündig werden können.
Und ZACK !! wurde ich dann auch !!
Die am am 19.08.2020 eingestellte Offerte beschrieb ein fast neues Gerät, fast ungebraucht für einen Bruchteil des Preises eines Neugerätes. Nur 26 Beobachter drauf, aber für meinen Geschmack 26 zuviel. Ich brach mit meinen Konventionen und nahm das Telefon in die Hand um den Verkäufer von meiner uneingeschränkten Kaufbereitschaft zu überzeugen und MIR das Ding zu verkaufen.
Mein Anruf brachte mir den erhofften Erfolg und es war beschlossene Sache: das Gerät konnte ich abholen …
Der Knackpunkt war nur: das Ding steht
am Ende der Welt.
Also in Bayern.
Genauer gesagt: in Landshut.
Das ist irgendwo südlich der Donau, östlich von München, westlich der tschechischen Grenze und nördlich der Alpen.
In meinem Kopf rotierte schon wieder die virtuelle Routenplanung und wo man überall da hin könnte um was zu sehen, was man vielleicht nie wieder sehen wird …
Mich haben ca. 650 km Autobahnfahrt in geschätzt 7 Stunden erwartet. Wenn alles glatt und nach Plan läuft.
Vereinbart war die Abholung dann direkt auch am Folgetag meine Anrufs, also am Freitag.
Erster Tag
Anreise
Bis ich meinen Plunder zusammen hatte, der Panzer getankt und ich es mir noch anders überlegt hatte, den Zeitraffer dann doch noch zu machen, war es schon fast wieder Mittag. Um 11:45 Uhr war ich dann endlich unterwegs.
Die A45 werde ich wahrscheinlich in Zukunft meiden. Die Buckelpiste ist keine Autobahn sondern eine einzige Dauerbaustelle.
Ich hatte nur 2 x jeweils max. 5 Minuten Pinkelpause gemacht. Und nach Ablauf von 40 Minuten versucht, irgendwo einen Parkplatz zu erwischen, um das Zeitrafferintervall, das der Türstopper machen sollte, neu zu starten.
Und ich war, trotzdem ich nur einmal in Landshut geradeaus statt links gefahren bin, mehr als eine Stunde länger unterwegs als vorausgesagt.
Geschwindigkeitsbeschränkungen, unerklärliche Staus, Urlaubsreisende mit sündhaft teuren aber seeehr langsam und vor allem seeehr vorsichtig selbstfahrenden Einfamilienhäusern in beiden Richtungen, dazwischen unendliche Kolonnen von Monster-Trucks, das alles in nervenaufreibenden überdimensional gigantischen Baustellen – und allen voran die pflichtbewusste bayrische Polizei die mir (und anderen Ausländern) etwa 20 Minuten im Schritttempo vorausfahrend freundlich beschützende Eskorte geleistet hat, sind Gründe, eine derartige Zeitplanung in Zukunft etwas großzügiger anzusetzen.
Ziel erreicht
Gegen 19:30 Uhr bin ich am Ziel gelandet und wurde auch sehr freundlich empfangen. Die ganze MusterFamilie war auf den Beinen, um einen verschwitzten langhaarigen kulturfremden Zeckenzüchter aus der Nähe zu sehen. Die Mutter (mit der ich den Kontakt hergestellt und die mir die Einzelheiten über den Verkauf erklärt hatte), der Vater (ein junger Bursche, aber angeblich schon herzkrank und lieber mit dem Hund draussen als auf dem zu verkaufenden Gerät ist), die beiden Töchter (die jüngere, die wegen ihrer Telefonierleidenschaft im Callcenter Karriere machen wird, und die ältere, die hoffentlich nicht als Callgirl endet) und natürlich das noch junge Rhodesian-Ridgeback-Mädchen (das erst skeptisch dem Onkel gegenüber war, aber dann, als die Heckklappe des Panzers geöffnet wurde, nicht mehr zu halten war und mitfahren wollte – von wegen der Alte läuft mit der im Wald …).
Ich wollte das Prozedre so kurz wie möglich halten, ohne dabei unhöflich zu wirken, denn mich hat der Sonnenuntergang gejuckt, der Landshut in ein ganz besonders schönes Licht getaucht hat. Den Moment wollte ich für mich fangen. Da war mir überflüssige Quasselei völlig unwichtig.
Ich hab bezahlt, bekommen was ich wollte, mich artig für alles bedankt und bin nach 20 Minuten wieder auf der Piste gewesen.
Landshut
In Landshut scheint es am Wochenende (und auch an allen anderen Tagen) nur sehr knapp mit öffentlichem Parkraum bestellt zu sein. Den Panzer hab ich dann an einer Hauptausfallstraße auf dem Privatparkplatz der AOK abgestellt, den Esel gesattelt und bin zurück in die Innenstadt geritten.
Der Weg zur Burg ist allerdings ohne motorisiertes Gefährt für einen Schwächling wie mich keinesfalls ohne ernsthafte Schäden an Leib und Leben zu bewältigen. Von der Stelle meiner Zwangspause bis zur Burg waren es nur noch 170 Meter. Im Normalfall ein Klacks. Aber nicht für mich. Vor allem war nicht klar, ob ich da um die Uhrzeit noch reinkomme. Und dann hätte ich da gestanden: enttäuscht und ohnehin dem Tode nah. Ich nahm den Weg zurück. Der ging ja bergab. Sehr bequem, wenn die Bremsen funktionieren. So konnte ich mir auf dem Rückweg in Ruhe ansehen, was mir beim Aufstieg entgangen ist …
Basislager
Ich war für eine mehrtägige Expedition nicht wirklich gut vorbereitet. Aber eine Übernachtung in einer Pension oder ähnlichem schied definitiv für mich aus. Der Panzer ist schließlich groß genug. Nur der Esel musste für die Matte weichen. Weil ich mangels Knatter nicht vor hatte, noch weiter nach Süden und am besten bis in die Alpen zu fahren, nahm ich wieder Kurs in nördliche Richtung.
Im Nachhinein hab ich das bedauert. Aber das Wetter hat es am anderen Tag eh nicht hergegeben, von daher war es schon besser so, wieder die Kursrichtung auf Residenzia zu setzen.
Über unbekanntes Land und nur von einem Navi geleitet, dass ’ne alte Karte hat. Richtig abenteuerlich wurde die Nachtfahrt, als ich eine Baustelle erreichte, die keine Umleitung und auch sonst nichts Aufschlußreiches kannte, was dem fremden Wanderer einen Hinweis gegeben hätte, wo’s denn wohl lang gehen mag …
Das Navi hat mich also hoffnungslos im Kreis geführt. Am Tage würde ich mehr sehen und mich optisch orientieren können und ich bog auf einen Wirtschaftsweg ab. Hier war’s dunkel. Auffallend dunkel. Und veranlasste mich zum Aussteigen. Ich hatte Kohldampf und mir unter klarstem Sternenhimmel mein mitgebrachtes Müsli gelöffelt.
Dann nochmal die Position des Panzers gewechselt und an einem Holzstapel den Esel auf die Weide gelassen.
Ich kam erst gar nicht in den Schlaf, so herrlich war die Luft und die Stille und die Sterne.
Zweiter Tag
Von einem Rotkehlchen und einem phantastischen Sonnenaufgang geweckt bin ich unerwartet ausgeruht und entspannt wieder startklar gewesen. Den Sonnenaufgang musste ich mir konservieren. Und hab auch erst bei Tageslicht endlich feststellen können, wo genau ich denn hier gelandet bin.
Der Weg führte mich zurück zur Baustelle, die den weiteren Strassenverlauf einfach mal eben so komplett gesperrt hatte. Meinem Instinkt folgend nahm ich sowas wie einen Privatweg und war froh, dass der Panzer trotz der nur beiden vorne angetriebenen Räder halbwegs geländegängig ist.
Ich kam an einem stillgelegten Bahnhof auf den Zubringer der Straße, die mir von der Baustelle verwehrt wurde und nahm Kurs auf
Irnsing an der Donau
Nicht Irnsing direkt, da wollte ich nicht hin, Aber an der B299 kam ich über die Donau. Und an deren Überflutungsgebiete vorbei. Die könnte man sich ja mal anschauen. Wenn mich die Polizei oder die Fischfangbehörde erwischt hätte, säss ich jetzt im Knast oder wäre direkt standrechtlich vor Ort am erstbesten Baum aufgeknüpft worden. Und Bäume gab’s hier für diesen Zweck mehr als genug …
Zu meiner eigenen Sicherheit hab ich mich auch nicht lange hier aufgehalten und bin weiter nach
Neustadt an der Donau
Dort verhieß eine Fähre die Überfahrt über den Fluss. Was ich nicht wollte. Ich wollte aber die Fähre sehen. Wo findet man heute noch Fähren? Dazu müsste man an die Küsten des Vaterlandes.
Ein Stück weiter kam ich dann an die vermeintlichen Reste des ehemaligen Römischen Limes. Aus touristischen Gründen wird das 2000 Jahre alte Bauwerk hier natürlich besonders hervorgehoben. Zu sehen ist aber nichts. Zumindest nicht da, wo ich mich gerade befand. Lediglich ein Denkmal bietet für die Touris einen Hinweis, dass hier früher mal was war. Um mehr zu sehen, soll man laufen. Was ich auch nicht ernsthaft vor hatte.
Statt dessen machte ich einen Abstecher über eine asphaltierte !! Treckerspur durch den
Hienheimer Forst
Wo es – bis auf die Reste der Limes-Wachtürme – nichts weiter zu entdecken gab und ich wieder zurück auf die Landstraße gefahren bin. Ich befand mich in der Nähe von
Essing im Altmühltal
Vom Altmühltal sah und hörte ich neulich noch in einer ARTE-Doku. In das Altmühltal wollte ich und war auf dem richtigen Weg. Eine von der Straße aus gut sichtbare und anscheinend ansprechend erhaltene Burgruine weckte mein Interesse.
Burgruine Randeck
Mit dem Esel wäre ich die Serpentinenstraße hoch zur Burg nicht geritten. Landshut hat mir schon gereicht. Vielleicht ein anderes Mal. Aber nicht heute. Ausserdem hatte ich noch nicht gefrühstückt. Eigentlich frühstücke ich ja nie. Aber ich hatte mir kürzlich vorgenommen, dass nun in Zukunft wohl besser doch zu tun.
Vor mir eierte ein Wohnmobil den Berg hoch. Und parkte auch vor der Burg. Was mir missfiel. Die waren echt früh dran mit ihrem Überfall. Ich hab gewartet, bis die in der Burg verschwunden sind. Da wird es für Touris bestimmt irgendwelche Attraktionen geben, die mich schon allein wegen dem Zweck an sich nicht interessieren und deshalb der Pöbel meinen Weg nicht kreuzen wird.
Vor der Burg stehen Wohnhäuser. Und die dort lebenden Menschen habe es mit dem Ausblick wirklich gut getroffen. Wenn nur die Touris nicht wären, die bei denen im Vorgarten rumlaufen und wie ich ihr Pflaumenfrühstück vom Baum pflücken.
Wieder zurück im Tal wollte ich an die Altmühl. Flüsse werden ja immer gerne genommen.
Eine Hinweistafel machte mich aufmerksam auf die
Weltenburger Wanderwege
Die angegebene Internet-Adresse war tot. Was aber auch erst mal egal war. Ich hatte heute nicht vor gehabt, vier oder mehr Stunden zu wandern. Ausserdem wurde eine Schlechtwetterfront angekündigt, die Aussenaktivitäten ohne geeignete Schutzkleidung obsolet werden lassen.
Ich begnügte mich daher erst mal mit einer
Brücke zur Insel
Hier endete auch der Fahrradwanderweg. Die Brücke war gesperrt. Aber nicht unzugänglich. So konnte ich mich bis zum Beginn des erwarteten Gewitters noch ein bißchen beschäftigen um dann bei einsetzendem Starkregen den Fahrradweg entlang der Donau zu nehmen um zuerst zum
Tatzelwurm
zu kommen. Die Holzbrücke konnte ich schon von der Burgruine aus sehen, hatte aber keine Ahnung, wie ich da hin hätte kommen können. Dem Fahrradweg sei Dank.
Der führte mich dann auch weiter bis zum
Stauwehr der Schleuse 5
Alt, aber bezahlt. Und mittlerweile stillgelegt. Dem Anschein nach versucht man hier, die Anlage einem neuen Zweck zuzuführen. Und eine Biotopinsel würde ich für die zukünftig renaturierte Emscher ebenfalls sehr begrüßen. Allerdings müssten dazu so einige überflüssige Dinge wie die Stadthafen-Gastronomie und die Mühle und das Strommuseum und der ganze andere Scheiß hier weichen.
Der Mist, der bei uns rum steht, hat keinerlei historischen oder sonstwelchen Wert. In Bayern hingegen wird nicht nur Brauchtum gepflegt, sondern auch deren historische Bausubstanz. Sehr schön erkennbar an der
Burg Prunn
Die Besichtigung kostet und dauert. Für beides fehlen mir die Mittel.
Also weiter übers Land nach
Beilngries
Ich habe nicht hier angehalten um mich im Biergarten volllaufen zu lassen sondern nur deshalb, weil mich die Kirchtürme fasziniert haben. Ehrlich !!
Dieser Ort war dann auch leider meine letzte bayrische Station. Ich hatte noch einen langen Weg vor mir, Hunger sowieso und es war auch schon 15 Uhr. Also Zeit, jetzt mal nach Hause zu fahren.
Nach etwa 300 Kilometern bekam ich einen Blitz und änderte bei Frankfurt den Kurs auf
Hattersheim
Hattersheim ist die ehemalige Residenz des Meisters, der vor wenigen Jahren wohlweislich in die Gegend bei Stuttgart emigriert ist. Sein Vermächtnis ist aber hier – im Heiligen Gral, im Tempel der Sehnsucht, im Stonehenge der Entomologie – noch deutlich spürbar. In tiefer Ehrfurcht habe ich den Ort betreten dürfen, der für ganz viele Menschen zum Inbegriff des Suchenden wurde.
In der Abenddämmerung dann gemütlich der A3 folgend musste ich bei
Königswinter
den Anker schmeissen. Ein Falschfahrer hat einen Unfall verursacht und dabei sich selbst und andere unschuldige Menschen in den Tod gerissen.
Mir war die Wartezeit im Stau völlig egal. Ich musste an die armen Seelen denken, die heute morgen noch nicht geahnt haben, dass sie heute abend vor ihren Schöpfer treten.
Was mich dann noch beschäftigt hatte war der drohende Spritmangel, der mich ereilen würde, wenn ich den Panzermotor über Stunden im Leerlauf an lassen würde. Und natürlich war auch der Hunger belästigend, der mich ein bißchen aus der Spur brachte.
Was ich dann zwei Stunden später – nachdem ich von der A3 runterfahren konnte um über Land auf die A560 zu gelangen – deutlich zu spüren bekam. In einem Drecksnest – es muss Hennef/Sieg gewesen sein – wurde in der Ortseinfahrt direkt auf 30 runtergeschraubt und die Durchsetzung des rein finanziellen Interesses mit einer Wegelagererinstallation manifestiert.
Ich vermute, dass ich knapp über 40 auf’m Tacho hatte und mich die Sondertour 35 Taler extra kosten wird. So hoffe ich …
°loco°
Die Wegpunkte hab ich mir auf Google-Maps markiert
°ego sententiam°
Anstelle (m)einer Meinung, die keiner wissen will, mal zwei Zitate, die in diesem Fall wohl am ehesten treffen:
Unser Reiseziel ist niemals ein Ort, sondern eine neue Art, die Dinge zu sehen.– Henry Miller
Die größte Offenbarung ist die Stille.– Laotse
°supplementum°
Die genauen Kosten des nächtlichen Überfalls bekomme ich mit der Post zugestellt und werde an dieser Stelle nachtragend sein.
2020-09-27
Der Rhein-Sieg-Kreis, in dem die unbemannte Wegelagerei mit automatischen Lichtfallen zur Perfektion ausgebaut worden ist, war, anhand eines trotz der aufwändig versteckten Kamerakonstruktion verdammt schlechten Passbildes, welches man von mir beim nächtlichen Überfall ungefragt zur nachträglichen Erpressung angefertigt hat, der Meinung, dass ich
am 2020-08-22 um 23:27 Uhr in der Ortschaft Königswinter-Oberdüsseldorf auf der L 268 in Fahrtrichtung Rhein auf einem in den Ortsteil (ver)führenden topografischen Gefälle die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h nach Toleranzabzug um 7 km/h überschritten habe.
2020-10-05
Heute habe ich die angeforderte Spende für die dort offensichtlich in der Nacht nicht erwünschte Durchreise überwiesen …
°illustrationen°:
°movere imaginibus°
8.524 Einzelbilder mit 3 Sekunden Aufnahmeintervall von 11:45 Uhr bis 19:22 Uhr.
Knapp 7 1/2 Stunden Fahrtzeit gerafft in etwas über 6 Minuten
Aufgrund der anfangs komprimierten Dateigröße von fast 140 MB hab ich nochmal auf knapp 60 MB reduziert. Leider zu Lasten der Qualität. In Vollbild sollte man sich das derzeitige Ergebnis deshalb besser nicht ansehen …
°navigation auxilium°
… man könnte auch Navigationshilfe drauf sagen. Ab hier geht’s irgendwie weiter …





































































































































































