2025-03-04 – Veilchendienstag in Olfen

2025-03-04 – Veilchendienstag in Olfen

°descriptio°

Mit dem Besuch des erbärmlichen Rosenmontagsumzugs in der noch erbärmlicheren REhStadt war ich eigentlich mehr als bedient. Nochmal so einen lächerlich traurigen Schwachsinn wollte ich mir eigentlich NICHT mehr antun.

Die Enkelin vom Kalle, Angel heißt sie (ich hab mich hinsichtlich der Namensgebung auch gewundert, die lässt aber auch die bereits gewonnenen Rückschlüsse auf die Eltern zu, mit denen das Kind aber erfreulicherweise hinsichtlich seiner Art und Erscheinung nix weiter zu tun hat …), hat altersbedingt enorm Spaß an den vermeintlich großzügigen Rosenmontagsalmosen gehabt, die von den LKWs ins Volk geworfen wurden. Kinder in dem Alter sind in der erfreulichen Lage, den grässlichen Unfug von Erwachsenen auszublenden und einen annehmlichen Vorteil daraus zu ziehen.

Und weil Angel mit Begeisterung ihre Trophäen eingesammelt hat, stand die Frage im Raum, ob denn ein anschließender Besuch des Umzugs in Olfen ebenfalls zur Erheiterung führen würde.

An dieser Stelle der Hinweis, dass Olfen ein eigenständiger Ort und nicht Coesfeld ist, auch wenn’s von mir in diese Hauptstadt-Region verschlagwortet wurde. Olfen gehört aber geopolitisch zu Coesfeld, auch wenn die Olfener das anders sehen. Das ist quasi so wie mit Haltern und REh: kein Halterner fühlt sich als REh. Und Wanne-Eickel wurde bei der letzten Gebietsreform 1974 auch nur über einen Wahlbetrug in die lächerlich verarmte Stadt Herne eingemeindet, und dass auch nur, um an deren damaligen Wohlstand zu gelangen. Was die Wanne-Eickeler von dieser sichtlich benachteiligenden Eingemeindung im Zuge der kommunalen Neugliederung halten, ist hinlänglich bekannt. Für Wanne-Eickel war die Eingemeindung der ökonomische Anfang vom Ende, während das immer schon ärmliche HER trotz der hemmungslos geklauten Wirtschaftskraft auch nicht reicher wurde. Ich war noch nie ein Verfechter eines gewissen Patriotismus, wusste aber schon in jungen Jahren, warum ich niemals in HER wohnen wollte. In REh auch nicht, aber DAS konnte ich leider dann doch nicht ändern …

Und man lese und staune an dieser Stelle: die in 1975 abgeschlossene Gebietsreform – man nennt sie in planungseuphorischen Fachkreisen auch Jahrhundertreform – ist für mich in diesem Jahr ein weiteres 50stes Jubiläumsereignis !

Weil Kalle derzeit mit Augenproblemen gestraft ist und nicht selbst hätte fahren können, bot ich mich an, den erlesenen Kreis von 3 Personen hier hin zu taxinieren. Vor allem des Kindes wegen, dem man den Spaß ja nicht verwehren möchte.

Etwas außerhalb vom eigentlichen Ortskern parkend – Olfen ist ja erfreulich überschaubar in seiner Größe – dackelten wir gemütlich zum Einsatzort um uns in einer verkehrsberuhigenden Kurve einen guten Standort zu sichern. Für das Kind, damit es reichlich Trophäen sammeln möge, und für uns Knipskistendompteure, um an Motive zu gelangen. Das Kind war definitiv erfolgreicher.

Bevor der eigentliche Umzug gestartet wurde, gab es Gelegenheit, einen Blick in die anschwellende Runde der Zaungäste zu werfen. Mit den gruseligen Gestalten aus REh konnten hier selbst die dekorativen Orks nicht mithalten. Wobei die Orks hinsichtlich ihrer Liebe zum Detail und der gemeinsamen Schaffenskraft einen gänzlich anderen Ansatz verfolgen als die hoffnungslos verstrahlten Schwachmaten in REh. Auch die Teilnehmer des Umzugs – allesamt in Vereinen organisiert – haben sich anlassbedingt präsentiert und nicht versucht, mit unangemessen prominenten LKWs die Zuschauer zu beein-drücken. Statt dessen verlief der Umzug HIER mit Treckern und Rasenmähern und Fahrrädern und Schiebkarren und schmucken Fußgruppen dermaßen gemütlich und beschaulich ab, dass REh sich ein Beispiel daran hätte nehmen müssen, um sich der Welt NUR EINMAL VERNÜNFTIG zu präsentieren.

Olfen ist also dem verkommenen Drecksloch REh in jeder Hinsicht um Welten voraus und hat für die Zukunft weitere Besuche verdient.


°loco°


°ego sententiam°

Und wieder ein glückliches Kind. Das ist die Hauptsache, wie ich finde.

Auch wenn ich mit derartigen Event-Fotos auf Kriegsfuß stehe, weil ich es wohl NIE schaffen werde, sowas ansehnlich und interessant für den Betrachter einzufangen, so war es aber auch für mich als überzeugter Karnevals-Ablehner eine überraschend angenehme Erfahrung, die ich an dieser Stelle mal lobend erwähne.

°supplementum°

Das hier ist die Fortsetzung von gestern


°illustrationen°:



°navigation auxilium°

… man könnte auch Navigationshilfe drauf sagen. Ab hier geht’s irgendwie weiter …