2025-05-10 – Mondreise

2025-05-10 – Mondreise

°descriptio°

Hier ist NICHT die klassische Geschichte vom Peterchen gemeint, der sich erfüllt mit gleicher Sehnsucht an diesen weit entfernten und deshalb wohl auch herrlich stillen weil menschenleeren Ort aufmachte.

Das Einzige was den kleinen Peter mit mir verbindet ist – ausser der Sehnsucht und dem Vornamen – das Gefallen am Mond. Mit dem Unterschied, dass ich aufgrund der dortigen Lebensumstände keinen vernünftigen Grund zur Veranlassung sehe, mich da dauerhaft häuslich niederlassen zu wollen.

Weil’s da oben noch keinen Aldi gibt, guck ich mir den lieber von hier unten an. Und der sieht JEDESMAL anders aus.

Mit der kleinen Knipskiste und meinem eigens erdachten Spezialschlittendrehvorschub hatte ich mich ja schon mit Erfolg an die verfolgbare Geschwindigkeit des Sonnenlaufs herangetastet.

Und heute – also genau genommen gestern, weil die Sequenz ja in der Abenddämmerung gestartet wurde und bis in die Nacht durchlief, bis der Mond hinterm Nachbarhaus verschwand – sollte die Mondlaufgeschwindigkeit mal visualisiert werden.

An anderer Stelle erfährt man von erfahrenen Erklärbären, die sich beruflich mit dem Thema Zeitraffer und dessen technischer Finessen beschäftigen, dass mit herkömmlichen Knipskisten (also DSLRs sind gemeint) der Übergang vom Tag zur Nacht hinsichtlich der wechselnden Beleuchtungssituation eine erhebliche Herausforderung an Mensch und Maschine stellt.

Einige bekommen das Thema mit aufwändigem Equickmänt und viel Geduld und elektrisierter Aufmerksamkeit in den Griff und erzeugen atemberaubende Zeitraffer, die zumeist den Sonnenuntergang und die darauffolgenden Nachtstunden mit der passenden urbanen Stadtbeleuchtung zum Thema haben. In mit Wolkenkratzern zugepflasterten Großstädten wie Shanghai, Honkong oder New York ist sowas dann ein sehenswertes Lichtspektakel. Paris hat nur EINEN Leuchtturm, da lohnt sich so’n Aufwand nicht.

Das kann ich auch, dachte ich mir, ohne den Gedanken eine sündhaft teure Fernreise zu verschwenden, die eh nur zur Frustation führt, weil

  1. das Essen da nicht schmeckt
  2. das Hotelbett unbequem ist
  3. mir die Landessprache nicht geläufig ist, um wie gewohnt passend fluchen zu können
  4. das Wetter mir bei solchen Aktionen oft genug einen Strich durch die Rechnung gemacht hat
  5. der Mond DA ganz anders läuft als hier und ansonsten auch alles andere da unberechenbar ist

Also bleib ich hier und mach das für mich Beste draus.

Ich hatte im Verlauf meiner steilen Lernkurve dann auch herausgefunden, wie man die Knipskiste zu brauchbaren Fotos überreden kann, die dann schlußendlich mit dem Adobe RAW-Konverter harmonieren und bearbeitbar sind.

Und DABEI dann auch mal mit der optionalen Einstellung „HDR“ experimentiert (nachdem ich mich ausgiebig belesen habe, was denn genau damit in CameraRAW gemeint sein könnte und wie das letztendlich wirkt).

Bei der Entwicklung der Einzelfotos wird also dabei der Dynamikumfang für die Anzeige auf einem HDR-fähigen Display dramatisch gesteigert und die Betrachtungswirkung soll dann der des menschlichen Auges nahekommen, so munkelt man zuversichtlich. Allerdings besitze ich keinen solchen Monitor, was aber auch egal ist, weil man das HDR-Bild auch als normales SDR-Bild ausgeben kann. Und TROTZDEM hat das SDR einen enormen Dynamikzuwachs erhalten.

Und mit LR-Timelapse werden JETZT ENDLICH meine Wünsche wahr, eine vergleichsweise großvolumige Sequenz annähernd flickerfrei zu glätten. Und vor allem den Übergang vom Tag zur Nacht als Sequenz ohne nennenswerte Fehler oder Verluste stattfinden zu lassen. Weil die kleine Knipskiste ja bereits durch ihre Grundfähigkeit brauchbares Material dazu liefert, was mit einer DSLR ohne Weiteres undenkbar ist.


°loco°

Immer noch auf dem residenzialischen Freusitz, diesmal als Werwolf, der aber nur ganz leise den Mond anheult …


°ego sententiam°

Die Sequenz habe ich aufgrund des noch rechtzeitig bemerkten Mondaufgangs ausreichend schnell vorbereiten und starten können, um mich dann entspannt in die Ruhelage begeben zu können. Denn die Technik war insgesamt mit Timer gesteuert und fand ihr Ende, als ich bereits wieder nur vom Mond träumte. Und DAS versuchma mit ’ner ganz normalen DSLR …

Und mit der zuvor vollmundig erklärten flickerfreien Sequenz sind natürlich nur die bei DSLRs handelsüblichen Belichtungsschwankungen gemeint, die jetzt endlich sauber geglättet werden, und NICHT die in dem Clip auffällig unablässig an- und ausgeknipsten Nachtlichter der nervösverstrahlten ruhelosen Mondsüchtigen …

°supplementum°

Für diese Aktion kein Nachtrag in Sicht. Vielleicht mal mehr an anderer Stelle.


°illustrationen°:

Vorab die Empfehlung, den Clip evtl. 2-Mal zu starten. Kann sein, dass der nicht schnell genug aufs Endgerät zwischengeladen wird und deshalb im 1. Durchlauf am Anfang ’nen häßlichen Ruckler macht.

 

Daten der Zeitraffer-Sequenz

Für Liebhaber technischer Details:

Aufnahmedatum
Beginn:                  2025-05-09 20:37:19 Uhr
Ende:                     2025-05-10 01:36:22 Uhr
Ausrichtung:         von SO nach SW

Kamera:                DJI Osmo Action 5 Pro
Steck-Filter:         CPL
Belichtung:          autom.
Weißabgleich:     autom.
Intervall:              1 Minute
Dauer:                  5 Stunden
Anz. Fotos:          301 á 20,079 MB
Dateiformat:       DNG
Datenvolumen:  5,77 GB
Video:                  MP4 – 121,116 MB – 12 Sekunden

Panoramakopf
Mantona Turnaround 360 Advanced 3 Schwenkkopf
Schwenkung
Winkel:               120°
Richtung:            im UZS
Dauer:                5 Stunden

Nachbelichtung
Sequenz in LR-Timelapse vorbereitet
Mit Adobe Lightroom Classic 13.2 (auf WIN 10) in HDR entwickelt und automatisch nachbelichtet
aufwändige Korrekturen für die im ersten Drittel der Sequenz stark unterbelichteten Einzelbilder
In LR-Timelapse die Sequenz geglättet
Über Lightroom die Sequenz als JPEG exportiert
In After Effects die Sequenz als AVI-Video gerendert (550,116 MB)
Mit Media Emcoder die Video Datei ins MP4 Format komprimiert (15,881 MB)



°navigation auxilium°

… man könnte auch Navigationshilfe drauf sagen. Ab hier geht’s irgendwie weiter …



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