2025-10-19 – RUB – Botanischer Garten

2025-10-19 – RUB – Botanischer Garten

 

°descriptio°

Grundsätzlich bin ich durchaus mit späten Einsätzen einverstanden, weil man VORHER ausreichend buttern kann und nicht unterwegs für teuer Geld irgendwo irgend ’ne Scheiße fressen muss.

Aber als Nachteil gereicht dann doch die Zeit, die einem bleibt, um ansehnliche Trophäen nach Hause tragen zu können.

Ich hab mich mit den Gepflogenheiten aber jetzt arrangieren können, weil es immer noch besser ist, spät loszukacheln als alleine. Denn alleine irgendwohin geht nur, wenn man sich was ganz spezielles vor die Brust genommen hat oder einfach nur seine Ruhe will.

Heut war wieder so’n Tag, an dem uns die späte Anreise einen frühen Abgang beschert hat.

Damit hat aber nun auch wirklich keiner gerechnet: kurz nach dem wir den Botanischen Garten der RUB betreten hatten und uns gerade akklimatisieren konntenwollten, um die Vielfalt der sich uns bietenden Motive abzufischen, schrie gegen 15:00 Uhr ein Bediensteter durch ein Megaphon, dass der Park JETZT geschlossen wird und alle zum SOFORTIGEN Verlassen aufgefordert werden.

Donnerwetter !!

Brennt’s hier irgendwo ?

Ich riech ja ganix …

Und das, als Kalle gerade richtig warm gelaufen ist und seine Euphorie nicht mehr zu bremsen war. Der war RICHTIG angepisst und wollte das gar nicht wahrhaben, dass wir jetzt wieder hier raus mussten.

Wir waren doch gerade mal ’ne Stunde hier im Garten und hatten uns erstmal nur mit dem knallroten japanischen Ahorn beschäftigt …


°loco°


°ego sententiam°

Mit dem Ergebnis der heutigen Expedition kann man zufrieden sein wie man will. Ich weiss, dass sowas vor allem mit Pilzen durchaus besser geht.

Aber ich war heute definitiv nicht auf Pilze geeicht und von daher fällt das Genre heute eh aus der Wertung, auch wenn man Pilze durchaus mal hätte machen können.

Aber ALLES geht nunmal nicht (mehr), weil man ja schließlich nicht mehr ALLES Werkzeug am Mann tragen kann – und das auch gar nicht mehr will.

Die kurzen Eindrücke im Botanischen Garten hatten mich dann aber doch sehr bewegt.

Denn als das Schatzi und ich seinerzeit am 21.08.2019 das letzte Mal hier waren, war ja schon auffällig, dass die Anlage baufällig war.

Aber was sich mir HEUTE hier bot, war doch schon ziemlich erschreckend.

Die Bauweise in den 60ern des letzten Jahrhunderts, als von dekadent selbstverliebten Architekten ohne Sinn für Ästhetik die Universität nebst Nebengebäuden und dem botanischen Garten hier errichtet wurde, wird treffend als „Brutalismus“ bezeichnet und bezog sich auf die konsequente (also genau genommen brutale weil für Nutzer und Betrachter unausweichliche) Verwendung des Werkstoffs Beton, von dem man damals wohl dachte, dass der ewig hält. Vermutlich aber wussten damls die Architekten wohl schon, dass der Plunder nicht lange hält, nahmen das aber in Kauf, nur um mit heute zweifelhaft anmutendem Ruhm ihr eigenes Ego zu befriedigen und vor allem, um tüchtig bei den Bauherren abgreifen zu können.

Es hat sich nach relativ kurzer Zeit dann aber herausgestellt, dass die Römer mit ihrer Klötzchenbauweise aus aufeinandergestapelten Steinen zu ihrer Zeit schon ’n ganzes Stück weiter dachten, und uns Bauwerke hinterliessen, die wir heute noch nutzen, OHNE die ständig reparieren oder gar abreißen und erneuern zu müssen. Das war den Architekten aber egal, weil die Bude stand, das Honorar bezahlt und kurzfristig alle glücklich aus der Wäsche in die Pressekameras guckten, um sich öffentlich beweihräuchern zu lassen.

Weil in unserer modernen Zeit heutzutage keiner mehr dicke und schwere Steine kloppen will (diese Tätigkeit war immer schon irgendwelchen zur Zwangsarbeit verpflichteten niederen Kreaturen vorbehalten und hat deshalb keinen wirklich guten Ruf), nimmt man also wider besseren Wissens immer noch den vermeintlich praktischen Steinbrei, gießt den so wie man den haben will in eine vorher aus Holzbrettern gestaltete Form und wartet, bis die Scheiße hart wird, um dann nach kurzer Zeit wieder in Schutt und Asche zu zerfallen, was bei Beton erfahrungsgemäß ja nun nicht wirklich lange dauert. Bauwerke aus richtigen Steinen halten definitiv länger.

Und hier im Botanischen Garten der RUB ist nunmehr ein erschreckender Sanierungsstau sichtbar, der sich durch abgesperrte Wege und Treppen bemerkbar macht. Die Absperrungen betreffen quasi ALLE betonierten Landschafts(ver)formungen, denn der GaLaMeister hat damals bei der Errichtung geschickt die Hanglage des Geländes mit betonumfassten Terrassen aufgefangen und dadurch quasi mehr nutzbare und vor allem begehbare Fläche geschaffen. Und diese landschaftsformenden“Eingrenzungen“ – man könnte die Terrassen auch als riesige Pflanzenkübel sehen – bröseln aber nun durch das unaufhaltsam durchdringende  Wurzelwerk der dort wohnenden Pflanzen jetzt so langsam aber sicher und vor allem unaufhaltsam auseinander.

Steine bzw. deren Setzfugen würden die Pflanzenwurzeln auch durchlassen, aber als Verbund dann immer noch stehen bleiben. Wie man am Bild der Steinmauer am Waldweg, in der es sich eine Eiche gemütlich gemacht hat, eindrucksvoll sehen kann. Pflanze und Mauer bilden da eine homogene Einheit und bieten keinen Anlass zur Sorge.

Aber der neumodern(d)e Quatsch, den der Mensch „erfindet“ und ohne Langzeiterprobung zum Einsatz bringt, fault ihm unter den Füßen weg und erzeugt mindestens ZWEIMAL enorme Kosten: bei der Errichtung und beim Abriss.

Ich bin ja mal gespannt, wann ein Spendenaufruf laut wird, der zur Sanierung des altehrwürdigen Geländes auffordert. Denn ich glaube NICHT, dass die UNI die Kosten allein stemmen will/wird. Dafür ist der Garten von fachlich interessierten Besuchern und Erholung suchendem Publikum dann doch und immer noch zu Recht zu gut besucht, und DIE wollen wohl AUCH, dass da alsbald nix zusammenbricht.

°supplementum°

Das war’s dann wohl erstmal mit der farbenfrohen Herbststimmung in diesem Jahr und bedarf an dieser Stelle auch keines Nachtrags mehr.


°illustrationen°:

Tipp für die Ansicht in der Galerie:

drücke Taste F11 und blende mit dem Icon „Vollansicht“ (in der Galerieansicht rechts oben in der Mitte) den Text aus, dann siehst Du nicht nur winziges Internetzimpressionsgeschnipsel.



°navigation auxilium°

… man könnte auch Navigationshilfe drauf sagen. Ab hier geht’s irgendwie weiter …


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