°descriptio°
Neulich wurde ich in selten gewordenen persönlichen Unterhaltungen mehrfach dazu angeregt, einem als Dokumentation deklarierten Fernsehbeitrag zu folgen, der im WDR-Regionalprogramm ausgestrahlt wurde.
Der Arbeitstitel des Beitrags lautet: Heimatabend Recklinghausen
Weil ich den Beitrag mangels gesteigertem Interesse am Thema und mit der mir gegebenen Vorahnung – an anderer Stelle hab ich bereits hinlänglich über meine eingebaute Glaskugel lamentiert – verpasst habe, nahm ich dann doch das unaufdringlich wirkende Angebot der WDR-Mediathek an, und verfolgte mit dabei wachsendem Interesse und ansteigendem Ekel die mehr als 40 Minuten währende Dauerwerbesendung über eine trotz der Werbebemühungen dem sozialen und wirtschaftlichen Untergang geweihten Stadt.
Doch der Reihe nach.
Gefunden wird die Fernsehsendung im Mediathek-Archiv des WDR -> wdrmediathek.de
Man gebe den Suchbegriff “Heimatabend” ein, denn nur “Recklinghausen” als Suchbegriff führt zu Morden und Bränden in dieser Stadt.
“Heimatabend” klingt da schon ein bischen gemütlicher.
Hat man den Beitrag dann auch gefunden (-> https://www.ardmediathek.de/suche/Heimatabend%20Recklinghausen)
ist der auch unter dem Schlagwort “Heimatflimmern” gelistet.
“Flimmern” wohl deshalb, weil er vermutlich in Anlehnung an den altmodischen Begriff der “Flimmerkiste” erinnert, die man in meiner Kindheit noch gerne für die Glotzkiste benutzt hat, weil die Bildschirme der damaligen Fernsehgeräte eine Bildwiederholrate von weniger als 25 Bilder pro Sekunde hatten, und deshalb der Bildwechsel vom menschlichen Auge als Flimmern wahrgenommen werden konnte. Was heutzutage bei technisch zeitgemässen Bildwiederholraten von mittlerweile ab mindestens 50 Hz bis über 120 Hz nicht mehr passiert, und die Fernseher mit Einführung der 24/7 Sendezeit deshalb auch als Dauerglotzkiste benutzt werden können, ohne den berühmt-berüchtigten Augenkrebs zu erzeugen. Das aber auch nur technisch. Die Gefahr von Augenkrebs bleibt nämlich, wenn der Fernseher – also der penetrierte Zugucker – den richtigen Sender einschaltet und sich dann dem passenden Beitrag widmet.
Womit wir wieder beim Thema wären.
00:00 – 00:39 – Intro
Als Startbild für das Video wird ein mir unbekannter Mann gezeigt, der lässig-leger in seinem üppigen Garten sitzt und dann wie bei einer privaten Unterhaltung einem nicht sichtbaren Zuhörer mit auffällig verklärten romantischen Schwülstigkeiten seinen angeblich aus der Erfahrung gemachten und deshalb angeblich auch so empfundenen Bezug zum REh erklärt. Und das offensichtlich im gepflegten und beschaulich-ruhigen Nordviertel, da wo die Reichschweine ihr vom Pöbel ungestörtes Domizil mit unverblümten Stolz und absoluter Loyalität zum Ratlosigkeitshaus ihr einfussreiches Eigen nennen, an dem sie NIEMANDEM, der nicht dazu gehört, dran teilhaben lassen wollen.
Der Film beginnt mit dem spektakulär angekündigten Hinweis, dass dieses Kaff über 1.000 Jahre alt sei. Das beeindruckt den Zuschauer am Anfang schon sehr. Vor allem die dazu gelieferten Luftaufnahmen der in 2024 angefertigten und seit 20 Jahren jährlich stattfindenden und unermüdlich aufgerüsteten Beleuchtungsbelästigung, die in 2025 ungeahnte technische Ausmaße angenommen hat, aber über die zunehmenden Schwächen des Kaffs nicht hinwegweisen konnte, unterstreichen dann noch mal die enorme Wichtigkeit und Tragweite der Aussage.
Und weil der geneigte Zuschauer dann auch noch einen angeblich prominenten Schauspieler, der sich in REh aus welchen echten Gründen auch immer häuslich niedergelassen hat, präsentiert bekommt, startet der Film mit ehrfurchteinlössenden Szenefolgen, von denen sich der für solche blendende Selbstdarstellung empfängliche Betrachter nicht abwenden kann.
Dann springt der Film geschickt auf das Pferd des Bergbaus.
Denn DAS Thema ist hier im grössten Museum der Republik ein verkaufsförderndes Aushängeschild, und hat sich durch die werbewirksame Strategie der Museumsbetreiber erfolgreich zu einem bundesrepublikanischen Kulturgut etabliert.
An dieser Stelle wird auch klar, dass ab jetzt nur noch Halbweisheiten verbreitet werden, um Unwissende und solche, die es werden wollen, dazu zu bewegen, die schwülstig-schöngeredete Propaganda zu glauben.
Fakt ist, dass der Bergbau in REh zwar durchaus mal von Bedeutung war, das aber nicht lange. Wir reden hier jetzt mal vom REh als Stadt Recklinghausen.
Der aufmerksame Eingeborene wird entsetzt feststellen müssen, dass der Film das REh mit fremden Federn schmückt. Denn die Kohle wurde mehrheitlich in den umliegenden Stadtteilen und Städten aus der Erde geholt, unerlaubter Weise auch unterhalb des Stadtkerns, während das REh-Kitty schon längst zur sauberen “Beamtenstadt” avancierte, und die für Bergsenkungen nicht wirklich konzipierten Karstadt-Rolltreppen aufgund der Unterkellerung alle zwei Jahre für teuer Geld neu ausgerichtet und wieder funktionsfähig gemacht werden mussten, während die umliegenden “Stadtteile” wie Suderwich oder König-Ludwig von schmutziger Maloche und einfachen aber ehrlichen Menschen geprägt waren. Was meine Omma Käthe ihrerzeit dazu veranlasst hat, auch hier in der Kitty wohnen zu wollen, weil es ihrer angeborenen dekadenten Art entsprach, während meinem Oppa Willy am Ende eh scheißegal war, wo er heimlich paffen konnte.
Will sagen: ich kenne die Geschichte vom REH. Nicht alles, aber ich hab ‘n Bild vererbt bekommen. Bild steht im übertragenen Sinne für Erinnerungen anderer mir ehemals nahestehender Menschen, die zu deren Lebzeiten deutlich authentischer berichtet haben und denen ich weitaus mehr Glauben schenke, als denen, die diesen “blendenden” Film im Auftrag und Interesse einer korrupten Ratlosigkeit angefertigt haben.
Dieser Film bedient also eingangs zunächst vorzugsweise das Bergarbeitermilieu der umliegenden Stadtteile, weil es sich damit hier in dieser Region gewinnbringend werben lässt. Dem Strukturwandel sei Dank, dass die früher extrem hart malochenden Bergleute HEUTE ihre Anerkennung erfahren können. Wobei so mancher auch froh sein wird, wenn diese extrem teuren Rentner dann auch mal weg sind.
Aber das REh selbst hat bis auf ein sündhaft kostspielig restauriertes Rathaus NIX, aber auch rein GANIX zu bieten, was einen hierher ziehen könnte. Das wird am Ende des Film interessanterweise auch – zwar auf satirische Weise aber dennoch den Punkt treffend – so kommuniziert.
Das Ruhrfestspielhaus wurde nur deshalb in REh und augenscheinlich in Anlehnung an die Kruppsche Villa Hügel oben auf dem schönen Stadtparkberg aufgestellt, weil es dort, von wo aus es ermöglicht wurde – und zwar durch die Püttrologen in Suderwich, König-Ludwig, Hochlarmark, Erkenschwick, Marl, Dorsten, Castrop-Rauxel etc. – keinen adäquaten Platz gab, wo man so’n riesigen Betonkabachl angemessen wirkend hinstellen konnte. Also hat sich das REh geopfert und den Platz im Stadtpark freigemacht. Und ist im Verlauf der letzten Jahre nur dadurch zu internationalem Ruhm und Ehre in der Kunst- und Kulturszene gelangt.
Das REh versteht sich deshalb gerne als Kunststadt mit Kultur. Also als kulturelle Stadt der Kunst, um genau zu sein. Und das lässt gerne bei den oben im Nordviertel residierenden Einwohnern den nicht flüchtigen Gedanken aufkommen, sie seien die, die diese Stadt und vor allem die gerne sehr ratlosen Ratlosigkeiten prägen dürfen.
Und mit teuerer Kunst und noch teureren Künstlern kann man auch Werbung machen. Das Festspielhaus ist gepaart mit dem Bergbau, der das Ding erst ermöglicht hat, also das erste große Aushängeschild, auf das sich das REh was einbildet. Wobei auch im Film leise Stimmen vorsichtig am Rande bemerken, dass so einige Aufführungen am guten Geschmack vorbei inszeniert wurden und die Ruhrfestspiele zuweil in Verruf hätten bringen können, wenn nicht mal wieder das fragwürdige Deckmäntelchen der Kunst schützend übergeworfen wäre.
Und DANN kommt ‘n sabbernder Pimmel zu Wort, der mit seiner dekadent-lässigen Art der schwülstigen Meinung ist, dass seine “Kunst” sich in die internationale Riege einreihen könne und er das REh deshalb mit der Kunstszene in Berlin auf eine Stufe stellen will.
DAS IST DIE ERSTE OFFENKUNDIGE EIGENWERBUNG MIT DEM BIS JETZT HÖCHSTEM BRECHREIZPOTENTIAL !!
Und liess mich auch direkt mal kotzen. Allein schon wegen dem gelockten Pickelgesicht, der als Papis Sohn nix kann, das aber besonders gut. Der vermietet seine Musikstudios, die ausgerechnet in der bewohnten Innenstadt genehmigt wurden, an andere talentfreie Blitzbirnen, und verlangt, dass die Bewohner Verständnis und Rücksicht darauf nehmen sollen, dass bis 22 Uhr Krach gemacht wird, der von den korrupten Ratlosigkeiten AUCH unter dem Deckmantel der Kunst geschützt wird.
Das war erst das Intro. Zum Einstimmen auf das, was jetzt noch kommt …
00:39 – 02:22 – Die Prominenz stellt sich vor
Martin Brambach
Der wird wie selbstverständlich vorgestellt als deutschlandweit bekannte Person. Ich wohne auch in Deutschland, aber DEN kenne ICH nicht. Mir wird es wohl nicht alleine so gehen. Und ich bin sicher, dass ich DEN auch nicht unbedingt kennen MUSS. Der ist irgendwann mal aus Dresden geflüchtet, hat irgendwo genauso schlecht geschauspielert wie in diesem Film, ist irgendwann hier gestrandet und hat mit dieser Gegend augenscheinlich mal so rein garnix an der Mütze. Meine weiteren Recherchen zur Person – ich habe mich dabei nur auf den entsprechenden Wikipdie-Eintrag beschränkt, der zusammenfassend erklärt, wer und was der Mensch ist – haben für mich ergeben, dass er offensichtlich sehr tüchtig in vielen Rollen seine Kunstform als Schauspieler wahrnimmt und auch offensichtlich in vielen Filmen mitgewirkt hat. Wobei ICH – bis auf die allgemeine Tatort-Serie – keine einzige der angegebenen Publikationen kenne. Ich befürchte jetzt wirklich, dass ich ein Kunstbanause bin …
Er ist für die Filmproduzenten also ein vermeintlich prominentes Aushängeschild und psychologisches Zugpferd für diesenFilm. Denn wenn einer wie DER hier wohnt, muss das Nest ja toll sein. ER zumindest sagt als Schauspieler ziemlich professionell erscheinend und deshalb auch halbwegs authentisch wirkend, was im Drehbuch steht. Dafür wird der ja auch bezahlt. Und fährt dabei mit dem Fahrrad über die Halde Hoheward. Die liegt auf dem Stadtgebiet Herten, hat also mit REh örtlich AUCH nix zu tun. Bis auf den Umstand, dass der in Deutschland höchste von Menschen angelegte Schutthaufen SO HOCH ist, dass der die Siedlung Hochlarmark auch im Hochsommer schon um 17 Uhr in den kühlenden Schatten stellt. Und dass man da vom Haldentop aus aufs REh runtergucken kann, wenn mal gerade klare Sicht ist. Was an dem Drehtag nicht zutraf und man nur einen nichtssagenden Blick auf ein unspektakuläres Dunstmeer hatte. Die Filmemacher hätten sich einen anderen Termin mit besseren Witterungsbedingungen aussuchen sollen. Dann hätte man auch erahnen können, was gemeint war. Denn Skyline geht anders.
Und der Brambach erklärt mit romantisch-verklärtem Ausdruck die touristischen Vorzüge derartiger Umweltvergewaltigung. Aus der ein Verein mal das Beste machen wollte und wie immer aus Kostengründen von billigen Polen mit billigem Stahl und noch billigerem Schweißdraht das Horizontobservatorium als weithin sichtbare Landmarke errichten ließ, das nach 4 Monaten Standzeit bereits für interessierte Besucher nicht mehr nutzbar vollständig abgesperrt und mit häßlichen Gerüsten gestützt werden musste, weil es drohte zusammenzubrechen.
Der Brambach erklärt also mit der dafür passenden Drehbuch-Ehrfurcht dem bayrischen Touri, der sich dadurch hoffentlich angefüttert fühlt, weil er SEINER Berge überdrüssig ist, die aber nicht künstlich entstanden sind, dass dieser unglaublich große Schutthaufen aus Untertage-Abraum entstanden ist, um an die Kohle zu kommen, die damals für die Stahlproduktion und damit schlußendlich für das Wirtschaftswunder der 50er und 60er Jahre so wichtig war.
Was der Dödl nicht sagt: Die maßlos rücksichtslose Verbrennung der Kohle führt JETZT dazu, dass wir ganz andere Gedanken zum Umgang mit unserer Um- und Mitwelt haben müssen. Und dass der Berg, auf dem der steht, mit ein Grund dafür ist, dass wir rechnerisch in etwa 50 Jahren hier geflutet werden, weil die Gegend hier durch enorme Bergsenkungen um mehrere Meter abgesoffen ist und die Eisschmelze der Polarkappen den Meeresspiegel um 7 Meter ansteigen lässt. Das lässt der Tüpp natürlich weg, weil das keiner hören soll und DAS nichts in einer touristischen Werbung zu suchen hat. Wobei “Katastrophentourismus” ja auch ein zunehmender Trend ist, der mit den unaufhaltsamen Schäden des fortschreitenden Klimawandels einhergeht.
Kleine Denkhilfe zur weiteren Entscheidungsfindung an die Ratlosigkeitsfraktion: Warum dann also auch nicht hier Katastrophentourismus ?
Im Nahbereich der beiden Polkappen macht man das ja auch so …
00:22 – 04:00 – der historische Einfluß des Bergbaus auf das REh
Findige und noch einigermaßen fitte ehemalige Beschäftigte des ehemaligen Bergraubbaus haben es geschafft, Ausbildungs-Bergwerksanlagen, die zweckentsprechend authentisch aber zweckmäßig oberirdisch angelegt wurden, zu erhalten und als Verein instandzuhalten. Mit entgeldbasierten Besucherführungen möchte man den Interessierten nahebringen, wie die Bergleute ZUM ENDE des Bergbaus gearbeitet haben.
Schon schön das mal anzusehen. Und dem Begriff “Arbeit” mal für die ‘n Gesicht zu geben, die heute das grässliche A-Wort aus ihrem persönlichen Sprachgebrauch geflissentlich entfernt haben, und jetzt bevorzugt mit der neumodernen Work-Live-Balance jonglierend ihr Heil bei internationalen Shoppingflug- und/oder Schiffsweltreisen finden.
Die Zeiten ändern sich. Früher machte man Butterfahrten auf der Ostsee.
Der Laie staunt und der Fachmann wundert sich über den Aufwand, der aus ehemaligen und seinerzeit nur für eine bestimmte Halbwertzeit angelegten Arbeitsstätten neu entstandene “Museen” gemacht hat, und unaufhaltsam weiter betrieben wird, um mit immer verklärteren Anekdoten von einer denkwürdigen Zeit zu berichten, die für die damaligen Betroffenen gar nicht wirklich lustig war.
Kohlebrand aus Haus- und Industriefeueranlagen haben den Himmel hier STÄNDIG schwefelgelb gefärbt, und der Ruß hat die mühsam im Zuber von Hand frisch gewaschene Wäsche direkt wieder grauschwarz werden lassen. Kinder litten an Lungenkrankheiten (Pseudokrupp) und bei Inversionswetterlage war SMOG-Alarm keine Seltenheit.
Ich hab das alles noch selbst erlebt.
Die Filmemacher bedienten sich für ihr Werbefilmchen dann u. a. auch aus dem Archiv des LWL (Landschaftsverband Westfalen Lippe), um den vermeintlich dokumentarischen Charakter auf der Spur zu halten. Das geht unauffällig nur mit historischen Dokumentaraufnahmen, die schon jeder kennt, die aber geschickt in dieses Filmchen eingeflochten wurden. Bilder allein zeigen immer nur das, was der Betrachter sieht. Wenn aber einer im Hintergrund was dazu propagiert, bekommen solche Bilder eine neue/andere Bedeutung. Allen Bildern ist gemein, dass sie sorgfältig ausgewählt wurden und ausschließlich eine Aufbruchstimmung zeigen, die mit diesem Werbefilm fürs REh imagefördernd manifestiert werden soll.
Hier wird bewusst am psychologischen Rad gedreht, um den Zuschauer in eine ganz bestimmte Richtung zu “informieren”.
Die historischen Aufnahmen der “Gründerzeit” zeigen NICHT das Stadtbild vom REh. Es werden – wenn überhaupt – die Randbezirke und Siedlungen gezeigt, die mit der Kernstadt REh nix zu tun haben, die aber dafür gesorgt haben, dass im Verlauf der Entwicklung die Kernstadt nur politisch eine höhere Bedeutung erlangt hat.
03:49 – Brambach knetet Ohr – Adaptorisches Verhalten
Und das, während er sich über die Eingeborenen auslässt, mit denen der vermutlich eher weniger in Berührung kommen möchte, das aber nicht sagen darf, und deshalb der Drehbuchtext unangenehm auf ihn wirkt und er sich deshalb das Ohr kneten muss.

Adaptoren werden in der Kindheit erlernt und später unbewusst eingesetzt. Sie helfen, die eigenen Emotionen zu regulieren. Beispiel: Ohrläppchen kneten oder Fingerknacken bei innerer Unruhe.
04:00 – 09:35 – Geschichte der Ruhrfestspiele
Zum Ruhrfestspielhaus gibt es nicht viel zu sagen. Das steht da und das bleibt da.
Der Grund, DASS es da steht, wo es jetzt steht, ist einfach: nach dem Krieg war Hamburg in Schutt und Asche. Und der Winter 1946 war kalt. In Hamburg gibt’s bekanntlich nur Alsterwasser, dass man nicht essen kann, wenn’s gefroren ist. Aber Kunst war in Hamburg immer schon schick, weil die Hamburger sich immer schon als was Besseres empfanden. Was wir Schleswig-Holsteiner am eigenen Leib spüren mussten, als die penetranten Urlauber-Geschwader unsere Ostseestrände geflutet haben und WIR als Eingeborene da nicht mehr an den Strand konnten, weil die erhobene und nur an den hamburger Reichtum angepasste Kurtaxe für die Badestrände unerschwinglich für uns war. Die Hamburger waren ja immer schon etwas reicher als andere, weil man sich um die immer flott gekümmert hat, wenn bei denen mal was im Argen lag. Das war schon zu Störtebekers Zeiten so …
Die haben hier also mal wieder gebettelt und von hier aus ging dann Kohle zu denen, damit die auch ‘n warmen Arsch haben. Gegen Solidarität ist ja nix einzuwenden. Als Gegenleistung gab’s Kunst. Und, damit der Püttrologe auch was damit anfangen kann, die dazu passende Erbsensuppe. Beides war weder qualitativ noch quantitativ bemerkenswert und hat niemanden wirklich satt gemacht. Aber keiner weist Kunst von sich, weil das ja zur menschlichen Kultur gehört. Und niemand – auch kein einfacher Püttrologe – will als Kulturbanause bezeichnet werden. Und wenns Erbsensuppe für lau gibt, sagt auch ein REh nicht nein.
So kam die Kunst zum REh, wie das Kind zur Jungfrau.
Spuren dieses Verhaltens kann man hier immer noch deutlich erkennen, wenn der peinlich-lächerliche Rosenmontags-Umzug seine Runde um die Wälle dreht, und der Pöbel dem von den Wagen in den Straßendreck geworfenen Billigsüßkram ohne Rücksicht auf das eigene Leben hinterherhechelt.
09:36 – 12:27 – Werbung für die Engelsburg
Ein altehrwürdiges Gemäuer als Relikt aus der Kurfürstenzeit, als vor knapp 300 Jahren ein Kölner hier erfolgreich und dauerhaft anhaltend den Klüngel eingeführt hat.
Der Kabachl ist jetzt im Privatbesitz und ein über die Stadtgrenzen hinaus gerühmtes und vor allem gelegentlich bei Promis angeblich gern weiterempfohlenes Luxushotel. Normal Sterbliche werden sich den hier gebotenen Glanz (von Glorie mal abgesehen, denn DIE haben ohnehin nur die Reichen durch Erbe oder andere zwielichtige Gefälligkeiten erlangt) wohl eher nicht leisten können.
Mit den ehemals vermutlich aufgrund mangels adäquater Alternativen auch nur versehentlich eingekehrten Promis wird also erstmal tüchtig auffällig Werbung für die Übernachtung zahlungskräftiger Touris gemacht.
Ziemlich billige und nichtssagende Werbesequenz ohne dokumentarischen Wert. Die dort zur Schau gestellte Selbstbeweihräucherung der dekadenten Innereien des Luxuskabachls wirkt beim Zuschauer nur reizend auf die Magenschleimhaut.
12:27 – 00:00 – damit die Werbung nicht auffällt, wieder mal etwas Dokumaterial
Diesmal geht’s um den Beginn der Wohlstands-Entwicklung durch die umliegende Schwerindustrie.
Und das als Überleitung zur stillgelegten Trabrennbahn, auf deren Gelände sich später im weiteren Verlauf des Films der Tesche zeigt, um zu erklären, dass die Stadt sich um solche Brachflächen zu kümmern versteht und diese Fläche zukünftig anders zu nutzen gedenkt.
Auf der Trabrennbahn hab ich auch mal gewettet. Und verloren. Was natürlich nicht als Referenz für die Entscheidungen der Ratlosen zu werten ist.
13:38 – Luftaufnahme mit Schwenk über REh – da stand noch der Löhrhof-Kabachl

Die historischen Filmaufnahmen zeigen die Innenstadt – vor allem die Gebäude um den Markt – in den späten Siebzigern.
Da war der Markt noch beschaulich begrünt und bepflanzt. Und der einstmals ehrwürdig-repräsentative Rathausvorplatz war noch nicht zum gepflasterten Sauf- und Fressbudenstellplatz verkommen, den die Stadtreinigung nach den auffallend überhand nehmenden Kotzturnieren nur noch kostengünstig abkärchern braucht.
Und dass KARSTADT den Bach runtergeht, hat der Tesche ja angeblich damals schon vorausgesehen, so sacht der ab 14:14. Jetzt wird mir klar, dass ‘n Mann mit seinen Qualitäten und so’ner großen Glaskugel wohl zu Recht 10 Jahre lang König sein durfte.
15:46 – 18:38 – Die Rechtfertigung der Umnutzungen
Karstadt und die Trabrennbahn und die Leerstände in der Innenstadt werden jetzt herangezogen, um die planerischen und weitsichtigen Fähigkeiten des Ratlosigkeitshauses in den Himmel zu heben.
Ab 16:45 erklärt der Brambach im Ansatz fast schon überzeugend wirkend: … dass in dieser Stadt [durch die Abwanderung der Industrie und dem damit einhergehenden Struktur- und Sozialwandel] eine “unternehmerische Aufbruchstimmung” herrscht.
Er meint mit der unternehmerischen Aufbruchstimmung damit wohl eher die virulente und mafiös agierende Beeinflussung von Ratsentscheidungen der insgesamt dubiosen ARENA GmbH. DIE sind hier diejenigen, die rücksichtslos aus dem historischen Stadtkern (der noch nie wirklich attraktiv war) eine belästigende Großkneipe gemacht haben mit dem einzigen Zweck, durch fragwürdige Bespassung von ausländischen Touris an deren Geld zu kommen, und den hier wohnenden Eingeborenen ungestraft deren Lebensqualität zu rauben. Die damit geschaffenen Arbeitsplätze dürften in ihrer Zahl und der sozialversicherungsrelevanten Bedeutung aufgrund der Branche eher zu vernachlässigen sein. Die sozialpolitischen Fehlentscheidungen der letzten Jahre führten ja dazu, dass die Dauerbeschäftigten bei Karstadt und anderen großen Unternehmen abgeschafft wurden. Dafür wurden Aushilfsjobs – vor allem in der Gastronomie – eingeführt, die für die Sozialkassen unbedeutend sind. Die tragweitereichen Folgen der sich nur aus den allgemein um sich greifenden niederen Beweggründen entwickelten asozialen Politik können wir uns JETZT auf der Speisenkarte der republikanischen Museumsgastronomie aussuchen.
Die Ratlosen möchten nicht, dass die Innenstädte “veröden”. Nett gemeint, aber nur Gastronomie dürfte bekanntlich auch nicht gerade allumfassend die Attraktivität steigern. Genausowenig, wie seinerzeit den Leerständen mit der Genehmigung von 1-Euro-Shops, Spielhallen und Döner-Buden begegnet werden sollte. DAS hat AUCH zur (sozialen) Verödung der Innenstädte geführt.
Kneipen sind ja vielleicht unterhaltsam. Für deren Gäste. Aber in der Stadt wohnen auch Menschen.
Wenn die sich über den Lärm beschweren, werden die bestimmt mit dem Spruch abserviert: wenn Dir das nicht passt, kannste ja ausziehen …
Nun muss an dieser Stelle der Fairness halber auch bemerkt werden, dass es nach meiner persönlichen Begegnungserfahrung tatsächlich Menschen gibt, die sehnlichst nach einer Unterkunft in der Innenstadt lechzen, weil sie dann täglich mittendrin statt nur dabei sind, und dafür sogar freiwillig ihr Haus am See aufgeben würden. Mit der Begründung, dass man sich dann ja das Auto sparen würde, welches man ansonsten braucht, um dann hier nur mal temporär den Wahnsinn genießen zu können.
Bei 18:17 wird der süffisant grinsende Tesche werbewirksam vor dem preisgekrönten Rathaus euphorisch als “Macher” bezeichnet. Die Kameraeinstellung bzw. die Perspektive zeigt ihn wie in einem Filmepos in typischer Heldenpose.
Hömma Tesche: derartige Eigenwerbung stinkt zum Himmel und hat keinerlei dokumentarischen Wert.
Das hätten die Filmemacher dem auch sagen können, dass DAS nicht zu kaschieren ist. Und wer nicht ganz verblödet ist, merkt das auch.
18:38 – 23:00 – penetrante Stadtmarketing-Werbung
Ab hier werden die vermeintlichen Vorzüge eines Besuchs vom REh aufgezählt. Nicht viele, aber immerhin – und es ist (wen wundert’s) Werbung und keine Dokumentation, die die Touris anregen soll, hier ihr Geld zu lassen.
Gelockt wird mit einer hoffnungslos überhand genommenen Großkneipengastronomie auf dem altehrwürdigen Markt.
Gelockt wird auch mit einer exotischen Gastronomie. Französische Kekse oder so, die man hier abgreifen kann.
Die Recklinghäuser Dekadenz liebt solche Ausreisser.
Aber nicht auf Dauer.
Das Eckstein – eine aufgrund des sich ständig verändernden Zeitgeists etablierte Szenekneipe – fiel wohl irgendwann mal bei den Gästen in Ungnade und war für die dekadente Impertinenz nicht mehr hip genug und musste neulich – wie so viele andere hier wie Pilze erschienenen Modeerscheinungen auch – dann mal dicht machen.
Und dass man als Anwohner aufgrund desolater Fehlplanung, Fachkräftemangel und anderen normalen Widrigkeiten beim Karstadt-Umbau mehr als sechs Jahre unerträglichen Baulärm hinnehmen musste, ist für den Tesche ‘n Grund, da mal ‘n Statement zu setzen und zu behaupten, dass das im Sinne und zum Wohle ALLER sei und man das klaglos hinnehmen muss. Nickeleien der Anwohner findet der jedenfalls unangemessen. Allein das Ziel und der Erfolg zählt. Und der Penner muss ja da nicht wohnen. DER wohnt auch im Nordviertel oder da, wo SOWAS keinesfalls geduldet werden würde.
Auf jeden Fall konnte der sich mit dem Umbau des Karstadt-Gebäudes ‘n Denkmal setzen. Wie der Dicke, als der die deutsche Vereinigung eigentlich unschuldig aber dennoch geschichtsträchtig für sich verbucht hat, deren Ergebnis auch mehr als 30 Jahre nach dem bedauerlichen Mauerumfall politisch und vor allem sozial immer noch ziemlich fragwürdig erscheint.
23:00 – 26:49 – Pilze züchten
Apropopo Pilze, deren Wuchs und deren Wirkung: ‘n Kumpel (Frank Finkhäuser, seineszeichens ambitionierter Bassist unserer damals ebenso ambitionierten aber hoffnungslos erfolglosen Kumpelkapelle) aus dem seinerzeit noch ländlich geprägten Dortmund-Mengede, wusste von auf Kuhfladen wild wachsenden Pilzen zu berichten, die die Stimmung anheben und das Bewusstsein erweitern und – mit etwas Glück – auch insgesamt erheitern. Ich hab die Dinger aber nie probiert, weil ich damals schon ziemlich viele Haare am Arsch hatte und ‘n Klogang ausserhalb meiner Höhle zu Komplikationen bei der nachfolgenden Hygiene geführt hätten, und ich eine unbedachte Verkostung tunlichst vermieden hatte.
REh liegt also auch ländlich, so will es uns der Film werbewirksam näherbringen. Und DAS ist ausnahmsweise mal richtig, wenn mit REh das auffallend gepflegte und erholsam grüne Nordviertel und die daran angrenzenden weiter im Norden gelegenen Stadtteile Speckhorn (nur für die ganz reichen Reichschweine) , Marl-Sinsen (für die pferdeliebhabenden Reiter unter den Reichschweinen), Herten-Westerholt (für die Golfspieler unter den Reichschweinen) etc. gemeint sind.
In diesen ländlich geprägten Ortsteilen haben – wie bereits zuvor im Ortsteil Ost und auf dem Kuniberg – zwischenzeitlich einige Landwirtschaftsbetriebe erkannt, dass der Landverkauf bzw. die Erbpacht ein einträglicheres Geschäft ist, als Rüben, Mais und andere Blümchen zu züchten.
Und so wurden dann auch landwirtschaftliche Gewerbebetriebe aufgegeben, deren Wirtschaftsgebäude irgendwann zu Ruinen geworden wären. Und Ruinen abreissen ist teuer, so hat man bereits in Dortmund mit HOESCH die bittere Erfahrung machen müssen, und da kurzerhand nach dem sündhaft teuren Abriss eines Hochofens dann einen Zaun um die Restruine aufgestellt, und verkauft das jetzt den Bayern mit sinnigerweise kackbraunen Hinweisschildern als Industriekultur. Das Gleiche ist mit der Kokerei Hansa passiert und mit dem geschickterweise als Weltkulturerbe erhobenen Zeche Zollverein. So spart man sich die Entsorgungskosten für den Immobilienschrott und dem Giftmüll, der da überall auf den deshalb zu nichts mehr zu gebrauchenden Industriebrachen rumliegt.
Bevor also so’ne Gewerbeimmobilie dem Verfall ausgesetzt wird, wird so’n Ding entweder als lächerlich-überflüssiges Museum genutzt (siehe Umspannwerk mit höchst einflußreichem Lobbyisten RWE, dem aufgrund seiner marktbeherrschenden Stellung besser nicht widersprochen werden sollte), oder dann besser mal an jemanden vermietet wird, der ‘ne “interessante” Idee hat.
Und hier war die Idee, Pilze zu züchten. Schön draussen in der Natur mit den Kinderlein, deren Enkelenkel sich dann in 40 Jahren an den Bäumen erfreut, die heute als zukünftiges Pilzsubstrat gepflanzt wurden. Sofern dann hier nicht alles vom ansteigenden Meeresspiegel überschwemmt ist.
Ich find’ die Idee mit den Pilzen toll und hätte aufgrund meiner oben erwähnten Erfahrung auch selbst drauf kommen können, dass sowas bestimmt gewinnbringenden Zuspruch bei interessierten Konsumenten findet. Aber das Unternehmen ist NICHT in REh. Das Unternehmen steht nur für die Innovation, die zur unstrittigen Attraktivität der Randbezirke und dem Wohl der finanzstarken Hauptnutzer beiträgt. Aber keinesfalls die Attraktiviät der Stadt erhöht. Es sei denn, man kann sich die Wohnlage im Nordviertel erlauben.
26:50 – 30:00 – REh feiert seine Großkneipe
Brambach äussert sein Wunschdenken, dass er von den verstrahlten REhen angesprochen wird. Selbstüberschätzung scheint also wirklich der beste Weg zum Erfolg zu sein. Zumindest kann der Tüpp sich von Berufs wegen das exklusive Wohnen im Nordviertel leisten.
Aber seine mit gequältem Gesichtsaudruck rausgedrückte und spürbar unehrliche Bemerkung über die Mentalität der hier hausenden REhe ist bei genauer Betrachtung seiner Gesichtsmimik tatsächlich nur gespielt, dennoch für die Filmwerbung und deren inhaltlicher Themenbasis erfolgreich rübergebracht. Weshalb er wohl auch weiterhin im Nordviertel wohnen kann. Aber mit dem niederen Pöbel wird auch der keinesfalls ernsthaft näheren Kontakt suchen wollen, wenn man mal genauer sein Gesicht anschaut, das die Abscheu vor denen verrät, von denen er vermeintlich wohlwollend berichtet.
Was auch in Anbetracht der wirtschaftlichen Entwicklung nicht wundert, denn die beiden Lager “Reiche” und “Normale” klaffen gerade hier zusehends und spürbar immer weiter auseinander. Und bald können nur noch Reiche die hiesige Gastronomie in Anspruch nehmen.
Dann war’s das mit der Bürgernähe, Herr Brambach.
Was dem egal sein dürfte, weil man den ja oft genug im Fernsehn angucken kann, und das muss reichen. Alle anderen, also Seinesgleichen, wird der zum ausschließlich kostspieligen Zeitvertreib in der Großkneipe finden.
Bei 27:43 wird offenkundig zugegeben, dass der sich für den hier von den Ratlosen angezettelten Unsinn “gerne” einspannen lässt. Klar, niemand würde freiwillig auf persönliche Werbung und ein damit einhergehendes Honorar verzichten, das die Basis für die Nordviertelresidenz ist. Dem ist egal, wofür der eingespannt wird. Der macht mit und kassiert. Wie bei diesem Film. Die Bemerkung, der mache das alles kostenlos, ist eine Lüge. Auch DER ist kein barmherziger Samariter und wird nicht freiwillig auf Knatter oder andere “Annehmlichkeiten” und “Zuwendungen” verzichten. Bei der unauffälligen Ausgestaltung derartiger Belohnungen kennt sich die jeweils amtierende Ratlosigkeitsverwaltung seit mehreren hundert Jahren bestens aus, und vererbt gerne die in der Legislaturperiode gewonnenen Erkenntnisse an die nachfolgenden Ratlosigkeiten.
Bei 28:37 wird der Tesche mit sündhaft teurer Licht- und ohrenbetäubender Beschallungstechnik und unter hemmungslosem Einsatz enormer Energie penetrant überlebensgroß auf die Rathausfassade projiziert, und erklärt mit bedeutungsschwangerer Intonation, dass das einzigartige Rathaus der ganze Stolz der Stadt und seiner REhe ist – leider aber auch nur der Einzige, denn mehr hat die Stadt nicht zu bieten, auch wenn der Imagefilm es dem bis hierhin hoffentlich noch geneigten Zuschauer weismachen wollte.
30:00 – 35:43 – Henning Prinz und sein Prinz – unterbelichteter geht kaum noch
Was der augenscheinlich recht einfach gestrickte aber äusserst geschäftstüchtige Herr (der ist Vereinsmeier und hat auch Kneipen, wen wunderts also, dass hier die Innenstadt zur Großkneipe avanciert und solche Leute ungebremst aus Scheiße Geld machen dürfen…) dann vor 20 Jahren selbst zum Anlass nahm, etwas Licht in sein Dunkel zu bringen und mit seiner Veranstaltungsagentur das mittlerweile über die zerfallende Stadtmauer hinaus etablierte “Recklinghausen leuchtet” ins Leben zu rufen.
Bei 30:11 wird von ihm mehr oder weniger stammelnd der vor fast 20 Jahren erkannte Grund für die damals schon von der auffälligen Ratlosigkeit befallenen Blindheit und deren Genehmigung für die dann vom eigentlichen Problem ablenkende Beleuchtung erwähnt. Es sollte erreicht werden, den Menschen “die hier nicht so schönen Plätze darzustellen …”. Eine Formulierung, die SO garantiert nicht im Drehbuch stand und mit Sicherheit auch nicht so gewollt war, die aber vermutlich auch aus Kostengründen nicht rausgeschnitten wurde, um die Szene mit einer qualitativ passenderen Formulierung neu zu drehen. Was beim aufmerksamen Betrachter des Elends widerum den Schluß auf die Gesamt-Qualität der Produktion schließen lässt.
Was in späteren Jahren dann zur Folge hatte, dass mittlerweile das gesamte Stadtgebiet mit der nur kakelich bunten und oftmals geschmacklosen und vielfach mal so gar nicht passenden weil offenbar insgesamt nur lieblos und ohne Sinn und Verstand und nur effektheischend installierten Beleuchtung von der um sich greifenden Trostlosigkeit ablenken soll.
Ab hier wird’s aber NOCH ekliger.
Ein historischenr Schwank – äh, Schwenk – zu Vestlandhalle soll beweisen, dass das REh angeblich immer schon wegweisend für Kultur war. In diesem Fall die Popkultur, speziell die damals zeitgenössische Musik, die in der Vestlandhalle dargeboten wurde und die nur bei den jugendlichen Zeitgenossen hohen Anklang fand.
Und weil die Filmemacher sich bei dieser Sequenz aus Archivbildern bedient haben, wird der Eindruck einer Dokumentation aufrecht erhalten. Um dann mit dem brutalen Schwenk auf den Prinzen des Prinz die traute Illusion der damals noch heilen Welt wie eine Seifenblase zerplatzen zu lassen.
Der Dödl war schon zu Beginn des Werbefilms eingeblendet worden und kam mit einer denkwürdigen Aussage zu Wort, die ab hier noch mal gesendet wird. Prinz macht ungehemmt Werbung für sich und sein ebenso geschäftstüchtig umtriebiges Prinzlein – und von einer neutralen Dokumentation kann auch hier keine Rede sein.
Aber zumindest wird erklärt, warum der Dödl sich mit seinem Krach in der bewohnten Innenstadt ansiedeln konnte: weil das REh die auffälligen Leerstände in Wohn- und Gewerberäumen gefüllt sehen wollte. Was schlußendlich ja auch zum Füllen des Stadtsäckls führt, den Ratlosigkeiten aber mal wieder egal war, mit wem wie womit das dann passiert. Und dann hatte der Prinz sein Krachmachdings am laufen und ist auch nicht mehr rauszukündigen, weil der ja – wenn nicht viel, aber zumindest etwas – Geld bringt, was dessen Anwesenheit rechtfertigen könnte. Die Anwohner müssen das hinnnehmen und können ja ausziehen wenn’s denen nicht passt.

Ab 34:10 geht der ansonsten hoffnungslos schwachmatisch auftretende Pimmel in süffisanter Erwartung der Reichweite dieser freudlosen Werbung bewusst und sichtlich um Verständnis bettelnd auf das faktisch bestehende Problem seiner Lärmbelästigung ein, und verniedlicht die enorm wohnqualitätsmindernde Belastung für die umliegenden Anwohner mit dem unverschämten Hinweis, dass ja erst ab 22 Uhr die gesetzliche Nachtruheregel greift, und man als Nachbar bis dahin gefälligst den Krach zu erdulden hat. Das hat der lockenhaarige Hosenscheißer mit Pickelgesicht und ohne die Spur eines einzigen männlichen Barthaars auch nur deswegen öffentlich rausgehauen, um den offenbar vorangegangenen Beschwerden über die Wirkung seines nur wenig Steuereinnahmen generierenden aber trotzdem und nur deshalb geduldeten”Gewerbes” den Wind aus den Segeln zu nehmen, und sein verwerfliches Tun unter die in einem Wohngebiet wohl kaum anzuwendenden Deckmäntelchen “Kunst”, “Kultur”, “Jugend”, “freie Entfaltung” “Kreativität”, “sinnvolle Freizeitbeschäftigung”, “Musik” und all den ganzen Hashtag-Schmonk zu stellen, der weitere zu erwartende Beschwerden abwiegeln soll. Denn wenn man sowas im Fernsehen sagt, hat das ‘n ganz anderen Stellenwert und könnte vor Gericht zu eigenen Gunsten verwendet werden.
Jede Wette, dass der Prinz und sein Prinz SOWAS NICHT in ihrer Nachbarschaft dulden würden.
Der Pisser macht auf mich ‘n GANZ abgezockten und widerwärtigen Eindruck. Genau deswegen wird der auch von den Ratlosigkeiten die passende Rückendeckung bekommen, weil sein Vorfahre dermaßen heftig mit den Schnarchnasen fickt, dass die gar nicht anders können, als die belästigende Scheiße nur durchzuwinken.
Ab 34:37 kommt der alte Prinz nochmal zu Wort und stellt fest, dass diese vergleichsweise kleine Stadt ziemlich viel Krach machen kann. Und nicht nur die Ruhrfestspiele seien die einzige Kunstform hier, so wird ausdrücklich betont (hörthört !!). Es gäbe auch ‘ne (aus MEINER Sicht gräßlich laute und mittlerweile reichlich geschmacklose weil wenig kreative) Subkultur, die es zu fördern gilt. Und mit dessen Fördergeldern sich der Prinz und sein Prinz wohl dann gerne bereichern wollen.
Ja, meinetwegen. Aber nicht in Wohngebieten. Denn Lautstärke allein ist kein Indiz für geistige Schaffenskraft.
Der kleine Prinz hat am Schluss seiner Werbebotschaft tatsächlich großkotzig verkündet, dass sein Etablissement von internationalen Stars besucht werden würde, die ja nicht hierherkommen würden, wenn es sein Unternehmen nicht geben würde. Namen wurden keine genannt, was bei mir den Schluß zulässt, dass der widerliche Blender es gewöhnt ist, mit penetranter Blenderei andere für sich zu gewinnen (wie die armen Schweine, die mit ihrem Erspartem für teuer Geld die blendenden HighTech-Konsolen des Blenders nutzen dürfen, aber damit auch nix auf die Kette kriegen, was auch nur annäherend künstlerischen Wert haben könnte).
Diese Filmsequenz hat mehr als 5 Minuten gedauert und war in diesem Film der bislang längste Werbebeitrag, der dem Prinz wohl ein Vermögen gekostet haben muss. Aber vermutlich war er auch der treibende Drahtzieher des Ganzen (hömma Tesche, lass uns ma ‘n Film machen …) und hatte sich dann – geschäftstüchtig wie der nun mal sowieso ist – den Platz für sein sabberndes Gestammel gesichert.
35:40 – 36:48 – HaPe Kerkeling und Hurz
Eine offenbar schon sehr alte Archiv-Aufnahme eines Besuchs vom berühmtesten REh in seinem Heimatnest. Als Dokumentation unbrauchbar, die Anekdoten wenig unterhaltsam, der Ort des Geschehens für Unwissenden unbekannt.
Die Frage stellt sich, wofür hier JETZT Werbung gemacht wird.
Für ein (im Film ungenannt belassenes) Gymnasium speziell und die seinerzeit noch vorherrschende gute Allgemeinbildung ?
Oder doch wieder für ein ins Leben gerufenes Kultur-Ereignis, dessen Existenz nur auf dem Berühmtheitsgrad des eingeborenen Protagonisten beruht ?
Hurz war damals in 1991 der Hit, weil Hagemann und Kerkeling sich wagten, mit ihrer Satire das damals schon auffällige Verhalten verstrahlter Kunstfetischisten vorzuführen. Die Empfänger der satirischen Nachricht haben sich in der Zwischenzeit trotzdem nicht verändert.
Nun wird Hurz neuerdings im schick aufgepeppten Ruhrfestspielhaus – wo auch sonst hier, denn der altehrwürdige Saalbau ist abgerissen, die einstmals große Vestlandhalle zu klein – für ‘ne Preisverleihung an Satiriker und Comedians genutzt. Den HaPe freut’s. Das zumeist nur einäugige Volk auch. Und lässt den gerne kritisch am Spielfeldrand stehenden Betrachter, der sich die Eintrittskarte nicht leisten kann (oder will) – nur müde grinsen.
Die eingeladenen Satiriker und Comedians übrigens auch …
36:48 – 37:06 – Olaf Schubert und Gernot Haßknecht bei Hurz
Der Werbefilm nimmt ab hier eine unerwartete Wendung.
In einem Interview auf der zuvor dem HaPe Kerkeling gewidmeten Preisverleihungsveranstaltung Hurz erklärt Olaf Schubert:
“Es gibt ja sonst nicht soviel Gründe nach Recklinghausen zu kommen, und ich finde, da ist das ja eigentlich noch der Akzeptabelste …”

Und Hans-Joachim Heist alias Gernot Hassknecht weiss in seiner Laudatio zum gleichen Anlaß in seiner beliebt-bekannten Weise kritisch anmerkend zu berichten:
“Ich muss sagen, ein kurzer Spaziergang durch Recklinghausen – und man weiss, dass 500 Milliarden Sondervermögen für die Infrastruktur eher noch zu wenig ist …”
37:06 – 43:41 – Schluß – und das Ende
Der im Hintergrund kommentierende Sprecher erklärt mit feierlicher Stimme, dass so ein Wandel viel Geld, Mut und Geduld braucht. Das unterstreicht natürlich die bereits erklärten Bemühungen, die in diesem Imagefilm den geneigten Betrachter – und das dürften auch die Eingeborenen sein – zu einer verständisvollen Denkweise für den Verfall dieses und anderer verzweifelt am Leben gehaltenen Käffer dieser niedergehenden Region, die ausser mit Industriegiftstoffen kontaminierten Industrieschrottmuseen und die Infrastruktur zerstörenden Logistikgewerbe nichts mehr spektakulär wirtschaftlich Interessantes zu bieten haben.
Fragwürdige Kunst- und überteuerte Kulturangebote sind hier von gesteigertem Interesse und genießen augenscheinlich allerhöchste Priorität. Die Wohn- und Lebensqualität soll in Zukunft nur noch den Reichen gegönnt sein.
Und ausschließlich DAMIT soll hier tatsächlich versucht werden, Geld zu verdienen.
Vor allem mit der Köderung von Neureichschweinen, die sich an der ehemaligen Trabrennbahn am künstlichen See in einem abgezäunten Ressort ungestört vom sonstigen Pöbel ihr Gegenstück zum bereits besetzten Nordviertel erkaufen. Die gruselige Parallele zum Phoenix-See in Dortmund ist unverkennbar und lässt den unstrittigen Verdacht der gespaltenen Sozialstruktur erkennen, in der die abgehängten Teilnehmer in ihren Slums verbleiben müssen und keinen Zutritt zu den Schönheiten der Reichen haben werden.
Die gezeigte Begehung des ehemaligen Trabrenn-Areals ist auffällig gepaart mit euphorisch anmutendem Optimusmus, und soll potentiellen Interessenten den Mund wässrig machen, hier zu investieren.
Die Bilder sprechen eine klare Sprache: hier – aber auch NUR hier – passiert was, und es ist auch bereits unumkehrbar was passiert.
Dass DIESE Szene (fast) zum Schluß kommt, sollte nicht verwundern, zeigt sie doch eindrücklich, dass das REh sich bemüht, nur für kaufkräftige Anleger endlich mal den Dreck der Vergangenheit zu räumen, und für “Verjüngung” des ansonsten durch hoffnungslose Fehlplanung versauten Stadtbilds (siehe auch “Palais Vest” und andere denkwürdige Namensgebungen für ebenso denkwürdige “Installationen”) zu sorgen. Interessant erscheint auch hier, dass die an einem menschenfreundlichen Stadtbild eher weniger interessierten aber dafür durchweg nur am Profit orientierten Stadtplanung ihr Unwesen weiterhin ungebremst durchsetzen wird.
Um dem roten Faden der psychologischen Zuschauerführung Nachdruck zu verleihen, wird auf die zusammenfassenden Anfangszenen gesetzt, bei der mal wieder die Bergleute mit ihrem gemütlichen Ruhrgebietsdialekt als Vorzeigekasper herangezogen werden, um beim Betrachter den Eindruck der Authentiziät des von Tesche zuvor erklärten Brauchtums nachzuempfinden.
Und dann ist sie wieder da, die mit auffallend “bürgernaher” Rhetorik und dem ehemals typischen Ruhrgebiets-Dialekt peinlich verklärte Ruhrgebiets-Romantik, die hier zahlende Gäste anlocken soll.
Irgendwann werden die Eingeborenen sich hier vorkommen wie in im hiesigen Stadtgarten-Zoo, der im Laufe der Jahrzehnte auch immer weiter vernachlässigt, der Tierbestand “aus Kostengründen” immer weiter geschrumpft und die Behausungen der verbliebenen Bewohner dem Verfall ausgeliefert wurden, bis zu dem Punkt, an dem mit blankem Entsetzen festgestellt werden musste, dass man DAS den ausländischen Touris ja SO nicht anbieten kann …
°loco°
Eigentlich überall da, wo ehemals erfolgreich etablierte soziale und wirtschaftliche Strukturen nun aufgrund zunehmender mafiöser Korruption und rücksichtslosem Bereicherungsdrangs solche Blüten treibt.
°ego sententiam°
Die Werbesendung hinterlässt bei unterschiedlicher Klientel auch unterschiedliche Eindrücke.
Der eine lässt sich vom Auftritt und den Erklärungen eines vermeintlich nahmhaften Schauspielers blenden.
Die andere empfindet die Sendung einfach nur als peinlich.
Auf rein rechnerischer Basis würde ich jetzt die statistische Auswertung manifestieren wollen, dass der medialpsychologische Unsinn bei kritisch veranlagten Menschen, die sich nicht von irgendwelchem Blödsinn und Schwachsinn blenden lassen, eher weniger Anklang findet. Und erfreulich dabei ist – für mich – dass diese Klientel (auch erst mal nur rein statistisch gesehen) in der Mehrzahl ist.
Was die für den langweiligen Bockmist verantwortlichen Macher allerdings nicht davon abgehalten hat, mit der als schwach sinnig und deshalb nur wenig aussagefähig einzustufenden Produktion an einen dafür zuständigen und vor allem dazu verpflichteten öffentlich-rechtlichen Sender zu treten, und dem diesen selbstproduzierten Scheiß zur Ausstrahlung anzubieten, was der WDR offensichtlich auch dankbar angenommen hat, weil dessen Eigenproduktionen auch nicht besser, aber deutlich teurer für den Sender sind.
Also sind der Fernsehsender und die Stadtvergewaltigung ausserordentlich froh über die mehr als 40 Minuten andauernde Sendezeit, die mit dem Beitrag dankenswerterweise eine weitere Sendelücke für die zeitgemäße 24/7 Penetration füllt. Und weil die Werbung durch die Produktionsfirma mit Archivmaterial des LWL ziemlich gut kaschiert angereichert wurde und nur dadurch den Eindruck vermittelt, es handele sich um eine “wertvolle” Dokumentation, fällt es selbst dem öffentlich-rechtlichen Moderationsteam nicht auf, dass es sich faktisch nur um eine armselige Dauerwerbesendung für den Tesche und seiner im Hintergrund agierenden Veranstaltungsmafiosis handelt. Denn Werbung im Fernsehen ist teuer. Ich hörtete munkeln, dass jede Sekunde mehrere zigTausend Taler kostet.
Und so hat das REh nur die Produktionskosten aus der Portokasse zu zahlen, aber die Ausstrahlung und vor allem die Archivierung der vermeintlichen “Dokumentation” ist kostenlos.
Der Zweck heiligt auch in diesem Fall die Mittel.
°supplementum°
Kein Nachtrag geplant, aber dieser Beitrag bestätigt eindrücklich nur das, was (nicht nur) mir in der Vergangeheit bereits aufgefallen ist, aber in diesem Werbefilm natürlich keine weitere Erwähnung gefunden hat.
°illustrationen°:
Tipp für die Ansicht in der Galerie:
drücke Taste F11 und blende im Textfeld mit dem Icon “X” das Textfeld aus, dann siehst Du nicht nur winziges Internetzimpressionsgeschnipsel.
°navigation auxilium°
… man könnte auch Navigationshilfe drauf sagen. Ab hier geht’s irgendwie weiter …





