°descriptio°
Das Münsterland hat ja bekanntlich ’ne Menge zu bieten, was man sich gut mal zu unterschiedlichen Tages- (und vielleicht auch Nacht-)Zeiten angucken kann.
Bei der Durchreise wird aber auch auffällig, dass hier der Mensch raumfordernd alles zu Gewerbegebieten plattplaniert, was die Bauern nicht mehr haben wollen. Denn die haben mittlerweile auch gemerkt, dass man mit schwerer Arbeit in der Landwirtschaft weniger verdient, als mit der Vermietung/ Verpachtung der Landflächen.
Und die ländlich geprägten Ortschaften, die vor 30 Jahren von der Bevölkerungsdichte noch sehr überschaubar und deshalb ein im Sinne des Wortes „kleiner Kreis“ waren, haben jetzt auch ihre Satelliten-Siedlungen mit den aus den Ballungszentren ausgewanderten Besserverdienenden, die sich hier ein erhebliches Stück Lebensqualität zu erkaufen gehofft hatten.
Mit zunehmender Anzahl an kaufkräftigen Kauflustigen wachsen jedoch die Siedlungsgürtel unaufhaltsam. Wer zuerst da war, wird zugebaut und hat jetzt auch aufdringlich nervenden Nachbarn.
Ich bin froh, dass ich NICHT auf das schmale Brett von solchen Eigentumsgelüsten gekommen bin. Denn der Roland – der beste Kumpel vom Wiwi – hat wegen genau dieser Entwicklung jetzt auch die Arschkarte und muss sich auch über die ringsum siedelnden Asis ärgern.
Ich könnte mir überlegen hier ausziehen, wenn’s mir zuviel wird. Der Roland kann das nicht mal so eben. Zumindest nicht mit erheblichen finanzellen Verlusten beim Verkauf seiner Immobile.
So’ne Burg als letztes Domi-Ziel hätt‘ schon was. Und die Kanonen an der Burgmauer würde ich dann auch direkt wieder scharfschalten und ’ne Zugbrücke statt ’ner festen Überfahrt einbauen.
Bevor wir hier hin gekachelt sind, hatte ich bei Wikipedia mal Auge gemacht, was mich denn so an Sehenswürdigekeit hier erwartet. Eine Luftaufnahme von 2014 zeigt die Burg in der vollreifen Vegetationsphase und ist umringt von Bäumen. So ähnlich, wie man es an der Gräfte von Schloß Strünkede vorfindet. Für einen interessierten Knipskistenartisten ein denkbar schlechtes Szenario, weil der Blick auf die Burg dadurch erheblich eingeschränkt ist.
Doch siehe da: die Burg stand frei.
Keine Gerüste !!
Keine Bäume !!
Ein Traum für den interessierten Besucher, und der Flachmann freut sich …
Was nicht heißen soll, dass ich Grünzeugs ablehne. Aber alles immer nur da, wo’s hinpasst. Und hier passt’s halt, dass KEIN Grün den Blick versperrt.
Bei angenehmen 13°C dackelten Kalle und ich dann gemütlich vom Parkplatz zum Haupttor. Unterwegs erzählte mir Kalle, dass er mit MIR keinesfalls ’ne gebuchte Tagestour (mit GRAF’s Reisen) machen würde, weil er Angst habe, dass er wegen meiner Bummelei den Bus verpassen würde. Als er in Barcelona war – und da sind ohne Ende fotogene Motive zu finden – musste er ALLES an einem Tag abfühstücken. Was mit mir keinesfalls denkbar wäre und wir vermutlich nur den ganzen Tag an der Gaudhi-Kirche rumstehen würden, weil ich so noch und so noch machen würde und er dann nix anderes mehr zu sehen bekäme.
Er könne doch gehen wohin er wolle und müsse keine Rücksicht nehmen, entgegnete ich noch freundlich. Was er im Verlauf des Tages mal wieder wörtlich nahm und mir ständig dreist sein Dreibein ins Bild gestellt hat.
Jetzt weiss ich auch, wie sich das Schatzi gefühlt hat, als ich ihr ständig ins Motiv hopste und das der Grund gewesen sein muss, warum sie irgendwann keinen Bock mehr auf mich hatte und sich dann als Frau so alleine von wildfremden Männern anquatschen lassen musste. Man fragt sich, was besser ist …
Die Burg war sichtlich gut besucht von vielerlei Menschen, die von ihren Hunden geführt die Runden drehten. Darunter war eine erstaunliche Anzahl noch halbwegs rüstiger Rentner, die es OHNE Rollator hier entlang schafften. Und das zogen die auch ungebremst durch. Dabei ist es interessant zu entdecken, dass die ja insgesamt offenkundig verlangen, dass man STÄNDIG respektvoll auf die Rücksicht nehmen soll, wohl wegen dem Alter und so. Würde ich ja auch gerne machen, wenn nicht MEINE Interessen dagegen stehen würden und die Angelegenheit mit der passenden Gegenseitigkeit erledigt werden könnte.
Was ist denn daran zuviel verlangt, dass man mit freundlicher Aufforderung mal für zwei Sekunden Gehpause bittet, damit die mit Blindheit geschlagenen Trottel nicht durchs Bild rennen ?
Die klare Ansage war in der Intensität der Laufstärke und dem kurzen und dadurch klar verständlichen Befehlswort „STOP“ mehr so dem altersbedingt schlechten Gehör der Aufforderungsempfänger geschuldet. Und das alles wurde ausgerechnet von denen direkt so interpretiert, als dass man denen den Spaziergang nicht gönnen würde, und dann auch noch mit den völlig überflüssig murrenden Worten kommentiert wurde, dass hier ja wohl JEDER noch ungestört langlaufen dürfe und so.
Ein weiterer Beweis für den hoffnungslos desolaten Geisteszustand und dem penetranten Egoismus der allgegenwärtig umtriebigen Zeitgenossen.
Ich war mal wieder und nicht nur aus purem Eigennutz, sondern vielmehr aus der geweckten Leidenschaft, nur hilfreich sein zu wollen, entschlossen bereit zu töten.
°loco°
°ego sententiam°
Ich hab meinem Verlangen nach der eigentlich erforderlich werdenden Euthanasie dann doch nicht nachgegeben. Meine Autorität allein hat geholfen. Eigentlich erfreulich. Aber der Wunsch zu töten steckt bei mir immer noch tief.
Eine andere Begegnung der Dritten Art hat dann meine Stimmung wieder ins nötige Gleichgewicht bringen können.
Ich stand mit meinem 5m Fahnenmast alleine im Burghof und wollte die Stange gerade drehen, als sich eine Tür öffnete und ein Pulk Schlossbewohner sich in den Innenhof ergoß und auch direkt da stehen blieb.
Die werden sicher gleich gehen, dachte ich mir, und musste mich zwingen, ruhig zu bleiben. Hätte ich das Hausrecht, wäre die Sache anders verlaufen.
Dann stand die Hausdame vor mir und machte von IHREM Hausrecht Gebrauch. Wie bei einer kriminalpolizeilichen Befragung stand sie mir in ihrer sozialpädagogischen Art lächelnd gegenüber und wollte wissen, was ich denn da mache.
Ich bin von der russischen Mafia und mach mich für die schlau, was hier geht.
Mir war nicht klar, ob ich mal wieder nur genuschelt habe, oder ob die den Spruch schon mal gehört hat. Zweiteres dürfte aber auszuschließen sein, weil man sich derzeit mit solchen Äusserungen eher weniger Freunde macht. Die Dame lächelte aber immer noch.
Das war allerdings NICHT mein Ziel. Ich wollte etwas Aufmerksamkeit erregen und Verständnis für meine Anwesenheit erheischen. Denn offensichtlich nahm – ausser die Hausdame – niemand sonst von mir Notiz. Ein weiterer Beweis für meinen roten Faden, der mein ganzes Leben geprägt hat. Zu allem Überfluß fuhr dann auch noch ein Auto über die Brücke auf den Platz und parkte direkt im Hof.
Ich war kurz davor, meinen Mageninhalt aufs Kopfsteinpflaster vor die Füße der Hausdame zu kotzen.
Statt dessen hab ich der dann aber nur erklärt, dass ich als interessierte Besucher nur ’n schickes Foto von der Burg machen wollte. Aus ’ner zugegeben ungewöhnlichen Perspektive, die so in dieser Art wohl nicht wirklich auffällt und schon mal gar nicht die Personen hier stört. Was ich ja auch nicht wolle.
Die Hausdame hat wohl nur „Foto“ verstanden und das zum Anlass genommen, mich zu belehren, dass das Fotografieren hier nicht erlaubt sei.
Stimmt nur halb, entgegnete ich selbstbewusst. Denn auf dem Hinweisschild am Eingang steht klar und deutlich, dass Fotografien nicht für gewerbliche Zwecke erlaubt seien, die private Nutzung somit im Umkehrschluß nicht untersagt ist.
Meine Argumentation hat sie reichlich aus der Bahn geworfen, weil sie darauf wohl nicht geschult war, sie besonn sich dann aber und verwies in ihrer sichtlichen Hilflosigkeit hilfsweise auf die anwesenden Personen und deren Persönlichkeitsrechte und so.
Das war keine gute Idee von ihr.
Ja, die stören mich (also beide: die Personen und deren vermeintlichen Rechte), und wenn sie die Möglichkeit hat, dann möge sie doch dafür sorgen, dass der Pulk hier schnell verschwindet. Und je schneller die weg sind, desto schneller ist auch SIE mich los.
Immer noch hoffnungslos irritiert durch meinen Auftritt und mein ungebremstes Vorhaben ging sie mit den Worten, sie müsse den Eigentümer fragen, ob das alles seine Richtigkeit habe.
Hat es, gute Frau. Soviel ist sicher.
Ich liess mich also nicht davon abhalten, das Pano kreisen zu lassen. Und weil der Pulk keine Anstalten machte, sich aus meinem Tanzbereich zu schleichen, und die Zeit und das Licht spürbar schnell zu schwinden drohten, hab ich beschlossen, zuhause mit dem digitalen Waffenarsenal die störenden Elemente auszuradieren.
Wenn das im richtigen Leben doch auch so einfach wäre *doppelhachseuz* …
Die heutige Begegnung und das sich daraus entwickelte Gespräch lässt in mir die Sicherheit aufkommen, dass ich mit solchem Unsinn auch woanders durchkomme: freundliche aber mit angemessener Autorität vorgetragene Frechheit siegt und hinterlässt (leider) keine Opfer, die andere beklagen könnten um dann auch draus zu lernen, dass mit mir nicht good cherryeating ist.
Und ich überlege gerade, ob ich mir ’ne Weste bedrucken lassen soll.
Vorne steht PRESSE.
Und hinten steht ORDNER.
Damit würde ich mir den Weg auch ohne Worte frei machen …
°supplementum°
Kein Nachtrag geplant.
°illustrationen°:
Tipp für die Ansicht in der Galerie:
drücke Taste F11 und blende im Textfeld mit dem Icon „X“ das Textfeld aus, dann siehst Du nicht nur winziges Internetzimpressionsgeschnipsel.
°navigation auxilium°
… man könnte auch Navigationshilfe drauf sagen. Ab hier geht’s irgendwie weiter …












































































































