°lappentaucher°

°lappentaucher°

°descriptio°:

Die Lappentaucher (Podicipediformes, Podicipedidae) sind eine Ordnung und Familie der Vögel. In älterer Literatur findet man sie auch unter der Bezeichnung Steißfüße. 23 Arten sind bekannt, von denen zwei sicher und eine dritte höchstwahrscheinlich ausgestorben sind. Die in Europa bekannteste Art ist der Haubentaucher.

Die Lappentaucher sind eine Familie von an Wasser gebundenen, tauchenden Vögeln. Obwohl sie von Laien manchmal für Enten gehalten werden, sind sie diesen überhaupt nicht ähnlich. Abgesehen von der abweichenden äußeren Gestalt liegen sie auch wesentlich tiefer im Wasser; dies ist durch die geringe Pneumatisierung des Skeletts bedingt, das heißt, die Knochen der Lappentaucher sind nicht in dem Maße hohl und mit Luft gefüllt wie bei vielen anderen Vögeln.

Die kräftigen Beine sind weit hinten am Körper positioniert. Sie besorgen den Antrieb beim Schwimmen und Tauchen und dienen als Ruder. Die Zehen sind nicht wie bei vielen anderen Wasservögeln mit Schwimmhäuten verbunden, sondern tragen breite Schwimmlappen. Wird der Fuß im Wasser vorwärts gezogen, falten sich diese zusammen, so dass kaum Widerstand entsteht. Beim Zurückführen öffnen sie sich und drücken den Körper gegen das Wasser nach vorne. Drei Zehen zeigen nach vorne, eine weitere ist nach hinten gerichtet (Anisodactylie).

Zum Tauchen machen die Vögel einen kräftigen Satz nach vorn, wobei sie manchmal mit dem gesamten Körper aus dem Wasser auftauchen, ehe sie mit dem Kopf und dem Hals voran eintauchen. Durch diesen Sprung tauchen die Vögel in einem steileren Winkel ein und erreichen größere Tiefen. Während des Tauchens bleiben die Flügel angelegt, werden also nicht wie zum Beispiel bei Pinguinen zum Antrieb benutzt. In der Regel dauert ein Tauchvorgang 5 bis 40 Sekunden, wobei die kleineren Arten im Schnitt kürzer unter Wasser bleiben als die größeren. Typischerweise vermag ein Lappentaucher etwa eine Minute unter Wasser zu bleiben, für den Ohrentaucher wurden maximal drei Minuten gemessen. Die Tauchtiefe liegt meist bei 1 bis 4 m; allerdings wurde schon ein Haubentaucher gefunden, der sich in 30 m Tiefe in einem Fischernetz verfangen hatte. Lappentaucher können in horizontaler Richtung weite Strecken unter Wasser zurücklegen.

Während die weit hinten ansetzenden Beine eine hervorragende Anpassung an das Leben im Wasser sind, sind sie für die Fortbewegung an Land weitgehend unbrauchbar. In der Regel verlassen Lappentaucher das Wasser nur zum Rasten oder am Nest. Auch das Auffliegen fällt Lappentauchern relativ schwer: Um den relativ schweren Körper in die Luft zu erheben, läuft ein Lappentaucher eine lange Strecke mit schlagenden Flügeln auf der Wasseroberfläche, ehe er abhebt. Gefahrensituationen entziehen sich Lappentaucher daher eher durch Tauchen als durch Auffliegen. Einmal in der Luft können Lappentaucher jedoch weite Distanzen fliegend überwinden und manche Arten sind Zugvögel. Drei Arten sind flugunfähig: der Titicacataucher, der Atitlántaucher und der Punataucher. Diese drei Arten sind miteinander nicht nahe verwandt und haben jeweils flugfähige Schwesterarten.

Das weiche, dichte Gefieder ist wasserabweisend. Jeder Lappentaucher hat mehr als 20.000 Federn. Im Verlauf des Jahres kommt es bei den meisten Arten zu auffälligen Veränderungen des Gefieders. Das Brutkleid ist oft durch leuchtende Farben an Hals und Kopf gekennzeichnet, hinzu kommen auffällige Hauben, Schöpfe oder Ohrbüschel. Im Schlichtkleid dominieren hingegen graue und braune Farben. Ein auffälliger Geschlechtsdimorphismus besteht nicht; Männchen haben manchmal etwas leuchtendere Farben und sind im Schnitt ein wenig größer als Weibchen, zur feldornithologischen Unterscheidung der Geschlechter reichen diese Unterschiede allerdings meist nicht.

Körperlänge und Gewicht der Lappentaucher schwanken zwischen 24 Zentimeter und 80 Zentimeter bzw. zwischen 130 Gramm und 1700 Gramm. Es gibt zwei Grundtypen: Langhalsige Taucher mit langen, spitzen Schnäbeln sind vor allem Fischfresser, während die insektenfressenden Arten deutlich kürzere Hälse und Schnäbel haben. Der (ausgestorbene) Atitlantaucher nahm eine Sonderstellung ein, sein Schnabel war für Verzehr von Krebstieren spezialisiert.

Lappentaucher sind hauptsächlich tagaktiv, können aber in hellen Vollmondnächten auch noch aktiv sein. Die meisten Arten sind Einzelgänger, die zur Brutzeit paarweise zusammenleben; manche werden in den Winterquartieren geselliger.

Die zwei Grundtypen von Lappentauchern sind auf die Fischjagd bzw. auf die Jagd nach Wasserinsekten spezialisiert sind. Zu den ersten gehören Haubentaucher und Renntaucher, zu den letzten gehören Zwergtaucher und der Schwarzhalstaucher. Die Spezialisierung bedeutet allerdings lediglich, dass Fische bzw. Insekten den Hauptteil an der Nahrung der jeweiligen Arten ausmachen. Als Beikost fressen auch die großen Arten Insekten, und auch die insektenjagenden Lappentaucher erbeuten gelegentlich einen kleinen Fisch.

Die größten Arten können Fische mit einer Länge von maximal 20 cm und einer Höhe bis zu 7,5 cm schlucken. Zu den Wasserinsekten, die von den kleineren Lappentauchern verspeist werden, zählen die Larven von Libellen, Eintagsfliegen und Steinfliegen, wasserbewohnende Wanzen und Schwimmkäfer. Daneben zählen zum Beutespektrum auch Wasserschnecken, Krebstiere, Kaulquappen und ausgewachsene Frösche.

Oft werden in Mägen von Lappentauchern auch Spuren von Wasserpflanzen gefunden; meistens werden diese versehentlich gefressen. Auch kleine bis mittlere Steine werden als Gastrolithen zur Zerkleinerung der Nahrung geschluckt. Einmalig ist, dass Lappentaucher auch ihre eigenen Federn schlucken, und zwar kleine Federn von Brust oder Bauch. Sie zersetzen sich im Magen zu einer grünlichen, filzigen Masse, die zusammen mit unverdaulichen Nahrungsresten als Gewölle regelmäßig wieder ausgewürgt wird. Der Nutzen dieses eigenartigen Verhaltens liegt vermutlich darin, dass die Federmasse die Magenwand vor Verletzungen durch spitze Fischgräten schützt.

Weil ihre Federn als Futter von Textilien im 19. Jahrhundert sehr begehrt waren, wurden die holarktischen Arten im großen Umfang gejagt. Haubentaucher und Renntaucher wurden in manchen Regionen nahezu ausgerottet – beide Arten haben sich im Verlauf des 20. Jahrhunderts durch Schutzmaßnahmen allerdings erholt und sind mittlerweile wieder recht häufig. Heute setzen den Lappentauchern Verschmutzungen der Gewässer und Störungen durch Bootsverkehr zu. Boote können durch die von ihnen erzeugten Wellen die empfindlichen Schwimmnester gefährden. Viele Lappentaucher verfangen sich in Fischernetzen und ertrinken.

[Text-Quelle: Wikipedia]


°illustrationen°:

 


°navigation auxilium°

… man könnte auch Navigationshilfe drauf sagen. Ab hier geht’s irgendwie weiter …


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