°descriptio°:
Zusamenfassung:
| Lat. Name: | Silphidae |
| Deutscher Name: | Aaskäfer |
| Körperlänge: | ♂ 7-45 mm | ♀ 7-45 mm | Ø 12-20 mm |
| Lebensraum: | in nicht zu trockenen Lebensräumen, in Wäldern, am Boden lebend, flugfähig |
| Nahrung: | Imago -> Aas, Kot, faulende Pflanzen, Pilze
Larve -> Aas, Kot, faulende Pflanzen, Pilze |
| Präsenz: | April – Mai – Juni – Juli – August – September – Oktober |
| Gefährdung: | ggfls. artspezifisch |
Die Aaskäfer (Silphidae) sind eine Familie der Käfer. Es sind 183 Arten weltweit beschrieben worden (Stand: 2008), allerdings kommen nach wie vor jedes Jahr neue Arten hinzu.
Die Aaskäfer werden 7 bis 45 Millimeter, die meisten Arten allerdings zwischen 12 und 20 Millimeter lang. Die Körperform ist meist mehr oder weniger langgestreckt oval, sie ist deutlich (Silphinae) oder schwach (Nicrophorinae) abgeplattet. Die meisten Arten sind schwarz gefärbt (Ausnahme: Dendroxena), viele mit auffallender roter oder oranger Flecken- oder Bindenzeichnung. Der Körper ist meist glänzend und nur schwach punktiert sowie meist spärlich behaart.
Der Kopf wird nach vorn vorgestreckt oder sitzt etwas hängend unter dem großen Halsschild. An ihm sitzen zwei halbkugelig vorragende Komplexaugen. Die Fühler sind elfgliedrig, wobei die der Unterfamilie Nicrophorinae zehngliedrig erscheinen (zweites und drittes Antennensegment verschmolzen). Die letzten drei Fühlerglieder bilden eine abgesetzte Keule, die bei den Silphinae nicht wie der übrige Fühler glänzend, sondern auffallend matt sind. Bei der Gattung Nicrophorus ist die Keule in einzelne Blätter gegliedert.
Das Halsschild (Pronotum) ist immer groß und abgeflacht und an den Seiten gerandet; meist ist es genauso breit wie die Flügeldecken. Auffallend und sehr charakteristisch für die Familie ist auch das große Scutellum, das genauso breit wie der Kopf sein kann. Die Flügeldecken bedecken bei den meisten Silphinae den ganzen Hinterleib; bei den Gattungen Diamesus, Necrodes und allen Nicrophorinae sind sie aber verkürzt und lassen ein bis fünf Tergite des Hinterleibs frei. Die meisten Arten besitzen voll ausgebildete Hinterflügel und sind gut flugfähig, es kommen aber einzelne Arten mit verkürzten Hinterflügeln vor. Seitlich sind die Deckflügel nach unten umgeschlagen. Der an den Körperseiten sitzende Teil wird durch einen Kiel abgegrenzt; diese seitlichen Abschnitte werden Epipleuren genannt. Auf der Scheibe der Flügeldecken sitzen in der Regel drei markante Längskiele (bei Nicrophorus und Ablattaria sehr undeutlich), dafür fehlen die bei vielen Käferfamilien charakteristischen Streifen oder Punktreihen vollständig. Am Ende des äußersten Kiels sitzt eine auffallende Beule; diese ist die einzige gesicherte Autapomorphie der Familie. Die kräftigen Beine tragen fünfsegmentige Tarsen. Bei den Männchen sind in der Regel die Glieder der Vordertarsen deutlich verbreitert (sie dienen zum Festhalten auf dem Weibchen bei der Kopula).
Am Hinterleib ist das erste Segment nicht erkennbar; das zweite wird von den Hinterhüften verdeckt, ist aber an der Seite sichtbar. Die Sternite drei bis acht, beim Männchen drei bis neun, sind klar erkennbar. Bei der Unterfamilie Nicrophorinae sitzen auf dem fünften Tergit Längsrillen. Die Tiere können Töne erzeugen, indem sie mit den Flügeldecken darüber reiben (Stridulation).
Die Familie ist vor allem in den gemäßigten (temperaten) nördlichen Breiten verbreitet, sowohl in Eurasien (Paläarktis) als auch in Nordamerika (Nearktis). In den Tropen sind sie selten, sie kommen mit einigen Arten in Gebirgsregionen vor, sind aber im Tiefland beinahe abwesend (hier werden sie von Vertretern der Familie Scarabaeidae mit sehr ähnlicher Lebensweise abgelöst. In Australien leben drei Arten, in Südafrika ebenfalls. Drei Arten der endemischen Gattung Heterotemna kommen ausschließlich auf den Kanarischen Inseln vor. Aaskäfer fehlen auffallenderweise fast vollständig in trockenen Lebensräumen wie z. B. Wüsten. Sie sind artenreich vor allem in Wäldern und in Grasländern, einschließlich Kulturland, zu finden.
Besonders bekannt wegen ihres außerordentlich interessanten Brutpflegeverhaltens sind die Totengräber (Nicrophorus spec.). Nicrophorus, die ein totes kleines Wirbeltier, z. B. eine Maus, entdeckt haben, versuchen dieses, für sich zu monopolisieren. Dazu kämpfen sie gegen andere Nicrophorus am selben Kadaver, sowohl ihrer eigenen wie auch anderer Arten. In der Regel gewinnen dabei die Individuen mit der größten Körpergröße. Zum Schluss bleibt ein Pärchen besonders großer Käfer übrig. Diese zerkauen den Kadaver, entfernen Haare oder Federn und bearbeiten ihn solange, bis er zu einer formlosen Kugel geworden ist, dabei werden auch Drüsensekrete eingearbeitet. Parallel dazu scharren sie Erdreich unter der Leiche zur Seite und vergraben das Tier so nach und nach im Erdreich, wo sie eine Brutkammer mit stabilen Wänden konstruieren. Diese Tätigkeiten geschehen in größtmöglicher Geschwindigkeit, um möglichen später eintreffenden Konkurrenten zuvorzukommen. Ist eine Tierleiche schon stark mit Fliegenmaden befallen, wird sie in der Regel nicht mehr von Nicrophorus genutzt. Es gibt Hinweise darauf, dass den Käfern als „Passagiere“ mitgebrachte (phoretische) Milbenarten helfen, die sich bevorzugt von Fliegeneiern ernähren (Mutualismus). Erst in der fertigen Brutkammer kommt es schließlich zur Paarung. Anschließend legt das Weibchen ein meist relativ kleines Eigelege ins Erdreich ab. Die ausschlüpfenden Larven wandern zu der Nahrungskugel. Hier versammeln sie sich in einer von den Elterntieren angelegten kleinen Grube, meist auf der Oberseite. Die Elterntiere, aber insbesondere das Weibchen, pflegen die Jungtiere und füttern sie mit heraufgewürgtem, vorverdauten Nahrungsbrei. Auch die Nahrungskugel wird gepflegt und mit Sekret behandelt, was wichtig ist, um das Aufkommen von schädlichen Pilzen zu verhindern. Der Vater verlässt in diesem Stadium meist das Nest, manchmal von der Mutter vertrieben. Offensichtlich profitieren die Jungtiere nicht sonderlich von seiner Anwesenheit. Sein Zurückbleiben dient vor allem dazu, anderen Männchen den Zutritt zu verwehren, die ggf. die Junglarven töten würden und mit dem Weibchen eine neue Brut eigenen Nachwuchses großziehen würden. Die ausgewachsenen Larven fressen schließlich ohne Hilfe der Mutter weiter, in der Regel, bis die Nahrungskugel komplett aufgebraucht ist. Da ihre Körpergröße variabel und abhängig von der Ernährung ist, und große Tiere einen starken Konkurrenzvorteil besitzen (vgl. o.), profitieren sie besonders von Größenwachstum, auch auf Kosten der Entwicklungsgeschwindigkeit. Meist dauern die drei Larvenstadien einige Wochen an. Im Anschluss graben die verpuppungsbereiten Altlarven sich eine Erdhöhle, in der sie, abhängig von der Jahreszeit, entweder überwintern oder sich sofort verpuppen.
Die Käfer sind in der Lage, ihren jeweiligen Partner von Eindringlingen derselben Art in die Brutkammer, die das Nest übernehmen oder zumindest als Brutparasiten ohne eigenen Beitrag davon profitieren wollen, zu erkennen. Dabei erkennen sie weniger den Partner selbst als vielmehr den Fortpflanzungsstatus, indem sich ein Käfer gerade befindet. Als Marker dienen die Kohlenwasserstoff-Muster in der wachsartigen Außenschicht des Exoskeletts, der Epicuticula. Sind fremde Larven einmal in der Nistkammer vorhanden, können die Käfer sie nicht von ihrem eigenen Nachwuchs unterscheiden. Es kommt deshalb verbreitet zu Brutparasitismus. Ist ein Aas zu groß, als dass es einem Paar gelingen könnte, alle Konkurrenten zu vertreiben, etabliert sich häufig ein weiteres Paar an der Nahrungskugel. Diese legen Eier ab, beteiligen sich aber nicht an der Brutpflege. Eine ostasiatische Art, Ptomascopus morio, ist sogar obligater Brutparasit bei Nicrophorus-Arten und legt gar keine eigenen Brutnester mehr an.
Obwohl im Prinzip alle Nicrophorus-Arten einen vergleichbaren Lebensstil haben, kommen in einem bestimmten Habitat in der Regel mehrere, oft drei bis fünf, verschiedene Arten nebeneinander vor. Die Konkurrenz zwischen gemeinsam vorkommenden Arten ist sehr intensiv und führt häufig zum Konkurrenzausschluss unterlegener Arten. Sie können dann miteinander koexistieren, wenn sie jeweils Besonderheiten in Lebenszyklus und Lebensweise aufweisen, sie also ökologisch gegeneinander eingenischt sind. Die Arten unterscheiden sich z. B. in der Jahreszeit ihres Auftretens, in der Hauptaktivitätsperiode im Tagesgang, in der Größe der bevorzugt aufgesuchten Tierleichen. Lebensräume mit harten, trockenen Böden können nur von großen Arten genutzt werden, weil kleine Käfer hier nicht genügend Kraft zum Graben der Bruthöhle besitzen.
Aaskäfer gehören in der Sukzession an Wirbeltierleichen in der Regel zur zweiten Besiedlungswelle nach den Schmeißfliegen und Fleischfliegen. Obwohl sie in der forensischen Entomologie zur Bestimmung des Zeitpunkts und der Todesumstände von menschlichen Leichen nutzbar wären, werden sie heute in der Regel nicht dafür herangezogen. Grund dafür ist in erster Linie, dass sie seltener in Häusern und Wohnungen auftreten als Fliegen. Außerdem sind sie bisher in dieser Hinsicht noch wenig erforscht.
[Text-Quelle: Wikipedia]
°illustrationen°:
°navigation auxilium°
… man könnte auch Navigationshilfe drauf sagen. Ab hier geht’s irgendwie weiter …

