°descriptio°:
Zusamenfassung:
| Lat. Name: | Megabruchidius dorsalis |
| Deutscher Name: | Asiatischer Gleditschien-Samenkäfer |
| Familie: | Blattkäfer (Chrysomelidae) |
| Körperlänge: | ♂ 4,3 – 5,5 mm | &♀ 4,5 – 6,0 mm | Ø 4,3 – 6,0 mm |
| Lebensraum: | in Parks, im Siedlungsbereich, Entwicklung der Larven in Hülsenfrüchten (jeweils nur eine Larve pro Samen), flugfähig |
| Nahrung: | Imago -> unbekannt
Larve -> Samen von Gleditschien und anderen Hülsenfrüchten |
| Präsenz: | März – April – Mai – Juni – (wird noch erforscht) |
| Gefährdung: | Neozoon, nicht gefährdet |
Beschreibung:
Megabruchidius dorsalis, auch als Asiatischer Gleditschien-Samenkäfer bekannt, ist eine Blattkäfer-Art aus der Unterfamilie der Samenkäfer (Bruchinae).
Die Käfer erreichen eine Länge von 4,3–6 mm. Die Basalglieder der Fühler, die vorderen beiden Beinpaare sowie das Ende der hinteren Femora sind hellrot gefärbt. Außerdem ist die Ventralseite rot. Der weiße Fleck auf dem Halsschild vor dem Scutellum ist scharf begrenzt. Die Vorderflügel bedecken nicht den gesamten Hinterleib. Sie sind im vorderen mittigen Bereich bräunlich, während sie an den Seiten und im hinteren Bereich schwarz und hellblau-grau gemustert sind.
Die Käferart stammt aus Ostasien. Sie wurde wahrscheinlich mit Pflanzen nach Europa eingeschleppt. 2012 wurde sie in der Schweiz nachgewiesen. Mittlerweile wurde die Art in weiteren Ländern in Mitteleuropa beobachtet, darunter Ungarn, Slowakei, Italien, Frankreich und Deutschland. Neben Megabruchidius dorsalis wurde noch die verwandte Art Megabruchidius tonkineus nach Europa eingeschleppt.
Die Art entwickelt sich in den Samen von Gleditschien (Lederhülsenbäume) und anderen Hülsenfrüchtlern (Fabaceae). Die Art überwintert als Puppe in den Samenkörnern.
[Text-Quelle: Wikipedia]
Eigene Entdeckung und Erkenntnisse:
seit 2018
Recherchen über diese wie immer und wieder mal nur aus niedrigsten Beweggründen vom Menschen aus Ostasien eingeschleppte Art haben ergeben, dass die Käfer sich angeblich seit etwa 2018 in Deutschland (Sachsen) etabliert hätten mit derTendenz zur weiteren natürlichen Verbreitung überall da, wo auch ihre ebenfalls warum auch immer eingeschleppten Wirtspflanzen angesiedelt worden sind.
Der Käfer wurde 1839 von Fåhraeus (ein nordeuropäischer Mediziner und Naturwissenschaftler) erstbeschrieben. Dazu musste der Gute aber wohl nach Asien reisen. Die Käfer gab’s damals hier in Europa ja noch nicht.
Der Käfer verbreitet sich also – wenn er denn schon mal hier ist – auf natürlichem Wege überall da aus, wo auch seine Wirtspflanze angesiedelt wurde. Das ist in diesem Fall die Amerikanische Gleditschie (Gleditsia triacanthos), die in der Innenstadt von Recklinghausen auf der Schaumburgstraße in Höhe des ehemaligen Karstadt-Gebäudes als Ziergewächs angepflanzt wurde. Stadtgrün sei Dank …
Die im Samen überwinternde Larve verursacht beim Schlupf als Käfer einen als fast kreisrundes Loch sichtbaren Fraßschaden am Samen und der ihn umhüllenden Haut der Lederfrucht der Wirtspflanze.
Nach erfolgreicher Verpuppung verlässt der Käfer also den zuvor bereits fast ausgehöhlten Samen und frisst sich von der Samenhülse durch ins Freie, um sich dann direkt zu vermehren. Die Borhlöcher in den Samenhülsen haben einen fast kreisrunden Durchmesser von etwa 4 – 5 mm und entsprechen in etwa dem Körperumfang des Käfers. Die Samenhülsen sind in der Gleditschienfrucht physikalisch in Kammern getrennt. In jeder Kammer befindet sich jeweils nur ein Samen und somit auch immer nur ein Käfer.
Eine Samenhülse kann also soviel Käfer beherbergen, wie sie Samenkammern hat. Bei großen Hülsen können das dann schon mal bis zu 20 Samen bzw. Käfer sein. Nach meinen derzeitigen Beobachtungen werden augenscheinlich aber nicht alle Hülsen bzw. Kammern mit Larven belegt.
2019-12-10
Die von mir eigentlich nur zu Dekozwecken im Dezember 2019 abends in der Innenstadt von Recklinghausen auf der Schaumburgstraße in Höhe des ehemaligen Karstadt-Gebäudes aufgrund des heftigen Windes vom Baum getrennten und dann von mir von der Straße aufgesammelten Hülsen wiesen direkt nach ihrem Fund keinerlei sichtbaren Befall auf. Die Samen lagen aufgrund des stark getrockneten Zustands der Hülse schon darin gelöst und verursachten beim Schütteln ein rasselnd-klapperndes Geräusch wie bei einem Kinderspielzeug, Genau das Richtige für mich …
Ich hatte die Hülsenblätter unter fließendem Wasser gereinigt und nach dem Trocknen dann ansonsten unberührt im Wohnzimmerschrank aufbewahrt.
2020-03-19
Am 19.03.2020 habe ich den Käfer das erste Mal im Wohnzimmer auf dem TV-Bildschirm herumkrabbelnd entdeckt. Zunächst konnte ich mir die Herkunft nicht erklären und nahm an, dass er von draussen reingekommen sein könnte.
Als ich am selben Tag den Wohnzimmerschrank ausräumen und reinigen wollte, fielen mir dann auch die an den dort deponierten Lederhülsen durch Fraßlöcher entstandenen Krümel auf, zwischen denen sich etwa 10 der flugfähigen (und zudem auch sehr flugfreudigen) Käfer tummelten.
Die Käfer und die Lederhülsen hatte ich sofort eingesammelt und auf dem Balkon zwischengelagert, die bereits freien und bewegungsfreudigen Exemplare habe ich in die endgültige Freiheit entlassen. Nur einige der anscheinend noch nicht ganz so bewegungswilligen Exemplare habe ich dann mit einer Fruchthülse zusammen in ein zu verschliessendes Kunststoffgefäß (ein rechteckiger Eisbecher aus dem Aldi) gelegt, um eine Flucht zu unterbinden und damit die Möglichkeit zu haben, die mal näher in Augenschein zu nehmen.
2020-03-26
Am 26.03.2020 habe ich in den Morgenstunden das (luftdurchlässig verschlossene) Gefäß geöffnet und die Käfer lebten immer noch. Ich nahm die Lederfrucht heraus und vier der sechs eingesperrten Käfer rotteten sich zu einer Gruppe zusammen.
Es machte erst nicht den Anschein, als wenn diese Zusammenkunft eine besondere Bedeutung haben könnte.
Bis ich dann bemerkt hatte, dass die Käfer sich „beschnupperten“.
Bei der darauf folgenden Kopulation, die etwa 4 Minuten gedauert hat, konnte ich dann auch die Geschlechter anhand äusserer Merkmale deutlich zuordnen:
♀ sind etwas größer und am Bauch rundlicher. Der Hinterleib (Abdomen) erscheint in der Draufsicht mehr oval geformt, am Ende befinden sich zwei auffällig dunkel gezeichnete und scharf abgegrenzte ovalförmige Flecken
♂ sind kleiner als die Weibchen, der Unterleib, also der Bauch, erscheint in der Seitenansicht deutlich schlanker. Der Hinterleib (Abdomen) erscheint in der Draufsicht mehr rund geformt, am Ende befinden sich zwei vergleichsweise kleinere und nicht ganz so dunkel gezeichnete und weniger scharf abgegrenzte runde Flecken
Beide Geschlechter weisen ansonsten die jeweils gleichen Färbungen an ihren Körpern auf.
Vor der Kopulation erwählt das Männchen anscheinend durch Geruchstest das Weibchen. Dieses scheint seine Paarungswilligkeit durch Gebärden zu signalisieren worauf das Männchen dann von hinten aufsteigt.
Das Samenpaket wird vom Männchen an das Weibchen für die für Käfer übliche Art der Kopulation weitergegeben. Das Samenpaket scheint von zähflüssiger Konsistenz und ist halbtransparent uringelb gefärbt.
Ich habe das anscheinend befruchtete Weibchen dann wieder zurück in die Gefangenschaftsbehausung zurückgeführt. In dem Gefäß habe ich eine noch vollständige Lederfrucht und acht aus einer Hülse herausgelöste und bereits als Kinderstube ausgediente Samen beigelegt.
Wovon die ausgewächsenen Käfer tatsächlich leben und wie hoch deren Lebensdauer ist, ist mir aber bislang noch unbekannt.
2020-05-02
Ein mehr nur so zufälliger Kontrollblick in das Gefangenschaftslager hat meinen Verdacht erhärtet: die Männchen haben nach der Kopulation nur eine kurze Lebenserwartung. Die Weibchen folgen tapfer ihrer zugedachten Aufgabe und suchen einen geeigneten Ort für die Eiablage, um erst danach zu sterben.
Vermutlich die noch lebenden und wahrscheinlich auch befruchteten Weibchen haben dann auch tatsächlich einen der Samen, der bereits von der hier vorhandenen Generation als Puppenstube benutzt wurde, entweder als Eierbecher (zur Eiablage) oder als Futterstelle auserkoren. Der Mehltstaub um den Samen ist jedoch nur ein Hinweis auf eine Veränderung der Gefangenschaftssituation, ergibt jedoch keine zuverlässige Auskunft über den tatsächlichen Nutzen, den die verbliebenen weiblichen Käfer daraus ziehen.
Tatsache ist jedoch, dass mittlerweile alle Männchen tot sind während alle Weibchen durchweg noch leben. Der Tod der Männchen trat definitiv bereits vor der Entdeckung des vermutlich angefressenen Samens ein.
Ich hatte seinerzeit bei dem Fund der Käfer auch einige nicht gelochte Samen aus einer Lederfrucht separieren können. Eigentlich hatte ich vor, die in einem Pflanzgefäß auszusäen. Zu meinem Erstaunen ist viel später noch auch aus einem der separierten Samen ein Käfer geschlüpft und auch direkt und für mich nicht mehr auffindbar geflüchtet, sodass ich das Geschlecht nicht mehr bestimmen konnte.
2020-05-11
Am 02.05.2020 hatte ich die Veränderungen nicht in Bildern dokumentiert, habe das dann aber heute nachgeholt.
Auf einem Foto ist links ein totes Männchen und rechts ein noch lebendes Weibchen nebeneinander von hinten zu sehen, so dass man das Geschlecht eindeutig an den Punkten des Abdomens identifizieren kann.
Ein weiteres Foto zeigt den gelben Mehlstaub um einen der Samen. Es kann sich schon deshalb nicht um Kot handeln, weil der Staub die Farbe des Samenkerns hat. Kot hat ja erfahrungsgemäß und in der Regel auch bei Insekten eine dunklere Färbung, die allgemein bräunlich bis schwarz erscheint. Warum der hellgelbe Staub um den Samen herumliegt ist bislang noch ungeklärt. Die Vermutung liegt nahe, dass die Weibchen ihre Eier in frische Früchte ablegen wollen, die sie hier unter den von mir erzeugten „Laborbedingungen“ aber nicht finden. Der Aufenthalt und die Suche erweisen sich hier in Gefangenschaft wohl als äusserst anstrengend und die Samen dienen vermutlich auch nur ersatzweise als Nahrungsquelle.
2020-02-31
Vor zwei Tagen hatte ich nochmal einen Kontrollblick in das Gefangenenlager geworfen. Und erstaunt festgestellt, dass die weiblichen Käfer immer noch leben. Es scheint also möglich, dass die sich von den Samen ernähren, die im Gefäss mit bei liegen. Ausserdem hat sich herausgestelt, dass die vermeintlich nicht mit Eiern bzw. Larven belegten Samen nun doch allesamt mit Larven belegt waren. Der Schlupf der Käfer hat bis heute angedauert. Was ich persönlich als ungewöhnlich empfinde, weil der Schlupf von Insekten in der Regel ja ziemlich zeitnah stattfindet und eigentlich seltener – wie bei diesen Käfern – kleckerweise.
Auch liegt der noch ungeprüfte Verdacht nahe, dass die in einem separaten Gefäß geschlüpften „neuen“ Käfer, die ich direkt nach ihrer Endtdeckung dem Hauptgefangenenlager zugeführt habe, sich mit den dort noch lebenden Käfern paaren. Ob die noch lebenden Weibchen mehrmals befruchtet werden können und somit auch mehrmals hintereinander eine Eiablage vollziehen wäre sicher interessant herauszufinden. Unsicher bin ich auch darüber, ob auch „alte“ oder nur die neu hinzugekommenen Weibchen von „frischen“ Männchen begattet wurden.
Zu meinem Erstaunen fand ich nun im Mehlstaub, der wahrscheinlich durch die Fraßtätigkeit der Käfer entstanden ist, zwei winzige zappelnde Larven, kaum 1 mm lang, gelblich, ohne Behaarung und mit sechs winzigen Stummelbeinchen, mit denen die sich nur rudimentär fortbewegen können. Die hauptsächliche Fortbewegung der anscheinend sehr lichtscheuen und bewegungsfreudigen Larven findet in einer sich windenden und krümmenden Bewegung statt, Damit „rollen“ die sich quasi auf ebener Fläche dorthin, wo Dunkelheit zu erwarten ist. Klettern scheinen die Larven eher nicht zu können. Die Stummelbeinchen geben das wohl nicht her.
Meine Beobachtungen liefern auch den Hinweis, dass die Larven unterschiedlich groß sind. Was bei den Käfern ebenfalls auffällig ist. Die Weibchen sind größer und „molliger“ und haben einen konkav zulaufenden Hinterleib. Während die Männchen kleiner sind und einen rundlichen Hinterleib aufweisen. Die Larven unterscheiden sich ebenfalls deutlich erkennbar in Größe und Form. Ob das bereits Geschlechtsdimorphismus ist oder nur altersabhängig zu sein scheint, ist mir aber unbekannt.
Die befruchteten Weibchen haben also tatsächlich in Gefangenschaft unter unnatürlichen und erschwerten Bedingungen die Eiablage vollzogen. Die Eier wurden auch nicht in den bereits stark zerlegten Samen versenkt, sondern anscheinend frei irgendwo im Gefäß abgelegt. Wieviel Eier ein Weibchen legt, ist mir unbekannt.
Ich habe bis heute insgesamt drei lebende Larven entdeckt.Die Vermutung liegt aber nahe, dass mehr Eier abgelegt worden sind, die aber wahrscheinlich aufgrund der nicht wirklich optimalen Haltungsbedingungen keine Larven hervorbringen konnten. Die Eier scheinen auch so klein zu sein, dass man sie mit blossem Auge nicht erkennen und von den anderen „Beigaben“ wie Staub, Kot und anderen Krümeln nicht eindeutig unterscheiden kann.
Eine Identifikation wird wohl nur einem Spezialisten unter einem Mikroskop gelingen.
2020-06-19
Aus den anfangs vermeintlich als unbewohnt vermuteten Ledersamenkapseln schlüpfen immer noch Käfer. Ich habe vor 5 Tagen 8 und heute wieder 2 adulte Käfer ohne das Geschlecht näher zu bestimmen in das Auffanglager überführt, in denen sich derweil eine stattliche Population angesammelt hat. Wenn ich bedenke, dass ich zum Zeitpunkt der Entdeckung bereits sehr viele direkt in die Freiheit entliess und die Käfer an sich sehr robust erscheinen ist davon auszugehen, dass ein Befall von geeigneten Hülsenfrüchtlern der unaufhaltsamen Vermehrung Vorschub leistet. Interessant wäre angesichts des um sich greifenden Insektensterbens herauszufinden, ob die Käfer einigen unserer heimischen Tierarten als zusätzliche Nahrungsquelle dienen könnten. Allerdings sehe ich persönlich nur wenig bis gar keine Aussicht auf Erfolg in dieser Richtung, so dass sich der Käfer wohl ungebremst ausbreiten kann.
°illustrationen°:
°navigation auxilium°
… man könnte auch Navigationshilfe drauf sagen. Ab hier geht’s irgendwie weiter …































































