2018-03-27 – NSG Hohe Mark Heiden

2018-03-27 – NSG Hohe Mark Heiden

°descriptio°:

Gestern musste der Truck wegen Service-Intervall auf’s Trockendock der Werft meines Vertrauens. Zum Kfz-Fachbetrieb Südholt & Hülsdünker in Heiden habe ich seit dem Tod des Passats im Herbst 2003 ein sehr vertrauensvolles Verhältnis. Und bringe den dort zum Jahreswechsel 2006/2007 erworbenen Panzer gerne immer wieder mal da hin, damit die zwischendurch mal Auge machen und den auch fachgerecht am TÜV vorbeischleusen …

Während dieser Zeit ist auch in Heiden die Zeit nicht stehengeblieben und das Dorf hat sich in alle Richtungen tüchtig ausgebreitet.

Ich war um 07:00 Uhr morgens an der Werkstatt. Die Luft war dunstig und kalt und ich wartete deshalb geduldig im Foyer der Werkstattannahme.

Zwischendurch war ich auch mal raus zum Paffen.

Und bemerkte die lauten Töne des Vogels, der mir letztes Jahr in der Brandheide schon begegnete, den ich aber aufgrund der Entfernung nicht identifizieren konnte.

Heute saß eine ganze Kolonie auf dem Flachdach eines Leichenwagenhändlers, der seine üppige Bude auf dem Grundstück der gegenüberliegenden Straßenseite betreibt. Mit Toten lässt sich eben noch genug Geld verdienen …

Die Vögel umkreisten unter Absingen der mir bekannten Melodien die Hütte und setzten sich auch gerne mal auf die Dächer der vor dem Gebäude geparkten Luxus-Karossen.

Ich war schlecht vorbereitet. Die Kamera lag zu hause. Gar nicht gut, dachte ich …

Und das war dann der Grund, warum ich das Schatzi via SMS heiss gemacht hatte mit den Hinweisen auf die hier vielfältig vertretene Vogelwelt. Wobei es sich in erster Linie um Tauben, Krähen, Bachstelzen, Dohlen und eben den Austernfischer handelte. Aber immerhin: besser als nix.

Soweit die Vorgeschichte.


Das Wetter war heute morgen sehr vielversprechend sonnig. Das sollte aber lt. Wettervorhersage nicht so bleiben. Und weil wir spät erwacht sind – wir hatten es aufgrund der unsäglichen Ruhestörungen durch Verkehrslärm der vergangenen Tage versuchen müssen, bei geschlossenem Schlafzimmerfenster die Nachtruhe zu finden, was sehr wohl geklappt hat mit dem Erfolg, dass wir ungestört schlafen konnten und das dann auch bis nach 10 Uhr getan haben – waren wir auch erst gegen 13 Uhr in Heiden.

Auf dem Parkplatz die Scheiben runterzukurbeln und von drinnen die Geräusche wahrzunehmen, die auf die Anwesenheit der Trophäen schließen lassen könnten erschien mir als zu doof.

Deshalb stieg ich aus um Auge zu machen. Und wurde auch direkt fündig: ein Pärchen stelzte wieder auf den Autodächern rum …

Also fix zum Truck zurück und das Werkzeug aufgesattelt.

Dann an die beiden vorsichtig rangepirscht und so getan, als wenn nix wär‘ …

Aber die waren für mich noch definitv zu weit weg. Und die Sonne versteckte sich mittlerweile auch schon hinter Diesigdunst. Keine guten Voraussetzungen, den Austernfischer mal auf einem schönen Foto zu portraitieren. Das Schatzi hatte mit langer Brennweite und deutlich empfindlicherer Apparatur mehr Glück.

Dann wechselten die beiden die Stellung und flatterten zum gemeinsamen Mittagessen auf die Wiese.

Ich musste also auf dem Bauch robbend an einer Hecke vorbei die beiden auf Paparazziart erwischen. Die haben sich nicht aus der Ruhe bringen lassen, sich aber beim Würmerpicken immer weiter von mir entfernt.

Ich versuchte nochmal, die Stellung zu wechseln, war aber immer zu weit weg von den beiden, bis sie dann durch irgendwas aufgeschreckt aufgeflogen sind und zu den Autodächern zurückflatterten.

Aus dem Gebäude trat derweil eine Frau und hielt auf das Schatzi zu. Sie sprach davon, dass die Austernfischer wohl mehr Dreck als Tauben machen würden und sie keine Möglichkeit sähe, die Viecher dauerhaft zu verscheuchen. Auf dem kiesgedeckten Flachdach des Gebäudes würden die wohl anscheinend nicht brüten, das wäre schon überprüft worden. Aber es sei ja ärgerlich, wenn die teuren Leichenkarossen ständig mit ätzendem Vogelkot zugeschissen werden würden. Ausserdem seien die Vögel auch sogenannte „Spiegelfechter“. Die würden in den Autoscheiben einen Rivalen erkennen und drauf loshacken. Was auch nicht gerade erbaulich für den Verkaufswert der neuen Fahrzeuge ist, wenn schon „Macken“ auf den Gläsern und von Vogelscheisse zerfressene Lackflächen zu sehen sein würden. Als sie ging, versuchte sie nochmal verzweilfelt die beiden von den Autos zu verscheuchen. Die waren von der Aktion völlig unbeeindruckt, liessen die Dame auf bis etwa anderthalb Mater an sich herankommen um dann fröhlich flatternd aufzusteigen, eine kurze Runde zu fliegen um sich dann wieder zufrieden auf die Autodächer zu stellen …

Tja, was dem einen sein‘ Freud‘ ist dem ander’n sein Leid.

Wir packten zusammen und zogen ab.

Ich warf einen Blick auf die Info-Tafel des Ortes und beschloß, die Düwelsteene anzuzielen…


°loco°


°ego sententiam°

In der Brandheide haben wir die Austernfischer das erste Mal wahrgenommen und die nicht als solche identifizieren können. Es war auch völlig abwegig, dass wir die HIER zu erwarten hätten,weil das ja ausgesprochene Seevögel sind, die hier im Inland eigentlich weder ihr Futter noch passende Brutmöglichkeiten finden würden.

Aber als wir die in Heiden entdeckten und dann auch nochmal im Internetz recherchierten ging bei uns ein OSRAM auf und wir erkannten die (traurigen) Zusammenhänge: wenn die Vögel in ihren eigentlichen Lebensräumen wegen vielerlei Gründe, die vornehmlich der Mensch zu verantworten hat, genau DAS nicht mehr finden können, dann disponieren die eben mal um und suchen sich die passenden Ausweichlebensräume. Ungiftige Regenwürmer sind leckerer und gesünder wie die von Öl, Schwermetallen und anderen ins Meer geleiteten menschlichen Hinterlassenschaften verpesteten Mupfeln. Und man braucht Regenwürmer nur zupfen, nicht knacken.

Bei den Singvögeln, über die ja gejammert wird, dass die hier ausgestorben sind, sieht das womöglich ähnlich aus. Die finden hier keine Insekten mehr und suchen sich die Ecken, wo die noch sind. Die Piepmätze müssen ja schließlich ihre Brut groß bekommen. Und dann ist es den Eltern egal, wo das Nest gebaut wird. Hauptsache Futter ist am Start. Und genau DAS ist HIER nicht mehr (in ausreichender Menge) vorhanden. Muss wohl auch am Menschen liegen …


°illustrationen°:


°navigation auxilium°

… man könnte auch Navigationshilfe drauf sagen. Ab hier geht’s irgendwie weiter …