2019-02-15 – EmscherValleyWay

2019-02-15 – EmscherValleyWay

°descriptio°:

Wieder zuhause. Auch die bei Amazon aufgegebene Bestellung der für 3 Blitzgeräte gleichzeitig verwendbaren Halterung ist heute gekommen und wurde dann auch direkt auf eins von den Billigleichtstativen gepflanzt, um die ganze Sache mal auf Praxistauglichkeit zu testen. Der im Regalschatten stehende Zinnritter kam da gerade richtig. Den konnte ich mit den 3 NEEWER TT560 portraitieren. Ohne dass man den Eindruck bekommen würde, der wäre totgeblitzt. Mit nur einem Blitz wäre die Ausleuchtung wohl nur zu einseitig direkt  und der Schattenwurf deutlich zu hart. Aber mit 3 Blitzen bekommt der Ritter eine „Gesamtbeleuchtung“ und der Schatten bildet sich eher diffus im Hintergrund ab, so als würden natürliche Lichtquellen die Szene beleuchten. Das Ergebnis ist aus meiner Sicht schon echt prima. Ob das was für draußen ist, wage ich allerdings zu bezweifeln. Da muss ich ganz einfach realistisch bleiben, denn den ganzen Plunder so mitzuschleppen sprengt ganz einfach den Rahmen des zu betreibenden Aufwands. Den Aufbau kann man sicher mal machen, wenn man stationär irgendwo irgendwen oder irgendwas geblitzdingsen will (oder muss). Und das muss man dann auch schon vorher wissen. Oder einfach im Auto mitführen und bei Bedarf dann rausholen. Voraussetzung ist natürlich ein kurzer Weg zum Panzer.

Den haben wir heute stehen gelassen und sind, nachdem ich mich auf dem BallKong mit dem einen und anderen unbekannten Besucher etwas „aufgewärmt“ hatte, fußläufig über den EmscherValleyWay getrabt. Der Arzt hat mir für nach der Krampfader-OP dringend laufende Bewegung verordnet, damit wieder Schwingungen in die Haxen kommen. Die mir im Moment keinerlei nennenswerte Beschwerden bereiten. Noch ein Grund mehr, einen Spaziergang bei schönem Wetter zu machen.

Ein insgesamt etwas unterbelichtet aber dennoch recht freundlich und nett wirkender junger Vater hatte seine beiden Kröten und seinen Hund im Schlepptau und begegnete uns in dem Moment, als wir uns – direkt zu Beginn unseres Spaziergangs – mit einer noch winterlich gefärbten Stinkwanze, Moosen und Flechten beschäftigt hatten. Mehr gab es ohnehin nicht zu entdecken. Die Kinder waren höchstinteressiert an unserer auffälligen Körperhaltung und fragten nach dem Anlass unseres offensichtlichen Leidens. Wir zeigten ihnen die Großaufnahme der Stinkwanze und der Moose und Flechten. Und die Krümel waren sichtlich angetan davon. Der Vater nahm das zum Anlass zu behaupten, dass er seine Erbfolger ja nun auch ständig mit nach draussen nimmt, damit sie die Natur entdecken können. Allerdings war er wohl nicht wirklich in der Lage, den lieben Kleinen auch ein paar Details der zu machenden Entdeckungen mitzuteilen. Verständlich, wie ich finde. Weil auch ich zu meiner Zeit keinen blassen Schimmer von Natur im weitesten Sinne hatte. Ich habe die als Bestandteil meines auf mich wirkenden Weltbildes wahrgenommen. Und in der Grundschule ein paar rudimentäre Informationen über Pflanzen und Tiere gesteckt bekommen. Was ich später dann wieder vergessen hatte. Mich heute aber ansatzweise daran erinnere, weil ich mich mit dem Thema gerade wieder etwas intensiver beschäftige.

Der Vater begleitete uns ein Stück und berichtete über die regelmäßig unentgeltlich stattfinden Aufräumaktionen der Anwohner von der Strünkedestraße, um die (wahrscheinlich nicht im Gemeindeeigentum sondern wohl eher im von einem Unternehmen im öffentlich zugänglichen Privatbesitz befindlichen) Grünstreifen und -flächen von Privatmüllhalden zu befreien. Der gesammelte Müll und der angefallene Grünschnitt wurde von den Anwohnern dabei zentral deponiert und es herrschte Hoffnung, dass der kommunale Entsorgungsbetrieb die auf dem Präsentierteller liegende Scheiße abholt und zur Verbrennung karrt. Statt dessen wurden die Freiwilligen erst mal vom Ordungsamt angezählt und die anfallenden Entsorgungskosten von den Sprachführern eingefordert. Woraufhin dann Kontakt zum Recklinghäuser Würgermeister stattgefunden hat und die Mißstände erörtert wurden. Dann hat sich tatsächlich was im Rathaus und dann in der Problemzone bewegt. Und der Würgermeister hat das natürlich zum Anlass genommen, sich schlußendlich selbst zu beweihräuchern und das noch populärer machende Medienkrönchen aufzusetzen. Abfallsammler stehen allerdings immer noch nicht an den Wegen und die Leute schmeißen ihre Plastiktüten mit ihrer aufgesammelten Hundescheiße immer noch in die Botanik, weil keiner Grund zur Veranlassung sieht, die beim Gassigehehen unbequeme Last zuhause im Restmüll zu entsorgen. Begründet wird das gerne mit der zu zahlenden Hundesteuer, die pro angemeldeten Fiffi nicht ganz unerheblich ist und der Hundebesitzer sich – genauso wie der steuernde Kraftfahrer – eine gewisse Gegenleistung davon verspricht. In diesem Fall eben nur ein paar öffentlich und für Jedermann/frau erreichbare kleine Abfallsammelbehälter, die dann regelmäßig vom kommunalen Entsorgungsbetrieb geleert werden, wenn die denn auch bereitgestellt würden.

So landet der Müll der Leute also immer noch in der Botanik. Und keiner fühlt sich verantwortlich. Bis auf die umliegenden Anwohner. Die jedes Jahr erneut gegen Windmühlen kämpfen, um die Gegend – vornehmlich aus Eigeninteresse – einigermaßen in Schuß zu halten.


°loco°


°ego sententiam°

Es scheint so, als dass der Grünstreifen gar nicht zum Stadtgebiet von Recklinghausen sondern zum Kreis Recklinghausen gehört. Und das erzeugt wohl das Problem der Verwaltungszuständigkeit und der entstehenden Kosten für die Müllbeseitigung.

Genauso verhält es sich ja auch mit der Straßeninstandsetzung. In die Bundesstraßen wird das Geld des Bundes gepumpt. Die Gemeinden, die ohnehin knapp bei Kasse wenn nicht hoffnungslos überschuldet sind, haben kein Geld für Reparaturen. Und schon gar nicht für Abfallkörbchen am Wegesrand. Das wird sich hier unten am Kanal wohl aber bald ändern. Denn das heimlich wachsende Naherholungsgebiet mit demnächst breit gefächertem Unterhaltungsangebot und das Strommuseum werden ihren Tribut nach Sauberkeit und ordentlichem Anblick fordern. Dann sind die Rathauspenner reif für eine Entscheidung und müssen dann wohl oder übel auf ein paar Verschönerungen ihrer heißgeliebten Rathausfassade verzichten.

°supplementum°

Dem ist wohl nix mehr hinzuzufügen.


°illustrationen°:


°navigation auxilium°

… man könnte auch Navigationshilfe drauf sagen. Ab hier geht’s irgendwie weiter …