2019-06-14 – Motivsuche in Recklinghausen

2019-06-14 – Motivsuche in Recklinghausen

 

°descriptio°:

Ich hatte begonnen, in den frühen Morgenstunden beim Käffken und Piefken mal meine Tagesfreizeit zu überdenken und kam zum glorreichen Schluß, dass das Wetter doch recht nett sei, um einen kleinen Spaziergang zu unternehmen. Bei der Gelegenheit würde ich dann auch meine neusten Errungenschaften, einen präzisen Panoramakopf und ein ziemlich stabiles Stativ, mal zum Einsatz bringen. Zu Hause hatte ich beides bereits mit Zufriedenheit und wachsender Begeisterung getestet. Die Gerätekombi machte bis dahin einen guten Dienst. Bis ich aber den Nodalpunkt gefunden und die Parallaxenverschiebung eliminiert hatte, vergingen schon die eine und andere Stunde. Das gelang eben nur mit Trockenübungen. Heute sollte also mal der Ernstfall geprobt werden.

Fußgängerbrücke „Querstraße“

Ich hatte dann mal auf der Fußgängerbrücke angefangen. Erst latschte ich die Brücke komplett ab, um mal Auge zu machen, was so geht an diesem Ort. Die Sonne stand um 09:00 Uhr noch nicht allzu hoch, produzierte aber mit ihrer intensiven Leuchtkraft bereits heftige Schatten. Ich nahm das als Herausforderung. Zumal mir direkt schon vorschwebte, in einem Pano mal die unter mir vorbeifahrenden Züge mit einzubauen. Ich hatte das bei den Spezialisten gesehen, die mit ihren Vollsphärenknipsen sowas problemlos produzieren können. Wäre ja gelacht, wenn ich sowas mit meiner ollen K-7 nicht auch hin bekäme.

Die Brücke hatte ich bis gegen 10:30 Uhr mit 9 Kugelpanos abgefrühstückt.

Betriebsgebäude

Ich wohne ja schon etwas länger hier in RE. Und bewohnte bis Anfang 1998 sogar fast 10 Jahre ’ne kleine Butze auf der Hochstraße gegenüber der Salentinstraße. Die dunkle  Betriebshalle an der Raiffeisenstraße ist mir irgendwann mal ins Auge gesprungen. Heute war sie fällig.

Den Panzer parkte ich abseits der Zufahrtstraße im üppigen Grünschnitt und machte auch hier erstmal ohne Werkzeug Auge was so geht. Als ich dann direkt vor der Halle mein Equickmänt aufgebaut hatte, betraten zwei aufgrund ihres Gebarens augenscheinlich wichtige Herren die Szene und befragten mich nicht nur beiläufig nach meiner Intention.

Ich: „Tachauch, och, ich bin nur Hobbyknipskistendompteur und mach‘ ’n paar Bilder für meinen persönlichen Spass …“

Er: „Das is‘ hier ’n Betriebsgelände. da könnense nich‘ so einfach draufspazieren und wild drauflosknipsen. Lassense das sein oder fragense mal den Schäff, was der dazu sagt. Den findense da im Büro …“ und wies mit der Hand in Richtung der weissen und unscheinbaren Baubudencontainer, die ich so nicht als Betriebsbüros identifiziert hätte.

Ich: „Geht klar.“ und dackelte mit voller Montur zur Bude, betrat das Etablissement und fragte den Herrn am Empfang ob ich bitte mal den Schäff interviewen könne. Ich sei gerade von zwei voreiligen Kollegen vom Platz verwiesen worden und hätte sehr wohl Gesprächsbedarf zur Richtigstellung meines Anliegens. Der junge Mann war sehr freundlich, gab mir zu verstehen, dass er mir gerne ersatzweise Gehör schenken würde und ich erklärte ihm ausführlich den Grund meiner Anwesenheit.

Wir kamen dadurch sehr nett ins Gespräch und er war äusserst interessiert an meinem Vorhaben und fragte dann auch, ob es möglich wäre, ihm eine Kostprobe des heutigen Ergebnisses via E-Mail zukommen zu lassen. Wenn ich sicher sein würde, dass meine heutigen Bemühungen auch zum von mir gewünschten Resultat führen würden, würde ich selbstverständlich gerne zusagen. Doch ich wüsste ja selbst noch nicht, ob und wie das hier so wird.

Auf jeden Fall hatte ich jetzt die offizielle Genehmigung, mich auf dem Gelände vor der Halle tummeln zu dürfen.

Hier hatte ich nur ein Kugelpano aber dafür mehrere Einzelaufnahmen gemacht.

Altes Stellwerk

Auch dieser kleine Kabachel ist mir schon länger im Sinn gewesen. So unauffällig der da hinter den Büschen rumsteht, so auffällig ist er schon deshalb, weil das hier in der Gegend die einzige noch exisitierende Fachwerkbude mit einem Bunker vor der Tür ist. Den Bunker hab ich aber nicht geknipst.

Wald an der Trabrennbahn

Vom 09.06.2014 auf den 10.06.2014 tobte ein Orkan über NRW und zerfetzte hier so ziemlich alles, was ihm im Weg stand. Es wurde seinerzeit angenommen, dass es sich um einen Tornado gehandelt haben müsse, weil der Sturm eine gewaltige Schneise in die Botanik gefressen hatte. Der Bladenhorster Wald wurde damals auch komplett umgelegt. Dort wurden die Baumleichen direkt zu Pellets geschreddert. Hier wohnt aber die LANUV und hatte unmittelbar nach dem Ereignis den Daumen drauf. Und das (immer noch deutlich sichtbare) Schadenausmaß zum Anlass genommen, eine Hinweis- und Gedenktafel zu installieren mit der Bemerkung, dass in knapp 100 Jahren alles wieder gut ist.

Ich hatte hier heute allerdings nur ein paar Streifenwanzen und einen Grashüfpfer gesehen. Aber das andere kommt ja alles noch, so sagt man …

Fußgängerbrücke „Bergmanssonne“

Die Brücke verbindet die von der BAB2 durchschnittene Siedlung „Bergmanssonne“. Die Siedlung wurde mit Gründung der Zeche König-Ludwig errichtet. Damals hatte man für so breite Straßen kein Verwendung. Man brauchte man sowas noch nicht. Zumal sowas senerzeit als maßlos dekadente Platzverschwendung gegolten hätte und die Püttrologen von damals ganz bestimmt nicht freiwillig ihre riesigen Schrebergärten für so’n Quatsch geopfert hätten. Die Brücke kam mit der Autobahn, damit die Bewohner weiterhin soziale Kontakte pflegen konnten, sofern sie da wohnen geblieben sind, weil sie den unsäglichen Verkehrslärm aushalten konnten…

Ehem. Güter- und Rangierbahnhof RE-Ost (Hillerheide)

Hier hatte vor mehr als 30 Jahren mein Kumpel Jürgen gedient und mir seine dortigen Erlebnisse anschaulich berichtet. Das zuvor üppig ausgedehnte Gelände wurde im Laufe der vergangenen Jahrzente auf ein den wirtschaftlichen Verhältnissen angepasstes Maß eingeschrumpft. Dafür fahren heute jährlich mehrere Millionen 40-Tonner unsere Straßen kaputt. Wer weiss, ob das so gekommen wäre, würde u. a. der Güterfrachtfernverkehr nicht privatisiert worden sein.

Wie auch immer. Weil der Mensch sich hier um gar nichts kümmert, hat die Natur freies Spiel. Hier scheint die Welt noch in Ordnung. Aber am Beispiel des riesigen Areals, auf dem ursprünglich das nach dem 2. WK nicht mehr aktive Bahn-Instandsetzungswerk und nach dem Krieg die Tommys die Preston-Barracks dort installiert hatten und dann ganz zum Schluß fragwürdiges Gewerbe und das THW sich ansiedelten, auf dem Gelände wurde dann kurzerhand mal eben ein Wohngebiet auf den ganzen Trümmern errichtet. Und damit das tief im Boden eingefressene Gift des ehemaligen Ausbesserungswerks und vor allem das Gift der Britischen Armee und den nachfolgenden Gewerbebetrieben nicht abgetragen werden brauchte (wohin auch mit dem Giftmüll, da liegt er ja gut…) wurde kurzerhand eine knapp einen Meter – oder vielleicht auch mehr – hohe Aufschüttung vorgenommen und die Wohnbuden darauf gesetzt. Und keine einzige von den Kabacheln hat ’n Keller …


°loco°


°ego sententiam°

Hätte mir heute jemand gesteckt, dass Sommer wird, wäre ich wohl besser zu hause geblieben. Gegen 14 Uhr hat der Lorenz mir heftig auf’n Dez gebrannt. Ich stand auf der Fußgängerbrücke über der BAB2 und versuchte, mit dem ND-Filter mal Langzeitbelichtungen bei Sommersonne herzustellen. Lichtspuren der Fahrzeuge bei Tag. Wer hätte das gedacht…

Aufmerksame LKW-Fahrer haben mich und meine Aktivität registriert und mit einem netten Hupkonzert ihre Anteilnahme offenbart. Oder war es Protest? Weil eine Kamera auf der Brücke stand?

°supplementum°

Im Moment ist noch nix nachträglich hinzuzufügen.


°illustrationen°:


°navigation auxilium°

… man könnte auch Navigationshilfe drauf sagen. Ab hier geht’s irgendwie weiter …