2025-09-14 – Schiffshebewerk Henrichenburg – SteamPunk Ahoi

2025-09-14 – Schiffshebewerk Henrichenburg – SteamPunk Ahoi

 

°descriptio°

Die Tage werden spürbar kürzer und kühler und die jetzt noch stattfindenden Veranstaltungen und Schaustellungen unterliegen zumeist dem unberechenbaren Einfluss der Witterung. Das heutige Event sollte vom Motto „Steampunk“ geprägt sein und passt eigentlich gut zum Ambiente des historischen Schiffshebewerks.

Das hab ich vor 7 Jahren mit wachsender Begeisterung im Detail für mich konserviert.

Die seinerzeit von mir gewählte HDR-Entwicklung der Bilder und die Verwendung des Fischaugenobjektivs sind für den Betrachter, der nur Hochglanzhändieknipsinternetzschnipsel gewöhnt ist, etwas verstörend wirkend.

Was mir egal ist.

Aber nicht egal war mir, dass die Veranstaltung quasi eine reine Verkaufsveranstaltung zum Thema war. Aber dafür kostenlos. Was mich wieder gefreut hat, weil das die Taschengeldtasche schont. Bei anderen Veranstaltungen rufen die Veranstalter frech mal eben bis zu 15 Taler nur für den Eintritt auf. Aber heute ist eintrittsgeldfreier „Tag des offenen Denkmals“ und deshalb für alle Beteiligten eine „win-win-Situation“.

Erstaunlich, wieviele Menschen sich mit Steampunk-Bekleidung und Accessiores beschäftigen und das auch wie normale Kleidung tragen (können). Wobei es ja heute keine normale Kleidung gibt. Sondern nur billige Klamotten, die vermeintlich modisch sind, zumeist nur einmal getragen werden um dann im Sack zu landen.

Ich hab keine Ahnung von Mode. Genausowenig wie von Kunst. Aber den Steampunk-Stil, den empfinde ich als erhaben, elegant, einfach nur schön. Und wer’s tragen kann und das auch tut, dem gebührt mein tief empfundener Respekt und meine höchste Anerkennung.

Ich hatte heute tatsächlich viele nette Gespräche mit den Leuten, die sich herrlich geschmackvoll gewandet haben.

Einem netten Gespräch entnahm ich, dass man den meisten Plunder günstig aus Pechinesien bekommen kann. Alibaba und Temu machen es möglich und vor allem preisgünstig. Qualitativ entspricht das Zeug vielleicht nicht ganz unseren gehobenen Ansprüchen an die Materialbeschaffenheit. Aber wenn man nicht allzu pingelig ist, kann man sich mit vielen hübschen Details eindecken, ohne dafür ’n Kleinkredit aufnehmen zu müssen.

Die Verkaufsstände hier haben auch interessante Accessiores im Angebot, ich hatte aber mangels Taschengeld nicht weiter geguckt, um mich nicht selbst quälen zu müssen.

Ausserdem hatte am  Vorabend die Nachbarin die glorreiche Idee, eine Flasche lauwarmen Ouzo auf den Tisch stellen zu müssen und ich hatte keine Zeit zu warten, bis das Ding gefroren ist, was mein heutiges Befinden auch nicht wirklich entscheidungsfreudiger gemacht hat.

Um Mitternacht war für mich der Tag gelaufen. Der Ouzo und ein paar kleine Beschleuniger forderten ihre Nachtruhe, mich in die Knie und schlußendlich in eine stabile Seitenlage.

Eigentlich wollte ich mich heute dann auch wagemutig in meinen Frack wickeln. Wofür hat man so’n Gewand. Nur blöd, dass mir morgens die Zeit wegrannte, weil ich irgendwie nicht so richtig klarkam auf mein Leben. Ich war noch nicht mal in der Lage, koordiniert mein Werkzeug zusammenzusuchen.

Ich war sogar schon soweit, und wollte mich und den Plan insgesamt aufgeben, hab mich dann aber doch wieder selbst motiviert mit den Worten meines Pa’s, der schon früh von mir gefordert hat, dass, wer saufen kann, auch zu arbeiten in der Lage sein muss.

Ich hab also auch heute artig seine Empfehlung befolgt, mich aber trotzdem nicht dem Anlass entsprechend angemessen gewanden können. Was ich dann bei der Ankunft am Schiffshebewerk wieder bedauert hatte.

Naja, und die Fotos sind auch nicht der Brüller, weil ich  zu vorgerückter Stunde – also so gegen Mittag – bereits etwas unkonzentriert und erheblich dehydriert war.

’n trockenes Hirn denkt halt nicht gerne und vergisst schnell, dass es Einstellungen an der Kamera gibt, die man auch mal einstellen muss. So’ne Knipskiste ist ja kein Händie. Und wenn’s einfach wäre, könnte es jeder  …


°loco°


°ego sententiam°

Einerseits war ich höchst erfreut von den vielen schönen Kostümen und dem freundlichen Entgegenkommen der aufwändig und mit liebevollen Details gewandeten Protagonisten, sich von mir lichtbildartistisch portraitieren zu lassen.

Andererseits war ich erschüttert über das, was der LWL dem Gelände und der damals noch zu bestaunenden „Deko“ angetan hat.

Hier wurde völlig ohne Sinn und Verstand um- und ab- und aufgeräumt.

Das Schlimmste aber stand irgendwo in einem Abstellhof: der Geier, der sonst am Gerüst über Oberwasser hängt, wurde samt Steuerstandgehäuse abgeschraubt und einer „Restaurierung“ zugeführt. Ich war fassungslos !!

Wer das verbrochen hat, gehört gesteinigt: die Puppe wurde hochglanzkackbraun angepinselt und die Insignien mit noch glänzenderem Hochglanzgold etwas viel zu kitschig zum Leuchten gebracht.

Leute, das ist alt, das muss mit Patina, sonst ist das kein Denkmal mehr !!  😈

Die Schwachmaten vom LWL hätten zumindest in diesem Fall mal besser jemanden fragen sollen, der sich mit sowas auskennt. Denn die haben bereits anderen Industrieschrott schon dermaßen bis zur Unkenntlichkeit verunstaltet und NIRGENDWO den Rost der Zeit drangelassen.

Authentizität geht anders.

 

°supplementum°

Ob ich in 7 Jahren wieder mal hier einfliege, dürfte sehr unwahrscheinlich sein. Deshalb ist ein Nachtrag hier nicht geplant.


°illustrationen°:

Tipp für die Ansicht in der Galerie:

drücke Taste F11 und blende mit dem Icon „Vollansicht“ (in der Galerieansicht rechts oben in der Mitte) den Text aus, dann siehst Du nicht nur winziges Internetzimpressionsgeschnipsel.



°navigation auxilium°

… man könnte auch Navigationshilfe drauf sagen. Ab hier geht’s irgendwie weiter …