2025-10-20 – NSG Hafen Herten u. a. – Nachtwanderung

2025-10-20 – NSG Hafen Herten u. a. – Nachtwanderung

 

°descriptio°

Es muss so gegen 3 Uhr gewesen sein, als ich senkrecht im Bett stand und Schluß mit heijamachen war.

Keine Ahnung was mich da geritten hat.

Aber ich war wach. Also ausgeschlafen. Oder umgekehrt, was auf das Selbe rauskommt.

Nicht, dass ich irgendwie unruhig war. Ich war sogar vielmehr die Ruhe und Besonnenheit selbst. Was mir bei meiner nächtlichen Aktion hilfreich zuträglich war, weil diese Grundstimmung auch vorsichtig macht, was in meinem fortgeschrittenen Lebensalter und meiner allgemeinen biologischen Verfassung nicht zu vernachlässigen ist. Ich hab nämlich echt keinen Bock mehr drauf, mich nochmal irgendwo auf die Fresse zu legen um mir später vom MRT-Doc sagen zu lassen, dass ich ’n Bandscheibenvorfall zwischen zwei Brustwirbeln habe und DAS vergleichbar mit ’nem 6er im Lotto ist.

Hatten wir schon mal, müssen wir nicht nochmal haben. Wobei ich grundsätzlich natürlich nix gegen so’n echten Lottogewinn habe. Den ich aber nicht erleben werde, weil ich kein Lotto spiele. Das hatte ich von meinem Pa gelernt: der hatte quasi sein Leben lang immer die gleichen Zahlen gezockt, einmal sogar ’n paar richtige Zahlen gehabt und ’n Häppchen abgreifen können, ohne sich zu bereichern und schon gar nicht den bisherigen Einsatz damit auszugleichen. Dann hat er irgendwann aufgegeben und den Fehler gemacht, aus reiner Gewohnheit die Ziehung trotzdem weiterhin jeden Samstag am Fernseher live zu verfolgen. Mit dem Ergebnis, dass nach drei Monaten genau SEINE Zahlen gezogen wurden. Was das mit einem sonst so ruhigen und besonnenen Menschen macht, kann man gar nicht in Worten beschreiben…

Zurück zum Thema.

Ich hatte den Spaziergang dann auch passend vorbereitet, und erst das eine und andere Licht ausgeknipst um andere Lichter dann fotografieren zu können.

Und mutig war ich auch, weil ich nur das ganz kleine weil leichte Dreibein mitgenommen hatte, das allerdings nur für die Makrofotografie im Feld gedacht war, aber keinesfalls für die K-3 mit dem angeflanschten 11-18 Klopper geeignet ist. Aber DAS hat sich erst später rausgestellt, weil ich Trottl der Meinung war: „jau, man kann ja mit ner 2,8er Optik auch Freihand knipsen…“ .

Kann man, ja. Aber nicht nachts und auch nicht bei der üblichen und dann hier stattfindenden und trotzdem für Freihandknipserei nicht ausreichenden Festbeleuchtung, deren Sinn sich eigentlich jedem entzieht, der in Erinnerung hat wie schön es war, als man über sich noch Sterne sehen konnte.

Aber so’n eigentlich nutzloses weil blendend überflüssiges Nachtlicht ist beim Knipsen dann schon wieder hilfreich, hebt es doch die Nachtfotografie auf ein gewisses ästhetisches Niveau, sofern man bei solchen nichtssagenden Motiven wie eine Bushaltestelle oder einem vorbeidonnernden LKW von Ästhetik sprechen möchte und das beknallte Licht dann auch nicht so hell wie eine Stadion- und/oder Flugzeuglandebahnbeleuchtung ist.

Das ändert sich auch nicht mit der Fotografie von Autobahnbaustellen.

Auch nicht mit der heutigen Fotografie der seit 2018 vor der residenzialischen Haustür aufgerissenen Großbaustelle, die zwar von RE-Nord bis Hillerheide – also bis zum Kreuz A43-A2 in knapp zwei Jahren erledigt wurde. Was ja nicht zuletzt im Interesse des hiesigen Ratlosigkeitshauses war, und die auch auf der genannten Strecke ’n schicken Flüsterasphalt bekommen haben, um die dekadenten Schnarchnasen schön in ihrem Dämmerschlaf zu belassen.

Vorteilhaft bei der Nachtfotografie ist unstrittig – bei entsprechendem Tarnkleid – die eigene Unsichtbarkeit und damit Unauffälligkeit. So bekommt der Begriff „verdeckter Ermittler“ in diesem Genre und vor allem bei dem hauptsächlich avisierten Motiv dann schon wieder ’ne ganz neue Bedeutung.

Denn auf öffentlichen Großbaustellen ist man als Zaungast nur sehr ungern gesehen. Und das Betreten einer solchen Umgebung ist offiziell verboten, sofern man sich erwischen lässt.

Tagsüber.

Und dann auch nur, wenn jemand da ist, der gerade guckt, oder man durch die Identifikation von Überwachungskameras kurze Zeit später Besuch bekommt, der einem dabei hilft, das mitgebrachte Werkzeug vom Gelände zu tragen.

Aber wir leben ja in Deutschland und mittlerweile haben wir hier wohl alle Zeit der Welt, wenn man mal so auf diese Baustelle guckt, deren Ende und Freigabe für den Verkehr ICH NICHT mehr erleben werde.

Denn hier wird nachts NICHT gearbeitet. Das ist für einen allgemein wünschenswerten zügigen Baufortschritt zwar eher nicht so toll, für einen Besuch, um sich da mal Auge machend nach dem Stand der Dinge zu erkundigen, dann aber schon wieder recht praktikabel, weil man ja quasi freie Bahn an den Bahnen hat. Denn es handelt sich tatsächlich nicht nur um die Auto-, sondern auch um mehrere Eisenbahnlinien und Schifffahrtsrouten, die an dieser Stelle für munteres Verkehrsaufkommen sorgen.

Ich gebe deshalb bei genauerer Betrachtung der Angelegenheit zu, dass diese Baustelle keinesfalls unkompliziert ist.

Denn die müssen hier ja einiges an Infrastruktur bewältigen. Als da wäre das Kreuz A43-A42, das eins der Hauptthemen beim Umbau sein dürfte. Zumindest macht es so den Eindruck, weil die gefühlt da gar nicht vorankommen und keiner weiss, woran’s genau liegt. Vielleicht will man sich auch nur nicht die Blöße geben und verlautbaren müssen, dass zuwenig tatkräftige Facharbeiter hier beschäftigt sind. Der Fachkräftemangel in unserem Land ist ja mittlerweile der stets und überall genannte Hauptgrund, warum es hier den Bach runter geht. Und in der Politik wird der Mangel an Fachkräften am deutlichsten …

Und dann sind da vor allem die Brücken, die zu erneuern sind. Aus verlässlicher Quelle erfuhr ich, dass man die Kanalbrücke eigentlich erst 2028 erneuern wollte. Nur blöd, dass die Brücke dann doch erschreckend vorzeitig und deshalb ausserplanmäßig durch den hemmungslos und unkontrolliert zunehmenden Schwerlastverkehr dermaßen marodierte, dass deren Ersatz vorgezogen werden musste, obwohl ja noch gar kein Geld dafür locker gemacht wurde. Also erst mal nur die Autobahn für Fahrzeuge ab 3 to zul. GGew sperren, das hiflt für’s erste. Mit dem Erfolg, dass der umgeleitete und nicht nur ausländische Schwerlastverkehr mangels Deutschkenntnisse hier seit 2019 durchs residenzialische Schlafgemach rumpelt, denn die Beschilderung ist in Amtssprache verfasst und mit kaum zu identifizierbaren Icons geschmückt. Die Größe der kleinen Schildchen gibt es auch nicht her, zusätzlich die international anerkannte Lautsprache zu verwenden (die in DIESEM FALL dann mal ausnahmsweise als nützlich anzusehen wäre).

Und wir reden hier auch nicht nur über den alle 10 Minuten vorbeidonnernden SB20. Der fährt ja auch gar nicht über die Autobahn und muss deswegen auch nicht umgeleitet werden. Und wer meint, das isja nur ’n Bus, der liegt falsch. Das ist ’n Personenbeförderungsschwerlastkraftwagen und wiegt mindestens so viel wie ’n vollgepumpter 40-tonner Mehlsilotrecker der Roland-Mühle. Deren Monster-Lkw’s kacheln sogar Sonntags hier vorbei. Von den regelmäßig und vor allem nachts hier durchklappernden UPS-LKWs mit Seecontaineraufliegern und zweitem Anhänger mal ganz abgesehen.

Wenn die Autobahn irgendwann mal fertig ist, müssen die hiesigen örtlichen Haupt- und Nebenstraßen weiträumig kernsaniert werden. Die sind dann vom Schwerlastverkehr – und wir reden hier von meheren hundert schweren LKWs täglich – dermaßen plattgefahren und zu ’ner Buckelpiste ausgewalzt, so dass ’n normales Auto sich hier ’n Achsenbruch holt.

Vorteil bei überall kaputten Straßen: man spart die Beschilderung für verkehrsberuhigte Zonen und Geschwindigkeitsbegrenzungen.

Denn aus dem Verkerhsministerium wurde ja hinsichtlich der deutschlandweit dringend einzuführenden zulässigen Höchstgeschwindigkeit von max. 100 km/h verlautbart, dass das Vorhaben daran scheitert, dass so viele dafür nötige Schilder bundesweit ja gar nicht so schnell flächendeckend aufgestellt werden können und die Schilder ja schließlich auch ’n Vermögen kosten. Und so bekommt der Begriff „Schildbürger“ dann noch eine weitere assozierende Bedeutung…


°loco°


°ego sententiam°

Mit dem heutigen Einsatz habe ich beschlossen, mir einen Rechteckfilterhalter mit passendem Nachtlichtfilter zu kaufen.

Das ist eigentlich – wie alles, wofür ich beim geliebten Hobbieleinchen Geld ausgebe – sinnlos, weil es keinen echten Nutzen hat. Aber ’n Porsche hat ja auch keinen tieferen Sinn und es gibt Leute, die kaufen den trotzdem, obwohlse altersbedingt da gar nicht mehr rein, und wenn, dann nicht mehr ohne Hilfe da rauskommen.

Ich hege nur die Hoffnung, dass ich mit dem Zusatzequickmänt dann irgendwann mal wieder die Milchstraße OHNE nennenswerte Lichtverschmutzung und dann auch hier im Nahbereich schnappen kann. Denn mit Software bekommt man das künstliche von Menschenhand gemachte Drexlicht nicht rausgefiltert und die Reise ins nicht nur politisch tiefschwarze Sauerland ist mir zu weit und zu umständlich und vor allem hinsichtlich der Spritpreise zu kostenträchtig.

Und vielleicht kann ich dann tatsächlich auf mal nachts auf einer dieser immer niveauloser werdenden Straßen in dieser Region, was bei der kommenden Jahreszeit dann ja schon früh am Tag stattfinden kann, ohne meinen Schönheitsschlaf und meine Sicherheit nennenswert zu beeinträchtigen, weil die sich hier zunehmend tummelnden Asis und die sich ebenso asozial verhaltenden Reichschweine aus dem dekadenten nördlichen Stadtteil ja lieber gerne etwas später aus ihren Löcher kommen …

°supplementum°

Für diese Aktion ist erstmal kein Nachtrag geplan. Das kann sich aber durchaus wegen eines anderen und aus meiner Sicht unbelehrbaren Verhaltens in der Nachbarschaft anders ergeben …


°illustrationen°:

Tipp für die Ansicht in der Galerie:

drücke Taste F11 und blende mit dem Icon „Vollansicht“ (in der Galerieansicht rechts oben in der Mitte) den Text aus, dann siehst Du nicht nur winziges Internetzimpressionsgeschnipsel.



°navigation auxilium°

… man könnte auch Navigationshilfe drauf sagen. Ab hier geht’s irgendwie weiter …