2017-07-05 – NSG Braucksenke Marl

2017-07-05 – NSG Braucksenke Marl

°descriptio°:

Nachdem ich meine Termine für ärztliche Untersuchungen klar gemacht hatte, suchte ich mir ein Ziel.

Es existiert eine Liste der im Kreis RE liegenden NSGe.

Ich nahm aufgrund der Beschreibung das hier:

°loco°:


Allerdings befindet sich das Areal tatsächlich auf dem Hoheitsgebiet der Ortschaft Haltern-Lippramsdorf und ist nicht, wie von mir erst angenommen, zur Stadt Marl zugehörig. Aber weil es direkt auf den Gemarkungsgrenzen liegt, dachte ich, dass ich der Stadt Marl dann auch mal ein NSG gönne. Haltern hat ja schon so viele. Und die liegen alle nördlich des Kanals.

Auf dem Weg dorthin hatte ich an einer Toppi-PimmFrotzBude Futter gebunkert. CörrieFrikadelle mit Kartoffelsalat. Gut & Günstig & Lecker. Andere können auch gut kochen.

Auf dem Weg schossen mir wieder unerträgliche Gedanken durch den wirren Schädel:

  • Was willich hier?

Ich habe doch so gut wie gar keine Ahnung von der Natur. Das wird auch mit meinem Störverhalten nicht besser.

Mir erschien mein Vorhaben heute sowas von sinnbefreit…

Mein Ziel bot mir direkt am Eingang eine Sitzgelegenheit. War wie beim Arzt. Auf der Bank habe ich erstmal gebuttert.

Und angefangen, diese Notiz zu schreiben.

Ich betrat dann das Areal wie durch ein Tor. Der Pfad führte mich zwischen zwei große Teiche. Blässhühner tickerten und trompeteten. Und der Schäff des Gwässers – der Höckerschwan – überwachte die ganze Angelegenheit. Nervend war nur das Maschinengeräusch eines Mähdreschers. Was werden die Landwirte machen, wenn der Diesel abgeschafft wird?

Durch eine zweite Pforte gelangte ich auf eine Freifläche. Der Pfad verlief immer noch am Gewässer. Frösche quakten. Und Baumaschinen erzeugten Getöse. Merkwürdige Geräuschkulisse. Klang irgendwie gar nicht nach Naturschutzgebiet.

Im Gewässer schwammen Karpfen, die waren so groß wie U-Boote. Was ja an sich nichts Ungewöhnliches für solche Teiche ist. Im Voßnacken verhält es sich ja ähnlich. Nur mit dem Unterschied, daß im Voßnacken irgendwelche Schwachmaten da noch Goldfische oder Kois oder was auch immer mit  beigesetzt haben, die noch größer als die Karpfen werden. So große Fressfeinde gibt es für die hier nicht. Selbst ein Reiher wird mit solchen Monstern nicht mehr fertig. Und Seeadler würden von den Portionen zwar satt, futtern aber wohl nur gesalzene Fische. Wo sollten die Adler auch hier wohnen? Auf’m Schornstein der CWH? Oder auf’m Förderturm von AV8?

Auf einer Wildwiese wurde ich sofort fündig. Ein riesiger etwa 40 mm langer auffallend kupferfarben schillernder Bockkäfer machte wohl ein Verdauungsnickerchen und hielt artig stille. Leider nicht allzu lange. Als der sich dann etwas schwerfällig anmutend in Bewegung setzte, kreiste der erstmal wie’n russischer Sykorsky-Kampfhubschrauber um mich rum um dann unerreichbar für mich wieder irgendwo auf der dichtbewachsenen Wiese zu landen. Ich musste in Deckung gehen, sonst wäre der glatt durch mich durchgeflogen. Der hat Eindruck gemacht, der Junge …

Irgendwann legte ich das Werkzeug ab um zu trinken und zu paffen. Eine Goldaugenbremse hatte mehrmals Interesse an meinem Blut gezeigt, mich aber nicht gestochen. Kann sein, die hat das Muskelrelaxan gerochen, was ich mir im Moment reinpfeifen muss. Später hatte ich sie unter einem Blatt wiedergefunden. Aber leider kann man auf dem Foto nicht die Besonderheiten dieser Spezies erkennen.

Die anderen Blutsauger – also meine ganz speziellen Freunde, die Zecken – haben mich anscheinend auch in Ruhe gelassen. Vielleicht lag’s auch am ungenießbaren Blut oder ich war einfach nur vorsichtig genug. Schiss hab ich vor diesen nutzlosen Parasiten aber trotz der Impfung und ich habe wohl auch wegen meiner Abneigung gegen die Viecher jetzt ständig das Gefühl, das überall an mir irgendwas rumkrabbelt. Ich guck schon immer zwischendurch, wenn ich wieder festen Boden unter den Füßen habe, und finde dann zum Glück nix. Aber man soll ja nicht den Tag vor dem Abend loben.

Ein gerade etwa 10 mm langes schwarzes  geflügeltes Raubinsekt (sind nicht irgendwie alle kleinen Insekten Räuber?) zerrte eine erlegte Spinne hinter sich her. Und weil ich ihr zufällig im Weg hockte, stieg sie kurzerhand unbeirrt mit Ihrem Opfer über meinen Oberschenkel. Und ich war mal wieder total unvorbereitet.

Aber ich verfolgte sie, habe beide aber wegen Kurswechsels verloren.

Auf meiner Suche nach ihrem Verbleib und der naheliegenden Vermutung, daß die beiden sich nicht in Luft aufgelöst haben konnten, gelangte ich an eine sandige Böschung. Dort wohnen die also. In Erdhöhlen.

Ich sattelte wieder auf und versuchte das Gewässer über die angrenzende Baustelle, oder besser: Großbaustelle zu umrunden.

Das hat dem aus der Brandheide bereits bekannten mysteriösen schwarz-weissen Vogel missfallen und der hob angepisst aus den Sandhaufen ab. Und ich hab den DOCH gekriegt!! Woima schau’n, was des für oahna is‘ …

Über planierte Sandflächen, von denen ich nur erraten kann, daß da später mal Gebäude errichtet werden sollen, stapfte ich von der Sonne verwöhnt und im eigenen Schweiß gebadet im Zickzack an einem offensichtlich künstlich erzeugten Kanal entlang. Von Rohrammern umflogen und ohne die „schießen“ zu können – die sind definitiv ’n Tacken zu fix für mich –  überquerte ich den Kanal an einer Furt und gelangte auf die andere Seite des Gewässers in einen Wald. Der wurde von Bussarden und anderen Greifvögeln kontrolliert. Ein Eichelhäher hatte hier seinen Überlebenskampf verloren und war das „tote Tier des Tages„.

Nach der ersten Runde machte ich an der Bank zurückgekehrt eine ausgedehnte Schreibpause. Schreiben dauert bei mir mittlerweile genauso lange wie das ausgiebige Recherchieren und fruchtlose Studieren der gefundenen Arten.

Der zweite Gang ergab nichts Neues. Bis auf schwarze Käferraupen an klebrigen Blättern, die allerdings von den Raupen schon reichlich zerfressen waren. Ich frage mich, wie die Pflanzen solche ausgedehnten Fressorgien überleben wollen.

 

Bevor ich wieder in die Bronx zu fliegen gedachte, kam mir der Gedanke, doch noch mal eben einen Blick auf die Lippeauen zu werfen. Weil ich gerade schon mal hier in der Gegend bin.

Die nachfolgende Abbildung ist ein Bildschirmfoto von meiner Transportbimmel und zeigt die OpenStreetMap

Der Begriff Auenland ist ja seit Tolkiens Herr der Ringe mit einem Mythos behaftet. Der ist hier allerdings nur bedingt zu finden. Aber schön ist es hier trotzdem. Auch ohne Elfen und Zwerge. Ich habe jedenfalls keine gesehen. Die Lippe auch nicht. Von Norden kommt man da wohl nicht dran. Ich versuch‘s ein anderes Mal von der anderen Seite.

Auf dem Heimflug zeigte OSMAnd den Weg über eine Nebenstrecke der B58 entlang der Lippe bis zu einem Zugang zum NSG. Hier war ich richtig.

Erst mal Auge machen.

Und weil‘s schon dämmerte machte ich HDR von der Gegend.

Danach noch einen kleinen Gang an der Lippe lang…


°ego sententiam°

Was ich nicht wusste: Libellen schlafen um diese Zeit schon.

Aber ich weiß jetzt, wo ich einen Eisvogel herbekomme! Das wird nicht einfach. Der hatte heute schon keinen Bock auf mich…


°illustrationen°:


°navigation auxilium°

… man könnte auch Navigationshilfe drauf sagen. Ab hier geht’s irgendwie weiter …