°descriptio°
Ich frage mich gerade, ob ich hier auch so’n Jahresrückblick machen soll.
Hab ich sonst eigentlich nie gemacht. Also nicht so, wie man den aus’m Fernsehn kennt. Da werden alle möglichen Themen zum Anlass genommen, um die in einem Rückblick revue passieren zu lassen. Manche Themen scheinen dann auch interessant zu sein, weil man die im Laufe des Jahres nicht weiter auf’m Schirm hatte. Und da reicht dann auch so’ne mehr oder weniger unterhaltsame Zusammenfassung, um die komprimierte Form zu konsumieren. Manchmal ist eben weniger schon wieder mehr …
Das sehen andere und vor allem die, die in abartig sozialen Brennpunkten wie Berlin freiwillig weil aufgrund der enormen Masse möglichst unerkannt bis zum Tag X – und der ist vorzugsweise am 31.12. des Jahres – ihr jämmerliches Störerdasein fristen, dann schon wieder anders. Die nutzen die Gelegenheit, um mal wieder in der Masse von anderen Vollpfosten den Jahreswechsel mit russischen Chinaböllern zu begrüßen. Die Dinger sind natürlich nicht offiziell erhältlich und ähneln in ihrer Wirkung schwarzgebranntem Kartoffelschnaps. Der macht auch blind.
Der Jahreswechsel 2022/2023 hatte es dann an solchen Orten wie Berlin dann auch in sich. Tausende von Bekloppten haben sich mit illegalen Feuerwerkskörpern bewaffnet, um die gegen die und für diesen Anlass üblicherweise auf der Straße feiernden Menschen zu richten. UInd damit nicht genug: der gezielte Beschuß von Einsatz- und Rettungskräften, die den Verletzten helfen wollten, hat dann zu einem Verbot solcher Böller geführt, die aufgrund ihrer Wirkung tatsächlich als Kriegswaffen einzustufen sind.
Man ist fassungslos über das, was solche Idoten dazu treibt.
Die staatlichen Behörden haben dieses Jahr dann mal aufgerüstet und in Berlin mehrere Polizei-Hundertschaften in den Krieg geschickt. Als wenn die Beamten zu Sylvester nix anderes zu tun hätten, als Verstrahlte daran zu hindern, mit Feuerwerkskörpern Krieg zu spielen.
Was daraus letztendlich geworden ist, hab ich noch nicht erfahren. Eigentlich interessiert mich das auch gar nicht. Berlin ist weit weg, und hatte auch nicht vor, da irgendwann mal einzufliegen. Meinetwegen könnse den Moloch da komplett abreissen und dem Erdboden gleichmachen. Wer da wohnt, ist selbst dran Schuld. Bleibt dann aber nur die Frage offen, wo die überlebenden Bekloppten dann hingehen. Hier ist definitiv KEIN Platz mehr. Das Museum der Republik ist komplett überflutet. Allerdings nicht mit SOVIEL Schwachsinn, wie in Berlin. Und auch hier gilt: weniger wäre durchaus schon wieder mehr, damit man sich wieder ungestört auf’m EmscherValleyWay oder anderswo tummeln kann.
Dass sich hier reichlich viel Menschen dann zu Sylvester auf den Straßen ein Stelldichein zur Jahreswechselbefeierung mit ALDIDL-Knallerraketen geben, wurde interessanterweise gegen Abend dann deutlich. Vor vielen Jahren hatten vergleichsweise wenig Menschen schon enorm viel Geld in die Luft geschossen. Wenige Minuten nach dem damals noch sehr pünktlichen Auftakt sprach da noch keiner von Maskenpflicht, obwohl das abgebrannte Schwarzpulver Nebelschwaden verursacht hat, die mancherorts einen Erstickungstod herbeiführen konnten. Das blieb hier dieses Jahr aus. Also die nach Schwefel stinkenden Rauchschwaden. Statt dessen haben sich die Teilnehmer des Events zeitig draussen hingestellt und schon mal fleissig geübt. Solange, bis um 4 Minuten vor Mitternacht plötzlich ÜBERALL gespenstische Ruhe war. Die hielt tatsächlich bis 5 Minuten nach Mitternacht an um dann in einem etwa 10minütigem Aufbäumen nochmal anzuschwelllen um dann jäh wieder in Stille zu versinken. Das wurde ganz offensichtlich von den hier umliegenden deutschen Teilnehmerrn so präferiert und zeugt von der Abkehr deutscher Pünktlichkeit und Gründlichkeit und ist für mich ein Spiegelbild der gesellschaftlichen Entwicklung. Die Deutschen machen so lange mit den endlichen Ressourcen rum, bis fast nix mehr da ist. Dann merkense, dass kaum noch was geht, halten inne, warten aber zu lange um dann viel zu spät das Richtige zu tun, das dann auch nix mehr hilft. Denn wer um Punkt 0 Uhr in der Neujahrsnacht nicht die bösen Geister aus dem Vorjahr zu vertreiben in der Lage ist, wird die ins neue Jahr mitnehmen. So ist es also geschehen. Und ich hatte Spaß.
Was die hier ansässigen Akalazen und Teppichflieger, die das hiesige Jahreswechselevent NICHT in ihrem kalenderarischen Kulturschatz verinnerlicht haben, als Vorbild zum Anlass nehmen, ihre uneingeschränkte Integrationsbereitschaft und Solidarität mit den Eingeborenen zu beweisen. Die legen dem ganzen dann sogar noch ein Schippchen mehr drauf. Denen ist es zudem tatsächlich lotti, dass ihre Raketenbatterien erst um halb eins gezündet werden. Hauptsache schön bunt und laut isses; wann, is‘ egal. Derweil haben die Deutschen ihre verkokelten Sektflaschen schon wieder eingesammelt und können nur noch staunen über die enorme Leucht- und Sprengkraft der akalazischen Raketenböller.
Auffällig war auf jeden Fall, dass ALLE Beteiligten dem Cranger Kirmesfeuerwerk die Stirn bieten wollten. Und DER Versuch kostet Geld. Deshalb hatte der Spass dann auch ein schnelles Ende. Was mir Recht sein sollte. Denn während des erstaunlichen weil unerwarteten Ausgang des Events hatte ich mit Freude das 3SAT Medienangebot angenommen und mir die konservierten Live-Konzerte von Tina Turner und Sting reingezogen, während ich an meiner Lightroom-Bibliothek gebastelt, nach und nach eine Pulle Mümmelmann wechgelutscht, zu den groovigen Songs abgezappelt, auf die Stromkosten geschissen und bis um halb drei meine Hamsterboxen gezündet habe.
Da hätte der Böllerkrach – wenn der länger gedauert hätte – mich dann schon wieder gestört.
Aber sonst war’s ruhig hier im Haus …
Heute habe ich Muskelkater von dem Gehampel.
Und mein Stirndrücken kommt vom Wetter.
°loco°
Unter Dauerbeschallung im residenzialischem Thronsaal – machen andere auch so.
°ego sententiam°
Der Nachbar über mir weiss also jetzt auch, dass ich potente Möglichkeiten habe, um mir eine Freude zu machen und angemessen dabei zu entspannen. Das ist nicht nur DEM vorbehalten.
Mein Ziel für dieses Jahr also: residenzialischer Entertainer mit eigenem Unterhaltungsprogramm zur Förderung der Nachbarschaftskultur.
Was andere können, muss ich zwar erst noch lernen, aber ich denke, dass sowas für mich noch keine ernsthafte Herausforderung darstellt, auch wenn ich morgens bereits dazu tendiere, nicht mehr zu wissen, was ich als nächstes wollte ….
°supplementum°
Das ist quasi ein Nachtrag zum Beitrag aus 2022 und wird vermutlich auch weiterhin jährlich an entsprechender Stelle fortgeführt.
°illustrationen°:
Ich wollte ja erst Fotos von der Feuerwerksillumination machen. Aber einerseit war die viel zu kurz, andererseits hatte ich beide Hände voll zu tun mit dem Mümmelman …

