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Die Kriebelmücken (Simuliidae) sind eine Familie der Zweiflügler (Diptera) und gehören zu den Mücken (Nematocera). Weltweit leben etwa 2000 Arten dieser Tiergruppe, mehr als 50 Arten sind aus Deutschland bekannt. Es handelt sich dabei um meist kleine Mücken mit Körperlängen zwischen zwei und sechs Millimetern.
Die Weibchen fast aller Kriebelmücken-Arten (97,6 Prozent der Arten) sind obligate Blutsauger bei warmblütigen Wirtsarten, darunter auch dem Menschen.
Kriebelmücken sind kleine Zweiflügler mit einer Körperlänge zwischen zwei und sechs Millimeter. Ihr Körperbau ist robust und gedrungen mit kurzen Beinen, sie ähneln daher im Habitus eher kleinen Fliegen. Sie sind in der Regel schwarz gefärbt (deshalb englisch „blackflies“), einige Arten besitzen aber eine gelbe bis orange Tönung oder ein silbrig helles Zeichnungsmuster.
Die Geschlechter lassen sich an der Ausbildung der Komplexaugen leicht erkennen: Bei den Männchen sind diese sehr groß, sie stoßen in der Kopfmitte in breiter Linie zusammen („holoptisch“), bei den Weibchen viel kleiner und breit durch die Stirn (Frons) voneinander getrennt. Zudem besitzen Männchen zwei Typen von Ommatidien; die der oberen (etwas größeren) Augenhälfte sind viel größer und meist heller gefärbt, mit ihrer Hilfe werden in den Paarungsschwärmen die Weibchen erkannt. Punktaugen (Ocellen) fehlen in beiden Geschlechtern. Die Antennen bestehen meist aus elf Segmenten (selten weniger), sie sind perlschnurartig (an den Gliedergrenzen eingeschnürt), kurz und meist zur Spitze hin verengt (konisch). Die Mundwerkzeuge bilden einen kurzen Saugrüssel, der nach unten weist. Auffällig sind die beiden verlängerten, viergliedrigen Unterkiefertaster, deren drittes Glied vergrößert ist, es trägt Sinnespapillen, die als Geschmacksorgane (Chemosensoren) dienen. Der Kopf ist kugelig, er ist meist schmaler, bei den Männchen manchmal genauso breit wie der Rumpfabschnitt.
Der Rumpf der Kriebelmücken ist kurz und hoch gewölbt, was den Tieren ein gebuckeltes Aussehen verleiht. Die glasklaren oder etwas rauchig getrübten, ungezeichneten Flügel sind breit und kurz, von abgerundet ovaler Form. Im Flügelgeäder kommen Queradern nur zur Flügelbasis hin vor. Die ersten drei Längsadern zum Flügelvorderrand hin (Costa, Subcosta und erster Radiusast) sind dunkel gefärbt, beborstet und deutlich stärker als die übrigen Adern. Die drei Beinpaare besitzen zapfenförmig verlängerte Hüften und fünf Fußglieder. Das letzte trägt zwei starke Krallen, die bei Arten, die an Vögeln saugen, an der Basis einen lappenartigen Fortsatz besitzen. Der langgestreckt ovale Hinterleib verengt sich zur Spitze hin etwas, er besitzt neun frei sichtbare Segmente. Die Kopulationsorgane der Männchen an ihrer Spitze sind für die Artbestimmung wichtig, da die Arten in ihrer Körpergestalt sehr ähnlich und sonst nur schwer unterscheidbar sind.
Beide Geschlechter der Kriebelmücken tragen einen kurzen Saugrüssel. Dieser wird nur von den Weibchen zum Blutsaugen eingesetzt. Der Rüssel der Männchen ist im Bau etwas vereinfacht. Beide Geschlechter saugen zur eigenen Ernährung Nektar aus Blüten, die Blutmahlzeit dient nur zur Bildung der Eigelege. Kriebelmücken sind Poolsauger; das bedeutet, sie reißen mit den Mundwerkzeugen eine kleine Wunde und saugen das aus verletzten Kapillaren austretende Blut auf, das sich in einer kleinen Blase unter der Haut ansammelt. Sie stechen also nicht, wie etwa die Stechmücken, direkt Blutgefäße an.
Der Stechrüssel besteht aus dem Labrum, dem Hypopharynx, den Mandibeln und den Laciniae der Maxillen. Beim Stechakt werden zunächst das verlängert dreieckige Labrum und der Hypopharynx vorgeschoben und gegen die Haut gedrückt. Dort werden sie durch am Ende sitzende Zähne verankert. Anschließend wird mit den gezähnten Mandibeln in einer scherenartigen Bewegung ein Loch in die Haut geschnitten. Das Labrum wird in die Wunde vorgestreckt, deren Seitenränder durch die Laciniae abgestützt werden. Die gezähnten Laciniae dienen zusätzlich zur Verankerung, so dass beim Zug der Muskeln an ihnen der gesamte Rüssel in die Wunde hineingezogen wird. Der messerartige, gezähnte lange Hypopharynx unterstützt das Eindringen weiter. Zwischen Laciniae und Labrum ist ein Nahrungskanal ausgebildet, durch den das Blut eingesaugt wird. Gleichzeitig wird durch einen Speichelkanal zwischen Hypopharynx und Mandibeln Speichel abgegeben, der die Blutgerinnung unterdrückt.
Eine Blutmahlzeit einer weiblichen Kriebelmücke dauert einige Minuten. Oft kommt es zu einem mehr oder weniger langen Nachbluten. Der Stich kann sehr schmerzhaft sein, vor allem wenn Nerven getroffen werden; manchmal wird er aber erst bemerkt, wenn durch den abgegebenen Speichel Juckreiz einsetzt.
Beide Geschlechter der Kriebelmücken sind Nektarsauger und fliegen entsprechend Pflanzen an, die große und offene Nektarien besitzen (etwa Weiden, Efeu oder Pastinak). Ausschließlich die Weibchen sind bei fast allen Arten zusätzlich Blutsauger an Vögeln und Säugetieren. Eine solche Blutmahlzeit ist notwendig zur Eientwicklung. Die Wirtsfindung geschieht sowohl durch eine Kohlendioxidspur (olfaktorisch) als auch optisch. Ist ein potentieller Wirt gefunden, wird zunächst ein Probebiss angesetzt; enthält die gefundene Flüssigkeit Adenosindiphosphat (ADP) oder Adenosintriphosphat (ATP), so setzt der Vollsaugvorgang ein. Dabei sind sowohl die Wirte als auch die Positionen des Saugvorgangs artspezifisch. So saugt Simulium equinum bevorzugt an den Ohrmuscheln von Pferden und anderen Großsäugern, Simulium erythrocephalum demgegenüber an der Bauchhaut der Tiere.
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Die Kriebelmücken bilden zur Partnerfindung Schwärme in der Nähe größerer dunkler Gegenstände (z. B. bei Bäumen). Dabei darf der Wind nicht zu stark sein (maximal 10 m/s), und die Lichtstärke muss über 5000 Lux betragen. Es werden keine Mischschwärme aus verschiedenen Arten gebildet. Der Mechanismus zur Erkennung der Artgenossen ist jedoch bislang unbekannt. Die Weibchen werden beim Überfliegen dieser Schwärme von unten von einem Männchen angeflogen, die Begattung beginnt direkt anschließend in der Luft und wird am Boden fortgeführt. In der Geschlechtsöffnung des Weibchens hinterlässt das Männchen eine Spermatophore. Bei einigen Arten kommt Parthenogenese, eingeschlechtliche Fortpflanzung ohne männliche Befruchtung, vor.
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Bei einigen Arten wird auch der Mensch als Wirt angenommen. Der Biss ist häufig schmerzhaft und hat eine lokale Blutverdünnung sowie Blutergüsse zur Folge, da mit dem Speichel der Mücke Blutgerinnungshemmer in die Wunde gelangen. Außerdem wird beim Biss Histamin in der Wunde freigesetzt, was nicht selten zu pseudoallergischen Reaktionen führt. Symptome sind Quaddel- und Knötchenbildung bis hin zu ausgedehnten Erythemen und Ödemen, begleitet von anhaltendem Juckreiz, gelegentlich schmerzend. Durch unkontrolliertes Kratzen kann eine Lymphangitis ausgelöst werden. Wiederholte Stiche führen zum Krankheitsbild der Simuliose (auch „black fly fever“) mit Kopfschmerz, Schüttelfrost, Übelkeit und Brechreiz, Anschwellung und Weichheit der Lymphknoten, akut schmerzenden Gelenken und Mattigkeit.
Beim Weidevieh kommt es nach häufigen Stichen gelegentlich zum Krankheitsbild der Simuliotoxikose durch eine überempfindliche Reaktion auf die im Speichel der Mücken enthaltenen Toxine. Schlimmstenfalls droht eine Blutvergiftung (Toxämie).
Bei Massenbefall können Kriebelmücken so den Tod von Weidetieren herbeiführen. Neben Herz-Kreislauf-Versagen und massiven Hautirritationen kommen die Tiere besonders infolge der durch die Parasiten verursachten Panik und damit verbundenen unkontrollierten Flucht zu Schaden. Vorbeugend werden daher an Sammelplätzen Insektizide eingesetzt. Besonders berüchtigt ist die Kolumbatscher oder Golubatzer Mücke (Simulium colombaschense) in den Donauländern auf dem Balkan.
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[Text-Quelle: Wikipedia]



