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Der Schwarzmilan oder Schwarzer Milan (Milvus migrans) ist ein etwa mäusebussardgroßer Greifvogel aus der Familie der Habichtartigen (Accipitridae). Im Gegensatz zum nahe verwandten Rotmilan (Milvus milvus), dessen Brutgebiet sich im Wesentlichen auf Europa beschränkt, hat der Schwarzmilan ein riesiges Verbreitungsgebiet, das neben großen Teilen der Paläarktis weite Bereiche des indomalaiischen Faunengebietes sowie Australasien einschließt. Entsprechend dieser weiträumigen Verbreitung werden bis zu zwölf Unterarten beschrieben, von denen meist sieben als allgemein anerkannt gelten. Unklar ist die Stellung der beiden gelbschnabeligen, in Afrika beheimateten Milane Milvus migrans aegyptius und Milvus migrans parasitus; sie werden sowohl als eigenständige Art Milvus aegyptius (mit der Unterart M. aegytius parasitus) als auch weiter als Unterart von Milvus migrans geführt.
Obwohl der Schwarzmilan auch in ausgesprochen trockenen Gebieten vorkommt, zeigt er meist eine starke Bevorzugung feuchterer Gebiete, beziehungsweise sucht die Nähe von Wasserflächen. Er ist ein Nahrungsgeneralist, dessen Nahrungsspektrum äußerst breit ist und neben Aas und Abfällen eine Vielfalt meist eher kleiner selbstgefangener Beutetiere umfasst. Die Art zählt zu den am weitesten verbreiteten Greifvögeln und ist gebietsweise die häufigste Greifvogelart. Obwohl regional Bestandsrückgänge zu verzeichnen sind, gilt sie weltweit als ungefährdet.
Die Geschlechter unterscheiden sich in der Färbung nicht. Auch der bei vielen Greifvögeln deutliche reverse Geschlechtsdimorphismus ist nur schwach ausgeprägt. Weibchen sind maximal 6 % größer und bis zu 17 % schwerer als Männchen.
Die Körperlänge ausgewachsener Vögel variiert je nach Unterart und Geschlecht zwischen 46 und 66 Zentimetern, die Spannweite zwischen 120 und 153 Zentimetern. Männchen der kleinsten und auch leichtesten Unterart M. m. affinis wiegen etwa 500 Gramm, die der größten Unterart M. m. lineatus etwa 850 Gramm. Die schwersten Lineatus-Weibchen können über 1000 Gramm wiegen.
Schwarzmilane sind sehr stimmbegabt und auch außerhalb der Balzzeit akustisch auffällig. Die Hauptrufe sind in Tonlage und Ausdruck äußerst variabel, so dass sie sich kaum transkribieren lassen. Je nach Stimmung kann es sich um sanfte, melodiöse Triller, um ein möwenartiges, leicht verdrießlich klingendes Miauen oder sogar um wiehernde Rufe handeln. Häufig singen Schwarzmilane im Duett.
Der Schwarzmilan hat als Nahrungsgeneralist und Nahrungsopportunist ein weitgefächertes Nahrungsspektrum. Er jagt lebende Beutetiere, ernährt sich jedoch ebenso von Aas und verschiedenen Abfällen, wie sie etwa in Schlachthäusern oder Fischfabriken anfallen. Auch Mülldeponien werden nach verwertbaren Resten abgesucht. Er kann lebende Beute bis zur Größe eines kleinen Hasen und lebende Fische fast bis zu seinem Eigengewicht erbeuten und davontragen, meistens sind seine Beutetiere jedoch kleiner.
Schwarzmilane sind Suchflugjäger. In einem langsamen, meist recht niedrigen Suchflug werden Beutetiere oder Aas erspäht und oft im Darüberfliegen mitgenommen. Lebende oder tote Fische werden so von der Wasseroberfläche aufgenommen und an einem geeigneten Ort gekröpft. Auch Vögel wie Krähen, Wachteln oder Rebhühner überrascht der Schwarzmilan meistens am Boden und trägt sie davon. Ähnlich verhält es sich bei Reptilien und Amphibien. Erfolgreiche Flugjagden auf Vögel wurden nur selten beobachtet, kommen aber vor.
Am Aas erscheint der Schwarzmilan oft als erste Vogelart. Er verwertet sowohl überfahrene Kleintiere auf Straßen und Autobahnen als auch gemeinsam mit großen Greifvögeln große Kadaver. M. m. parasitus und M. m. govinda haben sich zum Teil stark auf die Nutzung menschlicher Abfälle spezialisiert und erscheinen in großer Zahl auf Mülldeponien, auf Marktplätzen, in der Nähe von Schlachthäusern oder Fischfabriken, also überall dort, wo nutzbarer Abfall zur Verfügung steht. Auch Fischerboote im Küstenbereich werden von Schwarzmilanschwärmen verfolgt. Nicht selten werden Fleischstücke oder Fische von Marktständen weggetragen, es wurde sogar beobachtet, dass Schwarzmilane Menschen das Sandwich aus der Hand raubten oder sich Grillfleisch vom Grill griffen.
Wie andere Greifvögel folgen Schwarzmilane den Brandfronten von Wald- und Steppenbränden, um die fliehenden oder bereits verendeten Tiere aufzusammeln. Auch Schwärmen wandernder Feldheuschrecken folgen Scharen von Schwarzmilanen.
Häufig versuchen Schwarzmilane anderen Vögeln ihre Beutetiere abzujagen. Insbesondere betroffen davon sind Möwen und Bussarde. Möwen, Reiher, Ibisse, Störche und große Eisvögel werden zuweilen so lange belästigt, bis sie bereits verschluckte Nahrung wieder auswürgen.
Schwarzmilane sind tagaktiv. Die ersten Beuteflüge beginnen kurz vor Sonnenaufgang. Meist schon vor Sonnenuntergang suchen sie ihre Ruheplätze auf. Nur bei besonders günstigem Nahrungsangebot, zum Beispiel bei Massenauftreten des Maikäfers, bleiben sie bis in die späte Dämmerung aktiv. Die Mittagsstunden werden meist zur Gefiederpflege genutzt oder dösend verbracht. Während der Brutzeit übernachtet das Weibchen am Horst und das Männchen in dessen Nähe. Außerhalb der Brutsaison suchen die Milane Schlafbäume auf, wo sich Gesellschaften bis zu mehreren hundert Vögeln versammeln können. Schwarzmilane sind weitgehend gesellig und verteidigen nur die nähere Horstumgebung. Im Winterquartier sind die Zieher in der Regel nicht mit den dort residenten Unterarten vergesellschaftet, sondern bilden eigene Trupps, die weiträumig umherstreifen.
Die europäischen, zentral- und nordasiatischen Vögel verhalten sich gegenüber Menschen äußerst scheu und vorsichtig. Schon bei geringen Störungen streichen sie vom Horst ab und kreisen in größerer Entfernung von ihm.
Der Schwarzmilan gilt als die weltweit häufigste Greifvogelart. Seine Bestände sind nach Einschätzung der IUCN gegenwärtig nicht bedroht, obwohl es Hinweise für einen leichten Bestandsrückgang gibt. Die Populationen in Europa werden auf 130.000 bis 200.000 Tiere geschätzt. Genaue Zahlen über Populationsgrößen und exakte Einschätzungen der Bestandstrends außerhalb Europas liegen jedoch nur für Teilgebiete des riesigen Verbreitungsraumes vor, die für einige Populationen des asiatischen Russlands stark negative Bestandsentwicklungen befürchten lassen. In Europa hingegen wird die Art mit VU (= vulnerable) eingestuft. Dafür sind vor allem die Bestandsrückgänge in Spanien und in großen Teilen Ost- und Südosteuropas verantwortlich.
Uneinheitlich waren bis gegen Ende der 1990er Jahre die Bestandsverhältnisse auch in Deutschland: starken und mäßig starken Zunahmen in Niedersachsen, Bayern, Baden-Württemberg, Thüringen und Sachsen standen zum Teil nicht unbeträchtliche Bestands- und Arealeinbußen in Schleswig-Holstein, Berlin-Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern gegenüber.
Der älteste in freier Natur wiedergefundene Ringvogel war 24 Jahre alt. Einige Wiederfunde ähnlich alter Schwarzmilane belegen, dass die Art unter günstigen Bedingungen ein recht hohes Alter erreichen kann. Die tatsächliche Lebenserwartung ist für diesen Weitstreckenzieher jedoch bedeutend geringer. Etwa 40 Prozent der Schwarzmilane überlebt das erste Lebensjahr nicht. Mit zunehmendem Alter verringert sich diese Mortalitätsrate sehr deutlich.
[Text-Quelle: Wikipedia]
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°navigation auxilium°
… man könnte auch Navigationshilfe drauf sagen. Ab hier geht’s irgendwie weiter …





