°descriptio°:
Der Tigerschnegel (lateinisch Limax maximus), auch Großer Schnegel, Große Egelschnecke oder Tigernacktschnecke genannt, ist eine 10 bis 20 Zentimeter lange Nacktschnecke aus der Familie der Schnegel. Sie ist in Europa weit verbreitet und inzwischen fast weltweit in die gemäßigten Breiten verschleppt worden.
Der Tigerschnegel erreicht ausgestreckt eine Länge bis 13 cm, manche Autoren geben sogar eine Maximallänge bis 20 cm an. Er weist im Bereich des Mantelschilds auf hellgelbem, hellbraunem oder hellgrauem Grund ein unregelmäßiges Muster meist etwas länglicher Flecken auf. Auf dem Körper sind bei gleicher Grundfarbe die Flecken stärker gelängt und oft in Reihen angeordnet. Seitlich können sie sich nahezu zu dunkleren Binden verdichten. Die Zahl der Flecken schwankt aber stark und es kommen auch fast einfarbige, fleckenlose Exemplare vor (sog. „Varietät unicolor Heynemann“) oder albinotische Exemplare („Varietät candida Lessona & Pollonera“). Der Mantelschild nimmt etwa ein Drittel der Körperlänge ein. Der hintere Rand ist eng gerundet. Im Mantelschild hat sich noch ein kleines kalkiges, etwa 13 bis 15 Millimeter langes Schälchen erhalten, das dem Gehäuse der Gehäuseschnecken entspricht. Zwischen der Mittellinie und dem Rand des Mantelschilds können etwa 21 bis 26 feine Furchen gezählt werden. Die Fußsohle ist einheitlich cremefarben. Das Atemloch (Pneumostom) liegt auf der rechten Seite etwas hinter der Mitte des Mantelschilds. Es ist oft etwas dunkler umrandet. Der Kiel ist verhältnismäßig kurz und nimmt nur das letzte Drittel des Rückens ein. Der Schleim ist farblos und relativ zäh.
Der Tigerschnegel ist wie alle Schnegel ein Zwitter; jedes Tier verfügt somit jeweils über einen männlichen und weiblichen Genitaltrakt. Die Zwitterdrüse ändert Größe und Farbe mit dem Alter bzw. der sexuellen Aktivität der Tiere. Bei jüngeren Tieren ist sie groß und braun, bei älteren klein, zungenförmig und fast schwarz. Der lange, dünne Zwittergang ist kurz vor dem Eintritt in den Eisamenleiter stark gewunden. Die Eiweißdrüse (Albumindrüse) ist ebenfalls, dem Alter der Tiere entsprechend, unterschiedlich groß; je älter die Tiere, desto größer ist die Drüse. Der Eisamenleiter (Spermovidukt) ist lang, dünn und weißlich, der Penis walzenförmig, etwa halb körperlang und stark gewunden. Der Samenleiter verläuft wenig gewunden und ist mit dem Penis über den größten Teil der Länge durch ein dünnes Häutchen verbunden. Der Penis endet halbkugelig; der Endteil ist durch eine leichte Einschnürung etwas abgesetzt und ab dem Ansatz des Retraktormuskels leicht verdickt. Der Penisretraktormuskel setzt seitlich deutlich vor dem Apex des Penis an. Der Samenleiter mündet etwa auf gleicher Höhe wie der Retraktormuskel, aber auf der anderen Seite in den Penis. Die Samenblase ist klein und eiförmig mit einem kurzen Stiel. Der freie Eileiter ist mäßig lang, röhrenförmig und kurz vor der Mündung in das Atrium leicht erweitert.
Die Art war vermutlich ursprünglich in Süd- und Westeuropa beheimatet. Sie hat sich aber inzwischen in ganz Mitteleuropa – hauptsächlich wohl durch anthropogene Verschleppung – verbreitet und tritt mittlerweile auch in anderen Regionen der Welt als Neozoon auf. In Deutschland kommt sie in Auen, Gärten und Parks vor, ist aber auch in feuchten Kellern zu finden.
Die Art kommt auch auf Ischia (Italien) vor. Die Zeichnung der dortigen Lokalrasse ist punktartig, die Farbe dem Tuffstein angeglichen.
Die Tiere sind strikt nachtaktiv und verstecken sich tagsüber. Sie ernähren sich von Pilzen, welken und abgestorbenen, selten auch frischen Pflanzenteilen sowie von Aas und räuberisch von anderen Nacktschnecken. Der Tigerschnegel kann dabei Exemplare überwältigen, die ebenso groß sind wie er selbst. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden der Schwarze Schnegel (Limax cinereoniger) und der Tigerschnegel (Limax maximus) von vielen Autoren noch für eine Art gehalten. Um festzustellen, ob sich Limax cinereoniger und Limax maximus noch miteinander paaren können, unternahm Karl Künkel Zuchtversuche, indem er je ein Tier der einen und der anderen Art in ein Terrarium setzte. Die Versuche endeten jedoch immer damit, dass der Tigerschnegel den Schwarzen Schnegel auffraß oder zumindest anfraß.
Der Tigerschnegel tritt in Mitteleuropa nur in Populationsgrößen auf, durch die niemals die Kulturpflanzen spürbar geschädigt werden können. Er ist ein ausgesprochener Nützling, weil er sich nicht an lebenden Pflanzen vergreift, also keine Fraßschäden anrichtet, sondern frisst vor allem Nacktschnecken und deren Eier.
Von ganz besonderem Interesse ist auch der Schleim, welchen die Schnecken sowohl für ihre Fortbewegung (dünner) als auch für die Kopulation (dicker) produzieren. So soll er, leider im Detail noch nicht erforschte Wirkstoffe zur Warzen- und Gastritis-Behandlung beinhalten. Seiner Eigenschaft nach ist er enorm reißfest und stellt einen idealen Klebstoff dar.
Die Beschaffenheit des Schleims, den der Schnegel am Hinterende produziert, stellt in der Erforschung der molekularen Strukturen und Eigenschaften, ein ungeheures Potential für die Entwicklung neuer Polymere (biometrischer Stoffe) und deren Verwendung dar.
Die erste Eiablage erfolgt im Juli/August, die zweite im Juni/Juli des darauffolgenden Jahres. Pro Legeperiode werden zwei bis vier Gelege produziert. Diese enthalten etwa 100 bis 300 Eier je nach Größe und Ernährungszustand der Tiere. Die Eier sind kugelig bis leicht länglich; sie messen 4 bis 5 mm im Durchmesser. Die Entwicklung dauert je nach Temperatur zwischen 19 und 25 Tagen, in Extremfällen auch 45 Tage. Allerdings werden viele Eier durch Parasitenbefall (Nematoden, Milben und Fliegen) vernichtet. Die frisch geschlüpften jungen Tigerschnegel sind winzig und blass weiß. Erst nach einiger Zeit, etwa eine Woche später, bekommen sie die ersten Streifen und Bänder.
Der Tigerschnegel kann zweieinhalb bis drei Jahre und in Einzelfällen sogar bis zu fünf Jahre alt werden (wenn er denn nicht von rücksichtslos und tollwütig dämmerungsaktiven Fahrradfahrern totgewalzt wird …).
Der Tigerschnegel steht kurz vor der Aufnahme in die Liste der vom Aussterben bedrohter Tiere und durch die Wahl zum Weichtier des Jahres 2005 sollten schädliche Folgen für den Artenbestand vorgebeugt und die Allgemeinheit auf dieses besondere Tier aufmerksam gemacht werden.
[Text-Quelle: Wikipedia]
°illustrationen°:
°navigation auxilium°
… man könnte auch Navigationshilfe drauf sagen. Ab hier geht’s irgendwie weiter …



















