2017-05-10 – NSG Brinksknapp Recklinghausen

2017-05-10 – NSG Brinksknapp Recklinghausen

°descriptio°:

Zum Anfang unseres Spazierganges umhüllte uns der Wald mit seiner bezaubernden Stille. Ute hatte am Wegesrand direkt wieder mal ihre Augen auf die winzigen Bewohner gerichtet und wurde auch direkt fündig.

Ich hatte für den zweiten Versuch das Stativ auf dem Rücken und mich abgemeldet. Ich wollte bei frühem Sonnenstand nochmal ein Pano vom Hochmoor bauen. Das erste war mir vor vier Tagen nicht wirklich geglückt.

Auf mienem Alleingang begegnete ich im Morgenlicht dem Grünen Langfühler. Und aus der Ferne vernahm ich zuerst das laute Quäken von Fröschen und die Stimmen der anderen Teichbewohner. Beschaulicher geht’s nicht, so dachte ich bei mir …

Dann und zu meinem Entsetzen vernahm auch lauthalsiges Gequatsche von irgendwelchen Blitzbirnen, die mit ihren Drahteseln am Teich hielten und die Beobachtungsplattform belagerten.

Ein Graus !! Das ist pure Folter für mich !! Warum müssen sich Menschen nur so quälend laut Gehör verschaffen ?

Ich hatte aber auch keine Nerven, die enthemmten Schwachköpfe über ihr störendes Verhalten in der Natur zu belehren. Und hoffte, dass sich die Situation irgendwann für mich und meinen Seelenfrieden von alleine bereinigen würde.

Um den Schwachmaten zu deren Sicherheit nicht über den Weg zu laufen, nahm ich Kurs auf dem eigentlich nicht wirklich öffentlich zugänglichen Westweg, der in der Vergangenheit rund um das Gewässer führte und mitterweile zu Recht für den Pöbel gesperrt wurde. Zu meiner Schande gestehe ich, dass ich mich somit auch nicht besser verhalten habe, als die anderen Vollpfosten. Und dafür gibt es auch keine Entschuldigung. Auch wenn man noch so vorsichtig ist, so stört man doch und allein nur durch seine Anwesenheit als Mensch die Bewohner des Teiches. Die mich auch prompt entdeckt haben und sich aus meiner Nähe entfernten.

Ich hatte in einer Senke die erste große Wildschweinsuhle entdeckt. Das Gelände war von den Schweinen völlig durchwühlt. Darüber hatte ich mir bislang keine negativen Gedanken gemacht, hätte ich doch gerne mal die Schweine aus nächster Nähe vor die Linse bekommen. Ich musste aber aufgrund meiner Recherchen dann doch umdenken.

Denn Wildschweine sind nicht unbedingt sehr zuträglich ffür den Wald. Sie suchen sich Quellgebiete, die sie durchpflügen den Boden bis nichts mehr als nur Schlamm übrig bleibt. Winzige Lebewesen, die im Wasser der Quellen ihren Lebensraum haben, werden dabei vernichtet.

Und wenn der Schlamm auf den Schweinen getrocknet ist, scheuern die sich an Bäumen solange, bis die Rinde durchgewetzt  ist und der Baum dann schwer verletzt an den Beschädigungen eingeht. Ein langsamer aber sicherer Tod für den Baum.

Interessant zu wissen, dass Wildschweine auschließlich aus kommerziellen Gründen von jagdinteressierten Menschen an den Suhlen mehr als ausreichend angefüttert werden. An jeder Suhle stehen meist mehr als nur ein Hoch- oder Ansitz. Das Geschäft mit den Wildschweinen muss sich wohl gut lohnen. Zu Lasten des Waldes.

Genauso verhält es sich mit den Rehen. Wobei die wiederum eigentlich keine reinen Waldbewohner sind. Sie nutzen den Schutz des Waldes um sich vor den schießwütigen Trotteln zu verstecken. Und sind deshalb für uns normale Besucher nicht mehr sichtbar. Aber es gibt sie zuhauf. Und tagsüber haben die auch Hunger. Weil sie sich aber nicht auf ihre offenen Wiesen und Äcker trauen, gehen sie an Baumrinde. Die schmeckt zwar nicht so gut wie Gras, füllt aber auch erstmal den Magen. Und Wildverbiss lässt die betroffene und zumeist jungen Bäume einfach nur verkrüppeln. Und das sind nicht wenige Bäume, die darunter leiden müssen.

Unser Aufenthalt hatte heute nur bis gegen 14:00 Uhr gedauert. Ich musste um 15:00 Uhr in Herne sein.


°ego sententiam°

Ich war eigentlich doch froh, dass wir heute zeitig gestartet sind. Das ist doch irgendwie anders, wenn man das Licht in den Morgenstunden nutzen kann. Ich persönlich würde das wohl auch zukünftig so beibehalten wollen.

Der größte Vorteil, den ich dadurch sehe, ist aber, dass wir nicht zwangsläufig die Bekloppten-Rush-Hour mitmachen müssen; wenn der mit Narrenkappen behelmte Pöbel zumeist auf geländetauglichen Elektrofahrrädern mit frei laufenden Hunden, kreischenden Kindern und selbst völlig ungehemmt erscheint, sind wir dann schon entweder mal eben wech oder gar nicht mehr da.

Ein schöner Gedanke…


°illustrationen°:


print