°descriptio°:
Das Schatzi gab meinem Drängen nach und schlug vor, trotz der zu erwartenden Trophäen-Missernte hier mal wieder einen Blick auf den derzeitigen Stand der Dinge zu wagen.
Wir nahmen für den Hinweg die A43, um uns den Irrsinn des Stadtverkehrs zu ersparen. Mußten aber – und das war eigenltich auch zu erwarteen – feststellen, daß selbiger Sinn und Unsinn auch auf der Autobahn herrscht. Und es stellte sich mal wieder die aufdringliche Frage, welchen vordergründigen Sinn die Erweiterung auf je 3 Fahrspuren auf diesem bemerkenswert kurzen Abschnitt zwischen dem Kreuz Herne und der Anschlußstelle RE-Nord wohl haben möge. Bis auf ein teures Denkmal, was sich die dekadente Recklinghäuser Verwaltungsspitze damit setzt, bleibt kein weit tragender Sinn zu erkennen. Möglich wäre noch, daß sich die Reichsparteitagsspitze der sich anscheinend um sich selbst drehenden Stadt (deswegen wohl auch Kreisstadt) von dem in Höhe der Anschlußstelle RE-Mitte entstehenden Stillstands aufgrund der in RE-Nord beginnenden Verengung auf 2 Spuren einen entnervten Abfluß des Verkehrs auf die Hertener Straße in Richtung Palais Vest erhofft und somit die flüchtenden Ausflügler zu einem endlosen Konvoi rund um die Wälle und an der vermeintlichen Sehenswürdigkeit des pseudohistorischen Rathauses vorbeiführt. Daß die Ratsherren bereits in der jüngeren Vergangenheit eklatante Fehlplanungen durchgesetzt haben, belegt schon allein die Entscheidung, sich vor etwa 30 Jahren NICHT an das U-Bahnnetz anschließen zu wollen aufgrund der Befürchtung, daß die Kaufkraft der immer schon relativ unattraktiven Stadt in die angrenzenden Gemeinden abwandert. Diese Schwachsinnsentscheidung soll die werbewirksam deklarierte Gestaltung „Neue A43“ wohl wieder kompensieren.
Dabei wird augenscheinlich nur vergessen, daß RE dann von 3-spurigen Schnellstraßen umzingelt ist und die stinkende Kaufkraft an der demnächst ebenfalls hier zu erwartenden Umweltabschottungszone dran vorbeirauscht.
Es lebe der menschliche Wahnsinn. Er lebe hoch. Und das tut der. In 12.000 Metern Höhe wird der sogar fast kostenlos von A nach B geflogen, um sich in aller Welt als Neozoen ausbreiten zu dürfen.
Der Wahnsinn setzt sich im Kleinen dann beispielnehmend fort:
Unmittelbar nachdem wir den Panzer an der „Halter Pforte“ geparkt und uns für die Suche nach Waldesruhe startklar gemacht hatten, begann ein mit schwarzer Anzughose, weißem Kragenhemd und Schuhen aus Froschfotzenleder kostümierter Schwachmat anstatt mit einem vernünftigen Besen völlig unbedarft mit einem benzingetriebenen Laubbläser zuerst mangels Katalysators dessen Abgase und dann viel Staub zusammen mit ein paar von den Bäumen gefallenen Blättern von den Freiflächen der Gaststätte mit nervtötend lautstarkem Getöse in die umliegende naturgeschützte Atmosphäre zu verteilen.
Dieses behämmerte Arschloch war der gedanklich erste Tote des heutigen Tages. Nach 3 Minuten hat der Penner mich soweit auf die Robinie gebracht, daß ich umkehren wollte um ihm sein Gebläse ins Maul zu stopfen und einen Luftballon aus dem Trottel zu machen.
Ich besann mich und trat die Flucht an. Nach etwa 200 Metern war von dem Getöse nichts mehr zu hören und ich konnte zum Glück schnell wieder runterschalten. Ansonsten wäre der Tag hier ratzfafz gelaufen noch bevor der richtig angefangen hat.
Auf dem weiteren Weg bemerkten wir viele kleine und große blauschwarze Mistkäter, die allesamt auf dem Rücken liegend die letzten Zuckungen machten. Unsere Reanimationsbemühungen blieben erfolglos. Der Lebenszyklus der Käfer nahm unweigerlich sein Ende.
Ein an unserer auffällig von normalen Waldspaziergängern abweichenden Erscheinung interessierter älterer Herr, der sich im Verlauf des sehr netten Gesprächs als äußerst belesen erkenntlich gezeigt hat, stellte nach eigener Aussage aufgrund seiner regelmäßigen Spaziergänge fest, daß in diesem Jahr ein erschreckend deutlicher Rückgang der Mistkäferpopulation zu bemerken ist.
Und wir selbst fanden noch nicht einmal nur EINEN der ansonsten bevölkerungsstärksten Rüsselkäfer.
Dafür dann aber – und das stellte sich erst zuhause bei näherer Betrachtung heraus – eine Invasion von parasitären Wassermilben, die andere Insekten befallen und in die Knie zwingen.
Von Wassermilben befallene Weberknechte sind uns bekannt. Aber daß auch neuerdings u. a. Skorpionsfliegen befallen werden war uns neu.
Auf dem Weg zum Teich löste sich plötzlich mein Zuggeschirr. Der Gurt, mit dem ich den BollyTrolly am Gürtel hinter mir her ziehe, löste sich. Und bei Untersuchung der Ursache konnte keine gefunden werden. Der Gurt war nicht gerissen, die Aufhängung auch unbeschädigt. Ein Rätsel, wie das passieren konnte.
Und damit noch nicht genug: als die Stimmung mangels erwarteter Trophäen bereits auf den Tiefpunkt zu sinken drohte, bot sich dem Schatzi ersatzweise eine Spinne als Objekt der Begierde an. Und in dem entscheidenden Moment versagte die Ringleuchte ihren Dienst. Das war‘s dann für heute gewesen. Die Resignation kannte keine Grenzen mehr.
Bei späterer Untersuchung der Ursache des Blitzfunktionsausfalls stellte ich lapidaren Kabelbruch fest. Kann man reparieren, verkündete ich zuversichtlich. Was das Schatzi nicht davon abhielt, in verzweifelten Selbstvorwürfen aufgrund vermeintlicher Unzulänglichkeit im Umgang mit ihren Sachen zu vergehen.
Wir werden mal besser ’ne Nacht drüber schlafen und morgen sieht das alles schon wieder ganz anders aus.
Den Rückweg nahmen wir über die Landstraße. Aus dem Schaumburgkeller griff ich noch eben den Lötkolben ab und dann ging‘s ab nach Residenzia.
°loco°
Im Brinksknapp …
°ego sententiam°
Zuhause hat sich der emotionalbiologische Zustand des Schatzis auch nach stärkender Nahrungsaufnahme nicht wesentlich verbessert. Das konnte ich sehr gut nachvollziehen, weil ich mich gestern selbst in einem ähnlich vergleichbaren Zustand befand. Was kommt noch …?
°illustrationen°:
°navigation auxilium°
… man könnte auch Navigationshilfe drauf sagen. Ab hier geht’s irgendwie weiter …




































































