°descriptio°:
Der Name des Käfers klingt ja erst mal harmlos, wenn auch auf unser Grundnahrungsmittel bezogen dann doch etwas ekelerregend. Der hat einfach nix da drauf oder da drin zu suchen …
Und der geht da trotzdem dran. Vor allem an trockenes Brot. Die Edith (also des Schatzi’s Mama) hatte aufgrund ihrer Leidenschaft vor etlichen Jahren mal nem Bäcker ein „Deko-Brot“ abgeschwatzt. Das Ding war staubtrocken und steinhart und keinesfalls mehr für den menschlichen Verzehr geeignet. Noch nicht mal zuPaniermehl hätte man den Klumpen verarbeiten können. Aber als Deko kommt dann sowas gerade recht, denn da schimmelt und riecht nichts mehr. Kann also nicht ungesund sein, wenn man sich das ins Regal stellt. Und sieht zudem auch noch nett aus. So lebendig halt …
Und der kleine Käfer hatte zuvor schon beim Bäcker die gute Stube für sich entdeckt und seinen Kindergarten da eingerichtet. Was der Bäcker und die Edith natürlich nicht wissen konnten. Der Käfer ist so klein, den bemerkt man eigenlich gar nicht. Und die Larven schon mal überhaubt nicht.
Der Lümmel fällt erst auf, wenn der sich tüchtig vermehrt hat und dann zumeist an weissen Fensterrahmen krabbelt, weil’s da schön hell ist. Aber dann ist es auch fast schon zu spät, den Kampf gegen den vermehrungs- und flugfreudigen Krabbler aufzunehmen.
Ich kann mich noch erinnern, wie ich als kleiner Bub meine Mama kopfschüttelnd dabei beobachtet habe, wie sie ständig die Fensterbänke und -rahmen abgewischt und dabei was von kleinen Käfern gefaselt hat. Sie wusste wohl genau, was sie da tut. Und hatte panische Angst davor, dass die Plagegeister schlußendlich die Bude in Schutt und Asche legen könnten. Das hatte sie nämlich schon mal erlebt. Damals im Krieg wurde auch alles dem Erdboden gleichgemacht. Das muss man sich ja nicht nicht nochmal antun …
Unsere Käfer haben wir auch eingeschleppt. Mit Fischfutter. Das wir vom Torsten geschenkt bekamen. Eine sehr nette weil freundschaftliche Geste, die wir gerne angenommen haben. Aber in dem Substrat haben sich die Käfer eingenistet. Weil’s schön trocken und lecker ist. Und beim Öffnen der Packung zwecks Fütterung unserer Knochenhechtbarberitzenwelskrabben sind dann – zunächst von uns noch unbemerkt – der eine und andere Kollege stiften gegangen. Und wurden aufgrund ihrer dunklen Färbung erst am weissen Fensterrahmen entdeckt. Nach der Identifizierung ging dann die Suche nach dem „Nest“ los.
Alle Schränke haben wir – also das Schatzi – ausgeräumt und den Inhalt sorgfältig überprüft. Was äusserst zeitraubend und gar nicht so einfach ist, wenn das Augenlicht altersbedingt schon etwas nachlässt und sich solche kleinen und unscheinbaren Details nur äusserst schlecht erkennen lassen. Deshalb wäre meine Mitwirkung bei der Suche für alle Beteiligten zu einem nicht abzuwägenden Desaster ausgeartet und ich hab’s – auch der dringlichen Empfehlung des Schatzis folgend – lieber sein gelassen.
Schlußendlich wurden wir – also das Schatzi – dann doch fündig und konnten die Quelle des drohenden Unheils ausfindig machen. Im verschlossene Fischfutter befanden sich bereits fertige Käfer. Was darauf schließen lässt, dass die Eier und Larven bereits vor ihrem Umzug zu uns da drin gewesen sind. Als unerwünschter Beipack quasi.
Das Fischfutter haben wir in die graue Restmülltonne gekloppt. Eigentlich hätte ich das Zeug direkt im Hof verbrennen sollen. Das hätte aber zuviel Aufsehen erregt, so meinte das Schatzi. Ich höre ja mittlerweile auf ihre Einwännde und Ratschläge, um Ruhe und Frieden zu wahren …
°loco°
Im Schrank, in dem wir u. a. auch Fischfutter lagern und auf dem das Aquarium steht.
Die Fotos des toten Käfers habe ich im Esszimmer am Tisch gemacht.
°ego sententiam°
Solange wir die kleinen Krabbler draußen besuchen können – sofern die sich besuchen lassen falls denn überhaupt noch welche besuchbar sind – ist die Verhältnismäßgkeit gewahrt. Wenn die Bande aber meint, hier bei uns einziehen zu müssen um uns Tisch und Bett zu zernagen, hört der Spaß auf. Allerdings ist dem Brotkäfer schlußendlich mit beständiger Geduld und Wachsamkeit durchaus beizukommen. Dann muss man kein Chemie-Gift verspritzen, was einen dann letztendlich auch noch mit umbringt …
°illustrationen°:
°navigation auxilium°
… man könnte auch Navigationshilfe drauf sagen. Ab hier geht’s irgendwie weiter …














