2025-06-12 – Dattelner Meer

2025-06-12 – Dattelner Meer

°descriptio°

Der heutige erbarmungslose Einzug des Sommers, der der Wetterglaskugel zufolge nur bis Samstag andauern soll, um dann abrupt in einem Gewittersturm zu enden, ließ mich morgens noch frohlocken und mit Elan das Werkzeug für die geplante Expedition packen. Dass ich mit meiner überraschend weil für mich unnormalen positiven Grundstimmung etwas übertrieben habe, musste ich dann unterwegs zu meinem eigenen Bedauern bedauern. Zum Glück war ich nicht alleine und wir haben uns dann gegenseitig bedauert und uns vorgenommen, die nächsten Expeditionen altersgerecht und der körperlichen Grundverfassung entsprechend anzupassen, um doch noch ein Weilchen länger leben zu können.

Ich habe wohlmeinend meinem Ideenrausch folgend also heute mal die K-3 UND die K-70 und natürlich die Mini-Kamera eingepackt, um für den Fall der Fälle gewappnet zu sein. Insgesamt hat der Sack mit dem passenden Grundwerkzeug schlußendlich 12 Kilo gewogen. Wie in alten Zeiten, dachte ich mir stolz, als ich damit aus dem Haus zum Panzer wankte. Ich hatte euphorisch verdrängt, dass die glorreichen Zeiten, als ich mit dem großen Besteck auf dem Rücken stundenlang auf Knien rutschend u. a. nach Käfern, Wanzen und Pilzen suchend verbracht habe, und DAS schon etwas mehr als 7 Jahre zurückliegt, und ich in der Zwischenzeit den eigentlich ganz normalen biologischen Alterungsprozess mit all seinen Spielarten durchgemacht habe. Wobei ich glaube, dass ich schneller und stärker gealtert bin als andere. Diese Vermutung liegt immer morgens bei der Betrachtung meinerselbst im Spiegel nahe. Tagsüber isses mir dann wieder egal, weil ich vergessen habe, was ich da gesehen habe.

Mit der K-70 wollte ich eigentlich nur Glaskugeltricks ausprobieren. Die Kugel hat aber nicht immer unbedingt sofort das gemacht, was ICH wollte.

Weil das also alles nur im Ansatz funktioniert hat, hab ich die K-70 dann auf dem Stativ belassen und in Ruhe mal Landschaft geknipst. In Ruhe, ja, anders gings nicht. Denn spätestens nach jeden 50 Metern musste ich den Werkzeugsack vom Rücken nehmen, mich geradebiegen und die Pumpe wieder auf eine Schlagszahl von unter 100 bekommen. Hier am Kanal bekommt man nämlich im Notfall nur ’n Rettungsring zugeworfen. Und der wäre für meine Symptome keinesfalls zielführend hilfreich gewesen. So läuft dann auch die Angst vor dem ungeplant vorzeitigen Ende mit.

Dieser kleine Spaziergang ums Dattelner Meer, wie die Eingeborenen die Kreuzung der beiden Kanäle für den aussenstehend bewundernden Betrachter treffend bezeichnen, hat mich völlig fertig gemacht. Weil ich keine Kraft und keine Kondition mehr habe. Und das wird sich vermutlich auch nicht mehr wirklich verändern.

Was auch egal ist, weil nicht das Ergebnis sondern das Erlebnis zählt. Und das war heute mal wieder beeindruckend. Schon allein wegen der Strapazen, die ich mir selbst auf’s Auge gedrückt habe, um heroisch mutig und absolut selbstlos herauszufinden, was noch geht.

Glaskugeltricks funktionieren, das hab ich nach den residenzialischen Thronsaaltrockenübungen rausgefunden, und in der Feldstudienexpedition mal praxisnah angewendet. Verbesserungswürdig ist natürlich ALLES. Auch diese Glaskugelbilder. Und wie mit dem Fischaugenobjektiv wird auch der-mit-der-Glaskugel-übende (vielleicht) mal ein Meister.

Aber: wie immer ist der Weg ist das Ziel. Wie dieser heutige Spaziergang …

 


°loco°


°ego sententiam°

Die Erkenntnis, dass ich konditionell am Arsch bin, ist ja nix Neues. Aber das es SOOO schlimm um mich steht, hätte ich nicht gedacht. Zumindest wollte ich es bis zum heutigen Tag nicht in diesem Ausmaß wahrhaben. Mir war es sogar nach getaner Arbeit egal, dem Tode nah in einer Luxusfressbude abzusteigen um für 30 Taler Tschewappschitschi mit Djuwetschreis und Pommes zu fressen und zwei geplegt gekühlte Alster in mich rein zu schütten. Lecker wars wohl. Und für einen kurzen Moment auch wiederbelebend. Essen kann bekanntlich auch Leben retten. Aber die 30 Taler sind futsch. Egal. Ich könnte morgen tot sein. Und mit leerem Magen stirbt’s sich wohl noch unangenehmer.

Ich bin mit meinen Empfindungen nicht allein. Auch der Kalle hat unterwegs gelitten und sich als erste Amtshandlung zur Brandbekämpfung direkt zwei große kalte Bierbembel kommen lassen. Der erste kam gar nicht unten an, ist also in der Röhre noch vor dem Passieren des Durstknorpels verdunstet. Der zweite Bembel zeigte dann Wirkung und beruhigte direkt die altersschwachen Nerven. Als Belohnung gab’s dann ’ne Rutsche Julischka vom Haus. Die Jugos wissen, wie man Kunden ködert …

°supplementum°

Für Datteln nicht, aber hier am Kanal werd‘ ich bestimmt nochmal mein Schiff zu Wasser lassen, was hier aber nicht nachgetragen wird, weil es nix mit dem zu tun hat, was heute passiert ist.


°illustrationen°:



°navigation auxilium°

… man könnte auch Navigationshilfe drauf sagen. Ab hier geht’s irgendwie weiter …