°descriptio°
Am Morgen des 02.05.2026 ist mir auf dem Rückweg von Osnabrück auf der A2 vor der Abfahrt Suderwich der rechte Reifen geplatzt.
Es gibt keine Zeugen. Die Vorgeschichte und die bedeutsamen Einzelheiten kenne also nur ich. Und das wird auch so bleiben.
Die Karre war nach dem unfassbar lauten Knall nicht mehr zu halten, hat sich im Todeskampf noch gedreht, um dann mit der rechten Seite Kontakt mit der Leitplanke aufzunehmen. Jetzt weiss ich, dass die Dinger was aushalten. Der Panzer hingegen war noch mehr beeindrückt als ich. Gesehen hat das Missgeschick schlußendlich keiner, weil am Tag nach dem 1. Mai anscheinend ALLE ihren wohlverdienten Rausch ausschlafen wollten. Auf der blanken Felge rutschte ich die Abfahrt Suderwich runter und suchte in einem Feldweg Deckung, damit ich den Reservereifen aufschrauben konnte. Der ist so alt wie der Panzer selbst, sah aber noch brauchbar aus, hatte aber NICHT 279.000 Kiolometer gelaufen. Der geplatzte Reifen auch nicht. Aber das ist eine andere Geschichte.
Was ich erst als Blechschaden erhofft hatte, stellte sich dann Wochen später als kapitaler Unfallschaden heraus, der nur mit einem enormen finanziellen Aufwand beseitigt hätte werden können. Ein wirtschaftlicher Totalschaden also, wenn man den HIER in DE hätte reparieren lassen wollen.
Zu Beginn der zunächst als noch überschaubar eingeschätzten Reparaturüberlegungen hatte ich in Windeseile noch Ersatzteile beschafft: zwei gebrauchte identische Pellen auf Felge für vorne (120 Taler) eine hässliche Maske (100 Taler) und einen silbernen Kotflügel von einem ausgemusterten Polzeiauto (140 Taler). Die Teile hat am Ende der Akalaze quasi umsonst, also genau genommen geschenkt bekommen.
Bei genauer Überlegung hab ich mich also dann doch zur Euthanasie entschlossen und hoffe, dass sich eines Tages auch jemand mit mir so erbarmen möge.
Verkaufen konnte ich meinen treuen Diener heute für 950 Taler. 200 Taler wollte Dominik für seine fragwürdigen Reparatur-Bemühungen. Aufgrund deren schlampiger Ausführung und lieblosen Ergebnisses ich vor 20 Jahren garantiert ’n Fass aufgemacht hätte. Hinsichtlich des desolaten technischen Allgemeinzustands und dem stark vermuteten Motorschaden hab ich es aber unterlassen, und war nur froh, dass der Akalaze mit der anfänglichen Ansage, 1.000 Taler bezahlen zu wollen – durchweg Interesse gezeigt und heute den Kaufvertrag unterschrieben hat.
35 Taler hat der Zulassungsdienst für die Abmeldung beim Strassenverkehrsamt bekommen.
Bleiben unterm Strich also 355 Taler für ein neues altes Auto. Kein wirklich gutes Geschäft, wie ich finde, aber besser noch, als den Schrottwert zu bekommen. Für eine Tonne entkerntes Blech bekommt man nämlich im Moment 100 Taler. Der Panzer wiegt leer weniger als 1,5 Tonnen. Da hätte ich dann mit den Beerdigungskosten hoffnungslos draufgezahlt. Ich kann also und sollte auch zufrieden sein.
Es hätte schlimmer kommen können.
°loco°
In den residenzialischen Gemächern trauernd.
°ego sententiam°
Hinsichtlich meiner nachlassenden Kaufkraft und den unaufhaltsam steigenden Kosten ist der Panzer schlußendlich nur noch zur teuren Liebhaberei geworden, die ich mir nicht mehr leisten kann. Was ich vermutlich dann doch getan hätte, wenn der Unfall mich nicht gebremst und meine jetzigen Überlegungen befeuert hätte. Der Dämpfer kam wohl mal wieder zur richtigen Zeit. Manchmal muss man eben zu seinem Glück gezwungen werden. Und ich vermute mal ganz stark, dass meine Mäm da wieder ihren Einfluss hat spielen lassen, um mich vor Schlimmerem zu bewahren. Es wäre nicht das erste Mal gewesen, dass sie mir den Arsch gerettet hat …
°supplementum°
Die Überlegungen zum Kauf eines Ersatzfahrzeugs stecken zwar nicht mehr in den Kinderschuhen, aber ein Gebrauchtwagenkauf will wohlüberlegt sein.
Und weil das hier quasi ein seeehr kurzer Nachruf für den Panzer ist, wird hier an dieser Stelle auch nix weiter in der Richtung hinzugefügt.
°illustrationen°:
Gibt’s hier keine.
An verstorbene Angehörige soll man sich besser nur im Geist erinnern.
Erst wenn die im Herzen ihrer Hinterbliebenen sterben, sind die auch wirklich tot …
°navigation auxilium°
… man könnte auch Navigationshilfe drauf sagen. Ab hier geht’s irgendwie weiter …

