2017-05-25 – Blankenburg

2017-05-25 – Blankenburg

°descriptio°:

3. Tag

07.30 Uhr

Mitbringsel operativ entfernt

Zecken gibt’s, die gibt’s gar nicht !!

Die Drexviecher haben mich doch glatt am Vorabend beim unbedarften Rumkrauchen in Feld und Flur erwischt. Eine hat sich bei mir am Bauch festgesaugt und die andere hat mich am Unterschenkel knapp über dem Fußgelenk aufgeschlitzt. Und die haben bereits an mir genächtigt, während ich genächtigt habe. Widderlich der Gedanke, dass die an mir gegessen haben, während ich schlief.

Nur gut, dass das Schatzi die noch rechtzeitig bemerkt hat und die auch aus dem Fleisch  ziehen konnte. Wobei „ziehen“ nicht die korrekte Bezeichnung für das Entfernungsprozedre ist. Vielmehr hat sie die mit der Spitze meines kleinen Taschenmessers rausgepopelt, weil ich selbst an die Kollegen nicht dran kam, selbst wenn ich die bei ihrer winzigen Größe noch gesehen hätte. Ohne Hilfe wären die in mir drin gebliebn. Solange, bis die sich dick und rund gesaugt hätten. Bei dem Gedanken wird mir kodderich …

Aber raus ist raus. Und allein das zählt.

Diese zwangsläufige Unterbrechung unserer Reise hat zu einem unkalkulierbaren Zeitverlust geführt und mich komplett aus der Spur gebracht. Was auch dazu führte, dass wir unser Frühstück erst viel später als gewollt eingenommen haben.

 

09.00 Uhr

Frühstück

Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Weil ich aber schon vorher bestraft wurde, hatten wir zumindest beim Frühstsück mehr Glück. Die meisten Gäste waren bereits fertig mit Essenfassen. Aber es waren doch noch einige Langschläfer unterwegs, die selbst am Büfett noch nicht wach waren und mit ihrer schnarchenden Unentschlossenheit den reibungslosen Ablauf meiner Esslust gestört haben.

Die Zecken-OP und die Bekloppten reduzierten meinen Appetit leider nur auf das Notwendigste. Was den Vorgang der Nahrungsaufnahme an sich dann auch schneller ablaufen ließ. Somit hatten wir dadurch wieder etwas Zeit gewonnen. Auch gut. Hauptsache, der Magen hat was zu tun …

Nach dem Essenfassen eben schnell den Plunder gepackt und während ich die Bündel zur Kutsche zerrte, hat das Schatzi uns ordnungsgemäß bei der Empfangs- und Entlaßdame abgemeldet.

 

10.00 Uhr

Check-Out

Kurz und schmerzlos. Und Tschüß.

 

10.45 Uhr

Blauer See

Die Touri-Info gab Hinweise auf einen „Blauen See“. Der sollte naheliegend sein. Nur die blaue Farbe, die im Frühjahr durch Algen entsteht, war natürlich zu diesem Zeitpunkt nicht zu erwarten. Dafür war der See aber mehr so – naja – milchigbläulichgrünlichhellgepudert oder so.

Auf jeden Fall hatten auch noch andere Menschen die gleiche Idee. Weil ja Feiertach war im Lande Sachsen-Anhalt. Was den Besuch und Aufenthalt nicht einfacher, geschweige denn ruhiger und ungestörter werden ließ. Und uns dann auch zum zeitigen Abbruch unseres Aufenthaltes veranlasst hat. Das war uns dann doch alles etwas zu nah da…

 

13.30 Uhr

Irrfahrt

Das Navi hatte ich in Kombination mit OSM gestartet. Es sollte uns zu schöner Gegend führen. Ohne ortskundigen Führer ist sowas meist nur ein ziemlich hoffnungsloses weil ergebnisloses Unterfangen. Aber wir haben trotzdem unser Glück versucht. Und landeten weitab von Durchgangsstraßen und belebten Ortschaften in einer Gegend, in der ich am liebsten angefragt hätte, ob da nicht ’ne Scheune oder Hochsitz mit Schlafgelegenheit für mich zur Vermietung frei ist. Sowas von sensationell ruhig habe ich bisher nirgendwo (bewusst) erlebt. Und da wohnen tatsächlich Menschen. Ganz wenige aber nur. Also überschaubar. Denn wenn einer Krach macht, kann man den direkt identifizieren. Und dann isser raus. Praktisch isses …

Und obwohl wir uns (fast) ungestört inmitten von uns umgebender Naturschönheit tummeln durften, ohne selbst störend zu wirken, haben sich unsere Wünsche zur Entdeckung der dort von uns vermuteten Bewohner nicht erfüllt. Wir haben – bis auf einen Falter – dort nichts finden können. Und selbst den Falter konnten wir nicht wirklich als Trophäe einsammeln.

Auf dem Rückweg zur Durchgangsstraße kamen uns Trecker entgegen. Besetzt mit Vätern und deren Söhnen, die einen standesgemäßen Feiertagsausflug unternahmen und uns freundlich und gutgelaunt zuwinkten. Es hätte wohl keinen Sinn gemacht, die zu fragen, wo wir denn den einen oder anderen Käfer hätten finden können …

Wir haben dann irgendwann nach Durchquerung der hügeligen Landschaft auf der serpentinenartigen Piste einen freistehenden Hügel ausgemacht. Die sanfte Hügelkuppe konnten wir sogar über eine Treckerspur anfahren. Und der Panzer stand dann da in einer Senke getarnt und wir gingen zu einer Bank, die an einer Stelle steht, von der aus man nur noch die Seele baumeln lassen kann.

Was auf die Dauer dann aber auch zu langweilig wird und wir ja eigentlich auf der Suche waren. Nach einem Andenken-Panorama (mit der BimmelKnipse) haben wir dann versucht, das Gelände zu erkunden und zu entdecken. Windig war’s. Aber auch sonnig.

Der Wind hat die Wärme der Sonne weggeblasen. Die Haare auch. Und Insekten mögen wahrscheinlich auch keinen Wind. Zumindest die nicht, die da eigentlich wohnen. Wenn da welche wohnen. Wir haben so gut wie keine gefunden.

Es scheinen da oben aber heidnische Rituale gefeiert zu werden. Man hört ja auch soviel Skurriles von den harzigen Gebräuchen: Hexentänze, Zwergenfeuer, Drachenkämpfe und als das ganze Zeug, was Touris anlockt und Knatter in die deutschen Ostgebiete spült, weil mit normaler Arbeit hier fast nix mehr zu verdienen ist. Es sei denn, man hat Immobilien-Eigentum. Das wird von der Ossi-Regierung in Berlin immer noch tüchtig subventioniert. Soll ja zuhause alles Schick aussehen. Der Osten ist also tatsächlich nur noch mehr was für Rentner.

Auf der erklommenen Bergkuppe stand eine kleine Baumgruppe. Mehr so Sträucher waren es eigentlich, die noch Bäume werden wollten. Oder wegen dem Wind da oben nicht höher wachsen wollten/konnten. Im Gestrüpp der oberen Äste verbarg sich ein skelettierter Schädel, den wir erst gar nicht bermerkt hatten. Erst zuhause staunten wir beim Betrachten unserer Fundstücke nicht schlecht über das „Osterei“. Ich hätte den natürlich in meine Obhut genommen, wenn ich den vor Ort entdeckt hätte. Aber meine ungeteilte Aufmerksamkeit galten nur Wind und Sonne. Ich schaffte es nur gerade eben so, mir da oben unter erschwerten Bedingungen eine Raucherpause zu gönnen …

 

18.00 Uhr

Begrillung

Der Hunger (und der Wind) trieb uns von der Alm. Auf der Suche nach einer geeigneten Futterstelle – die meisten, die auf dem Weg lagen, sind wegen ihrer Lage, ihres Speisenangebots oder einfach nur wegen Überfüllung aus der Wertung gefallen – durchquerten wir den südlichen Harz auf einer traumhaften Straßenführung, die einfach nur Spaß machte. Ein Eldorado für Kradfahrer.

Und Radfahrer.

Die im Pulk von deutlich mehr als dreißig behelmten Volltrotteln aber ohne sichernde Geleitfahrzeuge mit ihren blöden Rennrädern die öffentliche Straße in voller Breite wie bei der Tour de France für sich eingenommen und damit hoffnungslos verkehrsunsicher gemacht hatten. Ich war soweit und hätte die Idioten beinahe von der Straße gefegt.

Das mit den Kradfahrern wusste wohl auch ein Betreiber einer Gastronomie, die mit direkter Zufahrt an der Straße lag und auf der zurückliegenden und mit Schirmen überdeckten Terrasse auf Blockbohlenmöbeln ausreichend Platz zum Verweilen bot, ohne vom Durchgangsverkehr was mitzubekommen.. Es sollte gegrillt werden. Zum Festpreis. Soviel wie man in sich reinschaufeln kann. Das hörte sich gut an. Wir sind drauf eingestiegen.

Während wir geduldig gewartet haben, bis der Grillmeister seine Glut im Griff hatte, füllte sich zusehends die Terrasse mit Kradfahrern aus aller Herren Länder. Es wurde dann doch etwas ungemütlicher unter sovielen Menschen. Die einem ja nichts tun wollten, aber allein durch ihre ungehemmte Geselligkeit Geräusche verursachen, die unsereins nicht mehr so gerne hat.

Wir haben trotzdem wirklich gut gegessen. Lecker war’s. Und erschwinglich. Uns wurde sogar ein Fotoalbum mit all den ganzen dort stattgefundenen Events gezeigt, auf die die Wirtsleute ganz besonders stolz waren. Und wir haben uns in deren Gätsebuch verewigt. Nette und äusserst gastfreundliche Leute sind das, die Polen …

 

19.00 Uhr

Rückfahrt

Die Sonne ging bereits hinter den hohen Harz-Hügeln unter. Es war natürlich noch taghell. Aber auf der Straße durch den Wald war’s dann doch schon deutlich dunkel.

Wie durch ein Tor verließen wir den Harz.

Wobei wir uns mit unserer Jagd nach Trophäen für unsere Fotosammlung dann doch in unseren Gefilden etwas besser auskennen. Als Gast haben wir aber trotzdem sehr schöne Eindrücke dieser einmaligen Gegend mitnehmen dürfen. Wenn auch kaum Trophänen dabei waren, so bleibt doch die Erkenntnis:

Schön isses hier. Und macht Lust auf mehr.

 

23.00 Uhr

Heimkehr

Müde und zufrieden erreichten wir unsere REsidenzia. Und sind ohne Umschweife direkt in die Heija abgetaucht.

Morgen isja auch noch ’ne Woche …


°ego sententiam°

Ein Kurzurlaub, der sich auch nur als solcher entwickelt hat, weil wir keine Plätze mehr als Teilnehmer beim Ritteressen bekommen haben, das uns von den Thronfolgern zu Weihnachten geschenkt wurde.

Und bevor die Gutscheine an Wert verlieren, hat das Schatzi sich dann gekümmert und eine sinnvolle Alternative gesucht.

Und gefunden.


°illustrationen°:


°navigation auxilium°

… man könnte auch Navigationshilfe drauf sagen. Ab hier geht’s irgendwie weiter …